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MotoGP 17 – Test / Review

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Veröffentlicht 4. Juli 2017 | 16:11 Uhr von Thomas Pfnür

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Milestone, was machst du nur mit uns? Jedes Jahr freuen wir uns aufs Neue. Jedes Jahr können wir es kaum erwarten, dass wir uns in spannend inszenierten Zweiradrennen aufreiben dürfen. Und jedes Jahr sind wir nach den ersten Minuten mit dem jeweils aktuellen MotoGP dann doch wieder irgendwie enttäuscht – zumindest zum Teil. 

Zugänglich, fordernd und wenig neu

Eine gute Nachricht gibt es: Spielerisch braucht man sich als Kenner der diversen Vorgänger weder umstellen, noch anpassen, geschweige denn einarbeiten. Warum? Weil es wirklich keine und zwar keine einzige wirklich auffällige Neuerung im Bereich Gameplay gibt. Milestone verwendet wohl nun schon seit Jahren immer und immer wieder die gleichen Sourcen, um uns ein einerseits zugängliches, andererseits aber auch in Teilen forderndes Spielgefühl zu vermitteln. Dies gelingt den Entwicklern übrigens auch mit MotoGP 17 wieder durchaus mehr als akzeptabel. Wer sich nicht unbedingt auf den zweirädrigen Rennsemmeln zuhause fühlt, dem werden unzählige Möglichkeiten an die Hand gegeben, aus einem kaum zu bändigenden Sportmotorrad, ein zahmes, sich wie auf Schienen fortbewegendes Spaßmobil zu machen. Wer die diversen Vorgänger kennt, weiß natürlich mittlerweile was es somit alles zum Einstellen bzw. Zuschalten gibt: Traktionskontrolle, Automatikgetriebe, Ideallinie usw. usw. – was der geneigte Gelegenheitsspieler erwartet, wird ihm auch geboten.

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Andersherum ist es natürlich auch im aktuellen Ableger wieder so, dass, wenn man sich voll auf das Abenteuer Rennzirkus einlassen will und deshalb alle Hilfen abschaltet, das Prädikat „fordernde Simulation“ auf MotoGP 17 absolut zutrifft. Alles wird berücksichtigt, vieles hat direkte Auswirkung. So natürlich auch, wie feinfühlig ihr mit Gas oder Bremse umgeht. Übrigens letzteres getrennt nach Vorder- und Rückradbremse. Ebenfalls nicht gerade unwichtig, wie geschickt ihr etwa seid, euren Fahrer in die Kurven zu legen, also wie gut ihr es schafft eine geschickte Gewichtsverlagerung hinzubekommen. Dies ist nicht nur mitentscheidend, um einer näheren Bekanntschaft mit Asphalt oder der spärlichen Botanik aus dem Weg zu gehen, sondern eben auch, um den Punkt zum Herausbeschleunigen genau zu treffen, der eure Konkurrenz sofort ein paar Meter bzw. ein paar Zehntelsekunden verlieren lässt. Und genau solche spielerischen Feinheiten erwarten wir von einer Simulation.

Aber weil wir gerade bei der Konkurrenz waren, die meist eh durch die CPU gesteuert wird: Ja, ihr arg gebeutelten Milestone-Skeptiker, die KI enttäuscht mal wieder komplett. Besonders traurig, sie enttäuscht nach dem bekannten Schema. D. h. wir dürfen uns wieder über diese Ideallinienbesessenheit ärgern, die einem mehr als einmal einen Freiflug über den Lenker beschert, wir dürfen uns wieder über Fahrmanöver der besonders dummen Art wundern, die uns häufig nur noch ein langes Kopfschütteln abverlangen können, und wir dürfen uns wieder von den teilweise unrealistischen Rundenzeiten genervt fühlen, die einem zu oft am eigenen Können zweifeln lassen.

Wo keine Änderungen vorhanden sind, gibt es natürlich viel Bekanntes, vieles, das uns ständig an die Vorgänger denken lässt. Die Wettereinflüsse sind viel zu wenig, meist gar nicht vorhanden, dafür hat die Abnutzung der Pneus auf das Verhalten der Rennmaschine durchaus bemerkbaren Einfluss. Der Abrieb auf der Strecke selbst ist hingegen nur optischer Natur, zumindest ist uns nicht aufgefallen, dass sich dadurch das Handling gravierend ändern würde. Und über das Strafsystem legen wir einfach mal den Mantel des Schweigens, schlicht, weil es nach wie vor überhaupt nicht nachvollziehbar ist. Schön hingegen und damit wollen wir das Thema Gameplay durchaus positiv beenden, dass es einige Möglichkeiten gibt, seine Maschine den Kursen anzupassen oder einfach nur schlicht aufzupeppen. Den Schraubern unter euch wird es sicher durchaus Spaß machen, über die diversen Modifikationen, das eine oder andere PS mehr aus den zweirädrigen Flitzern zu kitzeln.

