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NBA Live 18 – Test / Review

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Veröffentlicht 9. Oktober 2017 | 17:36 Uhr von Thomas Pfnür

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Es muss schon sehr frustrierend sein, wenn man mit einem Spiel konkurrieren muss, welches spielerisch, inhaltlich und optisch praktisch unerreichbar ist. EA Sports hat darauf mit einer zweijährigen Pause ihrer NBA Live Franchise reagiert. Genug Zeit also um den Abstand zum Konkurrenten NBA 2K mit neuem Spielgefühl, neuen Inhalten und neuer Technik zu verkürzen. Und tatsächlich die Reihe hat sich weiterentwickelt – doch an den Genrekönig kommt NBA Live 18 trotzdem nicht heran.

Live Action

NBA Live steht schon länger, genau genommen wohl schon immer, für den eher oberflächlichen, daher leicht zugänglichen Basketballspaß. Zwar auch mit der gewissen Prise Simulation, aber eben genau so wenig, dass sich selbst der Gelegenheitsspieler wohl nie wirklich überfordert, mancher Fan des Sports aber sehr wohl unterfordert fühlte. Und an dieser grundsätzlichen Ausrichtung, eben ohne der gewissen spielerischen Tiefe, ändert sich auch im aktuellen Ableger leider nicht wirklich viel. Trotzdem haben die Entwickler durchaus auch versucht etwas mehr Realismus ins Gameplay zu packen, nicht zuletzt auch dadurch, dass sie sich einiger Ungereimtheiten aus dem Vorgänger angenommen haben.

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So werden euch nun mehr Möglichkeiten zur direkten Einflussnahme auf die Bewegungsabläufe der Spieler gegeben. Beim Dribbling hat man etwa das Gefühl, dass die Protagonisten direkter auf die Controllereingaben und bei weitem nicht mehr so vom Spiel vorgegeben reagieren. Trotzdem merkt man aber auch, dass vieles weiterhin automatisch, in sogenannten Sequenzen, abläuft. Je nach Situation und Spielfeldposition kann man also, wie schon beim Vorgänger, immer mal wieder absolut identische Bewegungen und Aktionen sehen. Realistisch ist das nicht wirklich.

Dafür sehen Pässe im aktuellen Ableger, zumindest auf den ersten Blick, natürlicher aus. Die entsprechenden Pass- und Fanganimationen scheinen tatsächlich etwas überarbeitet worden zu sein. Leider ist es aber weiterhin so, dass sich am immer noch sehr zähen Spielablauf nichts geändert hat. Ja, die Steuerung ist präziser und auch die Befehle durch Button, Steuerkreuz und Stick werden schneller weiterverarbeitet, aber insgesamt krankt NBA Live 18 weiterhin an dem viel zu trägen Spielgeschehen. Irgendwie kommt nie so richtig das Tempo auf, was man von einem Basketballspiel gewohnt ist – und das auch etwa von der Konkurrenz so geboten wird. Trotzdem ist es auch schön zu beobachten, wie jetzt praktisch jede Aktion, ob Pass oder Wurf, ohne eine dieser lästigen Verzögerungen ausgeführt wird. Endlich sind Direktpässe auch wirklich Direktpässe und schnelles Ballkreisen an der Dreierlinie oder überraschende Korbwürfe ohne Probleme möglich. Ein Umstand, der den Titel deutlich intensiver wirken lässt – zumindest in der Offensive.

Weit weniger intensiv fühlt sich das Ganze allerdings dann in der Verteidigung an. Hier hat man eigentlich nie den Eindruck, dass man wirklich Einfluss auf das Geschehen nehmen könnte. Häufig ist man sogar der Meinung, dass es reine Glückssache ist, ob eine Aktion in der Defensive gelingt oder nicht. Das beginnt bei der inkonsequenten Manndeckung, welche einem etwa viel zu wenig Spielraum beim Bekämpfen von Dribblings gibt, und endet bei den kaum nachvollziehbaren Blockversuchen. Sicher die überarbeitete KI der Mitspieler kann diese Schwachstellen etwas überdecken, dass man sich als Spieler in der Verteidigung nie wirklich wohlfühlt, kann aber auch sie nicht verhindert.

Apropos künstliche Intelligenz. An NBA 2K mag das Verhalten von Gegen- und Mitspieler zwar noch nicht ganz herankommen, aber so weit weg, wie man aufgrund des sonstigen Gameplays meinen könnte, ist es dann aber auch nicht. Durchaus klug, was die CPU hier so abliefert. Und im Falle der Gegner und entsprechenden Schwierigkeitsgrad sogar richtig fordernd. Zumindest über weite Strecken, denn komplett fehlerfrei ist die KI auch im aktuellen Ableger leider dann auch wieder nicht. Zu häufig wird auf die Spielsituation komplett falsch reagiert und zu häufig kommt es auch wieder zu den wirklich lästigen Komplettausfällen.

