insidegames

PES 2017 – Test / Review

Direkt zum Fazit springen

Veröffentlicht 7. Dezember 2016 | 17:00 Uhr von Thomas Pfnür

Pro-Evolution-Soccer-2017-PES-Screenshot-08

Krise bei den Bayern, Krise beim BVB und ein Aufsteiger, der für Furore sorgt – die aktuelle Saison in der Bundesliga bietet einiges. Einiges will auch Pro Evolution Soccer bieten. Und versprochen wird deshalb natürlich viel, gehalten aber eben auch – PES 2017 ist tatsächlich die erhofft gute Fortsetzung und bringt mit viel Realität, auch viel Spielspaß.

PES und das Spielgefühl 

Pro Evolution Soccer stand und steht schon seit Beginn der Serie für realistisches Spielgefühl, geniale Ballphysik und enorme taktische Möglichkeiten. Immer waren es genau diese drei Faktoren, die die Faszination der Fußball-Franchise von Konami ausmachten – und die für viele Fans und viel Begeisterung im Spielerlager sorgten. Es überrascht somit kaum, dass eben auch PES 2017 gerade diese Stärken wieder besonders hervorhebt. Anfangs ist man sogar etwas ernüchtert, weil vieles arg dem Vorgänger gleicht, aber mit etwas Spielzeit merkt man dann doch, dass sich die Serie sehr wohl weiterentwickelt hat und zwar meist zum positiven. Man könnte auch sagen: Viele Dinge, die letztes Jahr noch etwas unausgereift wirkten, zeigen nun ihre volle Stärke.

pro-evolution-soccer-2017-pes-screenshot-09

Etwa die erweiterte Teamkontrolle, die es nun nicht nur ermöglicht bezogen auf die eigene Teamideologie individuelle Taktiken und Strategien komplett selbstständig festzulegen und zu definieren, nein diese können dann auch sofort über simple Tastenbefehle eingesetzt werden. Ein Reagieren auf bestimmte Spielsituationen ist somit schnell und effektiv möglich. Das Beste aber: Nicht nur euer Team setzt die Anweisungen punktgenau um, auch die KI reagiert entsprechend darauf. Adaptive Intelligenz nennt das der Profi. Logisch, dass dadurch von euch taktische Flexibilität verlangt wird und ihr praktisch immer auf der Suche nach der ultimativen, siegbringenden Strategie seid. So komplex und mit solchen Auswirkungen auf das eigentliche Spielgeschehen gab es dieses Taktikthema bisher in noch keiner Umsetzung zur Sportart Fußball. Allerdings, um hier auch wirklich alle Möglichkeiten konsequent ausnutzen zu können, muss man sich natürlich tiefer mit dem Materie Gameplay beschäftigen, dann allerdings fühlt man sich schnell wie Klein-Pep, der Tiki-Taki in Perfektion spielen lässt oder wie ein Huub Stevens zu seinen besten Tagen, der vor allem auf die situative Manndeckung setzt.

Doch selbst wenn ihr euch durch die enorm schwer zu spielende Verteidigung gekämpft habt und hierbei tief in eure Taktik-Trickkiste gegriffen habt, ein Tor ist dann noch lange nicht gefallen. Denn gerade beim Verhalten des letzten Mannes fällt die Entwicklertätigkeit der letzten 12 Monate besonders auf. Die Aktionen der Torhüter und ihre extrem schwankenden Leistungen – was ist bzw. war das für ein heikles Thema in Pro Evolution Soccer. Sogenannte Unhaltbare wurden aus den Ecken gefischt, während leicht angeschnittene Schüsse mit noch so wenig Kraft dahinter, viel zu oft im Netz zappelten. Das Team um Konami hat sich diesem Problem tatsächlich endlich intensiver angenommen und versucht etwas mehr Ausgeglichenheit, man könnte auch sagen Realismus, einzubringen. Das Ergebnis ist, dass der letzte Mann nun etwas geschickter auf die jeweilige Spielsituation reagiert, besser herausläuft, logischer die Winkel verkürzt und nicht zuletzt deutlich passendere Bewegungen zeigt. Sofort entsteht dadurch noch mehr der Eindruck, Tore wären wirklich erarbeitet und sind nicht nur Produkt des puren Zufalls oder gar einem Fehler im Code zuzuschreiben.

Überhaupt, dieses Gefühl der absoluten Spielkontrolle kann PES 2017 sehr gut vermitteln. So gibt sich das Passspiel nun noch etwas präziser und nimmt noch mehr auf Geschwindigkeit bzw. Spielgenauigkeit des Balles Rücksicht. Unsere Fähigkeiten und unser Timing allein sind dafür verantwortlich, ob die Flugbahn perfekt ist, der Pass wirklich in die Gasse geht und die Ballannahme uns Vorteile gegenüber dem Verteidiger bringt.

