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The Order: 1886 – Der mit dem Werwolf tanzt …

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Veröffentlicht 4. März 2015 | 16:24 Uhr von Sandra

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Ready at Dawn, gegründet im Jahr 2003 in Irvine, Kalifornien, haben sich bisher mit einer Handvoll Spiele, vorzugsweise für Sonys Handheld PSP, einen Namen gemacht. Zu ihren großen Würfen gehören dabei auf jeden Fall Daxter im Jahr 2006 sowie die Anpassung des Clover Studio Hits Okami für Nintendos Wii (2008). Nachhaltig einen Namen haben sich die Damen und Herren jedoch mit den Umsetzungen verschiedener God of War-Spiele gemacht, inklusive der God of War: Origins Collection, die 2011 für Playstation 3 erschienen ist. Und nun, weitere vier Jahre später, schickt sich Ready at Dawn aktuell an mit The Order: 1886 ein mögliches Spiel des Jahre 2015 zu veröffentlichen.

Viktorianisches Waterboarding

Irgendwo im Untergrund Londons in einem finsteren, nur wenig beleuchteten und schmuddeligen Kerkerverlies sieht Sir Galahad seinem möglichen Ende entgegen. Der Vorwurf des Verrats liegt bleiern und schwer in der Luft und die Folter soll die Wahrheit ans Licht bringen. Sir Galahad ringt um Luft, versucht zu atmen und doch dringt das Wasser unaufhaltsam in seine Lungen ein, sein Bewusstsein schwindet und die Kräfte scheinen ihn zu verlassen. Und doch schafft es Sir Galahad sich noch ein letztes Mal aufzubäumen, sich zu wehren, sich gegen seine Angreifer und Folterer zu stemmen. Aber der Weg raus aus dem Martyrium ist gespickt mit Gefahren, mit Verfolgern und der Tod lauert an jeder Ecke. Nebel wabert durch die Gassen, verschleiert das Unausweichliche, treibt Sir Galahad augenscheinlich in die Enge. Sir Galahad nimmt seine Hände hoch und … Schnitt!

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Von Menschen und Lykanern

Nein, den Gefallen tun wir euch nicht – diese Szenerie erlebt ihr besser selbst. Abgesehen davon, dass mit diesem zugegeben schon gigantischen Intro der ganze Schmus erst richtig los geht. Die Inszenierung pflanzt euch – bewusst und unbewusst – eine Reihe erster Fragen in den Kopf, die ihr natürlich beantwortet haben wollt. Allein die Tatsache, dass der erste Cut ein Stück weit vorhersehbar aber auch gleichzeitig fies und doch motivierend gesetzt ist, fördert die Spannung.

Begebt euch auf eine Zeitreise und erlebt Wandlung, Umbruch, aber auch Krieg, Misstrauen und Verfolgung. Lernt hungrige Lykaner kennen, ein verunsichertes Volk und erfahrt was es mit König Arthus‘ ritterlicher Tafelrunde tatsächlich auf sich hatte. Schwarzes Wasser wird für euch fast so elementar werden wie eure Waffen, zu denen ihr recht häufig greifen müsst. Ach ja, Jack the Ripper hat auch seine Finger mit im Spiel und Vampire werden auch euren Weg kreuzen. Kurzum, Ready at Dawn hat eine illustre Runde fiktiver Gestalten mit geschichtlich belegten Zeitgenossen gekreuzt und als Spieler findet ihr euch am Ende – ohne zu viel zu verraten – zwischen allen Fronten wieder. Ihr müsst Antworten finden, Klarheiten schaffen, euch sehr oft im Kampf beweisen und zwischendrin gibt’s immer wieder „aha“-Erlebnisse, gefolgt von „ach komm, so ist das“-Momenten bis hin zu „also doch“-Situationen. Und während ihr noch zu Beginn als Sir Galahad zusammen mit Isabeau D’Argyll, Ordensname Lady Igraine, Sebastian Malory, alias Sir Percival und dem Marquis de Lafayette im Dienste des Ordens eurer Bestimmung folgt, bröckelt nach und nach die Fassade und – surprise, surprise – Abgründe tun sich auf.

