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Oxenfree – Test / Review

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Veröffentlicht 4. April 2016 | 11:53 Uhr von Alexander Winkel

Letzte Änderung 7. April 2016

Oxenfree-Leitfaden

Eher schlicht und optisch doch recht skurril kommt Oxenfree daher, jedoch wer erst einmal Hand anlegt und in das Abenteuer eingetaucht, wird von einer grauenhaft gut erzählten Mystery-Story eingenommen und für fünf Stunden richtig gut unterhalten. Spieltechnisch gibt der Titel kaum was her, die unglaublich gut erzählten Dialoge tragen aber sehr viel zur Atmosphäre bei, was den ehemaligen Entwicklern von Telltale Games verschuldet ist, die bei Night School Studio ein neues Zuhause gefunden haben.

Es ranken sich Gerüchte und Halbwissen um Edwards Island. Tagsüber eine Touristen-Attraktion mit kleinen Verkaufsständen und Läden, bietet die schaurige Insel geschichtliche Ereignisse von Militärbasis bis hin zu unheimlichen Versuchslaboren. Das hält die Teenies aber nicht von ab, gegen das Nacht-Verbot zu verstoßen und alljährlich am wunderschönen Sandstrand durchzumachen. Bier, Lagerfeuer und dumme Partyspiele sollen für eine unterhaltsame Nacht sorgen. So auch in diesem Jahr, wo Alexandra, kurz Alex, das erste Mal ihren Stiefbruder Jonas dabei hat und sich mit Ren, Nona und Clarissa dort einfinden. Vor allem mit Clarissa besteht eine konfliktgeladene Beziehung, da es sich um die Ex ihres richtigen Bruders handelt, mit der sie nie zurecht kam. Einen Bruder wie keinen anderen, der aber auf tragische Weise ertrunken ist und daher ein Tabuthema für Alex.

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Typische Teenie-Probleme begleiten das feucht-fröhliche Partytreiben um das Lagerfeuer und wenn man möchte, kann der verbale Schlagabtausch im Spiel „Wahrheit oder Backpfeife“ durchaus harte Züge annehmen. Nach nur wenigen Spielminuten ist klar, Oxenfree orientiert sich stark an Spiele wie The Walking Dead oder The Wolf Among Us und baut vor allem auf den Dialogen auf. In der Rolle von Alex tappen wir hinter den anderen her, lauschen ihren Gesprächen und wenn wir wollen, werfen wir den einen oder anderen Kommentar ein oder reagieren auf direkte Fragen. Wirklich grandios ist dabei die englische Sprachausgabe, die man selten so gelungen eingespielt aufs Ohr bekommt. Die Charaktere reagieren auf alle Antworten und je nach Wahl des Spielers, wird auch das Gespräch in eine andere Richtung gelenkt. So flüssig, als ob die Szene nicht durch den Spieler getriggert wurde!

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Das, und die unheimlichen Ereignisse, die alsbald ihren Lauf nehmen, sorgen für eine grandiose Atmosphäre in Oxenfree. Alex hat einen Funkempfänger dabei und mittels diesem können die Teenies unheimliche Frequenzen abfangen und gar mysteriöse Dinge auslösen. Ren, anfänglich Feuer und Flamme derartiger mystischer Ereignisse, wird alsbald sein blaues Wunder erleben, wie auch alle anderen Charaktere. Nach einigen Feldversuchen geht irgendwas ganz gewaltig schief. Alle können sie sich nach einem Blackout nicht mehr erinnern, was passiert ist und vor allem wachen sie an unterschiedlichen Orten auf. Alex ist mit Jonas zusammen und beginnt die Suche nach den Freunden. Diese wiederum können sich teilweise über Funk verständigen, die hysterischen Gespräche sorgen aber nicht gerade für Wohlbefinden. Ganz im Gegenteil, es verbreitet Angst und Schrecken.

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Das Grauen schleicht sich langsam aber sicher in die Geschichte und zieht sich bis unter die Haut, so dass einem die Haare zu Berge stehen. Anfangs will man es nicht wahr haben, doch die Zeichen werden immer deutlicher. Zeitanomalien, haarsträubende Geräusche und andere mysteriöse Dinge geschehen und alsbald versuchen gar Geister aus einer anderen Welt Kontakt zu den Teenies aufzunehmen und nehmen sogar Besitz von ihnen. Was anfänglich mit einer tollen Partynacht angefangen hat, wird zu einem grauenhaften Überlebens-Exkurs. Dabei decken die Teenies Teile der Vergangenheit auf und kommen so auch ein wenig hinter das Geheimnis der Insel.

