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NHL 17 – Test / Review

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Veröffentlicht 17. November 2016 | 22:09 Uhr von Thomas Pfnür

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Manchmal wünscht man sich gerade bei jährlich veröffentlichten Sportspielen viel Konkurrenz. Zum einen, weil man selbst dann eine größere Auswahl an Titeln hat, zum anderen, weil der dadurch entstehende Druck eine höhere Qualität hervorbringen kann. NHL von EA hat schon lange keine Konkurrenz mehr und trotzdem schaffen es die Entwickler tatsächlich uns Jahr für Jahr zu begeistern – auch mit dem aktuellen NHL 17. Warum soll der folgende Test zeigen. 

Torwartspiel, Zonenkontrolle und Trainer-Feedback

Fehlende Konkurrenz kann natürlich schon allein ein Hemmschuh für Weiterentwicklung sein, was es aber sicher besonders erschwert, ist der jährliche Veröffentlichungsrhytmus. Dieser macht es den Entwicklern fast unmöglich, immer und immer wieder für neue Reizpunkte oder überhaupt für irgendetwas Neues zu sorgen. Und natürlich sind auch wir Spieler sicher keine Erleichterung, löchern wir die Verantwortlichen doch bereits Monate vor dem Release mit Fragen wie „Was gibt es denn an spielerischen Neuerungen?“, „Wird sich der Kauf überhaupt lohnen?“ oder „Ist der Titel wirklich besser als sein Vorgänger?“.

Umso erstaunlicher, dass es NHL auch in der aktuellen Version schafft, wieder mit durchaus interessanten neuen Features zu glänzen, vor allem aber auch uns zu begeistern. Etwa mit dem neuen Torwartspiel, welches nicht nur authentischer wirkt, sondern vor allem auch deutlich weniger Fehler zeigt. Über das neue System, in neudeutsch Reactionary Save Intelligence, werden die Schüsse bzw. die Spielsituationen analysiert und daraus die passenden Paraden bzw. Torhüterpositionen berechnet. Optisch zeigt sich dies in enorm realistischen Animationen des letzten Mannes, spielerisch vor allem in sinnvollen Körperblocks oder reaktionsschnellen Aktionen gegen den Puck. Überhaupt fällt auf, dass gerade das Spiel um das Tor deutlich intensiver und fordernder wurde. Durch die angepasste Spielphysik zeigen sich in NHL 17 deutlich mehr Möglichkeiten den Torraum sowohl offensiv als auch defensiv sinnvoll zu kontrollieren. Spannende Spielerduelle, um die jeweils perfekte Position, machen hierbei den ganz besonderen Reiz aus.

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Während im Angriff die etwas präziser und schneller zu spielenden Pässe auffallen, gibt es in der Verteidigung eine verbesserte Check-Mechanik zu beobachten. Diese macht es euch nun deutlich leichter, Gegner gegen die Bande zu drücken, einfach nur vom Puck abzudrängen oder mit einem knackigen Check erstmal aufs kalte Eis zu schicken. Übrigens, wer die Steuerungsbefehle nicht sofort intus hat, kann sich, wie gehabt, alle Kniffe und Tricks im visuellen Eistraining zeigen lassen und durch gekonnt aufgebaute Übungen schnell seine Spielweise nach seinen individuellen Fähigkeiten optimal weiterentwickeln.

Apropos Hilfen. Durch das integrierte Trainer-Feedback werdet ihr, wenn gewünscht, mit Spielstart sofort an die virtuelle Hand genommen. Jedes Spiel, jede Spielsituation wird genauestens analysiert, um so Fehler in der Verteidigung, in der Spieleröffnung oder bei der Schussvorbereitung, wie auch in der Ausführung über ein gezieltes Feedback anzusprechen. Natürlich gibt es danach auch die entsprechenden Tipps um euer Spiel zu optimieren. Gerade Neueinsteiger werden es NHL 17 und vor allem EA danken, denn viel anschaulicher und besser kann man sich in eine Sportsimulation fast nicht einarbeiten.

Doch ganz ohne Kritik kommt auch der aktuelle Ableger nicht davon. Etwa bei der KI. Leider zeigt die integrierte Spielerintelligenz immer noch viel zu häufig viel zu schwankende Leistungen. Auch führen Schüsse von der blauen Linie unserer Meinung nach etwas zu leicht zu Toren, während One-Timer – eine Pass-Schuss-Kombination – viel zu ungefährlich ausgeführt werden. Und auch bei den Schwierigkeitsgraden haben wir etwas zu meckern. Selbige lassen sich zwar persönlich anpassen, die vorgegebenen sind aber weiterhin wenig unausgeglichen und steigen viel zu stark an.

