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NBA 2K17 – Test / Review

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Veröffentlicht 21. Dezember 2016 | 16:21 Uhr von Thomas Pfnür

NBA_2K17_Draymond_Green

Wie soll man ein fast perfektes Spiel noch verbessern? Man nehme das geniale Spielgefühl des Vorgängers, gibt ein paar kleine Anpassungen beim Umfang hinzu und verpackt das Ganze in eine ansehnliche Optik. Neues Cover erstellt, neuer Titel aufgedruckt, fertig ist das neue Vollpreisprodukt. Das bekannte Sportspiel-Rezept geht bei NBA 2K17 mal wieder komplett auf und das, obwohl der Unterschied zum Vorgänger ziemlich gering ausgefallen ist. 

Spielerisch gleich, aber doch gut 

Was will man den Entwicklern schon vorwerfen, wenn sie das geniale Spielgefühl eines NBA 2K16 einfach 1-zu-1 in die aktuelle Umsetzung übernehmen. Was will man den Entwicklern schon vorwerfen, wenn sie die enorm intuitive Steuerung des Vorgängers unverändert lassen und uns damit auch im neuesten Ableger begeistern. Und was will man den Entwicklern schon vorwerfen, wenn sich die Spieler absolut flüssig über den Court bewegen und uns somit ein enorm authentisches Spielerlebnis abgeliefert wird. Richtig, man kann ihnen gar nichts vorwerfen, denn im Endeffekt war und ist NBA 2K in punkto Gameplay einfach ein Primus innerhalb des Genres. Trotzdem hinterlässt es auch bei einem Primus immer einen faden Beigeschmack, wenn man keine Neuheiten entdecken kann – einfach, weil man das von einem aktuellen Titel immer irgendwie erwartet.

Und zur Ehrenrettung kann auch NBA 2K17 mit ein paar kleinen Detailverbesserungen aufwarten, die aber wohl wirklich nur richtigen Kennern auffallen werden. So wurde etwa die Ball- und Korb-Physik etwas verbessert. Abpraller vom Brett wirken nun noch etwas realistischer und auch wie sich der Ball im Flug oder beim Berühren des Ringes verhält, hinterlässt einen etwas authentischeren Eindruck. Über die neue Motion-Engine wurde noch etwas an den Spielerinteraktionen gefeilt, so dass es noch passendere Bewegungen im Dribbling, vor allem aber im Zweikampf gibt. Auch habt ihr einen Tick mehr Einfluss auf die Wurfausführung. Dank dem neuen Advanced Skill Shooting kann man Stärke und Richtung der Distanzwürfe und auch den Abschluss unter dem Korb etwas besser kontrollieren. Insgesamt nur sehr kleine Anpassungen, die aber das Spielgeschehen doch noch etwas intensiver, letztendlich auch realistischer wirken lassen.

Intensiv ist auch, wie sich die KI verhält. Extrem klug, was da die Gegen- und Mitspieler so abliefern. Spielzüge werden schnell erkannt und von der CPU meist dann auch, natürlich wie immer abhängig vom gewählten Schwierigkeitsgrad, sehr gut verteidigt. Im Gegenzug ist auch die Offensive sehr variabel und reagiert sofort auf die jeweilige Spielsituation. Und nicht zuletzt sind Aussetzer der AI von Mit- und Gegenspieler mittlerweile so selten, dass man sie kaum mehr erwähnen muss.

Erwähnen sollte man aber durchaus, dass sich der Titel wirklich kaum mehr spielerische Schwächen leistet und man mittlerweile ziemlich nah ans „perfekte Spiel“ herangekommen ist. Immer hat man das Gefühl die absolute Kontrolle über das Geschehen zu haben. Sei es nun, weil man die Taktik jederzeit schnell per Steuerkreuzbefehl ändern oder weil man die Spieleraktionen selbst absolut intuitiv vom Controller aus bedienen kann. Ganz nebenbei hat NBA 2K17 eine gemäßigt ansteigende Lernkurve, die es selbst Neueinsteigern leicht macht, sich mit dem Spiel und somit auch mit der Materie Basketball auseinanderzusetzen. Schon allein dafür haben die Entwickler mal wieder ein großes Lob verdient.

nba_2k17_andre_drummond

Karriere, Teammodus und The Prelude 

Das Prunkstück der Serie, wohl des ganzen Genre Sport, ist und bleibt der Karrieremodus.

Um dies zu unterstreichen haben die Entwickler hier zum Vorgänger auch wieder einiges geändert, laut dem Publisher wurde der Ablauf sogar brandneu gestaltet. Soweit würden wir jetzt nicht gehen, denn außer dass sich die neue Story nun um Michael B. Jordan dreht, bleiben der lineare Ablauf und die spielerischen Inhalte doch grundsätzlich wie gehabt. Inklusive den bekannten Klischees. In einer Unzahl an Zwischensequenzen, wovon einige ein paar Minuten dauern können, wird die nur wenig mitreißende Geschichte vorangetrieben. Trotzdem ist das Ganze sehr schön anzusehen, weil es, wie schon beim Vorgänger, handwerklich einfach gut gemacht ist.