Bisweilen schafft es Oxenfree gar eine derart knisternde Atmosphäre aufzubauen, dass man vor Schreck und mit rasendem Herzen bei gruseligen Ereignissen zurückschreckt und in dem Fall macht der Titel doch so einiges richtig! Spielerisch ist nicht wirklich viel vorhanden. Man durchstreift die verschiedenen Orte von düsterem Wald bis hin zur verfallenen Militärbasis und versucht vor allem die nun verstreute Truppe wieder zusammen zu bekommen und von Edwards Island zu fliehen. Je nach Spielweise wird auch der Ausgang des Abenteuers beeinflusst – bisweilen sogar in erstaunlichem Ausmaße. Das alles basiert aber hauptsächlich auf den Dialogen, die uns nahezu pausenlos begleiten. Die wenigen kleinen Rätsel sorgen dabei nur für wenig Denkarbeit und müssen nicht immer korrekt ausgeführt werden, haben dann aber entsprechend auch wieder Konsequenzen.

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Nach ca. fünf Spielstunden ist dann das Abenteuer vorbei und bei unserem ersten Durchgang haben wir es wahrlich genossen, mit Alex über die Insel zu streifen und uns in den herrlich inszenierten Dialogen zu vertiefen. Die Beziehungen zwischen den Charakteren lassen sich strapazieren, aber auch enger schmieden und das macht auch einen gewissen Reiz aus. Evtl. lockt das Spiel auch um einen zweiten Durchgang zu genießen und die jeweils andere Seite bzw. Position einzunehmen. Einmal Engel, einmal als Böse und abgrundtief aggressive Alex – dann aber ist spätestens die Luft raus. Macht aber nichts, denn für diese Zeit wird man doch recht gut unterhalten.

Optisch ist Oxenfree dabei extravagant, mit den Pastellfarben, die aber recht düster gehalten wurden. Zahlreiche witzige Effekte basierend auf Bildfrequenzen und Flimmern sorgen für eine gelungene Atmosphäre, vor allem wenn die Geister ihren Auftritt haben. Leider wird das Geschehen meist aus einer recht weit entfernten Kameraperspektive präsentiert. Die Emotionen der Teenies können nur aus den gesprochenen Dialogen entnommen werden, die Mimik ist nicht zu erkennen. Auch nicht wirklich, ob die entsprechende Antwort dem Gegenüber nun gefallen hat oder nicht. Es taucht zwar immer wieder ein Symbol über den Personen auf, ob dies nun aber positiven oder negativen Einfluss hat, wird zu keiner Zeit im Spiel erläutert.

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Unser Fazit

82 %

Oxenfree hat mich persönlich wirklich überrascht. Aufgrund der Screenshots und der Beschreibung im Store war das Interesse an diesem Titel vorab eher mäßig. Doch kaum hatte ich für diesen Test den Controller in der Hand und hab mich einige Minuten auf Edwards Island eingefunden, konnte ich den Drücker erst wieder auf die Seite legen, nachdem die Teenies von der Insel fliehen konnten. Was hat mich begeistert? Vor allem dürften das die superb eingespielten und auch gut durchdachten Dialoge sein. Diese wirken einfach echt, lebendig und dadurch simpel und ergreifend glaubhaft. Man nimmt den Charakteren ab, was sie erzählen und das was sie von sich geben, sind schlichte Alltagsprobleme und später dann natürlich die Schwierigkeiten und die Ängste, den Horror auf der Insel zu überleben. Dazu eine durchaus packende Hintergrundgeschichte mit grandios integrierte mystische und Horror-lastige Elemente. Das zieht in den Bann! Oxenfree ist ein einmaliges Erlebnis und als solches wie ein gutes Buch gerne gesehen.

Pro

  • + Grandiose Dialoge, sehr gut durchdacht und geschrieben ...
  • + … dazu aber vor allem super eingesprochen und glaubhaft inszeniert.
  • + Interessante Hintergrundgeschichte verwoben mit den Problemen der Teenies.
  • + Wenn einen das grauen packt, legt man den Controller erst nach dem Abspann wieder weg.

Kontra

  • - Spielerisch ist nicht wirklich viel zu tun. Man dackelt meist nur umher.
  • - Die Kamera nimmt das Geschehen im extremen Weitwinkel auf. Details gehen verloren.
  • - Durch die Position der Kamera fehlt jegliche Mimik der Charaktere.
  • - Man kann nicht erkennen, ob die eigenen Antworten positiv oder negativ aufgenommen werden.

Unsere Bewertung

Grafik
 
70 %
Sound
 
75 %
Steuerung
 
80 %
Gameplay
 
60 %
Multiplayer
 
00 %
Spielspaß
 
80 %

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Aufgewachsen mit der ersten Nintendo-Konsole, fühlt sich Alexander Winkel eigentlich auf allen Plattformen heimisch. Trotz seiner offensichtlichen Hingabe zur Xbox – die vielen Gamerscore Punkte erspielen sich nicht von selbst – lässt er seine Schreibwut an allen Videospielen aus, unabhängig vom System.

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