insidegames

Overlord: Gefährten des Bösen – Test / Review

Direkt zum Fazit springen

Veröffentlicht 1. Dezember 2015 | 14:46 Uhr von Alexander Winkel

Overlord-Fellowship-of-Evil

Jahre ist es her, dass Boshaftigkeit gepflegt wurde. Lange ist es her, dass sich ein Herrscher aus der Dunkelheit auftut und zusammen mit dem Spieler das kunterbunte und strahlende Leben der Menschen unterjocht. Man kann es kaum glauben, dass sich der Overlord nun endlich wieder erhebt. Mit Gefährten des Bösen steigen wir wieder ein in eine bizarre Welt von Overlord – doch können die neuen Boshaftigkeiten den alten das Wasser reichen?

Die Story zu Gefährten des Bösen wurde laut angaben des Herstellers von Rhianna Pratchett geschrieben, der preisgekrönten Drehbuchautorin des ersten Overlord-Spiels. Erzählerisch liefern der alte Kauz Gnarl und sein Assistent Ricket zumindest wahrhaftig bitterböse Boshaftigkeit. Nach Abstinenz eines wahren Overlords hat sich das flauschige, fröhlich muntere Dasein der Hoffnung und Liebe und Schönheit ausgebreitet. Die Menschen feiern Feste und begehen frohen Mutes sogar Expeditionen in die Schauerwelt des Bösen. Dass dies den boshaften Oberschergen ein Dorn im Auge ist, dürfte klar sein. Daher rufen sie vier Höllenghule herbei, Untote Handlanger des Bösen, die als neuer Overlord für Recht und Ordnung sorgen sollen. Das Böse muss wieder zurückkehren in die fröhliche Welt der Menschen. Die Mächte des Guten müssen vernichtet werden.

overlord-fellowship-of-evil-screenshot-01

Auch wenn die Geschichte wirr zusammengestückelt sowie nicht sonderlich einfallsreich ist und uns schillernde Helden wie Sir Cedric und das Einhorn präsentiert werden, plätschert diese mehr oder weniger im Hintergrund daher. Die Dialoge von Gnarl und Ricket liefern meist eher boshafte Worte und knurrende Sätze über die ach so flauschige Welt der Menschen. Der schwarze Humor ist also hin und wieder vorhanden, zum Beispiel auch in den Sprüchen während der etwas langatmigen Ladepausen des Spiels. Wirklich gelacht haben wir aber kaum. Sind die Witze flach? Sind sie bereits verbraucht? Es mag beides ein wenig zutreffen. Der Humor wirkt so langweilig und stupide wie das eigentliche Gameplay von Gefährten des Bösen.

Doch kommen wir zunächst zu den durchaus gelungenen Dingen. Die Schergen rufen vier Ausgeburten der Hölle zurück ins Leben, die an Seite der Minions Angst und Schrecken verbreiten sollen. Weibliche Bösewichter wie Malady, die als Fernkämpferin sich alles vom Leib hält oder Cryos der Dunkelelfprinz, welcher mit Magie auf sich aufmerksam macht. Grundsätzlich spielen sich die Charaktere leicht unterschiedlich und wir haben uns vor allem mit Inferna beschäftigt, welche sich auf den Nahkampf spezialisiert hat. Außerdem sieht ihre Rüstung recht ähnlich der des ursprünglichen Overlords vor vielen Jahren aus.

overlord-fellowship-of-evil-screenshot-02

Gefährten des Bösen ist vielmehr ein Action-RPG als ein Action-Adventure. Die Dungeons und auch die menschliche Oberwelt wird aus der Vogelperspektive mit starrer Kamera präsentiert. Die Welt wirkt nicht unbedingt zauberhaft, doch die Optik kann vor allem in den späteren Abschnitten mit schicken Regeneffekten oder der blumigen und schillernden Welt des Einhorns durchaus erstaunlich gut aussehen. Dennoch ist die Technik eher zweckmäßig und dank mancher Schatten- und Lichteffekten verliert man auch gerne die Übersicht. Ärgerlicher sind dagegen zahlreiche Bugs und Fehler, die mal mehr, mal weniger den Spielfluss beeinflussen. Es ruckelt vor sich hin, manchmal rennen die Schergen stupide ins Verderben und selten bleibt auch mal der Overlord in der Levelumgebung hängen. Derartiges häuft sich und wirft ein schlechtes Licht auf das Spiel.

Dem Overlord stehen natürlich wieder Schergen zur Seite. Diese bekommt man an entsprechenden Portalen oder durch das Metzeln der Gegner und kann sie per Knopfdruck auf die guten Seelen loslassen. Es gibt die Wächter bzw. Kämpfer, listige Biester, die sich in den Rücken der Feinden schleichen, Selbstmordattentäter sowie gewandte Schergen, welche Lebensenergie spenden können. Ein wenig Taktik – so scheint es auf dem ersten Blick – ist also vorhanden. In der Hauptzentrale liefern Gnarl und Ricket nicht nur das Briefing, mit der Zeit könnt ihr dort auch die Schergen wie auch den Overlord typisch für ein Rollenspiel mit neuen Fähigkeiten verbessern. Dadurch werden die Figuren stärker und ihr könnt auch gleichzeitig mehr Schergen auf die Menschheit loslassen. Auch die Ausrüstung mit witzigen Hüten (eher sinnlos aber spaßig) und neuen todbringenden Waffen (praktisch und sinnvoll) liefert spielerischen Tiefgang.

overlord-fellowship-of-evil-screenshot-03

Letztendlich ist der Aspekt der Aufwertung in Gefährten des Bösen auch bitter nötig. Nach einigen Abschnitten im Tutorial fällt ganz deutlich auf, dass der Schwierigkeitsgrad sehr schwankend und das Balancing hinten und vorne nicht stimmig ist. Aufgrund fehlender Schergen-Portale ist der Overlord in manchen Anschnitten auf sich allein gestellt und zu schwach und kann gegen dickere Ritter und ihren mächtigen Hieben plötzlich nichts mehr ausrichten. Sind die Schergen und der eigene Charakter etwas besser aufgerüstet, so erhält man für die Ermordung der Feinde die Möglichkeit, neue Schergen herbei zu rufen und das kann einem den Arsch retten. Schlecht gemacht und ziemlich ärgerlich, dass man so langweilige ältere Abschnitte mehrfach abgrasen muss, um die nötigen Rubine und Steine für die Aufrüstung zu ergattern.

