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Phantom Doctrine – Test / Review

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Veröffentlicht 2. Oktober 2018 | 21:39 Uhr von Ewelyn

Phantom-Doctrine-Artwork

Schon seit vielen Jahren ist das Genre Spionage nicht aus der Filmgeschichte wegzudenken. Das größte Agenten-Franchise der Welt, James Bond, hat für alle nachkommenden Filme den Weg geebnet und verhalf ihnen zu Ruhm und Glorie. Jedoch ist diese Art von Kult nicht all zu sehr in der Videospielindustrie vertreten. Mit nur vereinzelnden Ablegern ist das Genre doch sehr schwach bestückt. Vor allem wenn es um den Hintergrund der Agenten geht, den verdeckten Organisationen, die aus den Schatten agieren. Daher wurden wir sehr hellhörig, als CreativeForge Games bekanntgab, welche Thematik Phantom Doctrine bieten würde. Im Spiel schreiben wir das Jahr 1983, der Kalte Krieg ist an seinem Zenit angekommen, im Untergrund bekämpfen sich die Geheimdienste und wir sollen mit unserem eigenen Agententrupp mittendrin sein. Hört sich äußerst spannend an, aber ob sich Phantom Doctrine neben dem Strategie-Giganten XCOM sehen lassen kann und uns am Ende überzeugen konnte, lest ihr hier in unserem Bericht!

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Die Qual der Wahl

Zu Beginn des Spiels erhalten wir eine kleine Einleitung in Form von gezeichneten Bildern mit Voice Overn, um die düstere Geschichte von Phantom Doctrine zu erläutern. Kurz darauf konnten wir uns auch schon direkt unseren eigenen Charakter basteln. Dabei gibt es eine Vielzahl von Möglichkeiten seinen Charakter mehr oder weniger gut ansehnlich ausschauen zu lassen, denn in Punkto Grafik reißt Phantom Doctrine gewiss keine Bäume aus. Die Charaktere wirken relativ plump, emotionslos und ohne Tiefe. Dafür können sich die Wetter- und Lichteffekte umso mehr sehen lassen! Doch wie sagt man so schön: Grafik ist bekanntlich nicht alles und sollte nie das größte Kriterium darstellen.

Zum Spielstart stehen euch zwei Auswahlmöglichkeiten zur Verfügung, welcher Organisation ihr euch zugehörig fühlen wollt. Da hätten wir zum einen den amerikanischen CIA- sowie den sowjetischen KGB-Agenten. Nach erfolgreichem Abschluss des ersten Durchganges schaltet sich zusätzlich noch eine dritte Option frei, mit der ihr dann als israelischer Mossad-Spion tätig werden könnt. Die Spione haben, wie die zwei Agenten auch schon, eine eigene Hauptgeschichte, die mit zahlreichen Nebenmissionen weiter ausgeschmückt sind. Beim Mossad-Spion kommt noch die Jagd auf Nazi-Verbrecher hinzu, wodurch Phantom Doctrine einen sehr hohen Wiederspielwert erfährt.

Stealthy oder Rambo-like?

Nach getroffener Wahl beginnt auch schon direkt unsere erste Mission, in der wir die grundlegenden Mechaniken erklärt bekommen und loslegen können. Wir haben uns für unseren ersten Spieldurchgang für die KGB-Route entschieden und müssen einen abtrünnigen KGB-Spion aufspüren und daraufhin töten oder gefangen nehmen. Nach einer erfolgreichen Exekution und getaner Arbeit sollte es direkt zum Fluchtwagen gehen, doch durch eine entdeckte Leiche wurde Alarm geschlagen und unsere Tarnung ist aufgeflogen. Da blieb uns nur noch die Option alles niederzuschießen, was sich zwischen uns und unseren Fluchtwagen stellt. So oder so ähnlich laufen die Missionen in Phantom Doctrine ab, wenn die Spuren nicht geschickt genug verwischt werden, oder man selbst keinen Wert darauf legt und eher auf rohe Gewalt setzt. Jede Mission, die ihr antretet, kann lautlos oder mit  Gewalt erfolgreich abgeschlossen werden. Da erhält das Spiel auch direkt ein ganz großes Plus, denn ihr könnt frei wählen, wie ihr spielen wollt. Im Verlaufe des Spiels werdet ihr nie dazu gezwungen einen spezifischen Weg zu gehen, um die Mission erfolgreich abschließen zu können. Uns hat speziell die lautlose Variante überzeugt, bei der wir uns taktisch Klug positionieren und bewegen mussten, um die Haupt- und Nebenziele abzuschließen.

