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NHL 18 – Test / Review

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Veröffentlicht 6. Oktober 2017 | 17:39 Uhr von Thomas Pfnür

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Fast schon ein viertel Jahrhundert werden wir von Electronic Arts mit Eishockey versorgt. Fast 25 Jahre kommt Jahr für Jahr ein neuer Ableger der Franchise auf den Markt. Über zwei Jahrzehnte, in denen natürlich altersbedingte Abnutzungserscheinungen kaum zu vermeiden sind. Entwicklungsschritte werden kleiner, besondere Neuerungen sind immer schwerer zu finden und insgesamt wirkt alles deutlich ideenloser. NHL 18 zeigt uns diese Problematik nun besonders deutlich.

Wo ist die spielerische Weiterentwicklung?

Besonders einfallslos zeigen sich die Entwickler bei der spielerischen Weiterentwicklung. Gerade mal kleine Änderungen, die ins eigentlich Spielgefühl praktisch überhaupt nicht eingreifen, haben es ins fertige Spiel geschafft. Etwa der neue Skill Stick für die Defensive. Ziel hierbei soll es sein, mit dem Schläger über die Stick-Steuerung Verteidigungsaktionen etwas intuitiver ausführen zu können. Anbringen von Poke-Checks, Armbewegungen zur Störung des Spieles oder Absicherungen der Zone mit den Schläger sollen damit besser zu steuern sein. Fakt ist aber, hätte uns die PR-Abteilung von EA nicht mit der Nase darauf gestoßen, wir hätten diese Neuerung gar nicht mitbekommen.

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Mitbekommen haben wir stattdessen aber die neuen Offensiv-Dekes. Selbige sollen euch mehr Freiheit und Kontrolle geben. Ob das wirklich so ist, wollen wir mal dahinstellen, was aber schon der Fall ist, dass euch nun ein paar neue Möglichkeit im Angriffsspiel gegeben werden, die selbiges etwas umfangreicher gestalten. Schüsse durch die Beine oder einhändige Dekes könnt ihr nun genauso ausführen wie Heel-Drags. Bringt etwas Abwechslung, ist aber sicher nichts „Weltbewegendes“.

„Weltbewegender“ wären da hingegen dann schon die Anpassungen an der immer so gerne kritisierten KI gewesen. Laut den Entwicklern sollen die CPU-gesteuerten Mit- bzw. Gegenspieler nun kreativer auf die jeweilige Spielsituation reagieren und vor allem auch Angriffs-, sowie Verteidigungsaktion deutlich effektiver ausführen. Theoretisch. Nur leider ist die Theorie sehr selten mit der Praxis auch wirklich identisch. Und NHL 18 zeigt uns dies mehr als deutlich. Um es kurz zu machen: Unserer Meinung nach hat sich an der KI nichts geändert, d.h. sie verhält sich nicht anders als vor 12 Monaten. Logisch also, dass somit auch weiterhin die Kritikpunkte vom letzten Jahr unverändert vorhanden sind. Soll heißen, die integrierte Spielerintelligenz zeigt immer noch viel zu häufig viel zu schwankende Leistungen. Und gerade der Torhüter nervt mal wieder mit kaum nachvollziehbaren Aktionen. Warum er beispielsweise knallhart ausgeführte One-Timer absolut Weltklasse pariert und im Gegenzug schwache Schüsse von der blauen Linie in einer Regelmäßigkeit ohne große Gegenwehr über die Linie kullern lässt, können uns wohl nicht mal die dafür zuständigen Herren wirklich logisch erklären. Ist auch egal, denn es stört und sollte irgendwann endlich mal abgestellt werden.