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World Cup of Hockey, Draft Champions und Karriere-Modus

Inhaltlich hat sich in NHL 17 einiges getan – tatsächlich schafften es sogar komplett neue Spielmodi und Lizenzen in die aktuelle Version. Da wäre der Draft Champions-Modus, der euch die Möglichkeit gibt aus aktuellen und vergangenen NHL-Stars ein schlagkräftiges Team zu formen und in Duellen gegen andere Spieler Siege, vor allem aber Belohnungen einzufahren. Zwar ähnelt Draft Champion schon sehr dem ebenfalls wieder enthaltenen „Kartenspiel“ HUT (Hockey Ultimate Team), insgesamt ist die Spielvariante aber bei weitem nicht so umfangreich, tiefgängig und zeitintensiv. Klares Motto ist hierbei: Schneller Spielspaß – und der wird auf jeden Fall geboten.

Jetzt ebenfalls nachgespielt werden kann der World Cup of Hockey. Das gerade in Kanada ausgetragene, sehr prestigeträchtige Turnier wurde komplett, samt all den sechs teilnehmenden Ländern, integriert. Einem Spiel, etwa mit Team Europe und einigen deutschen Eishockeystars, steht somit also nichts mehr im Wege. Und wer sich besonders gut anstellt, kann sich zum Abschluss sogar die prunkvolle Trophäe in den Schrank stellen. Einziger wirklicher, leider aber nicht unwichtiger Kritikpunkt hierbei, die Präsentation ist EA untypisch ziemlich dürftig und kann eigentlich zu keinem Zeitpunkt wirklich überzeugen.

Kommen wir nun aber zum Herzstück von NHL 17, nämlich dem Franchise-Modus. Neu ist dieser natürlich nicht, dafür kann er aber mit einigen Erweiterungen aufwarten. So habt ihr neben den bekannten Aufgaben rund ums Team mit Training, Trades und den eigentlichen Spielen, nun auch die Möglichkeit euch um allgemeine Belange der Franchise zu kümmern. Hierbei müsst ihr etwa die Ticketpreise gestalten, Marketingevents starten oder gar das Stadion renovieren bzw. erweitern. In diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass der aktuelle Ableger erstmals auch einen Stadion- und Team-Editor beinhaltet, der euch komplett neue Arenen, Trikots, Teamlogos usw. erstellen lässt. Dies wird dann besonders interessant, wenn ihr mit eurem Team einen Umzug in eine andere Stadt plant, um dort noch erfolgreicher zu sein, noch mehr Fans zu erreichen und schlussendlich, wie in einem Unternehmen üblich, noch mehr Umsatz zu machen. Alles übrigens unter den wachsamen Augen des kritischen Besitzers, der euch vor jeder Saison knallharte Vorgaben macht. Erfüllt ihr diese nicht, droht unweigerlich der Gang zum Arbeitsamt. Schon allein das macht die Franchise insgesamt fordernder und damit auch interessanter. Aber neben diesem ganzen Managergetue geht es schlussendlich weiterhin auch darum, sportliche Erfolge zu feiern und irgendwann den Stanley Cup zu gewinnen. Schade nur, dass auch hier die Präsentation des Ganzen nicht mehr wirklich zeitgemäß ist. Es fehlen Zwischensequenzen, die die Entwicklung erzählen und letztendlich vermisst man auch die Geschichten abseits des Eises, die etwas mehr Würze ins virtuelle Managerleben bringen würden. So ist es relativ schnell nur noch ein einfaches Abarbeiten der diversen Textvorgaben ohne den mittlerweile durchaus nötigen optischen Pep.

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Noch extremer wirkt sich das übrigens in der Spielerkarriere aus. Zwar ist selbige immer noch fordernd und bietet auch den einen oder anderen Reizpunkt zum Weiterspielen, auf dem Bildschirm dargestellt wird das Ganze aber mittlerweile so langweilig, dass allein dadurch bei manch einem relativ schnell die Motivationsluft heraus sein wird.

Schon deutlich mehr motivieren da die bereits bekannten und weiterhin vorhandenen Spielmodi. Etwa die EASHL (EA Sports Hockey League) mit angepassten Spielerrang-System, vielen freischaltbaren Objekten, wie etwa besondere Trikots, und der Möglichkeit seinen ganz persönlichen Hightech-Eishockeytempel zu bauen. Oder der bereits erwähnte HUT-Modus, der mittlerweile auch mit einem umfangreichen Kader-Synergien-System aufwarten kann und auch bei den Kartensets mehr Dynamik und Inhalte bietet.

In punkto Lizenz sind weiterhin die bekannten Ligen enthalten, allen voran aus Nordamerika natürlich die NHL und AHL, sowie aus Europa die DEL. Mit Teams aus den europäischen Ligen kann man übrigens nur Einzelspiele – on- und offline – oder eine eher oberflächliche Saison spielen – eine Karriere außerhalb den USA bzw. Kanada ist weiterhin nicht möglich. Dafür bietet NHL 17 heuer erstmals auch die Möglichkeit mit allen 27 authentischen Teams der ECHL (East Coast Hockey League) Matches zu bestreiten.

