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Narcosis – Test / Review

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Veröffentlicht 6. August 2017 | 17:59 Uhr von Alexander Winkel

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Lichtlos und doch faszinierend: Die unglaublichen Abgründe der Tiefsee sorgen nicht nur bei Forschern für eine unbändige Faszination, auch in Videospielen werden derartige Szenarien immer wieder aufgearbeitet. Von Abzû bis hin zu Bioshock, der Weg führte schon mehrfach unter die Wasseroberfläche. Auch Narcosis wagt sich in derartige Gefilde und offenbart ein bedrückendes Szenario, schockierende Erlebnisse und liefert eine klaustrophobische Stimmung. Wie schockierend ist das Abenteuer und lohnt sich der Sprung ins kalten Nass?

In Narcosis werden die schockierenden Ereignisse der Unterwasser-Station und dem angehörigen Forschungslabor von Oceanova rekonstruiert. Nach einem verheerenden Erdbeben kämpften die wenigen noch am Leben befindlichen Bewohner der Station um das nackte Überleben. Nicht nur die Außenanlagen wurden durch das Beben und die daraus entstandene Druckwelle zerstörte, auch die Unterwasser-Habitate haben deutliche Schäden genommen und sind dank des Wasserdrucks in einem bedenklichen Zustand. Das menschliche Leben in dieser Basis wurde durch das unvorhersehbare Ereignis nahezu vollkommen ausgelöscht, fortan übernimmt die Unterwasserwelt den Bereich, mit aggressiven Fischen, ekligen spinnenartigen Biestern und anderen Gefahren.

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Die Hintergründe werden geschickt aufgearbeitet. Ein Überlebender von Oceanova befindet sich einige Zeit nach den traumatischen Erlebnissen im Studio eines Radiosenders und stellt sich den Fragen einer Reporterin. Dadurch wird das, was der Spieler nun unter Wasser erlebt, gekonnt in Szene gestellt und es werden auch schockierende Anekdoten offenbart. Nicht selten wird mit brüchiger Stimme berichtet, wie ein Freund und Mitmensch den Gewalten der Unterwasserwelt zum Opfer gefallen ist, ohne dass auch nur ein Hauch einer Chance bestand, diesen zu retten. Szenen, die man keinem Menschen wünscht, die schwierig zu verarbeiten sind und die noch schwieriger in einem Interview offenbart werden. Die Art, wie Narcosis das Unglück aufarbeitet ist einzigartig und weiß zu gefallen.

Parallel folgen wir den unglaublichen Ereignissen. Unterwegs auf einer Forschertour im behäbigen Tiefseeanzug verlieren wir bereits den ersten Kollegen während der Schockwelle des Bebens und kämpfen uns fortan durch das unwegsamem Areal bis zur Forscherbasis. Anschließend gilt es, eine Rettungskapsel zu finden, um den Weg zur rettenden Wasseroberfläche anzutreten. Nachdem die meisten Einrichtungen des Unterwasser-Habitats nahezu vollständig zerstört wurden, ist dies kein leichtes Unterfangen. Es gilt fehlgeleitete Sicherungen ausfindig zu machen, Mechanismen in Gang zu setzen und somit das Überleben zu sichern.

Auszeichnend für Narcosis ist letztendlich die bedrückende Stimmung. Beständige Dunkelheit sorgt für eine erschauernde Gänsehaut, welche nur durch Fackeln ausgeleuchtet werden kann. Die Lampe am Tiefseeanzug wirft nur ein schwaches Licht und reicht, um den nächsten Stein oder kurz vor knapp noch den Abgrund vor den Füßen zu erkennen, welche düstere Gefahren das unwegsame Terrain jedoch in der Dunkelheit birgt, bleibt verborgen. Klickende und klackende Geräusche lassen erahnen, dass spinnenartige Biester in der Nähe sind und manch andere Geräusche lassen uns aufschrecken. Es herrscht eine klaustrophobische Stimmung, die nicht vor Schockmomenten zurückschreckt. Wesentlicher Bestandteil sind auch die flatternden Nerven des Protagonisten, denn nicht selten spielen Halluzinationen unter Angstschweiß eine tragende Rolle und bringen und hin und wieder aus der Fassung.

