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Murdered: Soul Suspect – Test / Review

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Veröffentlicht 22. Juli 2014 | 20:52 Uhr von Sandra

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Die Spielidee einen Geist, im nicht nur vorliegenden Fall das Überbleibsel eines ermordeten Gesetzeshüters, auf die Jagd nach seinem Mörder zu schicken, ist nicht neu. Ghost Trick: Phantom Detective von Capcom heißt das abgedrehte als auch durchaus bekannte Vorbild, welches es für Nintendos DS seit 2011 zu kaufen gibt. Gemeinsamkeiten? Eher wenige, denn die beiden Titel gehen in ihrer Ausführung ganz verschiedene Wege und haben am Ende nur den Konsens, dass ein toter Polizist seinen Tod aufzuklären hat.

Morbide, bunt und skurril …

… ist Murdered: Soul Suspect auf keinen Fall. Schon einmal eine klare Abgrenzung gegenüber dem Handheld-Vorbild. Die Titelfigur Sissel in Ghost Trick: Phnatom Detective ist ein mehr als merkwürdiger Cop und sein Darstellung, seine Optik und seine Handlungsfähigkeiten sind selten klassisch Geister typisch. Sie waren und sind eigen und finden sich nicht im gängigen Gruselrepertoire wieder. Schräg, gern mal absurd und irgendwie recht japanisch mutete vor drei Jahren Capcoms Versuch der anderen Welterkundung an. Anders dagegen Square Enix‘ Ronan O’Connor. Ein Typ, der auf den ersten Blick nicht zwingend wie ein klassischer Ermittler wirkt – mehr wie eine Werbesäule für einen Tattooladen. Dazu raucht der  gute Mann unablässig – auch als Geist und erst mit der Zeit offenbart sich – Achtung, Wortspiel – welch‘ geistig Kind er ist. O’Connor hat etwas einnehmendes, wenn er melancholisch an seine Zeit als Lebender zurück denkt, sich fragen stellt ob und wie er was hätte besser machen können und ganz nebenbei versucht dem Glockenmörder auf die Spur zu kommen.

Der Glockenmörder ist ein Serienkiller, der es vor allem auf junge Frauen abgesehen hat, zuletzt eben auch O’Connor um die Ecke brachte. Das Ganze geschieht in Salem, Massachusetts, ein für derartige Geschichten gern genommener Ort. Man denke nur an Stephen Kings „Brennen muss Salem“ oder auch Filme wie die „Hexen von Salem“ (1957) oder „The Lords of Salem“ (2013), um ein paar Beispiele zu nennen. Salem steht für das Übersinnlich im normalen Wahnsinn des Alltags, ideal also um als Schauplatz für eine solche Geistergeschichte zu stehen.

Murdered: Soul Suspect

 

Schwermütiger Einstieg

Ronan O’Connor macht es einem nicht leicht und er tut zu Beginn augenscheinlich alles, damit kein gesteigertes Interesse entsteht sich mit ihm anfreunden zu wollen. Aber das ist mehr Schein als Sein. Ronan und seine Geschichte, die mit ihm mehr oder weniger verknüpften Ereignisse, vergangene wie zukünftige, schleichen sich ganz leise von hinten an und überfallen den Spieler schlagartig mit dem Ergebnis, dass man gar nicht anders kann als immer noch ein bisschen weiterzuspielen. Dabei bedient sich Murdered: Soul Suspect durchaus verschiedener Geister-Grusel-Klischees, die jedoch allesamt ordentlich und überzeugend eingearbeitet sind. Allein die Locations sind das allseits bekannte „who is who“ üblicher Geisterortschaften: Kirche, Friedhöfe, Museum und auch das Polizeirevier erweist sich als wenig einladender Bereich. Hinzu kommt noch ein junges Mädchen, dass sich zusammen mit der Frau Mama als Medium verdient, wobei der Spross wenig Lust auf diese übersinnliche Gabe zu haben scheint. Am Ende wird sich jedoch erweisen, dass die Fähigkeit mit Geistern zu sprechen, in dem Fall mit O’Connor, seine Vorteile hat. Joy, das junge Medium, und Ronan, profitieren – na klar – nachhaltig voneinander. Er hilft Joys Mutter wiederzufinden und Joy wiederum sorgt dafür, dass Ronan den Übertritt ins andere Reich schaffen und damit zu seiner Frau Julia zurück kehren kann. Bis es jedoch so weit ist, gibt es ein bisschen was zu tun und so ganz nebenbei offenbart sich noch, welche Rolle das kleine, unscheinbare Puritaner-Mädchen Abigail spielt.

