Operation Flashpoint: Red River - Review - insidegames

insidegames

Operation Flashpoint: Red River – Review

Direkt zum Fazit springen

Veröffentlicht 30. April 2011 | 1:02 Uhr von Keysjore

Letzte Änderung 3. Mai 2015

Operation Flashpoint Red River - 001

Alter Feind, neue Umgebung. Red River hat mit dem Vorgänger Dragon Rising nur bedingt zu tun. Zwar ziehen erneut eure tapferen Marines gegen Chinas Volkbefreiungsarmee in die Schlacht, doch dies geschieht jetzt nicht mehr auf einer fiktiven Sachalin-Insel, sondern in dem Hochgebirgsland Tadschikistan. Dort kämpfen wir gegen die ITP, die Islamische Turkestan-Partei, oder in Marinesprache liebevoll als »Tadschi-Pisser« betitelt. Der Plot von Codemasters wild zusammengewürfelten Terroristenhäkelverein ist schnell erzählt: Ihr seid Soldat in einer Einheit, die für Ordnung in Tadschikistan sorgen soll. Blöd nur, dass die ITP nicht nur die US-Marines auf dem Kieker hat, sondern auch einen Groll gegen China hegt. China passt das natürlich so gar nicht und schickt Truppen nach Tadschikistan, die wiederum auf unsere Marines treffen. Gott sei Dank, sind wir US-Marines. Wir sind nämlich so cool, dass wir es mit Terroristen und Kommunisten gleichzeitig aufnehmen können, menschenverachtende Sprüche inklusive.
Wir hocken auf einer offenen Ladefläche eines Humvees; Staff Sergeant Knox schwört uns mit klassischer Möchtegern-Supertaff-Masche auf die kommende Mission ein; aus den Lautsprechern der Fahrerzelle plärrt “Let the Bodies Hit the Floor“ von Drowning Pool. Ob es wirklich eine so gute Idee ist, mit offener Ladefläche und lauter Musik durch Feindesgebiet zu rauschen? Das Motto in Red River lautet: “Hirn aus, Knarre raus”. Anders wie bei den Vorgängern erhebt Entwickler Codemasters für Red River keinen Anspruch auf militärische Genauigkeit. Codemasters versucht die Schneise zwischen actiongeladenen Shooter und taktischer Kriegssimulation enger zu ziehen, zerstört dabei aber alles was einst diese großartige Reihe ausgemacht hat.

Team X und Sergeant Nervig

Die Kampagne von Red River umfasst zehn gigantische Missionen. Im den ersten vier ärgern wir uns noch mit der ITP rum, in den folgenden sechs geht’s gegen die vermeintliche Übermacht der Chinesen zu Felde. Die Gruppen-Konstellation bleibt dabei stets gleich. Euch steht ein nebulöses 4-Mann-Team unter Kontrolle, ohne jeglichen Bezug zu den Charakteren. Lediglich Staff Sergeant Knox gewinnt etwas Form durch seine markigen Drillsergeant-Sprüche, inkl. Längenvergleichen, Pussy-Geschwafel und anderen geeigneten Beleidigungen. Im späteren Verlauf gewinnt die Kampagne aber dennoch an Spannung, und lässt die sonderbare Hintergrundgeschichte samt identitätslosen Teamkollegen in Vergessenheit geraten. Gerade durch die langen und explosiven Feuergefechte mit mehreren Stellungswechseln auf der großen Karte, die oft mehr als eine Stunde in Anspruch nehmen können, spielt Red River seine Stärken aus: Viel räumlicher Freiraum und langanhaltende, actionreiche Konflikte. Auch wenn im Gegensatz zum ersten Operation Flashpoint hier deutlich die gradlinige Action überwiegt, haben die Missionen einige große Momente zu bieten. Ein paar alte Markenzeichen haben den Crash zum Action-Genre zum Glück überlebt. Wie in den Vorgängern wird auch in Red River der Schusswechsel fast immer auf Distanz ausgetragen. Nahkampfhaudegen kommen nur selten auf ihre Kosten, die Feuergefechte müssen gut durchdacht werden und verlangen ein genaues Augenmaß. Die unterschiedlichen Missionsziele in den einzelnen Einsätzen liegen oft weit auseinander. Während in Call of Duty einzelne Schlauchlevel durchlaufen werden, wird in Operation Flashpoint nahtlos von Einsatzort zu Einsatzort mit dem Humvee oder dem Transportheli getuckert. Red River arbeitet mit einem Erfahrungsstufensystem. Zu Beginn hat euer Mann nur Zugriff auf eine stark begrenze Waffenwahl. Frische Knarren müsst ihr euch schon verdienen. Je höher ihr nämlich aufsteigt, desto umfangreicher das Arsenal der einzelnen Soldatenklassen. Auch das sogenannte Zusatzkönnen wird mit dem Stufenfortschritt beeinflusst. So kann euer Soldat beispielsweise Teamkameraden schneller heilen oder darf mehr Munition mitschleppen. Neben den Erfahrungsstufen gibt es auch noch ein Punktesystem in Red River. Habt ihr eine besonders gut gelaufene Mission mit allen optionalen Zielen erfüllt, bringt euch das eine Goldmedaille und drei Punkte. Habtwir euch etwas weniger angestrengt, gibt es Silber und zwei Punkte, und ward ihr faule Hunde, gerade mal nur Bronze und einen Punkt. Die Punkte dienen nicht nur dem Ansehen, sondern können in Spezialausbildungen investiert werden. So lässt sich beispielweise unsere Ausdauer steigern oder unser Sprinttempo. Das Konzept ist zwar keine schlechte Einführung in die Serie, womit sich aber Codemasters selbst ins Bein schießt, ist die Sturmgewehr-Ausbildung. Die sorgt dafür, dass wir besser treffen oder besser gesagt: dass wir überhaupt treffen. Wer nicht einen ausführlichen Blick in die zusätzlichen Optionen des Spiels wirft, dürfte sich so manches Mal wundern, warum seine Kugeln beim Ziel nicht ankommen, selbst über vergleichsweise kurze Distanz. Erst wenn die Sturmgewehr-Ausbildung entsprechend hochgestuft wurde, habt ihr eine Chance eure Wiedersacher eine Ladung Blei zu verpassen. Ein total unausgegorene Idee, hier beschneidet Codemasters bewusst das Können des einzelnen Spielers, vor allem aber ohne merkliches Feedback oder nachvollziehbaren Prozess.