Bleibt als letzte Änderung noch die Anpassung bei der Eckstoßausführung. Pro Evolution Soccer geht hierbei nun einen ähnlichen Weg wie FIFA und bietet euch die Möglichkeit bestimmte Strategien vor der Ausführung auszuwählen. Allerdings gingen die Entwickler von Konami noch einen Schritt weiter und bieten euch auch bestimmte Taktiken in der Eckballverteidigung an. So könnt ihr etwa mit Zonenverteidigung oder einer intensiven Mann-gegen-Mann-Defensive auf die jeweilige Eckstoßvariante passend reagieren.

pro-evolution-soccer-2017-pes-screenshot-05

PES und der Umfang

So wie PES schon immer für ein geniales Spielgefühl stand bzw. steht, so stand bzw. steht die Serie auch von jeher für einen meist dürftigen Umfang. Und hier sprechen wir nicht nur von den mageren Lizenzen der letzten Jahre. Um es gleich mal vorweg zu nehmen, leider kann auch Pro Evolution Soccer 2017 mit den gebotenen Inhalten keine Preise gewinnen. Bis auf ein paar Marginalien, und dies ist eigentlich schon ein zu positiver Begriff für die kaum zu findenden Änderungen, hat sich diesbezüglich praktisch nichts getan.

Wenn wir uns die Karrieremodi, sowohl die persönliche, wie auch die per Meisterliga, ansehen, merken wir sofort, dass ein paar optische Anpassungen nicht darüber hinwegtäuschen können, dass die Inhalte weiterhin extrem trist präsentiert werden. Gerade hier fehlt es komplett an diesen Momenten, wo man mitgerissen wird und eben auch den Spaß generiert, noch und noch und noch eine Saison zu spielen. Viel zu häufig hangelt man sich von einem angestaubten Spieltags-Bildschirm zum nächsten, von einer Tabelle zu nächsten und von einer öden Textnachricht zu nächsten. Nein, motivieren ist das sicher nicht.

pro-evolution-soccer-2017-pes-screenshot-04

Diese grundsätzlich lieblose Modi-Gestaltung zeigt sich dann besonders bei der Spielerkarriere Be a Legend. Zu keinem Zeitpunkt weiß man, warum man spielt oder nicht, was der Trainer von einem hält oder was man verbessern sollte. An konstruktivem Feedback fehlt es genauso, wie an der Nachvollziehbarkeit der Entwicklungsschritte. Und mit seinem virtuellen Alter-Ego fühlt man sich sowieso nie wirklich verbunden. Um es kurz zu machen: Hier wird Langeweile ohne Ende geboten. Besonders traurig aber, dass wir das bereits aus dem direkten Vorgänger, und eigentlich aus allen anderen Vorgängern auch, so kennen. Konami bekommt dieses Thema tatsächlich auch im aktuellen Ableger nicht auf die Reihe und lässt somit vor allem Solospieler kaum in große Begeisterung ausbrechen.

Es dürfte somit auch klar sein, dass PES, wie schon immer, den meisten Spaß über Multiplayer-Spiele generieren kann, weil hier das Augenmerk nur auf die Duelle zwischen den Spielern gelegt wird und die sonstigen Dinge abseits des virtuellen Spielfelds keine große Bedeutung haben. Zwar ist auch der Online-Modus kein Aushängeschild bezüglich Innovation oder Tiefgang und ihr werdet auch bei dieser Spielvariante nur die bereits bekannte Standardkost geboten bekommen, aber Spielspaß ist euch damit trotzdem absolut sicher. Dem genialen Gameplay sei Dank.

Kommen wir zum Abschluss aber doch noch zu den leidigen Lizenzen. PES-Partner sind in der neuen Saison neben Barcelona, nun auch Liverpool und der BVB. Diese Partnerschaften äußern sich neben den diversen Werbeaktivitäten vor allem darin, dass die Spieler dieser Vereine besonders detailliert ins Spiel integriert wurden und ihr etwa im Camp Nou, sowie im Signal Iduna Park spielen könnt. Einen FC Bayern gibt es stattdessen in Pro Evolution Soccer 2017 nicht mehr – wahrscheinlich auch deshalb, weil dieser eine Kooperation mit der Konkurrenz eingegangen ist. Besonders auf den südamerikanischen Kontinent werden die originalgetreuen argentinischen und brasilianischen Ligen, sowie die dortige Champions League für Begeisterung sorgen – wir Europäer könnten wohl auch ohne leben. Übrigens sind zwar wieder die UEFA CL und auch die Euro League lizenziert, aber eben, nach bekanntem Schema, nicht die teilnehmenden Mannschaften. Es bleibt also, wie es war: PES kämpft weiterhin mit einer extrem löchrigen Lizenzpolitik.