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Karriere als Teammanager

Im Vorfeld besonders in den Fokus gerückt, sozusagen als die Neuerung des aktuellen MotoGP schlechthin angepriesen, wurde vom Publisher der Management-Modus. Hierbei wird euch die Möglichkeit gegeben als Team-Manager neue Aspekte des Rennsportes kennen zulernen. Verträge mit Sponsoren aushandeln, neue Motorräder auswählen, Fahrer anheuern und etwas spezielle Bereiche, wie etwa Ernährung, Entwicklung und Forschung, direkt zu verwalten bzw. zu managen, sollen euch einen anderen Zugang zum Spiel MotoGP 17 aufzeigen. Anfangs macht es auch Spaß mal mit einem neuen Blickwinkel an die Materie Motorradrennen heranzugehen und sich mit Aufgaben abseits von „Gas geben und Bremsen“ zu beschäftigen, leider verliert man selbigen, aufgrund der sehr oberflächlichen Inszenierung und den auf Dauer fehlenden Tiefgang, auch ziemlich schnell wieder.

Schade auch, dass sich am anderen Karrieremodus, also der normalen Fahrerkarriere, nur sehr wenig geändert hat. Immer noch müsst ihr hierbei den bekannten, leider immer noch sehr langweilig aufgebauten Weg gehen. Im Falle von MotoGP 17 heißt das, ihr erstellt euch einen Fahrer nach dem seit Jahren immer gleichen Baukastenprinzip, werdet danach im bekannten Schema von einem Manager angeheuert und startet zu guter Letzt einen extrem angestaubt inszenierten Karriereeinstieg in Form des neu integrierten Red Bull Rookies Cup. Entsprechend eurer Leistungen folgen nun Angebote von realen Teams oder aber es kommt sogar zu einem direkten Deal mit einem Sponsor. Leider fehlt es meist an der Nachvollziehbarkeit, d. h. was euch angeboten wird und welche Karriere ihr somit einschlagen könnt, scheint sehr vom Zufall abzuhängen. Grundsätzlich bringen euch Erfolge in Form von guten Platzierungen, aber auch das Erfüllen von bestimmten Herausforderungen innerhalb der Events, Credits, die ihr wiederum ins Team bzw. in eure Maschine investiert könnt. Ebenfalls wieder vorhanden die Fanbeliebtheit – ist selbige besonders hoch, könnt ihr bessere Sponsoren oder ggf. höher dotierte Verträge bei besseren Teams an Land ziehen.

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So schön es jetzt auch ist, Siege einzufahren und sich stetig weiterzuentwickeln, so traurig ist es aber auch, dass der Karrieremodus insgesamt immer noch ziemlich einfallslos designt wurde. Wo ist eine mitreißende Präsentation, die uns von Rennen zu Rennen zwingt? Wo sind die Geschichten innerhalb des Rennzirkus, die Spannung aufbauen? Wo ist das Intensive, vielleicht auch die Dramen eben um die Fahrer und Teams, die einem beim Spiel halten? Gibt es nicht. Stattdessen werden wir wieder, im seit Jahren bekannten, altbackenen Stil, mit ein paar wenigen Zwischensequenzen abgespeist, die es natürlich auch in MotoGP 17 wieder nur bedingt schaffen, uns über längere Zeit an die Karriere zu binden. Eine Saison und es wird schon schwierig sich nochmals aufzuraffen – das meiste hat man dann eh schon gesehen und ohne das nötige Drumherum wird Rennen auf Rennen, Herausforderung auf Herausforderung halt dann doch irgendwie öde.

Angeödet wird der eine oder andere auch sein, wenn ihm die fehlenden Neuerungen bei den sonstigen Spielvarianten auffallen. Ein schnelles Rennen, der simple Grand Prix, das etwas mehr fordernde Ausfahren der WM in einer der integrierten Klassen und das, auch im Split Screen mögliche, Zeitfahren, mehr findet man innerhalb des recht übersichtlichen Menüs dann auch schon nicht.

Online könnt ihr wieder mit anderen Spielern um die Bestzeiten fahren, ebenfalls einen einfachen Grand Prix bestreiten, in einer schnellen Saison um den Titel kämpfen oder euch in einer umfangreichen Meisterschaft richtig verausgaben. Und auch wenn dieser Bereich nur wenig Neues bietet, Spaß macht das Ganze immer noch und ist irgendwie sogar das Highlight, wenn man es denn so nennen will, von MotoGP 17. Nicht zuletzt auch deshalb, weil alles sehr sauber läuft und technische Probleme, zumindest während unserer Testsession, nicht wirklich auftraten.

In punkto Lizenz bekommt ihr auch 2017 wieder das volle Paket. Neben der namensgebenden Königsklasse MotoGP findet ihr auf der Blu-ray natürlich auch die aktuellen Nachwuchsklassen wieder. Alle Teams, alle Fahrer, alle Maschinen und alle Strecken der aktuellen Saison sind, komplett und originalgetreu, ins Spiel integriert worden. Aber ehrlich gesagt, etwas Anderes hätten wir jetzt auch gar nicht erwartet.