Es hakt aber auch recht gewaltig, denn irgendwie wurde die Story, wie schon vor einem Jahr, mal wieder nicht besonders konsequent umgesetzt. Ein Basketball-Rollenspiel, was uns 2K Sports manchmal versucht vorzugaukeln, ist die NBA-Franchise auch mit dem aktuellen Ableger bei weitem nicht geworden. Und auch wenn wir nach wie vor mit dem enorm umfangreichen Editor unseren Spieler bis ins kleinste Detail erstellen können – sogar unser eigenes Gesicht können wir dem Alter-Ego aufdrücken –, so richtig persönlich wird der Modus nie. Es wirkt schon extrem störend, dass unsere Entscheidungen kaum Einfluss auf die Geschichte nehmen und man damit leben muss, dass das was sich die Entwickler erdacht haben, auch jeder genauso gleich zu sehen bekommt. Eine dynamisch aufgebaute Story braucht ihr also auch in NBA 2K17 nicht zu erwarten. Erwarten könnt ihr aber, dass nach dem Ende der kurzen Geschichte, der sonstige Karriereverlauf nach dem bekannten Schema F abläuft. Es bleibt also dabei: Man sieht sich die Story einmal an, hat seinen Spaß daran, wundert sich vielleicht auch manchmal über die eine oder andere Ungereimtheit und widmet sich dann wieder dem bekannten Spielverlauf.

Die Spielerkarriere ist sicher das Highlight von NBA 2K, aber auch abseits davon gibt es im Menü einiges on- und offline zu entdecken. Wie etwa die Laufbahn als General Manager, der Sammelkartenmodus MyTeam, die motivierenden Liga- bzw. Saisonmodi oder das Teamspiel Pro-Am – alles nicht neu, alles größtenteils unverändert und alles trotzdem für viele, sogar sehr viele Spiele gut.

Bei den Lizenzen hat man mal wieder etwas über den NBA-Tellerrand hinausgeschaut und bietet nun die Möglichkeit auch mit dem Team USA, also der amerikanischen Nationalmannschaft der Vergangenheit und Gegenwart, um Punkte bzw. Siege zu kämpfen. Goodies, wie etwa USAB-Karten, welche man bei Spielen mit dem Dream Team verdienen und ins persönliche Team oder den eigenen Spieler investieren kann, sollen hierbei einen besonderen Anreiz bieten. In unseren Breitengraden aber vielleicht viel wichtiger ist, dass wieder Vereine aus der EuroLeague den Weg ins Spiel gefunden haben. Wer etwa mit Brose Baskets oder Real Madrid ein Spiel wagen will, kann das in NBA 2K17 tun.

Mehr ein Gimmick und eher als Zusatz zum Titel zu sehen, ist The Prelude, welches ihr euch kostenfrei auf eure Konsole herunterladen könnt. Enthalten ist darin eine Art Einführung in die Story, samt der Möglichkeit euer Gesicht per Smartphone ins Spiel zu importieren. Schön auch, dass ihr euch hier schon die ersten Sporen in einem der integrierten College-Teams verdienen und eventuell so erarbeitete Skills mit übernehmen könnt. Ganz nebenbei wird euch somit natürlich auch das Gameplay des Hauptspieles etwas näher gebracht, inklusive der bereits erwähnten marginalen Änderungen. Insgesamt eine nette Idee, die durchaus für  ein paar Stunden Spielspaß sorgen kann.

nba_2k17_jimmy_butler

Optik nahe der Perfektion 

Wenn in den Pressemitteilungen als größte Neuerung im Bereich Technik nur der geänderte Soundtrack mit Künstlern, wie etwa A Tribe Called Quest oder E40, bzw. deren enorme Anzahl an Tracks genannt wird, dann weiß man schon was sich in punkto Grafik und Akustik wirklich getan hat. Richtig, nichts. Vorwerfen kann man das dem Titel aber kaum, denn was uns NBA 2K17 so auf den heimischen Bildschirm zeichnet, begeistert einfach von den ersten Minuten an. Genial mit welcher Detailliebe die Entwickler hier gearbeitet haben. Sicher, der Wow-Effekt, wie vor ein paar Jahren, ist nicht mehr vorhanden, eine Augenweide sind die absolut realistisch designten Zuschauer oder das Geschehen abseits des eigentlichen Spieles, mit Cheerleader, Maskottchen, Trainern und lebendiger Auswechselbank, aber trotzdem immer noch. Alles wirkt extrem authentisch, extrem real. Wie überhaupt die gesamte Präsentation der Spiele selbst kaum Anlass zur Kritik gibt. Packende Wiederholungen, unzählige Statistik-Anzeigen und immer mal wieder, nach dem Vorbild des amerikanisches Sport-TVs, aufpoppende Werbeeinblendungen lassen kaum mehr Unterschiede zu einer Live-Übertragung aus der NBA bemerken. Schön auch, dass es weiterhin die unterhaltsame Pre- und informative Halftime-Show gibt. Kein aktuelles Sportspiel sonst zelebriert das Drumherum so intensiv, wie NBA 2K17. Und dafür muss man das Spiel als Fan einfach lieben.