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Linear spielbarer Film

Freiheiten im klassischen Sinn dürft ihr nicht erwarten, vielmehr eine Art an die Hand nehmen infolge dessen ihr euch einfach leiten lasst. Erlebt einen jederzeit gekonnten Wechsel aus Sequenzen und Spielszenen, die super flüssig, einfach butterweich geraten sind und ohne Ladezeiten auskommen. Dabei ist die Rahmenhandlung die essentielle Grundlage, die vorgegebene Richtung, die auch gern mal Fragen aufwirft, während Dialoge dann und wann eher als Füllmaterial daher kommen. Stört in diesem Zusammenhang allerdings wenig, denn was ihr an wichtigen Informationen braucht, die Unterfütterung des vorhanden roten Fadens, sind zu jeder Zeit gegeben. Die berühmte Dosis macht bekanntlich das Gift und den Autoren ist es gelungen euch mit der Erzählung insoweit anzufixen, dass ihr sicher wissen wollt, wie es weitergeht und was es mit all den Geschehnissen auf sich hat. Abseits davon gibt es vordefinierte Action-Einlagen, in denen ihr als Sir Galahad zeigen könnt, was ihr drauf habt. Das Coole dabei: Ihr müsst keine ausgedehnten Ausflüge in die Umgebung unternehmen, um auf Wichtiges zu stoßen. Euer Bewegungsradius ist limitiert, geregelt und überaus linear. Zerbrechen andere Spiele an diesem Umstand und sorgen schnell für Langeweile ist es für The Order: 1886 genau das richtige Stilmittel. Ergänzend gibt es zur Story ein paar Sammelobjekte in Form von Flugblättern, Zeitungen oder auch Audionachrichten auszumachen, welche zwar fürs Weiterkommen nur sekundär von Bedeutung sind (außer ihr seid Trophäenjäger), gelegentlich aber lassen sich den Items dann doch auch mal Lücken füllende Angaben entlocken.

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Orden, übernehmen Sie!

Die Passagen, in denen ihr zu Fuß unterwegs seid, auch mal links und rechts schauen könnt, dienen euch vorzugsweise als Übergang, um zum nächsten Gefecht zu gelangen. Die in The Order: 1886 enthaltenen Schießereien sind durchgestylt vom Scheitel bis zur Sohle – und in dem Fall ist das eine gute Sache. Wenn es darum geht sich mit Gegnern anzulegen, sollte die Umgebung euer bester Freund werden, die darüber hinaus entsprechend designt wurde, damit ihr auf du-und-du mit zahlreichen Deckungsmöglichkeiten steht. Aber Vorsicht, nicht jeder auserkorene Schutz ist in der Lage auf Dauer zu halten. Holz splittert und wenn Granaten fliegen oder Fässer explodieren, seid ihr besser nicht in der Nähe. Abgesehen davon zersplittern angesichts umherfliegender Kugeln natürlich auch Glas, Porzellan und derlei Kram mehr, so dass die Kämpfe fast ausnahmslos immer zu einem grandiosen, vor allem auch optischen Spektakel mutieren.

Das Ganze nivelliert sich jedoch etwas, wenn man berücksichtigt, dass zum einen die eigenen Leute verdammt schnell am Abzug sein können und zum anderen die Gegner nichts weiter sind als Schießbudenfiguren wie man sie von Rummelplatzattraktionen her kennt. Getreu dem Motto „drei, zwei, eins – Kuckuck links“ (… oder rechts, ganz wie man will) tauchen die Widersacher zwar überaus schnell in die Deckung ab, lassen euch aber auch genauso fix wissen, wie und nach welchem Muster sie aus selbiger wieder hervor schielen, um ihrerseits zu peilen wo ihr euch aufhaltet. Mal lugt das Köpfchen oben raus, dann links, dann rechts – ist die Reihenfolge einmal klar, wird diese nicht mehr geändert und ihr könnt das Peilen anfangen. Ihr solltet nur nicht zu lange einen solchen Gegner im Visier behalten, da er sonst dazu neigt sich erst einmal gar nicht mehr zeigen zu wollen. Die Ausnahme von der berühmten Regel sind die extrem gepanzerten Widersacher, die auch nicht zwingend in der Deckung verharren, sondern Kamikaze gleich mit der Schrotflinte im Anschlag auf euch zustürmen. Diese Zeitgenossen verlangen in der Tat etwas Geschick, Strategie und Taktik, um sie ins virtuelle Gras beißen zu lassen. Manche Konfrontationen werden auch mittels Quick-Time-Event entschieden und es gibt zwei, drei Bereiche, in denen ihr gänzlich ohne Waffeneinsatz durch kommen müsst, da das Spiel von euch verlangt in bester Sam Fisher-Stealth-Manier zu bestehen. Angucken ja, Anfassen nein lautet dann die Devise und immer hübsch das eigene Köpfchen unten halten.