pro-evolution-soccer-2017-pes-screenshot-07

PES und die Technik

Einen wirklichen Schritt nach vorne gab es bei den Animationen. Pro Evolution Soccer 2017 bietet mit Abstand die natürlichsten Spielerbewegungen der Serie. Wie Dribblings, Sprints, Zweikämpfe und das gesamte Torwartspiel auf den Bildschirm gezeichnet werden, dürfte aktuell wohl das Beste vom Besten innerhalb des Genres sein. Und eine präzisere, vor allem aber realistischere Darstellung der Bewegungen bei Annahme und Abspiel des Balles haben wir sowieso noch bei keiner anderen Fußballumsetzung zu sehen bekommen. Überhaupt merkt man, dass die Entwickler die Fox Engine richtig gut in den Griff bekommen haben. Hölzern und Ungelenk gehören mittlerweile zu den Wörtern, die in Verbindung mit den Animationen innerhalb von PES der Vergangenheit angehören.

Nicht der Vergangenheit gehört leider an, dass sich die sonstige Präsentation immer noch viel zu blass gibt. Zwar wird abseits des Spielfelds mehr geboten, heuer gibt es etwa behandelnde Ärzte zu sehen, aber irgendwie fehlt es weiterhin noch an diesem Wow-Effekt, wenn die Spieler auf den Rasen kommen. Die Zuschauer wirken immer noch zu trist, viele Kamerafahrten in den Zwischensequenzen sind zu langweilig integriert, den Licht- bzw. Wettereffekten fehlt der Pep und auch das Stadiondesign kommt in vielen Fällen nicht annähernd an die Konkurrenz heran.

Das unveränderte Kommentatorenduo kann zwar mit einigen neuen Sprüchen glänzen, trotzdem wiederholt es sich viel zu schnell und von wirklich mitreißend kann hier sowieso nicht die Rede sein. Auch die Fans können nur bedingt für wirklich passende akustische Stimmung sorgen. Der Sound wirkt einfach altbacken und irgendwie haben wir mittlerweile den Eindruck, dass sich das innerhalb der Serie auch nie mehr ändern wird.

pro-evolution-soccer-2017-pes-screenshot-06

 

Unser Fazit

85 %

Mit dem zwar umfangreichen, aber eben auch kaum veränderten und gerade im Singleplayer extrem trist präsentierten Umfang lockt man sicher niemanden mehr vor die Konsole. Auch die Technik von Pro Evolution Soccer 2017 wird sicher keine Preise gewinnen. Die solide Optik mit tollen Animationen und die extrem blasse Präsentation sind auch kein wirkliches Kaufargument. Alles aber komplett egal, denn das geniale Spielgefühl, die realistische Ballphysik und vor allem die schier unendlichen Taktikmöglichkeiten lassen jede Kritik verstummen. Ein Spiel gegeneinander on- oder offline und man vergisst die langweilige Karriere, die matschigen Zuschauer oder den Kommentar zum Weghören. Tore, die sich wie Tore anfühlen, Passpassagen, die präziser kaum sein könnten, und die ständige Möglichkeit auf alle Spielsituation auch mit der entsprechenden Strategie reagieren zu können, machen Pro Evolution Soccer 2017 schlicht zu einem Muss für alle Sport- und Fußballfans.

Pro

  • + realistisches Gameplay
  • + erweiterte Teamkontrolle
  • + verbessertes Torwartspiel
  • + enorme Spielkontrolle
  • + Ballphysik
  • + Neuerungen bei der Eckstoßausführung…
  • + …und Eckballverteidigung
  • + natürliche Spielerbewegungen

Kontra

  • - teilweise überforderndes Gameplay
  • - vieles aus dem Vorgänger bekannt
  • - langweilige Karrieremodi (Be-a-Legend und ML)
  • - weiterhin sehr schwache Lizenzen
  • - blasse Präsentation
  • - schwacher Sound (Kommentar, Fanakustik usw.)

Unsere Bewertung

Grafik
 
80 %
Sound
 
55 %
Steuerung
 
95 %
Gameplay
 
70 %
Multiplayer
 
85 %
Spielspaß
 
85 %

- ANZEIGE -


Tags:

Weitere News und Spiele zum Thema

Als arbeitender Familienvater hat Thomas natürlich nur wenig Zeit, aber wenn dann halt mal doch, schreibt er mit großer Begeisterung mehr oder weniger Sinnvolles über alles was auch nur annähernd mit Sport zu tun hat.

Kommentare

Hinterlasse eine Antwort

Erfolge Trophy Leitfaden Keyword-Wolke:


Es ist noch kein Keyword vorhanden

- ANZEIGE -


*