Die Grafikmuskeln lässt der Titel aber auch in anderen Bereichen gehörig spielen. Etwa bei den extrem detailreich und realistisch gestalteten Spielermodellen. Oder den authentischen Gesichtern. Oder den sehr weich ablaufenden Animationen, die das Spielgeschehen nicht nur stimmig, sondern auch absolut mitreißend wirken lassen. Es passt einfach alles. Alles? Na ja, sagen wir fast. Denn natürlich gibt es auch den einen oder anderen Grund zum Meckern. Etwa sind uns wieder zu viele Clipping-Fehler aufgefallen. Warum auch immer, aber die Entwickler bekommen das Problem nicht wirklich in den Griff. Und auch die Ladezeiten sind nicht auffallend kürzer geworden. Immer noch dauert es eine halbe Ewigkeit bis man bestimmte Modi bzw. Spiele starten kann. Dafür läuft der Titel jederzeit mit gleich bleibender Framerate. Und Ruckler sind uns weder off-, noch online richtig aufgefallen.

Auffallen wird euch hingegen, dass sich der Sound, bis auf die Eingangs bereits erwähnten neuen Musikstücke, nicht wirklich groß geändert hat. Zwar gibt es ein neues Reporterteam, bestehend aus Chris Webber, Steve Smith, David Aldridge und Brent Barry, aber sonst ändert sich wenig. D. h. der Kommentar ist immer noch zur Spielsituation passend, immer noch im besten Englisch und immer noch sich viel zu schnell wiederholend. Dafür machen die Fans richtig gute Stimmung und bringen neben den virtuellen Hallen bei richtiger Soundanlage auch das heimische Wohnzimmer zum Kochen.

nba_2k17_karl-anthony_towns

 

Unser Fazit

87 %

Die überschaubaren Änderungen am Umfang sind sicher nicht der Grund, weshalb wir uns für NBA 2K17 so begeistern können. Auch die praktisch unveränderte Technik, die schon sehr viel an die direkten Vorgänger erinnert, ist nicht für die insgesamt hohe Wertung verantwortlich. Und überhaupt werden wir uns durchaus die Frage gefallen lassen müssen, weshalb wir trotz der teilweise kaum vorhandenen Neuerungen so von der aktuellen Umsetzung aus dem Hause 2K Sports angetan sind. Die Antwort ist einfach. Es ist diese geniale Spielbarkeit, die zwar auch nur um ein paar Feinheiten, wie etwa in der Wurfmechanik, verbessert wurde, uns aber trotzdem von den ersten Minuten an wieder komplett in den Bann, vor allem aber auf den Court zieht. Die Kontrolle des Spielers bzw. des gesamten Spielgeschehens, die klug agierenden Mit-, wie Gegenspieler und die Unmengen an taktischen Möglichkeiten begeistern nicht nur, nein sie machen das Spiel zu einem absoluten Muss für alle Basketball- und Sportfans.

Pro

  • + geniale Spielbarkeit und realistisches Spielgefühl
  • + leichte Anpassungen an der Wurfmechanik
  • + weiterhin extrem kluge KI
  • + neue Story mit Michael Jordan (Karrieremodus)
  • + sehr viele Modi, wie MyTeam oder Pro-Am
  • + gutes Lizenzpakete (u. a. europäische Teams)
  • + tolle Grafik (Spielermodelle, Animationen, Präsentation usw.)
  • + Texte komplett in Deutsch (u. a. Untertitel)

Kontra

  • - vieles erinnert an den Vorgänger
  • - Änderungen am Gameplay eher marginal
  • - Storymodus linear und vorhersehbar
  • - viele Modi komplett unverändert
  • - technisch fast eine Kopie des Vorgängers
  • - Clippingfehler unverändert vorhanden
  • - immer noch zu lange Ladezeiten
  • - nur englische Sprachausgabe

Unsere Bewertung

Grafik
 
89 %
Sound
 
90 %
Steuerung
 
90 %
Gameplay
 
90 %
Multiplayer
 
91 %
Spielspaß
 
88 %

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Als arbeitender Familienvater hat Thomas natürlich nur wenig Zeit, aber wenn dann halt mal doch, schreibt er mit großer Begeisterung mehr oder weniger Sinnvolles über alles was auch nur annähernd mit Sport zu tun hat.

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