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Pokémon Mond – Test / Review

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Veröffentlicht 25. April 2017 | 16:27 Uhr von Andreas Keser

Pokemon-Sonne-Mond-Artwork

Als Kind der 90er ist man mit den Pokémons quasi aufgewachsen und auch heute, fast 20 Jahre später, erfreuen sie sich noch grösster Beliebtheit. Durch Pokémon Go waren die kleinen Monster zuletzt in aller Munde und haben zahlreiche neue Fans gewinnen können. Dass die App in Sachen Gameplay aber herzlich wenig mit den „richtigen“ Spielen der Serie zu tun hat, zeigt auch das neuste Abenteuer „Pokémon Sonne/Mond“ abermals eindrücklich, da es natürlich deutlich mehr Spieltiefe hat. Doch ist nach bald 20 Jahren nicht irgendwann mal die Luft raus?

Flamiau, Bauz und Robball – das Spiel beginnt von Neuem…

Die Pokémon-Spiele auf dem Handheld folgten eigentlich immer der gleichen Story. Ein ambitionierter junger Mann (oder seit einiger Zeit auch junges Mädchen) macht sich auf den Weg, der grösste Trainer von allen zu werden. Dazu erhält er eines der drei Starter-Pokémon, muss sich weitere in der Wildnis fangen, diese aufleveln und am Ende gegen alle Arenaleiter bestehen.
Das ist dieses Mal nicht mehr so. Doch bevor wir uns die Unterschiede anschauen, wollen wir erst einmal einen Blick auf das werfen, was gleich geblieben ist. Ihr startet ebenfalls als motivierter Trainer-Neuling und dürft euch zu Beginn des Spiels wieder eines der drei Starter-Pokémon aussuchen. Ihr habt die Wahl zwischen Flamiau (ein Feuerkätzchen, das sich zu einer ausgewachsenen Wrestling-Katze des Typs Feuer/Unlicht entwickeln lässt), Bauz (eine Pflanze/Flug-Eule, die sich in einen mystischen Assassin-Bogenschützen vom Typ Pflanze/Geist verwandelt) und Robball (ein kleiner Seehund des Typs Wasser, aus dem eine wahre Seehund-Meerjungfrau-Diva des Typs Wasser/Fee wird). Es ist wiedermal Geschmacksache, welches Pokémon man wählt. Man kann nun spekulieren, ob Robball extra dabei ist, um auch die weiblichen Spieler anzusprechen, da er (oder sie?!) definitiv ein wenig aus dem Rahmen fällt. Aber es lebe die Vielfalt! Meiner Meinung nach gab es schon coolere Starter, aber auf jeden Fall auch schon langweiligere.

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Reif für die Insel? Neue Aufgaben und „neue alte“ Pokémons

Nachdem sich der Anfang also recht ähnlich spielt, merkt man aber schnell, dass sich viele Dinge geändert haben. Ihr befindet euch auf der sonnigen Inselregion Alola und Arenen gibt es in diesem Sinne nicht mehr. Stattdessen begebt ihr euch auf Inselwanderschaft und es warten verschiedenste Inselprüfungen darauf von euch gemeistert zu werden. Dazu müsst ihr zunächst den so genannten Captain finden, die Person bei der ihr die Prüfung absolvieren sollt, um von ihr die Aufgabe erklärt zu bekommen. Und hier liegt genau der Unterschied zu den bisherigen Pokémon-Spielen: Jede Prüfung ist anders! Einmal geht ihr auf Geisterjagd, ein anderes Mal müsst ihr einen Pokémon-Tanz genau analysieren, ein Soundeffekte-Quiz bestehen oder euch in Fischfang üben. Am Ende einer jeden Prüfung erscheint schliesslich das Herrscher-Pokémon, das ganz besonders mächtig ist und meist auch noch Verstärkung dabei hat. Zudem verfügt es über einen Spezialangriff. Habt ihr den Kampf überstanden, dann erhaltet ihr einen wertvollen Stein (z.B. das Voltium, Aquium, Pyrium…) mit dem ihr den Spezialangriff des Herrscher-Pokémons einem eurer Pokémons (vom dazu passenden Typ) beibringen könnt. Leider sind die Kämpfe gegen die Captains und gegen die Herrscher-Pokémons nur selten wirklich herausfordernd. Selbst wenn ihr später gegen die vermeintlich starken Inselkönige antreten müsst, werdet ihr kaum mal an eure Grenzen kommen. Strategisches Geschick ist nicht zwangsläufig von Nöten und Kämpfe, die euch vor Spannung fast den Nintendo 3DS aus der Hand fallen lassen, gibt es leider auch eher nicht. Man hat den Schwierigkeitsgrad ziemlich tief angesetzt und kann das ganze Spiel relativ problemlos in einem Rutsch durchspielen. Das ist wohl einer der grössten Kritikpunkte.