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Wie muss es sein, völlig allein tief in den Meeren mit nur wenig Aussicht auf eine Überlebenschance? Der Marsch durch das Terrain ist schwerfällig – so stellt man sich dies schließlich auch mit einem Tiefseeanzug vor – und daher gemächlich. Ein kurzzeitiger Schub sorgt für eine Möglichkeit, kleinere Abgründe zu überqueren. Die Handhabe mit dem Gamepad ist etwas ungewohnt, da der rechte Stick die Sicht des Protagonisten beeinflusst und der linke die Bewegungsrichtung. Sicherlich ein Kompromiss, die Immersion der VR-Technologie auf normale TV-Geräte zu übertragen. Denn innerhalb des Helmes finden sich die wichtigen Vitalfunktionen, der Sauerstoff-Vorrat und die Energie für den Schub. All das würde man mit einer Oculus VR Brille anderweitig betrachten, kann hier mit einem Blick mittels des rechten Sticks aber ebenso gesehen werden.

Hat man sich daran gewöhnt, bewegt man sich ebenso zielgerichtet durch die Areale. Leider wirkt der lange Marsch sehr schnell eintönig und monoton. Der Spannungsbogen wird einzig allein durch das übrigens in Englisch gehaltene Interview (deutsche Untertitel) aufrecht erhalten. Spätestens im Habitat von Oceanova verbinden wir die erzählerischen Eindrücke mit dem Leben der Forscher, da sich hier viele Fotos und Wohnungseinrichtungen finden, die uns daran erinnern, dass bis vor kurzem das menschliche Leben in diesen Räumen pulsierte. Dennoch fehlte uns das gewisse Etwas, um vollkommen überzeugen zu können. Da kann auf das grandiose und unerwartete Finale nur kaum etwas am Eindruck rütteln, auch wenn man den Hut vor dieser Entscheidung ziehen muss. Gelungener kann man das bedrückende Interview nicht mit den Spielerlebnissen in Verbindung bringen.

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Getestete Version: Xbox One

Unser Fazit

69 %

Der Ausflug in die Unterwasserwelt und das zerstörte Labor von Oceanova hat durchaus seinen Reiz. Geschickt werden die schockierenden Ereignisse innerhalb eines Radiointerviews verarbeitet, welches unseren Tripp in die Untiefen der Meer begleitet. Es herrscht eine beklemmende, beängstigende Stimmung und immer wieder sorgen die Meeresbewohner für rasende Herzen - auch beim Protagonisten, der nicht selten Schockmomente und Halluzinationen durchmachen muss. Die Immersion der auf VR Erlebnisse ausgelegten Spielmechanik ist natürlich nicht so intensiv auf einem normalen TV-Gerät, kommt aber noch immer recht gut rüber. Leider sorgen Längen für ein Abflauen des Spannungsbogens und letztendlich wirkt Narcosis auf Dauer etwas monoton. Es ist sicherlich kein schlechter Titel, aber auch kein herausragendes Abenteuer. Letztendlich ein grundsolides Spiel mit einem grandiosen Finale.

Pro

  • + Gelungene Atmosphäre mit bedrückender Stimmung
  • + Die Ereignisse werden äußerst gelungen durch ein Radiointerview aufgearbeitet
  • + Stimmungsvolle Soundkulisse

Kontra

  • - Spielablauf wird von Zeit zu Zeit äußerst monoton
  • - Dank des Tiefseeanzugs nur sehr behäbige Fortbewegung möglich
  • - Die hohe Immersion von VR Technologie geht ein wenig verloren
  • - Nur wenige wirkliche Feinde und auch der Sauerstoffvorrat ist ausreichend üppig
  • - Kaum Wiederspielwert

Unsere Bewertung

Grafik
 
75 %
Sound
 
80 %
Steuerung
 
70 %
Gameplay
 
60 %
Multiplayer
 
00 %
Spielspaß
 
65 %

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Aufgewachsen mit der ersten Nintendo-Konsole, fühlt sich Alexander Winkel eigentlich auf allen Plattformen heimisch. Trotz seiner offensichtlichen Hingabe zur Xbox – die vielen Gamerscore Punkte erspielen sich nicht von selbst – lässt er seine Schreibwut an allen Videospielen aus, unabhängig vom System.

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