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Live Spiel

Neu ist in NBA Live 18 der Modus The One. Eine Spielvariante, in welcher uns die Geschichte um einen namenlosen Basketballspieler näher gebracht werden soll. Und tatsächlich sorgen die diversen Zwischensequenzen dafür, dass wir uns mit dem Nachwuchsstar relativ schnell identifizieren können. Auch weil wir unser Alter-Ego in dieser aufgebohrten, persönlichen Karriere durch die abwechslungsreichsten und unterschiedlichsten Aufgaben begleiten dürfen. Man ist eben nicht nur in der NBA unterwegs, sondern darf bzw. kann sich auch in Spielen auf der Straße beweisen. Egal, für was ihr euch entscheidet, im Endeffekt geht es natürlich weiterhin darum euren Protagonisten nach euren Vorstellungen weiterzuentwickeln. Und genau hier hat sich dann gar nicht so viel im Vergleich zum Vorgänger geändert. Fähigkeiten müssen perfektioniert, Spielstile herausgearbeitet und besondere Bewegungsmerkmale freigeschalten werden. Nichts also, was jetzt wirklich überraschen sollte. Ebenso wenig, wie, dass man sein Alter-Ego bis aufs kleinste Detail selbst gestalten, also Tattoos, Frisuren und Equipment selbst wählen kann Schon besser ist, dass wir durch die Street-Variante innerhalb The One in den Genuss dieser ganz besonderen, teilweise auch richtig berühmten Outdoor-Plätze, wie etwa dem Rucker Park in New York, dem Venice Beach in LA oder dem Cherashore Playground in Philadelphia, kommen. Überhaupt fühlt sich die persönliche Karriere insgesamt etwas lebendiger an und ist bei weitem nicht mehr so steif, vor allem spielerisch, wie noch die letzten Jahre. Und trotzdem, es fehlt leider eben auch an dieser mitreißenden Story und an dieser Präsentation, die uns immer wieder aufs Neue zum Weiterspielen animieren würde. Relativ schnell ist der neue Street-Effekt von The One aufgebraucht und dann kommt eben nichts mehr.

Mehr kommt dafür bei den Lizenzen. NBA Live 18 bietet erstmals das komplette Rechtepaket zur WNBA. Alle 12 Teams, alle Spielerinnen und alle Spielstätten der Frauenbasketball-Liga wurden originalgetreu und komplett ins Spiel integriert – übrigens inklusive dem etwas anderen Spielgefühl, wenn man einen weiblichen Spieler über den Court steuert. Ist auf jeden Fall ein Zugewinn für die Basketballumsetzung.

Und sonst? Es gibt weiterhin das Kartensammelspiel Ultimate Team, welches mittlerweile bei jedem Sportspiel von EA Standard ist und interessanterweise auch im Basketballableger gut funktioniert. Auch wenn sich nicht wirklich etwas am Münzenverdienen und –ausgeben geändert hat, das Erstellen eines schlagkräftigen Teams und schlussendlich die Auseinandersetzung mit anderen Spielern in diversen Online-Duellen macht immer noch enorm viel Spaß. Ebenfalls unverändert vorhanden ist der Dynastie-Modus, der euch in bekannter Art die Möglichkeit gibt als GM ein ganzes Team zu managen, zu trainieren und natürlich zu den wichtigen Erfolgen zu führen. Leider hat sich am tristen, kaum mehr zeitgemäßen Design wenig geändert, so dass auch die Managerkarriere viel zu schnell langweilt. Da macht es dann weit mehr Spaß sich online in den Modi Live Run oder Live Events bei wettkampforientierten Multiplayer-Matches und aktuellen Spielen der Saison zu verausgaben.

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Live Optik

Gerade in punkto Grafik ist NBA Live mittlerweile auf einen sehr guten Weg. Viel verkehrt macht der Titel hier eigentlich nicht. Das Design der Spieler gefällt und die Gesichter der NBA Star haben nicht nur einen hohen Wiedererkennungswert, sie sehen auch durchaus natürlich aus. Ebenso ist die entsprechende Mimik, wenn Aktionen besonders gut gelingen oder ein Spiel unglücklich verloren geht, sehr gut umgesetzt und wirkt absolut authentisch. Auch den immer mal wieder so gerne kritisierten Plastikeffekt der Haut werdet ihr kaum mehr beobachten. Und auch die Matchpräsentation kann durchaus begeistern. Es verwundert also kaum, wenn man festhalten muss, dass in diesen Bereichen die aktuelle Umsetzung von EA Sports gar nicht so weit weg von der Konkurrenz ist.