Neben diesen negativen Aspekten gibt es aber auch viel Positives zu berichten. Die neue Umgebung bringt natürlich auch eine ganze Flut an frischer Pokémons mit sich und das sonnige Klima hat selbst altbekannte ziemlich verändert – die einen mehr, die anderen weniger. Meist betrifft das Umstyling nicht nur das Äussere, sondern auch den Typen eines Pokémon. Raichu gehört normalerweise zum Typ Elektro, aber in der Alola-Variante sieht er ein wenig irre aus, surft auf seiner Schwanzspitze und erhält zusätzlich den Typen Psycho. Sandan/Sandamer trifft es noch stärker. Er ist eine Art Beuteltier und dem Typ Boden zugeordnet. In seiner Alola-Form hat er die beiden Typen „Eis/Stahl“ und sein Körper sieht nun entsprechend vereist/stählern aus. Die Verwandlung von Kokowei gefällt mir persönlich allerdings am besten. Zuvor war dieser kleine „Baum“ mit drei Köpfen ein Pflanze/Psycho-Pokémon, aber in seiner Alola-Variante wächst ihm ein enorm langer Hals, sodass er als Palme durchgeht und fortan den Typen Pflanze/Drachen angehört. Mauzi/Snobilikat sind für mein Verständnis eher ein Negativbeispiel. Während der Kater sonst zum Typen Normal zählt, sieht er als Alola-Dublikat eher nach einer etwas moppeligeren, ungepflegteren Variante seiner selbst aus und ist nun ein Unlicht-Pokémon. Und als letztes Beispiel möchte ich noch Digdri erwähnen. Aus Boden wird Boden/Stahl, doch hier ist wohl eher die Optik entscheidend – die drei Gesichter erhalten plötzlich blonde Haare/Perücken, was ziemlich schräg aussieht.

Vielfältige Spielwelt und Vollidiot-Bösewichte

Die an Hawaii erinnernde Spielwelt bringt endlich frischen Wind in das etwas angestaubte Spielprinzip von Pokémon. Neben den witzigen Inselprüfungen sind aber auch die Schauplätze an sich sehr facettenreich. Man darf den Dschungel durchforsten, Höhlen erkunden, einen Bauernhof besuchen, Friedhöfe oder Ruinen unter die Lupe nehmen und vieles mehr. Dabei stösst man immer wieder auf das ominöse Team Skull, das sozusagen die Moderne Variante von Team Rocket sein soll. Sie klauen Leuten ihre Pokémons und wollen böse, cool und taff rüberkommen. Das Problem ist aber, dass sie eher lächerlich, bescheuert und harmlos wirken. Ihre coolen Sprüche sind leider genau das Gegenteil und auch im Kampf können sie so gar nicht überzeugen, da sie schnell besiegt und vertrieben sind. Warum man hier nicht mal auf „echte“ Bösewichte setzt, die für anspruchsvolle Kämpfe sorgen oder zumindest ein beklemmendes Gefühl, wenn man ihnen begegnet, muss man wohl nicht verstehen. Immerhin ist zumindest die Äther-Foundation, eine Geheimorganisation die ganz besonders seltene Pokémon erforscht, noch ansatzweise interessant. Außerdem wird die Story durch einen spannenden Nebenzweig angereichert und auch die Inszenierung mit dramatischen Zwischensequenzen kann dieses Mal deutlich besser überzeugen als bisher. In diesem Punkt hat man definitiv dazu gelernt.