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Bewegungen, Präsentation und sonstige Technik

Die Optik passt in NHL. Die Animationen der Spieler, vor allem aber die Bewegungen der Torhüter, haben dieses Jahr nochmal einen Schritt nach vorne gemacht. Die Duelle um den Puck, die Checks und eben das Stellungsspiel des letzten Mannes wurden nie realistischer auf den Bildschirm gezeichnet. Schön auch, dass der Puck jetzt manchmal springt, was die Unebenheiten des Eises nach einem harten Drittel simulieren soll. Überhaupt ist die Puck-Physik durchaus nachvollziehbar integriert, so dass nur noch in Ausnahmefällen ein etwas seltsamer Laufweg der Hartgummiescheibe zu beobachten ist. Schön auch, dass die bekannten Details, wie genial designte Fans, authentisch gestaltete Arenen und viel Leben neben dem Spielgeschehen wieder den Weg ins Spiel gefunden haben. Neu übrigens, dass ihr ähnlich wie in den anderen EA Sports Spielen nun auch eure ganz persönliche Jubel-Animation nach einem Treffer starten könnt. Die Präsentation vor, während und nach einem Spiel kann weiterhin das bekannte TV-Gefühl erzeugen. Schade nur, dass es bei den ein oder anderen Spielmodi, besonders negativ fällt hier die Karriere auf, die Grafikbesonderheiten komplett fehlen und man insgesamt viel zu wenig Zwischensequenzen geboten bekommen, die einen mehr ins Spiel ziehen würden.

Das macht dafür umso besser die integrierte Akustik. Bezüglich des Sounds gibt es eigentlich nur wenig zu kritisieren. Die Zuschauer feuern die Teams ohrenbetäubend an, der On-Ice-Sound mit den Rufen und den passenden Spielgeräuschen bietet viel Realismus und das durchaus kompetente Reporterteam um Emrick, Olczyk und Ferraro liefert den bekannt guten Job ab.

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Unser Fazit

85 %

Das verbesserte Torwartspiel, die intensiveren Spielerduelle und das sehr gut integrierte Trainer-Feedback lassen die Eishockeysimulation von EA Sports in diesem Jahr noch einen Tick runder wirken. Pässe lassen sich punktgenau spielen, Checks situationsbedingt einsetzen und Zonen optimal kontrollieren – das hier erzeugte Spielgefühl kann wirklich begeistern und lässt bei der Hatz nach der schwarzen Hartgummischeibe viel Realismus aufkommen. Schade nur, dass die immer noch zu schwankend agierende KI dieses Niveau nicht erreichen kann. Inhaltlich glänzt der Titel mit Neuerungen, wie Draft Champions und World Cup of Hockey, sowie einem deutlich erweiterten Franchisemodus. Kritik gibt es an der Be-a-Pro-Karriere, die immer noch viel zu langweilig präsentiert wird und eigentlich nur einen sehr kurzen Zeitraum wirklich motivieren kann. Unerwähnt sollte auch nicht bleiben, dass die Technik nur sehr marginale Verbesserungen zum Vorjahr bietet und Optik, wie auch Akustik, zwar sehr gut sind, aber eben auch im Vergleich zum Vorjahr fast unverändert daherkommen. Und trotzdem ist NHL, obwohl die Konkurrenz komplett fehlt und die Bürde der jährlichen Veröffentlichung schwer auf der Franchise lastet, auch im aktuellen Jahr wieder für alle Sportfans ein absolutes Muss. Warum? Weil’s einfach Spaß macht.

Pro

  • + überarbeitetes Torwartspiel
  • + gute Spielphysik, vor allem bei Duellen im Torraum
  • + hilfreiches Trainerfeedback
  • + Arena- und Team-Editor
  • + enormer Umfang bei den Spielmodi…
  • + …on-, wie offline
  • + neue Spielvariante Draft Champions
  • + Erweiterungen im Karrieremodus und bei HUT
  • + ECHL-Lizenz
  • + teilweise passende Präsentation
  • + viele optische Details abseits des Eises
  • + realistisches Animationen
  • + mitreißende Akustik

Kontra

  • - schwankende KI
  • - zu häufiger Torerfolg durch Schüsse von der blauen Linie
  • - unausgeglichener Schwierigkeitsgrad
  • - viele bekannte Inhalte…
  • - …on- wie offline
  • - langweilige Be-a-Pro-Karriere
  • - Franchise-Modus weiterhin auf NHL und AHL beschränkt
  • - europäisches Lizenzpaket unverändert
  • - Präsentation teilweise nicht mehr zeitgemäß

Unsere Bewertung

Grafik
 
80 %
Sound
 
90 %
Steuerung
 
80 %
Gameplay
 
90 %
Multiplayer
 
85 %
Spielspaß
 
85 %

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Als arbeitender Familienvater hat Thomas natürlich nur wenig Zeit, aber wenn dann halt mal doch, schreibt er mit großer Begeisterung mehr oder weniger Sinnvolles über alles was auch nur annähernd mit Sport zu tun hat.

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