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Boom-Boom Pow

Mit welcher Waffe ihr eure Gegner beseitigen wollt, ist euch überlassen, das zur Verfügung stehende Arsenal ist ordentlich und hat für jede Vorliebe bzw. auch jede Situation so gut wie den passenden Schießprügel parat. Scharfschützen- oder auch Maschinengewehre, Pistolen und verschiedene Granaten in der Kategorie Standardwaffen können ebenso genutzt werden wie die von Nikola Tesla im Labor erfundenen Waffen, die insbesondere Steampunk-Herzen höher schlagen lassen. Wie wäre es mit einer Art Blitzkanone, die gepflegt, effizient und mit nur einem Schuss Gegner ins Nirwana schickt. Oder der Thermitenwerfer, ein ganz ein tolles Teil, mit dessen Hilfe ihr Widersacher in Grillgut verwandelt. Schade allerdings, dass ihr eher selten in den Genuss dieser Waffen kommt und mehrheitlich mit der üblichen Ausrüstung Feinden zu Leibe rückt.

Neben den Waffen erweist sich auch ein geheimnisvoller Zaubertrank als probates Hilfsmittel. Das sogenannte Schwarze Wasser macht euch zwar nicht unsterblich, aber immerhin ist es Lebensverlängern – und das in vielerlei Hinsicht. Vor allem auf dem Schlachtfeld kann das Schwarzwasser nützlich sein, insbesondere dann, wenn ihr ein paar Treffer zu viel einstecken musstet. Timt aber den Schluck aus der Phiole gut, denn während ihr trinkt, seid ihr erst recht angreifbar. Abgesehen von der Pronto-Gesundung, welche die ominöse Flüssigkeit garantiert, könnt ihr sie auch effektiv im Kampf gegen eure Widersacher einsetzen. Verlangsamt die Szenerie, markiert in diesem Moment eure Feinde und lasst hernach eure Waffe sprechen. Ob ihr euch dabei auf einen oder mehrere Gegner konzentrieren wollt, könnt ihr nach Lust und Laune bzw. Situation spontan entscheiden.

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Porentief rein und Aprilfrisch

Wie schon zuvor erwähnt, werdet ihr sozusagen geführt, habt eine strikt vordefinierte Route, die es abzuschreiten gilt, um das nächste Script auszulösen. In den meisten Fällen ein eher negativer Aspekt, erweist sich dieses Vorgehen jedoch als durchaus passend für The Order: 1886, nicht zuletzt auch, da die Story über weite Strecken spannend sowie überwiegend auch sinnig mit Twists und nicht unbedingt vorhersehbaren Wendungen daher kommt. Das i-Tüpfelchen, die obligatorische Kirsche auf dem Sahnehäubchen ist dabei natürlich auch die gebotene Grafik. Saubere Arbeit konstatieren wir an dieser Stelle und zollen Ready at Dawn Respekt. Die Jungs und Mädels beweisen, zu was die neue Konsolengeneration zu Leisten im Stande ist. The Order: 1886 darf sich durchaus auf die Fahnen schreiben ein echter Next-Gen-Titel zu sein, gleichwohl wir auch annehmen – nein, überzeugt davon sind, dass das Ende der Fahnenstange mitnichten schon erreicht ist.