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Unfaire Handlungen der KI sobald Rambo-Modus aktiviert wurde

Grund für die bevorzugte lautlose Spielweise ist mit großer Wahrscheinlichkeit der Fakt, dass die Kämpfe, sobald wir entdeckt wurden, zu unfairen Glücksspielen mutierten. Denn es ist schwer vorher zu erkennen, ob der Gegner am anderen Ende des Flurs einen selbst hinter der Tür entdecken könnte oder nicht. Genauso wie es schwer nachzuvollziehen ist, warum der Feind auf einem anderen Stockwerk um Ecken oder Wände schießen und somit unsere Agenten treffen kann. Und das kann den Frust-Pegel ganz schnell in die Höhe treiben, speziell wenn Verstärkung seitens der Gegner angefordert wurde, diese dann aus dem Nichts vor einem Agenten auftauchen und diesen dann mühelos ausschalten können. Hinzu kommt, dass die Verstärkung nicht müde wird und unendlich viele Gegner nach und nach auf die Bühne schickt und die einen dann überraschen können. Zwar besitzen die einzelnen Agenten unterschiedliche Fähigkeiten und Waffen, jedoch fehlt dort der gewisse Feinschliff, der die Charaktere nützlich und wertvoll erscheinen lässt. Die Agenten unterscheiden sich kaum voneinander und wirken sehr austauschbar. Hier steckt viel Verbesserungspotential drin, aber nichts was die Entwickler nicht mit Updates oder Patches retten könnten – erst vor wenigen Tagen wurde das 1.0.6-Update veröffentlicht, wodurch einige Verbesserungen zu sehen und vor allem zu spüren sind!

Agentenregel #1: Traue niemanden!

Nach einer erfolgreich beendeten Mission kehren wir immer in unser Hauptquartier zurück, das den Dreh- und Angelpunkt für jede Aktion darstellt. Anfangs wirkt die Basis noch recht karg und leer, doch das soll sich schon bald ändern. Neben einem Ausbildungszentrum und einer Krankenstation können unter anderem Geld und Ausweise gefälscht werden sowie gefangen genommene Spitzel verhört, einer Gehirnwäsche unterzogen oder exekutiert werden. Die Agenten, die via Gehirnwäsche eine geheime Phrase eingepflanzt bekommen haben, können freigelassen werden und durch das Zufallsprinzip in einer willkürlichen Mission wieder angetroffen werden. Jetzt kommt der Clou: Wenn dann das Codewort ausgesprochen wird, wechselt der Gegner auf unsere Seite und kämpft nun zu unseren Gunsten in der Dienstkleidung der Gegner. Wahrhaftig ein Wolf im Schafspelz! Doch freut euch nicht zu früh, diese Situation kann euch ebenso passieren! Während einer normalen Mission können dann Rekruten, die ihre Loyalität noch nicht unter Beweis gestellt haben, auch auf die andere Seite wechseln und euch verraten. Hierbei tritt die wichtigste Agentenregel in Kraft: Traue niemanden! Interessant ist auch die Tatsache, dass eure Agenten auch ein eigenes Leben abseits des Agenten-Daseins führen. Dadurch können diese auch mal aus moralischen Gründen für eine Zeit untertauchen oder euch um Erlaubnis bitten, um beispielsweise in den Süden reisen zu dürfen, um einen Bürgerkrieg zu verhindern. Je nach Entscheidung verliert ihr diesen Agenten für immer oder er erweist euch durch eure Aktionen die ewige Loyalität.

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Klassische Agentenarbeiten

Neben den vielen erweiterbaren Punkten der Basis gibt es noch zwei weitere, zentrale Spielmechaniken, die sich im Hauptquartier verstecken. Zum einen die Pinnwand, an der ihr alle gesammelten Geheimakten und Informationen auf einem Brett findet und kombinieren müsst sowie die taktischen Missionen der Agenten rund um den kompletten Globus. Bei der Pinnwand entschlüsselt ihr wichtige Geheimakten, um Informationen zu euren Feinden zu bekommen. Anfangs ist es ein innovatives und äußerst spaßiges Minispiel, das jedoch nach vielen Spielstunden zunehmend nerviger wird. Leider ist das Minispiel ein Muss für die Kampagne und somit geht der komplette Reiz schnell verloren. Mit unseren neu gewonnen Informationen schalten sich auf unserer Weltkarte neue Missionen frei, bei denen unsere Agenten stets auf Achse sein müssen oder geschickt in der Welt positioniert sein sollten. Neben der Informationsbeschaffung und das Treffen mit verdeckten Ermittlern können auch Gebäude bzw Gebiete infiltriert, Bomben entschärft sowie Feinde vor Ort getötet werden oder die Gegner zu ihrem eigenen Versteck verfolgt werden. Abwechslungsreich ist das Ganze jedoch nicht, allerdings ergeben sich taktische Optionen, wenn vorab schon Agenten auf dem Gebiet positioniert wurden, die im Kampf als Späher oder Scharfschützen agieren können.