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Zurück in die Vergangenheit 

Wenn man sich aktuelle Rennspiele auf den entsprechenden Konsolen ansieht, kommt man schon arg ins Grübeln und gar nicht herum die Frage an Milestone zu stellen, weshalb ein MotoGP so viel schlechter aussehen muss. Sicher, das Design der Motorräder ist annehmbar und manchmal kann man es sogar bei der passenden Beleuchtung als richtig schön bezeichnen. Die Animationen der Fahrer sind durchaus realistisch, wenn auch manche Bewegungen leider etwas zu abgehackt auf den Bildschirm gezeichnet werden. Und das Spiel läuft weitestgehend flüssig in 60 FPS über den heimischen Bildschirm, Ruckler oder gar größere Ausfälle in der Framerate werdet ihr praktisch nicht zu sehen bekommen. Doch damit endet die Positivliste auch schon. Der Rest dessen, was uns hier so als „aktuelle Grafik“ angeboten wird, ist dieser Bezeichnung und somit natürlich auch einer PS4 kaum würdig. Die tristen Rennkurse, vor allem aber die mageren Details am Streckenrand und nicht zuletzt der schwache Hintergrund hätten kaum unzeitgemäßer integriert werden können. Wohin man auch blickt, es herrscht vor allem eines: Unscharfer Texturen-Matsch. Überhaupt wirkt alles sehr farblos und bieder. Das beginnt bei den schwachen Licht- und Wettereffekten und endet bei der trockenen Präsentation. Weil dies aber noch nicht genügt, muss man zu allem Übel auch noch mit langen Ladezeiten kämpfen. Dafür kann zumindest der Sound einigermaßen begeistern. Im aktuellen MotoGP dröhnen die 250, 600 und 800 ccm Motoren satt und, soweit wir das beurteilen können, durchaus realistisch aus den Lautsprechern, bei entsprechender Anlage fühlt man sich schnell, als würde man direkt neben der Strecke stehen. Ein wirklicher Lichtblick im Vergleich zu der sonst so schwachen Technik.

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Getestete Version: Playstation 4

 

Unser Fazit

64 %

MotoGP 17 kämpft, wie die diversen Vorgänger eben auch, vor allem damit, dass es weitestgehend an der Eigenständigkeit fehlt. Für sich gesehen, wäre die Rennspielumsetzung sicher nicht die schlechteste. Sie ist aber nun mal wieder ein stupider Ableger der Serie und damit verlieren selbst grundsätzlich gute Erweiterungen, wie etwa die Möglichkeit sich als Teammanager mit anderen Aspekten innerhalb der Rennsportszene zu befassen, doch enorm an Wert. Vom Groh der unveränderten Mittelmäßigkeit wird vieles einfach komplett geschluckt. Auch das an sich gute Fahrverhalten der Motorräder, was sowohl Spaß, als auch Forderung bringt, kann aufgrund der fehlenden Weiterentwicklung nur noch bedingt Begeisterung auslösen. Und die magere Technik, vor allem aber die schwache optische Interpretation eines aktuellen Rennspieles, erstickt dann sogar die letzten Versuche MotoGP 17 doch noch in höhere Wertungsregionen zu hieven. Trotzdem, wer etwas mit dem Thema Multiplayer-Rennen, vor allem auch Online, anfangen kann und der bisher noch nichts mit der Serie zu tun hatte, kann einen Blick riskieren – so schlecht, wie sich das auf den ersten Blick liest, ist MotoGP 17 dann auch wieder nicht. Und Spaß, das hatte ich ja schon erwähnt, macht der Titel bei entsprechender Erwartungshaltung auf jeden Fall auch.

Pro

  • + weiterhin leichter Zugang, …
  • + …aber eben auch vorhandene Forderung
  • + neuer Teammanager-Modus
  • + komplettes Lizenzpaket der MotoGP, Moto2 und Moto3
  • + über 200 Fahrer und knapp 120 Teams
  • + alle Rennstrecken der aktuellen Saison
  • + gut gelungenes Fahrzeugdesign
  • + satter Motorensound

Kontra

  • - nahezu unverändertes Gameplay
  • - schwache KI mit diversen Mängeln im Fahrverhalten
  • - in vielen Bereichen unveränderter Umfang
  • - langweilige Fahrer-Karriere
  • - vielen Standardmodi ohne Besonderheiten
  • - langweilige Präsentation
  • - veraltete Technik
  • - schwache Optik (Texturmatsch usw.)
  • - langen Ladezeiten

Unsere Bewertung

Grafik
 
69 %
Sound
 
79 %
Steuerung
 
75 %
Gameplay
 
68 %
Multiplayer
 
74 %
Spielspaß
 
65 %

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Als arbeitender Familienvater hat Thomas natürlich nur wenig Zeit, aber wenn dann halt mal doch, schreibt er mit großer Begeisterung mehr oder weniger Sinnvolles über alles was auch nur annähernd mit Sport zu tun hat.

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