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Von kleinen und großen Neuerungen

Nachdem das System der Inselprüfungen und die neuen Alola-Formen altbekannter Pokémons eine grosse Neuerung darstellen, gibt es aber auch an jeder Ecke ein paar kleine Veränderungen, die das Spielerlebnis abwechslungsreicher und angenehmer machen. Man hat sich endlich von den VMs verabschiedet. Bislang enthielten diese Attacken, wie beispielsweise Zerschneider, Zertrümmerer, Fliegen und andere. Man musste sie einem geeigneten Pokémon beibringen und konnte dann beispielsweise Sträucher zerschneiden oder Felsen zertrümmern, die den Weg versperrten oder schneller von A nach B gelangen, indem man einfach dorthin geflogen ist. Dieses Mal gibt spezielle Pokémons, die aber weder in eurem Team sind, noch eine Attacke dafür opfern müssen. Ihr könnt nun einen Tauros rufen, um auf seinem Rücken durch Felsbrocken zu rasen, mit Glurak durch die Lüfte fliegen, auf Machomeis Schultern Felsen herumschieben oder auf dem Rücken von Lapras über das Wasser gleiten. Alles ohne irgendeinen Zusatzaufwand, sobald ihr euch diese Gefährten im Laufe der Story erspielt habt.

In Sachen Kämpfe hält man an dem bewährten System fest, hat aber dennoch auch einige kleine Verbesserungen eingebaut. So wird einem (nachdem man eine Attacke einmal angewendet hat) immer angezeigt, welche Attacke auf das gegnerische Pokémon effektiv wirkt, eher weniger geeignet ist oder so gar keinen Schaden anrichten wird. Das ist äußerst praktisch und sorgt dafür, dass man taktisch vorgehen kann, auch wenn man mit den Schwächen und Stärken jedes einzelnen Typs nicht zu 100% vertraut ist. Was in einem Kampf ebenfalls interessant sein kann, ist die Möglichkeit, dass ein gegnerisches Pokémon sich Hilfe rufen kann. Manchmal wird dieser Hilferuf erhört und es erscheint ein zweites Pokémon, gegen das nun auch noch gekämpft werden muss, aber manchmal bleibt dieser auch ungehört. Hat man schließlich ein neues Pokémon für sein Team gewinnen können, dann wurde es früher immer direkt in eine Box weitergeleitet und man musste es erst am nächsten Pokémon-Center abholen. Ab sofort kann man ein neues Pokémon jedoch auch direkt in sein aktuelles Team aufnehmen und dafür ein anderes in die Box schicken lassen. Das ist enorm praktisch und hilfreich.

Während in der Anime-Serie die Beziehung zwischen Trainer und Pokémon immer ganz klar im Vordergrund stand, war das in den Spielen bislang eher weniger der Fall. Mit der Poképause wird das nun ein wenig angeglichen. Nach einem Kampf hat man die Möglichkeit sein Pokémon zu bürsten, zu föhnen oder zu putzen. Das ist besonders dann praktisch, wenn es zuvor vergiftet wurde oder eine andere Statusveränderung erlitten hat. Ohne ein kostbares Item einsetzen zu müssen, kann es so nämlich wieder komplett geheilt werden. Außerdem darf man seinem Liebling auch noch eine der verschiedenfarbigen Bohnen verfüttern. Das stärkt die Bindung und macht euer Pokémon zufriedener. Dies wiederum kann euch im Kampf zugutekommen, denn manchmal überlebt eines eurer kleinen Monsterchen gerade noch so eine sonst totbringende Attacke, weil es sich für euch zusammengerissen und besonders angestrengt hat. Eine gute Beziehung zu euren Pokémons aufzubauen lohnt sich also tatsächlich und wirkt sich positiv auf das Spielgeschehen aus. Manchmal spielt das sogar bei der Weiterentwicklung auf die nächste Evolutionsstufe eine Rolle.

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Nebenaufgaben und besondere Extras

Während man der Geschichte folgt, lassen sich auch immer wieder verschiedenste Nebenaufgaben bewältigen. Ob man nun für jemanden ein ganz bestimmtes Pokémon auftreiben muss oder sich mit der Aufzucht neuer Pokémon in der Pension beschäftigt, es gibt immer etwas zu tun. Hat man aber keine Lust darauf und möchte lieber knallharte Kämpfe austragen, dann ist der Battle-Royal-Mode genau das richtige. Hier treten vier Trainer gegeneinander an und schicken jeweils ihre drei stärksten Recken in den Kampf. Nacheinander darf nun angegriffen oder verteidigt werden. Wer am Ende die meisten gegnerischen Pokémons besiegt und dabei die wenigsten selbst verloren hat, der geht als Gewinner hervor. Ein echt netter Modus, der Spass macht und manchmal auch tatsächlich fordernd sein kann. Schade nur, dass es hier und da zu Rucklern und Problemen mit der Bildrate kommen kann.