Flüssige, nahtlose, ruckel- und Ladezeiten-freie Übergänge reihen Sequenzen und Spielszenen astrein aneinander. In selbigen zu bestaunen gibt es realistische Figuren als auch Schauplätze nebst ausgefeilten Details, sagenhaften Texturen sowie genialen Effekten. Im Detail heißt das u.a. durchaus echt anmutende Gesichtsmimik als auch Optik, stimmig sich im Wind bewegende Kleidung oder auch Fahnen sowie Metallglanz und Lichtreflektionen. Es sind oftmals Kleinigkeiten, gar nichts Auffälliges, dass einem überall im neoviktorianischen London vor Linse kommen kann. Dabei spielt es keine Rolle, wo ihr euch gerade aufhaltet. Sich umschauen, beispielsweise in den Katakomben oder auch im Luftschiff oder dem Armenviertel, lohnt sich in jedem Fall. Wirklich einen ausgedehnten Rundumblick solltet ihr euch genehmigen, wenn euch euer Weg in höhere Gefilde (Dächer, Balkone, etc.) führt. Schaut in die Ferne, nach oben in den Himmel und den Zeppelinen beim Fliegen zu und entdeckt überall Feinheiten und Raffinessen. Natürlich gibt es auch die für London typischen Wahrzeichen wie den Tower oder auch Big Ben auszumachen, wobei diese mehr Anschauungsobjekt sind und nicht für die direkte Inspizierung zur Verfügung stehen.

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Unser Fazit

81 %

The Order: 1886 ist ein tolles Spiel oder doch ein toller Film? Einigen wir uns auf eine durchaus gelungene Kombination aus Spiel trifft Film, die insbesondere optisch einiges zu bieten hat und Story technisch geniale Ansätze vorweist, allerdings in Sachen Gameplay noch etwas aufholen muss. Das würden wir uns jedenfalls für ein mögliches The Order: 1886 2 wünschen. Und ein zweiter Teil scheint angesichts des Endes irgendwie im Bereich des möglichen zu sein (wenn ihr es gesehen habt, wisst ihr, was wir meinen). Wer auf weitestgehend spannendes Story-Telling abfährt, interessante Figuren und geschichtliche Verstrickungen mag, wird mit The Order: 1886 zweifelsfrei voll und ganz bedient werden. Liegt euer Fokus auf spielerischen Elementen, dem Ausnutzen von Möglichkeiten, dem Entdecken des Unbekannten, könntet ihr unter Umständen nicht ganz so zufrieden gestellt werden. The Order: 1886 ist ein Stück weit limitiert, beschränkt, vordefiniert und vor allem in Sachen Aktionismus reglementiert. Lasst ihr euch jedoch auf diese Verbindung ein, da es einen gut erzählten Film zu sehen gibt, in dessen Handlung ihr immer wieder eingreifen müsst, dürft ihr euch auf ca. 10-12 Spielstunden (gemütliches Vorgehen, inklusive Innehalten zum Umschauen) freuen. Tipp: Wollt ihr The Order: 1886 mit der sehr guten englischen Sprachausgabe genießen, stellt eure PS4-Konsole auf Englisch um, da die Optionen für Änderungen der Sprache nicht auf Disc enthalten sind und sich nach der Grundeinstellung des Geräts selbst richten.

Pro

  • + sagenhaft viele tolle grafische Details
  • + weitestgehend spannende Story mit unerwarteten Twists
  • + gelungene Sprachausgabe (Deutsch/Englisch)
  • + tolle Effekte (Rauch, Licht, Schatten)
  • + gut angepasste, intuitive Steuerung
  • + umfangreiches Waffenarsenal
  • + stets flüssiger Spiel/Sequenz-Wechsel
  • + stimmige FX Sounds und Hintergrundmusiken

Kontra

  • - z.T. banale Dialoge
  • - wenig Freiraum für eigenständige Erkundungsgänge
  • - Spielende unbefriedigend
  • - Steampunk-Waffen kommen zu wenig zum Einsatz
  • - dümmliche Gegner-KI

Unsere Bewertung

Grafik
 
90 %
Sound
 
88 %
Steuerung
 
85 %
Gameplay
 
77 %
Multiplayer
 
00 %
Spielspaß
 
80 %

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Leben, lieben, lachen – spielen! Die Pixel und ich sind seit Anfang der 80er Jahre beste Freunde. Mit einem Schneider CPC fing alles an – der Rest ist Geschichte ^-^ Ich mag sie - fast - alle: J-RPGs, Shooter, Action, Adventure, Puzzle… Bei der Achievement/Trophy-Jagd helfe ich euch gerne, selbst sind sie mir nicht so wichtig ;-) Außerdem liebe ich Katzen, mag Action- & Horror-Filme, bin ein Netflix- /US-Serien-Addict und Musik (Metal, 80er, Dance, Oldies, etc.) ist das Nonplusultra (für mich ;-))!

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