Eine sandige Angelegenheit

Dass auf dem PC die Steuerung dank Maus und Tastatur mit Hotkeys erstklassig funktioniert, müssen wir wohl gar nicht erst erwähnen. Aber auch die Controller-Variante für Konsoleros wurde wie bei Dragon Rising ordentlich umgesetzt. Das altbekannte Befehlskreuz kommt auch in Red River wieder zum Einsatz. Zum Glück braucht man es nicht allzu oft. Auf einem normalen Schwierigkeitsgrad halten sich die KI-Mitstreiter meistens bedeckt und stören nicht allzu sehr. Eine große Hilfe für das Bestreiten der Kampagne stellen sie aber auch nicht dar. Aber wer will schon alleine durch endlose Wüstenlandschaften wandern? Außerdem bleiben durch die actiongeladenen Konflikte eh nicht viel Zeit für taktisches Vorgehen, sodass sie zu einem bloßen Anhängsel werden, das man wohl oder übel durch den Einsatz schleppen muss. Grafisch muss sich Red River leider hinter aktuelle Shooter-Blockbuster einordnen. Anders als in Dragon Rising, wo alles durch viele Dschungellandschaften sattgrün war, findet man in Red River vor allem eines, nämlich Sand. Sand so weit das Auge reicht, nur vereinzelt ragen Bäume oder Sträucher aus den kargen Wüstenlandschaften hervor. Stattdessen gibt es überall Felsen, Steinmauern, viele Hütten und sogar ganze Dörfer. Bald wird klar, dass Hütten mehr als nur triste Bauten für die Umgebungsverschönerung darstellen. Sie bieten in erster Linie sowohl unserem Team Bravo, als auch den komplett von der KI gelenkten Gruppen Alpha und Charlie ausreichend Deckung, die ihr bitter nötig habt, wenn euch nachts Helikopter mit Dauerfeuer durch die Wüste jagen. Ärgerlich ist auch die Tatsache, dass wir trotz allem Realismus immer noch nicht knöchelhohe Mauerabsätze überwinden können. So muss man oft im Gefecht sich aus der Deckung schlagen oder bleibt gar bei kleinen Büschen und Hindernissen hängen. Auch das fehlen vieler Animationen raubt Red River die Glaubwürdigkeit: So gibt es z.B. keine Ein- und Ausstiegs-Animation bei Fahrzeugen oder beim Erste-Hilfe-Dienst bei Kameraden. Klammert man die Ungereimtheiten aus, dann bietet Red River ein gerüttelt Maß an Abwechslung und Action. Wenn wir zusammen mit Team Alpha und Charlie ein zerbombtes Dorf stürmen, nicht wissend hinter welcher Ecke chinesische Soldaten auf uns lauern. Wenn die Mörsereinschläge mit einem lauten Donnern sich immer mehr unserer Position nähern, dann entsteht echtes Kriegsfeeling. Ach wie schön wäre es, wenn Red River in solchen Momenten einfach mal die Fresse halten würde. Das dauernde Geschwafel der KI-Begleiter mit ihren menschenverachtenden Äußerungen wie z.B. „Ihr verfickten Tadschi-Pissern!“ ist eher kontraproduktiv für die Atmosphäre und kann auf Dauer ziemlich nerven.