Auch der Festival-Plaza oder das Pokémon-Resort sind neu, aber mehr als eine Erwähnung haben beide nicht verdient. Es gab selten etwas langweiligeres als das, sodass man sich damit eigentlich gar nicht erst auseinanderzusetzen braucht. Der neue Pokédex, in den das Pokémon Rotom geschlüpft ist, macht hingegen wieder Laune. Er kommuniziert mit euch, zeigt euch die nächsten Ziele auf der Karte an und ist damit einerseits unterhaltsam und andererseits auch ziemlich nützlich.

Die Möglichkeit Fotos schiessen zu können und für besonders gelungene Aufnahmen auch besonders viele Punkte zu ergattern, bringt eine Nuance Pokémon Snap mit ins Spiel hinein. Damals war das Spiel auf dem N64 ziemlich beliebt und so mancher Hobby-Fotograf kam voll auf seine Kosten. Als Nebenaufgabe reicht das aber allemal und ist ein netter Zeitvertreib, wenn man es gerade mal nicht so eilig hat.

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Unser Fazit

88 %

Nach fast 20 Jahren macht die Pokémon-Serie immer noch vieles richtig und hat so manche nervigen Traditionen endlich abgeschafft (z.B. die VMs). Die sonnige Inselwelt von Alola ist toll inszeniert und die Zwischensequenzen bringen die Geschichte endlich mal ein wenig in Fahrt. Die neuen Inselprüfungen brechen mit dem angestaubten Prinzip der langweiligen Arena-Kämpfe und sorgen für frischen Wind. Leider bläst dieser jedoch eher wie ein laues Lüftchen, denn wirklich herausfordernd sind die meisten Aufgaben nicht. Der Schwierigkeitsgrad hätte ein wenig höher ausfallen dürfen, da man nur minimal strategisch agieren muss, um seine Ziele zu erreichen. Die Alola-Formen alter Pokémons sind teils enorm kreativ und witzig ausgefallen und auch die vollkommen neuen Pokémons können so weit überzeugen. Viele kleine Optimierungen (Reittiere, Effektivitätsanzeige von Attacken, Poképause) können gefallen und auch der Battle-Royal-Mode ist gut gelungen. Den Festival-Plaza oder das Pokémon-Ressort hätte man sich jedoch sparen können. Auch Team Skull ist nicht gerade das Gelbe vom Ei. Dafür überzeugt die Äther-Foundation und die gesamte, abwechslungsreiche Spielwelt. Nach all den Jahren hat Pokémon definitiv noch seine Daseinsberechtigung und ist mit vielen kleinen und sinnvollen Neuerungen so stark wie eh und je. Ein Musthave auf dem 3DS!

Pro

  • + Tolle Spielwelt, die sich über mehrere Inseln erstreckt
  • + Schön inszenierte Geschichte in spannenden Zwischensequenzen
  • + Gelungener Battle-Royal-Modus
  • + Pokémobil: Reit- und Flugtiere ersetzen die lästigen VMs
  • + Engere Bindung zu den Pokémons durch die Poképause
  • + Viele lustige neue Pokémons und auch „neue alte“ (Alola-Formen)
  • + Ordentlicher Umfang
  • + Es gibt einige Nebenaufgaben, die zusätzlich motivieren können
  • + Hier und da kleine praktische Veränderungen (Effektivitätsanzeige)

Kontra

  • - Größter Kritikpunkt: zu leichter Schwierigkeitsgrad
  • - Pokémon Ressort und den Festival-Plaza braucht kein Mensch
  • - Ab und an Frameeinrbüche (Herrscher-Kämpfe und Battle-Royal)

Unsere Bewertung

Grafik
 
90 %
Sound
 
80 %
Steuerung
 
85 %
Gameplay
 
85 %
Multiplayer
 
85 %
Spielspaß
 
90 %

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Aufgewachsen mit der ersten Nintendo-Konsole, fühlt sich Andreas Keser eigentlich auf allen Plattformen heimisch.

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