Doch nach all der Kritik, wollen wir auch mal ein wenig loben: Das neue Trainingslager ist sehr gut gelungen. Diese Kombination aus Videos, Trainingsübungen und knallharten Herausforderungen bietet gerade Neueinsteigern den Zugang, den sie brauchen um sich in NHL 18 auch wirklich wohl zu fühlen. Und selbst den Kennern der Serie werden noch einige Tricks und Kniffe gezeigt, die sie so vielleicht noch gar nicht kannten. In jedem Fall kann man sich perfekt auf die kommenden Aufgaben in Karriere & Co. vorbereiten – ja, dieses Trainingslager hat seinen Namen wirklich verdient.

Insgesamt bietet der aktuelle Ableger spielerisch wieder genau die Kost, die wir schon seit Jahren gewohnt sind. Das ist zum einen ein Segen, denn damit bekommen wir auch wieder dieses authentische und fordernde Eishockey geboten, zum anderen aber eben auch Fluch, da es komplett an der Eigenständigkeit fehlt. Und es ist nun mal so: Würde uns das Logo nicht ständig darauf hinweisen, wir würden es wohl kaum ernsthaft merken, dass wir jetzt tatsächlich das neue NHL 18 spielen.

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Gibt es überhaupt große Neuerungen? 

Besonders kreativ waren die Entwickler jedenfalls nicht, als es darum ging neue Inhalte für NHL 18 zu finden und schlussendlich auch zu integrieren. Wir finden es sogar richtig erschreckend, wie unverändert die Menüs, mit den bekannten Modis als Inhalt, nach 12 Monaten Entwicklungszeit nun aussehen – off-, wie online. Nein, wirklich viel getan hat sich bei den Spielvarianten nicht.

Auch nicht beim Herzstück des Titels, nämlich der Karriere, egal ob jetzt als Manager oder als Spieler. Ok, die neue NHL-Franchise Vegas Golden Knights hat innerhalb des Modus ihre Spuren hinterlassen und NHL 18 bietet euch, neben der Möglichkeit mit dem neuen Team aus der Stadt der Spielcasinos anzutreten, auch die Gelegenheit ein komplett eigenes 32. NHL-Team zu erstellen, samt Standort, Maskottchen, Arena und natürlich Trikots. Die eigentliche Zusammenstellung des Kaders erfolgt dann nach Vorbild der Profilliga über den sogenannten Expansion Draft. Ja, diese Franchise-Erweiterung ist neu, der Rest aber mehr als hinlänglich aus dem Vorgänger bekannt. Wie gehabt, müsst ihr euch etwa als GM um die Fans, die Finanzen, das Stadion genauso kümmern, wie um das Team, die Aufstellung und die alles entscheidenden Trades. Und ganz nebenbei soll natürlich mal wieder der Stanley Cup gewonnen werden. Und trotz dieses extremen „Kennen-wir-schon“-Gefühl, der Karrieremodus begeistert auch in der x-ten Auflage immer noch. Der Umfang, der Tiefgang und die vorhandene Motivation passen einfach – oder anders: alles ist genau so, wie es sein soll.

Tatsächlich gibt es aber auch eine komplett neue Spielvariante. NHL Threes nennt sie sich und ist ein Modus, in welchem euch rasantes, komplett arcarde-lastiges Eishockey in einer, wie der Name schon erahnen lässt, 3-gegen-3-Variante erwartet. Schnellere Bewegungen, intensivere Aktionen und vor allem eine unkomplizierte Steuerung sind hier die Hauptaspekte. Geboten werden soll leichter Zugang und kurzweiliger Spielspaß und das trifft zu jedem Zeitpunkt auch genau so zu. Offline habt ihr die Möglichkeit über eine Art Kampagne durch verschieden Matches gegen andere Teams oder spezielle Herausforderungen Belohnungen in Form von neuen Mitspielern, Trikots oder Logos zu erspielen. Online könnt hier hingegen unter anderem Teamspiele im 3-gegen-3-Modus organisieren und euch mit der Community um Siege oder gar Meisterschaften streiten. Besonders gut gefällt uns, dass die Spielvariante komplett anderes präsentiert wird und somit Abwechslung zum restlichen Modi-Allerlei bietet. So tretet ihr in der Threes-Variante in anderen, meist bunteren und mit Effekten vollgestopften Arenen an, wird das Geschehen aus teilweise komplett anderen Blickwinkeln gezeigt und sorgt ein spezieller, humorvollerer Kommentar für mehr als nur einen Lacher.