Schnell in einem Rutsch: Der Mehrspieler-Modus in Operation Flashpoint: Red River bezieht sich auch hier wieder gänzlich auf eine Koop-Variante. Sowohl die Kampagne als auch die so genannten Truppgefechte lassen sich mit bis zu drei echten Mitstreitern angehen. Natürlich sorgt eine ordentliche Partie für einen spaßigen Koop-Durchgang, aber leider hat auch Red River nicht an Mehrspielerumfang zugelegt. Taktische Teamschlachten oder ein durchdachter Vs.-Modus würde der Reihe gut tun und für mehr Langzeitmotivation sorgen.

Unser Fazit

70 %

Was ist nur aus der Kernidee von Operation Flashpoint geworden? Es war einmal eine taktische Kriegssimulation, die dem Spieler schier endlose Möglichkeiten und Freiheiten für das Lösen militärischer Einsätze bietete. Doch während der Vorgänger Dragon Rising die Waage zwischen Taktik-Shooter und Action-Shooter zwar mit einigen ausbaufähigen Schwächen noch halten konnte, fällt das Gewicht in Red River klar auf die Action-Seite. Codemasters liefert ihr zwar keinen totalen Fehlschlag ab, enttäuscht aber nebenbei die Community von Operation Flashpoint. Von den einst geschätzten Elementen des Original sind nur noch vereinzelte Überbleibsel in Red River zu finden, wie zum Beispiel die starken glaubwürdigen Distanzgefechte oder die großflächigen Einsatzgebiete, die mit ihren Nebenmissionen via Humvee bereist werden können. Ganz klar liegt auch in diesem Teil der Reihe das Hauptaugenmerk auf dem Koop-Modus: Mit bis zu vier Spielern darf in die gigantischen Einsatzorte ausgerückt werden. Schade, das neben dem Koop-Modus nicht noch mehr an Mehrspielerumfang geboten wird. Operation Flashpoint: Red River bleibt nicht mehr als ein Durchschnittsshooter mit einigen interessanten Elementen und einer soliden Koop-Funktion. Auf Dauer fehlt es dem Titel aber an Langzeitmotivation und Wiederspielwert.

Pro

  • schöne Landschaften
  • super Weitsicht
  • gelungene Animationen
  • sehr gute Sprecher
  • grandiose Waffen- und Fahrzeuggeräusche
  • einsteigerfreundlich
  • gutes Tutorial
  • drei unterschiedliche Schwierigkeitsstufen
  • cooler Rocksound
  • spannende Rückzugsmissionen
  • tolles Truppgefühl
  • übersichtliche Befehlsoptionen
  • solide Steuerung auf dem Controller
  • schneller Waffenwechsel
  • zehn umfangreiche Missionen
  • stark KI bei Teamkollegen
  • clevere Feinde
  • KI Kammeraden heilen euch
  • interessante optionale Ziele
  • gigantisches Waffenarsenal
  • anpassbare Ausrüstung
  • Spezialfähigkeiten
  • realistische Ballistik
  • nachvollziehbare Story
  • durchdachter Schlachtenverlauf
  • deutlicher Schwerpunkt Koop-Modus

Kontra

  • gelegentliche Hänger in den Animationen
  • schlechte Beleuchtung in Gebäuden
  • grafische Schwächen in Innenbereichen
  • Grafik nicht mehr aktuell
  • mittelmäßiger Umgebungssound
  • schwache Explosionen
  • Wortmeldungen der Gegner räumlich nicht einzuordnen
  • leichte gegnerische KI
  • textfaule Mitstreiter
  • kein freies Speichern
  • oft unlogische Aufgaben
  • keinen richtigen Multiplayer
  • China-Plot wirk sehr gekünstelt
  • kaum Fahrzeugeinsätze
  • etwas wenig Abwechslung
  • mühselige Spannungskurve
  • fehlende Animationen beim Ein- oder Aussteigen
  • keine Animation beim Heilen
  • unüberwindbare kniehohe Mauern
  • Fehler beim Kameradreh

Unsere Bewertung

Grafik
 
70 %
Sound
 
80 %
Steuerung
 
80 %
Gameplay
 
70 %
Multiplayer
 
70 %
Spielspaß
 
80 %

- ANZEIGE -


Kategorien:
Tags:

Weitere News und Spiele zum Thema

Kommentare

Hinterlasse eine Antwort

Erfolge Trophy Leitfaden Keyword-Wolke:


  • operation flashpoint red river mehrspielermodus
  • <>operation flashpoint red river klassen wechseln
  • operation faspoint red river maus einstellungen
  • operation flashpoint ps3 maus und tastatur
  • operation flashpoint red river klasse wechseln
  • red river klasse wechseln
  • flashpoint red river bleibt stehen
  • operation flashpoint red river sprüche

- ANZEIGE -


*