insidegames

Overwatch – Review / Test

Direkt zum Fazit springen

Veröffentlicht 9. September 2016 | 13:57 Uhr von Marc Wunder

Letzte Änderung 12. September 2016

Overwatch-screen

Bei der ersten Präsentation von Overwatch vor einigen Monaten musste man sich noch verdutzt die Augen reiben. Blizzard Entertainment, die bisher eher für Rollenspiele wie Diablo oder Strategietitel wie War- und Starcraft bekannt waren, versuchen sich an etwas ganz Neuem: einen Taktik-Shooter nach Schere-Stein-Papier-Prinzip. Der Hype steigerte sich sowohl bei Fans als auch der Fachpresse ins Unermessliche. Aber kann das fertige Spiel diesen Vorschusslorbeeren gerecht werden?

Helden, Maps, Explosionen

Um das Fazit gleich vorweg zu nehmen: ja, kann es! Overwatch ist ein unglaublich guter Onlineshooter geworden, der sich auf das besinnt, was Spieler bei der Stange hält: Abwechslung, Spaß, verrückte Momente. Doch sehen wir uns erst die Fakten an. Zu Release gibt es vier Spielmodi: Schnelles Spiel, gegen die KI, benutzerdefiniertes Spiel, Brawl/Event der Woche. Gespielt wird auf zwölf abwechslungsreiche designten Karten, die jeweils passen auf die vier Missionstypen Angriff, Verteidigung, Eskorte und Eroberung zugeschnitten sind. Das mag sich jetzt nicht unbedingt nach viel anhören, allerdings richtet sich Blizzard hier klar nach dem Credo: schnell zu lernen, schwierig zu meistern. Bis man alle Eigenheiten der Modi und Karten intus hat, vergehen einige vergnügliche Stunden. Zudem werden in naher Zukunft sowohl Karten als auch Missionstypen nachgereicht werden. Als Beispiel könnte man da gleich das kürzlich gelaufen Sommerevent anbringen, in dem man ähnlich wie in Rocket League mit dem Spielcharakter im Team Bälle in Tore dirigieren muss.

Seinen größten Reiz zieht Overwatch aus seinen 21 unterschiedlichen Helden. Anders als in dem meisten Online-Shootern sind die Funktionsweisen der Charaktere völlig unterschiedlich gelagert und wie schon angesprochen im Schere-Stein-Papier-Prinzip angelegt. Dies fängt schon vor dem Match an. Man sollte in seinem Team eine gute Mischung aus Tanks, Damage-Dealern, Unterstützern und Heilern bereit halten, um erfolgreich gegen das andere Team bestehen zu können. Läuft es mal nicht so rund, so kann man jederzeit am Einstiegspunkt seinen Helden wechseln, um so den passenden Counterpart zu den Helden der Gegenspieler zu finden.

overwatch-screenshot-03

Und die Helden könnten unterschiedlicher nicht sein! Jeder Charakter hat bis zu zwei Feuermodi, maximal 3 aufladbare Spezialmanöver und immer ein ultimative Fähigkeit, die sich durch verschieden Aktionen auffüllt. Soldier 76 ist zum Beispiel ein guter Einstiegscharakter für Shooterfans. Standardmäßig schießt er mit seinem Gewehr, er kann eine Salve Raketen verschießen und er kann sprinten. Zudem ist es ihm möglich, kurzfristige Heilstationen aufzubauen. Seine ultimative Fähigkeit ist eine Art Auto-Aim, mit dem er automatisch Gegner anvisiert. Ganz im Gegensatz dazu ist Reinhardt eher der Haudrauf. Mit seinem Raketenhammer und der starken Rüstung ist er eher der Nahkämpfer und kann zur Unterstützung seines Teams ein halbkreisförmiges Schild erzeugen. Mit seinem ultimativen Erdstoß macht er in einem großen Umkreis jeden Gegner kurz kampfunfähig. Dagegen ist Mercy eine klassische Heilerin. Sie ist sehr mobil und kann zwischen einzelnen Verbündeten hin und her fliegen/springen. Mit ihrem Stab ist sie die stärkste Einzelheilerin im Spiel und mit ihrem Ultimate kann sie Verbündete wiederbeleben. Dafür macht sie im Kampf mit ihrer Pistole kaum Schaden.

Wie man sieht: Den größten Reiz zieht Overwatch eindeutig aus dem Meistern und gegeneinander ausspielen der verschiedenen Helden und deren Fähigkeiten.
Natürlich hat Blizzard auch seinem neuen Edelshooter eine Hintergrundgeschichte verpasst. Nur leider findet man davon fast nichts im Spiel selbst. Parallel werden allerdings kontinuierliche Youtube-Clips und Comics veröffentlicht, die Welt und ihre Helden näher beleuchten. Es lohnt, sich da etwas einzulesen und sich die gut gemachten Videos anzuschauen. Ohne zu viel von der Lore zu verraten: Overwatch wurde gegründet, um die bösen Omnics (Machinen) zu besiegen. Jahre nach ihrer Auflösung steht die Welt wieder vor einer Bedrohung. Soviel zur Ausgangslage.