Murdered: Soul Suspect

 

Gesprächige Geister, polizeiliche Rätsel und Dämonen

Wie erwähnt, der Einstieg ist etwas Dröge, schwerfällig, versteht sich jedoch als unabdingbares Tutorial. Zu wissen, wie man als Geist ermittelt, außerdem lernt durch Türen zu gehen, Gedanken zu lesen oder gar andere zu beeinflusse und sei es nur durch Poltergeistern, braucht seine Zeit. Grundlegende Aktionsmöglichkeiten werden von Anfang vermittelt, weitere, ergänzende Fähigkeiten anwendbar in der Zwischenwelt gesellen sich mit der Zeit hinzu. O’Connor ist unbewaffnet in der Geisterwelt. Schießprügel und derlei Geschichten gibt es nicht für Geister. Ronans Waffe ist der Verstand, seine Kombinationsgabe und später auch die Fertigkeit zu fokussieren und auf diese Weise Dämonen, die ihm das Leben gerne mal schwer machen, zu erledigen. Und ja, Dämonen sind nervig und an manchen Stellen haben es die Entwickler zu gut mit diesen Zeitgenossen gemeint. Ein paar weniger Dämonen und alles hätte gut sein können. Aber nö, die blöden Biestern tummeln sich im Apartmenthaus genauso wie in der Kirche und auf dem Friedhof und im Polizeirevier und, und, und …

Abgesehen von den Dämonen sind die Spiel- als auch Rätselaufgaben ordentlich, meistens logisch und mit etwas Kombinationsgabe gut zu lösen – selbst dann, wenn sie auf den ersten Blick nicht immer gleich ersichtlich sind. Neben den Hauptaufgaben gibt es auch den einen oder anderen Nebenquest. Dabei hilft Ronan anderen Verstobenen Frieden zu finden. Gut gelöst ist, dass Items, die es für die Lösung dieser Herausforderungen braucht, fast immer im unmittelbaren Umfeld des betreffenden Geistes zu finden sind. Anders dagegen die ebenfalls zahlreich vorhandenen Sammelitems, die sich nicht nur an den verschiedenen Locations aufspüren lassen, sondern auch in ganz Salem verstreut sind. Leider lassen sich nicht alle Sammelobjekte immer und zu jeder Zeit aufheben und mitnehmen. Für das eine oder andere Stück braucht es erst bestimmte Fähigkeiten, um es erreichen zu können.

Murdered: Soul Suspect

 

Heiter bis wolkig und ein paar vereinzelte Nebelfelder

Salem offenbart sich Häppchenweise. Anfänglich ist der Aktionsradius klein gehalten, neue Bereiche können erst nach einem bestimmten Ereignis betreten werden. Das sozusagen Freischalten der neuen Bereiche ist an den Story-Verlauf geknüpft. So kann beispielsweise die Tankstelle und damit das Polizeirevier erst erkundet und gespielt werden, wenn es die Geschichte vorsieht. Einmal offen gelegte Areale können – bis auf das Museum – jederzeit wieder betreten werden. Gut zu wissen für alle jene, die alle Sammelgegenstände finden wollen.

Wer sich auf Ronan O’Connor und seine Geschichte einlässt, wird sich recht schnell dabei ertappen, dass die Neugierde obsiegt und es nicht nur darum geht Cassandra, Joys Mum, oder den Glockenmörder zu finden. Es macht viel zu viel Spaß mit anderen Geistern zu reden, von Lebenden Besitz zu ergreifen und in ihren Gedanken zu schnüffeln und auf diese Weise auch mehr über Salem und seine Bewohner zu erfahren. Aber auch Ronans Gedanken, wenn ein Ermittlungsfortschritt erzielt wurde, vertiefen die Verbindung zwischen Spieler und Figur und wecken das Interesse herausfinden zu wollen, warum O’Connors Frau tot und der Glockenmörder so mies drauf ist und jungen Frauen das Leben nimmt. Und was zum Teufel hat Javle „Rex“ Reyes (Chefermittler und Ronans Schwager) oder auch Officer Baxter (konnte Ronan zu Lebzeiten nicht besonders gut leiden) mit der ganze Sache zu tun. Fragen über Fragen, deren Antworten finden zu wollen ein steter Motor ist und dafür sorgt am Geschehen dran zu bleiben.

Murdered: Soul Suspect

 

Der Verlauf von Murdered: Soul Suspect und das damit verbundene Leveldesign entspricht der Beschreibung linear, auch wenn man sich in Salem selbst etwas verlaufen kann, da einem in der Stadt so etwas wie eine offene Welt suggeriert wird. Ärgerlich ist dieses verzweigte Straßennetz am Ende aber nur dann, wenn es um das Suchen und Finden der vielen Sammelitems geht. Ansonsten ist eine durchaus gute Übersicht gewährleistet, und das immerhin ohne ergänzende Karte oder ähnliches. Speziell Bereiche wie die Kirche, die Irrenanstalt oder auch der groß angelegte Friedhof besitzen fürs erfolgreiche Vorwärtskommen eine Art imaginären roten Faden.

