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Port Royale 3 – Test / Review

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Veröffentlicht 7. Oktober 2012 | 0:07 Uhr von Philipp Fanchini

Port Royale 3 - Logo

Unter den Genres der Konsolenspiele führen Wirtschaftssimulationen ein Nischendasein – ganz im Gegensatz zum Angebot für PC und Mac. Die meisten „Konsoleros“ gehören denn auch nicht zu denjenigen, die sich gerne durch Statistiken wühlen und begeistert budgetrelevante Entscheidungen treffen. Dennoch, oder gerade deshalb, könnte eine gut gemachte und für die Konsolen optimierte Wirtschaftssimulation durchaus ihre Anhänger finden. Ob dies Port Royale 3 gelingt?

pc_portroyale3b Das Setting von Port Royale 3 verspricht ein einigermassen abenteuerliches „Wirtschaftsumfeld“: Die Karibik des 16. Jahrhunderts, oder besser: Die Blütezeit der Piraterie. Jack Sparrow lässt also grüssen. So actiongeladen wie es in „Fluch der Karibik“ zugeht, gestaltet sich die Sache in Port Royale 3 allerdings nicht. Zwar hat man zu Beginn des Spiels die Wahl, ob man die Händlerkarriere für merkantil Begabte einschlagen will, oder sich eher mit Schiffsgefechten durchsetzte Abenteuer-Kampagne machen möchte. Wer aber das reine Abenteuer sucht, ist bei Port Royale 3 an der falschen Stelle. Wir entscheiden uns für die Abenteuer-Kampagne und merken durch die hilfreichen Tutorials (die leider als Filme ablaufen und nicht selbst spielbar sind), dass auch ein verwegener Freibeuter auf einen funktionierenden Handel angewiesen ist.

Die Einarbeitungszeit ist für eine Wirtschaftssimulation relativ gering und nach einer guten Stunde hat man die meisten grundlegenden Funktionen und die Handelslogik des Spiels nachvollzogen. Und ehrlich gesagt, macht das Ganze einen ziemlichen Spass – also nicht nur etwas für Buchhalter, die auch in der Freizeit ihrer Leidenschaft für Zahlen nachkommen wollen. Wir liefern als erstes den in unserem Heimat-Hafen Port Royale produzierten, und deshalb günstig zu kaufenden, Rum an die umliegenden Orte und verdienen so die ersten Goldmünzen. In den angesteuerten Häfen kaufen wir Zucker, den wir in Port Royale wieder verkaufen. Dieser Rohstoff wird wiederum für die Herstellung von Rum benötigt. Es gibt 20 verschiedene Rohstoffe und Güter, die auf diese Weise gehandelt werden können. Der Handel basiert also auf logischen Überlegungen. Dazu lässt sich auch ein übersichtliches Menu aufrufen, das darüber informiert, welche Rohstoffe für die Herstellung welcher Produkte benötigt werden. Profit macht man über das Prinzip von Angebot und Nachfrage. Hier ein Beispiel: In Ortschaften, in welchen viel Holz produziert wird, ist selbiges für wenig Geld zu erwerben. Findet man dann einen Hafen, der über fast kein Holz verfügt, dieses aber für den Bau von Häusern benötigt, wird man für sein zuvor günstig erworbenes Holz vielmehr Gold erhalten – et voilà. Unterstützt wird man beim Handeln von der Steuerung: Der Schieberegler stoppt automatisch an der Stelle, wo sich der Verkauf nicht mehr lohnt, oder Waren zu teuer eingekauft werden. Block und Bleistift kann man beim Spielen von Port Royale 3 also getrost in der Schublade lassen.

pc_portroyale3e Nach einiger Zeit des Handelns kaufen wir ein weiteres Schiff, machen daraus unsere zweite Flotte und etablieren eine Handelsroute, die von unserem neuen Kahn automatisch abgefahren wird – ein stetiges Einkommen ist uns damit also garantiert und man muss nicht immer wieder selber jeden Hafen anfahren. Im späteren Spielverlauf kann man in den Städten eigene Gebäude errichten lassen, um damit Güter zu produzieren, oder die Bevölkerung zufrieden zu stellen. Auch die Eroberung ganzer Ortschaften ist möglich. Die während der Kampagnen gestellten Missionen führen tiefer in die Spielmechanik ein und man kann sich über eine stets nach oben zeigende Lernkurve freuen. Die Simulation hat durchwegs einen gewissen „Tiefgang“. Ausserdem dienen die beiden Kampagnen (jeweils zirka 15 Stunden Spielzeit) mehr oder weniger als erweiterte Einführung in den  „Freien Modus“ des Spiels, in welchem man sich zeitlich unbegrenzt in der Karibik austoben kann. Wer keine Lust darauf hat, im Rahmen der Kampagnen eine Gouverneurs-Tochter für sich zu gewinnen – denn darum nimmt man all die Aufgaben in Angriff – der kann auch direkt mit diesem freien Spiel beginnen.