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Und trotzdem, auch der durchaus gute Modus NHL Threes kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Umfang grundsätzlich sehr wenige Änderungen beinhaltet. Das Meiste kommt einen sofort bekannt, häufig viel zu bekannt vor. Entscheidende inhaltliche Neuerungen fehlen überwiegend komplett und somit auch ein wirklicher Grund sich für NHL 18 zu entscheiden. Übrigens: Die Eishockey-Simulation hat entgegen dem allgemeinen Trend tatsächlich keinen Story-Modus spendiert bekommen und dürfte damit wohl die rühmliche Ausnahme, im negativen Sinn, innerhalb des Portfolios von EA Sports sein.

Weit weniger überrascht, dass sich technisch nichts getan hat. Man bekommt also weiterhin eine durchaus passende Optik, schöne Animationen und ein grandios designtes Publikum geboten, muss aber im Gegenzug immer noch damit leben, dass es Clippingfehler, manchen Ruckler und eine teilweise nicht besonders mitreißende Präsentation (Stichwort: Karriere) gibt. Dafür bleibt die Akustik auf gewohnt hohen, fast kritiklosen Niveau.

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Getestete Version: Xbox One

Unser Fazit

78 %

EA Sports muss sich schon die Frage gefallen lassen, was denn jetzt das Besondere an NHL 18 sein soll. Ein besonders neues Spielgefühl und die Unmenge an Gameplayneuerungen können es nicht sein – beides gibt es nämlich nicht. Und auch die praktisch unveränderte Technik, die optisch, wie akustisch durchaus überzeugt, aber eben auch bekannte Fehler beinhaltet, kann es ebenfalls nicht sein. Aber auch der Umfang, der über weite Teile das anbietet was schon der Vorgänger anbot und uns einzig mit dem neuen NHL Threes-Modus zumindest eine kleine, aber auch gute Erweiterung zeigt, kann nicht als Grund herhalten, weshalb man sich den aktuellen Ableger der Eishockey-Reihe unbedingt zulegen sollte. Nein, der Titel hat sich viel zu wenig weiterentwickelt, um wirklich als Must-Have bezeichnet zu werden. Und das ist ebenfalls nicht neu: Schon seit längerem kämpft die NHL-Reihe genau mit diesem „Entwicklungs-Problem“, mit dem Problem, immer weniger Gründe zu bieten, den Titel unbedingt sein Eigen nennen zu wollen – allerdings, und das muss man eben heuer schon festhalten, war es noch nie so deutlich, wie bei NHL 18.

Pro

  • + weiterhin sehr gute Spielbarkeit
  • + ein paar, kleine Gameplayanpassungen (Defensiver Skill Stick)
  • + immer noch guter Umfang bei den Spielmodi
  • + neue Spielvariante NHL Threes
  • + neue NHL-Franchise Vegas Golden Knights
  • + schöne Optik
  • + passende Akustik

Kontra

  • - spielerische Kopie des Vorjahres
  • - weiterhin schwankende KI
  • - wenig Neues beim Umfang…
  • - …noch weniger Neues bei der Technik
  • - …oder: NHL 17 ist in allen Bereichen viel zu präsent

Unsere Bewertung

Grafik
 
80 %
Sound
 
95 %
Steuerung
 
82 %
Gameplay
 
85 %
Multiplayer
 
80 %
Spielspaß
 
78 %

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Als arbeitender Familienvater hat Thomas natürlich nur wenig Zeit, aber wenn dann halt mal doch, schreibt er mit großer Begeisterung mehr oder weniger Sinnvolles über alles was auch nur annähernd mit Sport zu tun hat.

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