overwatch-screenshot-01

Brot und Spiele

Das Balancing der einzelnen Charaktere ist Blizzard wunderbar geglückt und wird auch noch zukünftig weiter verfeinert. Auch die ultimativen Fähigkeiten sind nicht zu übermächtig, da sie sowohl optisch als auch akustisch durch bestimmte Schreie oder Sprüche angekündigt werden. Auch hat jedes Ultimate irgendwo einen Schwachpunkt. Pharah feuert ein wahres Raketentrommelfeuer ab, allerdings ist sie zu diesem Zeitpunkt völlig bewegungsunfähig und wehrlos. Schnelle Helden können da blitzschnell zuschlagen. Ziel ist es also, im Team die Ultimates so gut abzustimmen, dass sie auch den erhofften Erfolg bringen.
Das Matchmaking macht seine Sache sehr gut. Meistens werden Spieler zusammen gepackt, die ungefähr die gleiche Stufe haben, aber auch Freundesgruppen wird ein vergleichbar gutes Gegnerteam entgegen gesetzt. Natürlich bleiben dabei trotz alledem einige haushohe Niederlagen nicht aus, gerade wenn man mit Fremden spielt und die eigenen Helden nicht gut aufeinander abgestimmt sind. Zum Glück warnt einen das Spiel in der Charakterauswahl, wenn z.B. wenig Angreifer oder keine Heiler im Team sind. Dauert die Matchsuche mal etwas länger, wird man in einen Übungsmodus gebracht, in dem man gegen KI-Gegner kämpft und neue Helden ausprobieren kann. Sobald ein Match gefunden wurde, gelangt man da hin. Leider gibt es keinen Einzelspielermodus, in dem man die Hintergrundgeschichte im Spiel „erleben“ kann. Es ist ein bisschen Schade, dass es Blizzard hier verpasst, die Hintergründe der eigenen Helden in kleinen Missionen zu verbauen. Aber was nicht ist, kann ja vielleicht noch werden.

Beim Levelsystem macht Blizzard zum Glück nicht den Fehler anderer Entwickler und bietet guten Spielern als Loot Gegenstände an, die sie noch besser machen. Besondere Waffen, bessere Rüstungen, Spezialgegenstände – all dies gibt es bei Overwatch nicht. In den bei Levelaufstieg erhaltenen Lootboxen befinden sich ausschließlich kosmetische und akustische Gimmicks wie Skins, Sprüche und Siegesposen. Gut so! Im Shop lasen sich weitere Lootboxen gegen Echtgeld erwerben, dafür besteht allerdings nie eine Notwendigkeit.

Auch optisch gibt sich Overwatch keine Blöße. Die Texturen sind scharf und abwechslungsreich, knallig bunte Effekte gibt es reichlich und die Animationen der Figuren sind auch schön anzusehen. Zudem ist die Framerate stabil.

Beste Voraussetzungen also, um sich ins Getümmel zu stürzen. Die Matches selber sind je nach Ausgewogenheit der Teams zwischen 5 und 10min lang und lassen einem das ganze Spektrum an menschlichen Emotionen erleben. Egal ob himmelhoch jauchzen, weil ein Ultimate punktgenau gesessen hat, bis dahin, dass man am liebsten seinen Controller gegen die Wand werfen und das Spiel nie wieder starten will. Man tut es dann aber doch wieder, denn wenn man einmal vom Overwatch-Virus befallen wurde, kommt man so schnell nicht wieder davon los. Fans von Massenschlachten ala Battlefield kommen allerdings leider nicht auf ihre Kosten. Die Spielerzahl ist auf 12 begrenzt.

overwatch-screenshot-02

 

Unser Fazit

89 %

Bravo Blizzard! Overwatch hat all das gehalten, was ihr uns versprochen habt – und sogar noch viel mehr! Das Gameplay ist schnell und spritzig, die cartoonartigen Helden könnten unterschiedlicher kaum sein und sind super gebalanced und die Motivationskurve stimmt einfach. Da sieht man auch gerne über einen fehlenden Einzelspielermodus, die nur in anderen Medien erzählte aber im Spiel abwesende Story und die begrenzte Spieleranzahl hinweg. Denn der Rest ist ein fantastischer Onlineshooter, der einen förmlich in sich einsaugt und die Zeit verfliegen lässt. Die dürftige Map- und Modiauswahl scheint zwar derzeit den Vollpreis von 60€ nicht zu rechtfertigen, soll demnächst aber durch kostenlose Updates um einiges erweitert werden.

Pro

  • + toll gebalancedes Gameplay
  • + 21 grundverschiedene Helden
  • + motivierendes Loot- und Levelsystem
  • + RPG-Elemente und gutes Quickslot-System
  • + Schere-Stein-Papier-Prinzip
  • + Karten mit vielen Lauf- und Angriffswegen
  • + tempo- und abwechslungsreiche Gefechte
  • + „Easy to learn, hard to master.“

Kontra

  • - kein Einzelspieler-Content
  • - Hintergrundgeschichte kaum in Spiel integriert
  • - (derzeit) nur wenige Maps und Modi

Unsere Bewertung

Grafik
 
83 %
Sound
 
85 %
Steuerung
 
92 %
Gameplay
 
95 %
Multiplayer
 
90 %
Spielspaß
 
90 %

- ANZEIGE -


Tags:

Weitere News und Spiele zum Thema

Hier im Forum als RONIN unterwegs. Seit über zwei Jahrzehnten leidenschaftlicher Gamer. Als Multiplattformer auf jedem System zuhause.

Kommentare

Hinterlasse eine Antwort

Erfolge Trophy Leitfaden Keyword-Wolke:


  • overwatch insidegames


- ANZEIGE -


*