Ronan O’Connor ist ein gutaussehender Typ und auch die Spiele relevanten Charaktere wissen durch die Bank weg zu gefallen. Je wichtiger für die Geschichte, desto besser sind sie in Szene gesetzt. Randfiguren hingegen erweisen sich irgendwie als zweite Garde. Gleiches gilt dabei auch für das Stadt- und Locationbild. Gesamt muss sich die Grafik jedoch nicht verstecken, allerdings ist sie auch noch etwas davon entfernt „next Gen“ zu sein  – wie immer man das am Ende persönlich definiert, denn was der eine als „next Gen“ ansieht, ist es für den anderen vielleicht gar nicht. Beim Versuch es objektiv zu betrachten, was wir an dieser Stelle tun, gibt es an der Stadt Salem per se einmal nichts auszusetzen. Dass die Geisterwelt aus der Sicht von O’Connor mit schweren Graustichen zu kämpfen hat, kann man positiv wie negativ sehen. Als Ganzes betrachtet, passt der leicht rauchschwadige Look durchaus gut zum Konzept. Abwechslung ist aufgrund der verschiedenen Areale geboten. Die Animationen sind weitestgehend sauber und gefallen. Clippings oder sonstige unschöne Grafikfehler haben wir selten bis gar nicht ausmachen können. Steuerungstechnisch gibt es, bezogen auf die Playstation 4-Fassung (unsere Testversion), nichts zu beanstanden. Und selten genug kommt es vor, aber Murdered: Soul Suspect kann sich bei der Sprachausgabe sowohl in Englisch als auch in Deutsch definitiv hören lassen.

Unser Fazit

81 %

Murdered: Soul Suspect ist ein gutes Spiel, das seine Zeit braucht und sich entwickeln muss. Die ersten 1-2 Stunden können – sofern man nicht unbedingt Adventure erprobt ist - ermüdend, fast schon langweilig wirken. Wer das allerdings überwindet und vor allem zu schätzen weiß, dass es ohne „Krach-Boom-Bäng-Michael-Bay-Zerstörungs-Schieß-und-Kill-Action“ zur Sachen gehen kann, ist mit Ronan O’Connors Geschichte absolut gut aufgehoben. Wer alles erkundet, sich umschaut, neugierig ist und sich vor allem von der grandiosen Atmosphäre packen lässt, wird mit guten 10-13 Spielstunden (je nach vorhandenem Spielerskill) belohnt. Auch wenn zum Ende hin selbiges mehr und mehr vorhersehbar wird, so ist das Finale trotzdem eine coole Sache und der Weg dahin, ja, der ist zweifelsfrei Wert gespielt zu werden. Murdered: Soul Suspect ist ein schöner Beweis dafür, dass das Adventure-Genre Gott sei Dank noch nicht ausgestorben ist. Bitte mehr davon!

Pro

  • + interessant gezeichnete und dargestellte Charaktere
  • + stimmige und in weiten Teilen mysteriöse Geschichte
  • + Ronan O‘Connor
  • + atmosphärisch überzeugend
  • + gutes Handling/Steuerung
  • + sehr gute deutsche Synchronisation
  • + saubere, wenn auch nicht herausragende, Optik

Kontra

  • - Spielzeit hätte noch einen Tacken länger sein dürfen (gesamt jedoch moderat ausgefallen)
  • - zu viele Dämonen (hätte man ganz weg lassen können)
  • - Sammelitems und deren Verwaltung etwas chaotisch

Unsere Bewertung

Grafik
 
78 %
Sound
 
85 %
Steuerung
 
80 %
Gameplay
 
80 %
Multiplayer
 
00 %
Spielspaß
 
85 %

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Leben, lieben, lachen – spielen! Die Pixel und ich sind seit Anfang der 80er Jahre beste Freunde. Mit einem Schneider CPC fing alles an – der Rest ist Geschichte ^-^ Ich mag sie - fast - alle: J-RPGs, Shooter, Action, Adventure, Puzzle… Bei der Achievement/Trophy-Jagd helfe ich euch gerne, selbst sind sie mir nicht so wichtig ;-) Außerdem liebe ich Katzen, mag Action- & Horror-Filme, bin ein Netflix- /US-Serien-Addict und Musik (Metal, 80er, Dance, Oldies, etc.) ist das Nonplusultra (für mich ;-))!

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