Das Erledigen der wirtschaftlichen Aufgaben findet grösstenteils auf einer in 2D-Grafik gehaltenen Oberfläche statt. Diese „Karte“ der Karibik ist zwar schön gezeichnet und erfüllt die grundlegenden Anforderungen einer übersichtlichen Benutzeroberfläche. Allerdings wird hier wohl der ein oder andere von Grafik-Orgien verwöhnte Gamer nur ein müdes Gähnen für diese Art der Darstellung übrig haben. Zweckmässig, aber nicht mehr. Etwas anders sieht es aus, wenn man eine der 60 Städte besucht: Die verschiedenen Ortschaften präsentieren sich in schlichter, aber liebevoller 3D-Grafik. Einigermassen nett also und durchaus was fürs Auge. Im Vergleich zu anderen Wirtschaftssimulationen herrscht ein eher kindlicher Design-Stil vor – was wohl nicht jedermanns Sache sein dürfte. Der Sound ist hingegen sehr stimmig und unterstreicht gekonnt die Piraten-Atmosphäre. Bei den animierten Ratgebern ist Lippen-Synchronität allerdings Fehlanzeige: Hier drängt sich das Gefühl auf, eine schlecht synchronisierte Dauerwerbesendung im Fernsehen mitzuverfolgen.

pc_portroyale3g Handelssimulationen leben aber auch nicht von ihrer grafischen oder soundtechnischen Wucht, sondern überzeugen durch gut gemachte Oberflächen und Fenster (von denen es auch in Port Royale 3 etliche gibt) sowie durch eine gelungene Steuerung. In PC-Kreisen ist gerade letzteres zwar eher selten ein Kriterium, da Maus und Tastatur wie für dieses Genre gemacht sind. Bei Konsolen sieht dies aber anders aus und eine miserable Umsetzung von PC-Titeln kann zu frustrierenden Cursor-Irrfahrten ausarten. Gerade hier merkt man, dass Port Royale 3 von Beginn an auch als Konsolen-Titel geplant war: Hier brilliert das Spiel geradezu. Der Cursor lässt sich per Stick zielgenau dirigieren und die Tasten des Joypads sind sinnvoll mit grundsätzlichen Funktionen belegt. Nach einigen Stunden Spielzeit, merkt man gar nicht mehr, was man mit dem Pad so alles in der Hand hat und kann sich so auf das Wesentliche konzentrieren.

Obwohl der Handel den zentralen Kern des Spiels ausmacht, kann man sich über Abwechslung freuen: Hier sind vor allem die Seegefechte zu nennen. Grafisch das Beste, was das Spiel zu bieten hat (kommt aber nicht an die Seeschlachten von Empire: Total War für PC heran) und auch die Steuerung kann überzeugen. Man kann während des Gefechts zwischen seinen bis zu drei Schiffen switchen und nimmt so die feindliche Armada aufs Korn. Interessant ist dies vor allem, weil man sein Schiff erst in eine günstige Position manövrieren muss, um eine verheerende Breitseite abzufeuern. Dabei sollte man dann auch die Windrichtung nicht ausser Acht lassen. Den Feind kann man also in Stücke schiessen, oder aber zum Entern ansetzen. Gelingt dies, kann man sich nach dem Gefecht über ein weiteres Schiff in seiner Flotte freuen.

Während also die Seegefechte eine willkommene Abwechslung bieten, wird’s beim zuvor schon angesprochenen Erobern von Städten und Piraten-Nestern ziemlich übel. In einer ersten Phase steuert man seine Schiffe auf vorgegebene Punkte. Danach wartet man, bis die Schiffe die Befestigungsanlagen in Schutt und Asche geschossen haben – also nicht wirklich spannend. In einer zweiten Phase machen sich dann die eigenen Matrosen auf, um die Stadt einzunehmen: Die wuselige Wolke aus kleinen Männchen kann aber nicht gesteuert werden und so wartet man ab, ob es den verwegenen Recken gelingt, den Sieg zu erringen. Als Spieler kann man bei diesen Landgefechten nicht eingreifen und ist zum Zusehen verdammt. Hier entscheiden lediglich Truppenstärke, Bewaffnung und Glück über Sieg oder Niederlage.

Unser Fazit

78 %

Port Royale 3 macht vieles genau richtig und kann in den wichtigsten Punkten, die eine gute Wirtschaftssimulation ausmachen, überzeugen. Die Steuerung ist hervorragend umgesetzt und auch Neulinge dürften sich relativ rasch zurechtfinden. Zugleich wird genug Spieltiefe geboten, um auch „Wirtschafts-Profis“ bei der Stange zu halten. Technisch ist Port Royale 3 ein zwiespältiger Spass. Soundtechnisch vermag der Titel zu überzeugen, die Grafiken wirken teils aber geradezu altbacken. Sogar unter den Arcade-Titeln, die über Xbox-Live und PSN zu erwerben sind, gibt’s da besseres. Wer aber eine Wirtschaftssimulation für Konsole sucht, die nach einer gewissen Einarbeitungszeit richtig Spass macht und langanhaltenden Spielspass bietet, ist bei Port Royale 3 genau richtig.

Pro

  • + Hervorragende Steuerung
  • + Piraten-Flair
  • + Nachvollziehbares Handelssystem
  • + Seegefechte

Kontra

  • - Teils geradezu altbackene Grafik
  • - Eroberung von Städten völlig misslungen
  • - Kein Multiplayer-Modus

Unsere Bewertung

Grafik
 
70 %
Sound
 
75 %
Steuerung
 
88 %
Gameplay
 
80 %
Multiplayer
 
00 %
Spielspaß
 
80 %

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