Anders sieht es aus, wenn man sich die Animationen der Basketballer betrachtet. Sicher, viele Bewegungen laufen flüssig ab, sind mittlerweile auch durchaus realistisch implementiert, trotzdem sieht man leider immer noch viel zu häufig auch „hölzerne“ Animation. Und auch ungelenke, kaum logische Bewegung, gerade wenn es mal etwas intensiver unter dem Korb zur Sache geht oder wenn ein Spieler stürzt, gehören zur Tagesordnung. Besonders schade ist aber, dass die Kollisionsabfrage nur bedingt funktioniert und Clippingfehler unsere ständigen Begleiter sind. Und weil das Alles noch nicht genügt, haben die Entwickler auch das nervige „über den Court gleiten“ bisher nicht ausmerzen können. Nach wie vor „schweben“ die Spieler in manchen Situationen einfach über den Platz. Man könnte fast lachen, wenn es nicht irgendwie auch traurig wäre.

Traurig ist auch, dass das Zuschauerdesign, und überhaupt die Detailliebe, immer noch Welten von einem NBA 2K entfernt ist, dass man immer noch mit ziemlich langen Ladezeiten kämpfen muss und dass der Titel insgesamt leider nicht wirklich komplett flüssig läuft. Besonders beim Onlinespiel und innerhalb der Zwischensequenzen bricht die Framerate gerne mal ein. Viele bekannte Probleme, die unverändert vorhanden sind.

Bleibt, wie immer, zum Abschluss noch der Sound. Und, ebenfalls wie immer, kann man auch hier das Prädikat „unverändert“ vergeben. Die akustische Unterstützung oder Abneigung durch Fans, Trainer oder Auswechselspieler ist deutlich hörbar und bringt auch die nötige Stimmung ins heimische Wohnzimmer. Das Reportergespann analysiert passend zur Spielsituation, wiederholt sich leider aber weiterhin viel zu schnell mit den bereits aus dem Vorgänger bekannten Floskeln. Und über den Soundtrack fällen wir kein Urteil, da das Geschmacksache ist – nur so viel: Unserer ist es nicht.

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Getestete Version: Xbox One

 

Unser Fazit

74 %

Licht und Schatten – damit kann man es wohl am besten beschreiben, wenn man die Aspekte der aktuellen Basketballumsetzung von EA Sports näher ausleuchtet. Licht ist etwa, dass die Steuerung nun genauer reagiert und besonders die Offensive mittlerweile durch viele Gameplaymöglichkeiten glänzt. Schatten dagegen, dass es in der Defensive reine Glückssache scheint, ob ein Angriff erfolgreich verteidigt wird oder eben nicht. Positiv, und somit mal wieder Licht, ist hingegen, dass der neue Modus The One, sowie das bereits bekannte Ultimate Team durchaus für viele vergnügliche Spielstunden gut sind. Negativ, und somit natürlich wiederum Schatten, dass die Karriere als GM und auch der Rest der Standardmodi, immer noch vor allem an fehlender Motivation, unglaublicher Langeweile und einer uninspirierten Präsentation leiden. Schön, wir sagen nur Licht, ist hingegen das Spielerdesign ausgefallen, welches vor allem mit seiner Natürlichkeit punkten kann. Schlecht, ihr wisst Schatten, ist im Gegenzug, dass die Animationen manche Aussetzer zeigen, ihr viele Clippingfehler zu sehen bekommt und auch Ruckler an der Tagesordnung sind. Wie gesagt, Licht und Schatten eben. Insgesamt ist NBA Live 18 somit ein solides Basketballspiel mit einem gewissen Spielspaßpotential – wer aber mehr haben will, muss weiterhin zur Konkurrenz greifen.

Pro

  • + weiterhin leicht zugängliches Gameplay
  • + Offensive gewinnt durch Steuerungsanpassungen
  • + nochmals verbesserte KI
  • + enormer Umfang
  • + neuer Karriere-Modus The One
  • + schönes Spielerdesign
  • + passende Match-Präsentation

Kontra

  • - weiterhin aber auch kaum tiefgängiges Gameplay
  • - Defensivaktionen sind häufig Glückssache
  • - KI weiterhin mit vielen Aussetzer
  • - viel Standardkost bei den Inhalten
  • - trist inszenierte GM-Karriere
  • - manch hölzerne Animation
  • - langweilige Hintergründe (Zuschauer usw.)
  • - technisch mit einigen Problemen (Clippingfehler usw.)
  • - sich schnell wiederholender Kommentar

Unsere Bewertung

Grafik
 
80 %
Sound
 
80 %
Steuerung
 
77 %
Gameplay
 
80 %
Multiplayer
 
75 %
Spielspaß
 
74 %

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Als arbeitender Familienvater hat Thomas natürlich nur wenig Zeit, aber wenn dann halt mal doch, schreibt er mit großer Begeisterung mehr oder weniger Sinnvolles über alles was auch nur annähernd mit Sport zu tun hat.

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