Noch bevor der erste Akt von insgesamt dreien seinen Lauf nimmt, mangelt es in Gefährten des Bösen bereits an Abwechslung und einem motivierenden Kampfsystem. Inferna, die wir bis zum bittereren Ende des Friedens begleitet haben, greift zum Beispiel auf ein sehr begrenztes Repertoire an Hieben und Schlägen zurück. Die leichten sind schnell, die schweren benebeln die Feinde oder werfen diese gar um. Vor allem letzteres ist der Garant, dass man sich die Menschheit vom Leib hält und hilft somit durch fast alle Situationen. Nach nur wenigen Minuten hämmert man auch aufgrund des unübersichtlichen Chaos auf dem Bildschirm stupide und ohne Strategie auf die Tasten ein um Welle an Welle von Gegnern über den Jordan zu schicken. Mitunter platziert man den Overlord am besten am Schergen-Portal und kann diese in Armeen auf die Feinde hetzen.

overlord-fellowship-of-evil-screenshot-04

Die Schergen werden aber nur bedingt von uns befehligt – ganz im Gegensatz zur ursprünglichen Variante von Overlord. Man ruft sie herbei, schickt diese ggf. zu einem Schalter um ein Tor passierbar zu machen, aber im Kampf reagieren diese autonom. Das macht es aber nicht besser. Oft tummeln sich diese rund um den Overlord und kümmern sich nicht um die fröhlich flauschigen Artgenossen oder schillernden Helden, welche sich uns in den Weg stellen. Das Spielsystem wirkt trotz manch durchdachter Bosskämpfe letztendlich sehr stupide und ist bereits nach nur wenigen Spielminuten schlichtweg eintönig und monoton. Um das Ende zu erleben, muss man sehr viel Durchhaltevermögen aufbringen. Da kann selbst der Mehrspielermodus mit bis zu vier Teilnehmern nichts mehr viel daran drehen. Denn die Übersichtlichkeit ist bereits alleine nicht gegeben, wie soll dann dann bei vier boshaften Meistern das alles besser werden?

overlord-fellowship-of-evil-screenshot-05

 

Unser Fazit

55 %

Gefährten des Bösen hat nur noch bedingt etwas mit den ursprünglichen Overlord Spielen gemeinsam, was vor allem an der fehlenden Interaktionsmöglichkeit mit den Schergen liegt. Der Download-Titel hat seinen Fokus deutlicher auf den Action-Anteil und RPG-Part gelegt, was ja nicht grundsätzlich als negativ zu sehen ist. Nur leider schafft es Gefährten des Bösen einfach nicht, über die möglichen Charakterverbesserungen hinaus auf dem Schlachtfeld zu überzeugen. Chaotisch geht es her und vor allem mit nur wenig Strategie um Vordergrund. Vielmehr mutiert der Kampf zu seinem monotonen, stupiden und ziemlich langweiligen Schlagabtausch, der zudem mit Spielfehlern und schlechtem Balancing jeden Funken von Spielspaß zunichte macht. Gefährten des Bösen kann weder Fans noch Quereinsteiger wirklich empfohlen werden. Der Titel ist zudem nicht wirklich ein Schnäppchen. Für das Geld bekommt man unter Umständen bereits 2-3 andere Download-Titel, welche wesentlich mehr Spaß machen und besser unterhalten können.

Pro

  • + Spielumfang von etwa 10-12 Spielstunden.
  • + Mehrspielermodus für bis zu vier Overlords.
  • + Schwergen wie auch der Overlord lassen sich verbessern und es gibt zahlreiche neue Waffen.
  • + Einige schicke Effekte wie Regen und schillernde Welten.

Kontra

  • - Extrem stupides Kampfsystem mit wenigen Hieben.
  • - Sehr chaotische Verhältnisse auf dem Bildschirm.
  • - Keinen direkten Einfluss mehr auf die Schergen.
  • - Schlechtes Balancing des Spiels.
  • - Zahlreiche kleinere und größere Bugs sind ärgerlich.
  • - Spiel ruckelt sehr häufig.

Unsere Bewertung

Grafik
 
60 %
Sound
 
65 %
Steuerung
 
70 %
Gameplay
 
60 %
Multiplayer
 
60 %
Spielspaß
 
55 %

- ANZEIGE -


Tags:

Weitere News und Spiele zum Thema

Aufgewachsen mit der ersten Nintendo-Konsole, fühlt sich Alexander Winkel eigentlich auf allen Plattformen heimisch. Trotz seiner offensichtlichen Hingabe zur Xbox – die vielen Gamerscore Punkte erspielen sich nicht von selbst – lässt er seine Schreibwut an allen Videospielen aus, unabhängig vom System.

Kommentare

Hinterlasse eine Antwort

Erfolge Trophy Leitfaden Keyword-Wolke:


  • overlord gefährten des bösen ps4 tipps

  • overlord gefährten des bösen gameplay

  • overlord gefährten des bösen

  • Overlord gefahrten des Bösen spielstunde


- ANZEIGE -


*