Geheimtipp für Liebhaber des Strategie-Genres und Spionage-Settings

Am Ende zahlt sich Hartnäckigkeit aus, denn wer über die vereinzelten Mängel hinweg schauen kann, bekommt eine großartige Agentenatmosphäre geboten, die es so in der Form wahrscheinlich bislang noch nicht auf dem Markt gibt. Musikalisch haben die Entwickler alles richtig gemacht, denn die Untermalungen zu jeder Situation passten perfekt und zogen uns für viele Stunden komplett in den Bann. Wenn dann auch noch die Einsatzpläne durch die taktisch klugen Entscheidungen von einem zum Sieg führten, überkommt einen schnell das Gefühl der schlauste und gerissenste Boss im Spiel zu sein – ja, dann gibt einem ein vielleicht nicht so sauber poliertes Phantom Doctrine sehr vieles zurück. Daher würden wir dieses Spiel eher als Geheimtipp für Liebhaber des Strategie-Genres sowie des Spionage-Settings ansehen.

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Getestete Version: PC/Steam

Unser Fazit

75 %

Da sich Phantom Doctrine mit der großen und erfolgreichen XCOM-Reihe messen muss, kann es schon mal passieren, dass gewisse Spielmechaniken kritischer betrachtet werden. Gerade mit XCOM 2 wurde die Messlatte sehr weit oben angesetzt. Doch Dank des originellen Agenten-Settings kann sich Phantom Doctrine durchaus sehen lassen und glänzt mit spannender Tiefe, die hin und wieder verworren und verwirrend sein kann. Auch wenn es an der Politur mangelt und viele Details nicht besonders gut gelöst wurden, glänzt die Verschwörungsgeschichte besonders in der atmosphärischen Darstellung und der musikalischen Untermalung. Schöner hätten wir es zum Beispiel jedoch gefunden, wenn das Pinnwand-Minispiel kein Muss gewesen wäre, sondern zusätzliche Geschichtsfetzen zu den Charakteren optional offenbart hätte. Dann wäre das Verbinden der Beweise zum Ende hin keine nervige Tortur geworden. Doch nichtsdestotrotz motiviert einen das Spiel am Ball zu bleiben und weist durch die drei unterschiedlichen Geschichts-Routen einen hohen Wiederspielwert auf.

Pro

  • + Stimmungsvolle Atmosphäre
  • + Ausgezeichnete musikalische Untermalung
  • + Handgezeichnete Zwischensequenzen
  • + Alle Missionen mit freiwählbarer Taktik lösbar
  • + Drei Schwierigkeitsgrade für unerfahrene sowie erfahrene Spieler geeignet
  • + Optionaler Ironman-Modus verfügbar, bei dem jede Entscheidung entscheidend ist
  • + Klassisches verbinden von Beweisen an Pinnwand
  • + Kampagne mit rund 40 Stunden Spielzeit bestückt
  • + Hoher Wiederspielwert durch zufällige Nebenmissionen und unterschiedlichen Hauptmissionen
  • + Pro Runde immer ein Autosave in den Missionen, wodurch ein leichtes Neuladen, um eine andere Taktik zu testen, möglich ist

Kontra

  • - Fehlende Undo-Funktion bei Laufaktion, jede Entscheidung ist unumgänglich
  • - Endloses Gegnerspawning nach Alarm
  • - Unglückliches Verhalten der KI im Kampf
  • - Verworrene Geschichte reißt die Spannung zu Boden
  • - Basis besteht nur aus Menüs
  • - Grafik siedelt sich im unteren Mittelwert an
  • - Pinnwand-Spielmechanik wird mit der Zeit eintönig und nervig da es gemacht werden muss

Unsere Bewertung

Grafik
 
69 %
Sound
 
81 %
Steuerung
 
78 %
Gameplay
 
71 %
Multiplayer
 
00 %
Spielspaß
 
80 %

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Newsjunkie des iG-Teams. Verehrerin des JRPG-Genres und leidenschaftliche Shooter-Spielerin.

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