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Pro Evolution Soccer 2018 – Test / Review

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Veröffentlicht 28. September 2017 | 15:48 Uhr von Thomas Pfnür

PES-2018-logo

Kaum sind die ersten BuLi-Spieltage Vergangenheit, schon gibt es den ersten Ärger, sind Fans mit der Punkteausbeute ihres Teams unzufrieden und werden Trainer angezählt bzw. sogar entlassen. Mein Gott, wie hatten wir dieses Theater in der viel zu langen Sommerpause vermisst. Ebenso, wie neues Fußball-Futter für unsere Xbox One. Wie immer, eröffnet hierbei Pro Evolution Soccer die virtuelle Saison und will mal wieder mit diversen Ankündigungen neue Maßstäbe setzten. Doch Vorsicht, zwischen wollen und können liegen häufig Welten… 

Typisches PES-Spielgefühl 

Pro Evolution Soccer stand und steht schon seit Beginn der Serie für realistisches Spielgefühl, geniale Ballphysik und enorme taktische Möglichkeiten. Immer waren es genau diese drei Faktoren, die die Faszination der Fußball-Franchise von Konami ausmachten – und die für viele Fans und viel Begeisterung im Spielerlager sorgten. Es überrascht somit kaum, dass eben auch PES 2018 gerade diese Stärken wieder besonders hervorhebt.

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Anfangs ist man ziemlich ernüchtert, weil vieles arg dem Vorgänger gleicht, aber mit etwas Spielzeit merkt man dann doch, dass sich die Serie sehr wohl etwas weiterentwickelt hat und zwar meist zum Positiven. Etwa durch die verringerte Spielgeschwindigkeit, die das Geschehen weit weniger hektisch wirken lässt. Oder das neue Dribbling-System, welches euch nun noch mehr strategische Kontrolle bietet, wenn ihr etwa durch Abschirmen den Ballbesitz sichern wollt. Oder die verbesserte Spielerreaktion auf Zuspiele, bei welcher mittlerweile selbst Anflughöhe und -geschwindigkeit mit einbezogen werden, um den Ball möglichst realistisch unter Kontrolle zu bringen – oder eben nicht. Und zu guter Letzt die überarbeiteten Standardsituationen, wie etwa beim nun komplett anders ausführbaren Strafstoß.

Schön auch, dass der Taktiksektor immer noch einen hohen Stellenwert in PES hat und ein Reagieren auf bestimmte Spielsituationen schnell, vor allem aber effektiv möglich ist. Aber nicht nur euer Team setzt hierbei die Anweisungen punktgenau um, auch die Gegner- I reagiert entsprechend klug und logisch darauf. Flexibilität wird verlangt und ihr seid praktisch immer auf der Suche nach der ultimativen, siegbringenden Strategie.

Überhaupt, dieses Gefühl der absoluten Spielkontrolle kann PES 2018 wieder mal sehr gut vermitteln. Unsere Fähigkeiten und unser Timing allein sind dafür verantwortlich, ob die Flugbahn perfekt ist, der Pass wirklich in die Gasse geht und ob wir uns entscheidende Vorteile gegenüber dem Verteidiger sichern können. Auf der anderen Seite gibt es genug Möglichkeiten in der Defensive selbst die brenzligsten Situationen zu entschärfen. Nicht das Spiel löst die Probleme, sondern ihr – und genau das bringt auch 2017 wieder Spielspaß pur.

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Typischer PES-Umfang

So wie PES schon immer für ein geniales Spielgefühl stand bzw. steht, so stand bzw. steht die Serie auch von jeher für einen meist dürftigen Umfang. Und hier sprechen wir nicht nur von den mageren Lizenzen der letzten Jahre. Um es gleich mal vorweg zu nehmen, leider kann auch Pro Evolution Soccer 2018 mit den gebotenen Inhalten keine Preise gewinnen. Bis auf ein paar Marginalien, und dies ist eigentlich schon ein zu positiver Begriff für die kaum zu findenden Änderungen, hat sich diesbezüglich praktisch nichts getan.

Wenn wir uns die Karriere, sowohl die persönliche, wie auch die per Meisterliga, ansehen, merken wir sofort, dass trotz der vorhanden optischen, wie inhaltlichen Anpassungen, es weiterhin an diesen Momenten fehlt, wo wir mitgerissen werden und diesen Spielspaß generieren, noch und noch und noch eine Saison zu spielen. Zwar gibt es mittlerweile deutlich mehr Zwischensequenzen mit Pressenkonferenzen und Spielerinterviews, aber trotzdem hangelt man sich immer noch viel zu häufig, viel zu lange von einem angestaubten Spieltags-Bildschirm zum nächsten, von einer tristen Tabelle zu nächsten und von einer öden Textnachricht zu nächsten. Nein, das motiviert auch 2017 nicht wirklich. Besonders lieblos ist hierbei die Spielerkarriere Be a Legend ausgefallen. Zu keinem Zeitpunkt weiß man, warum man spielt oder nicht, ob der Trainer zu einem hält oder nicht oder was man verbessern sollte und was eben nicht. An konstruktiven Feedback fehlt es genauso, wie an der Nachvollziehbarkeit der Entwicklungsschritte. Und mit seinem virtuellen Alter-Ego fühlt man sich sowieso nie wirklich verbunden. Langweiliger hätte man das kaum implementieren können.

Somit dürfte eins klar sein: PES generiert, wie schon immer, den meisten Spaß über Multiplayer-Spiele. Einfach, weil hier das Augenmerk auf die Duelle zwischen den einzelnen Mitspielern gelegt wird und die sonstigen Dinge abseits des virtuellen Spielfelds praktisch keine Bedeutung haben. Zwar ist auch der Online-Modus kein Aushängeschild bezüglich Innovation oder Tiefgang und ihr werdet auch bei dieser Spielvariante viel der bereits bekannten Standardkost geboten bekommen, aber Spielspaß ist euch damit trotzdem absolut sicher. Dem absolut genialen Gameplay sei Dank.

Kommen wir zum Abschluss aber doch noch zu den leidigen Lizenzen. PES-Partner sind in der neuen Saison neben Barcelona, wieder Liverpool und der BVB. Diese Partnerschaften äußern sich nicht nur in den diversen Werbeaktivitäten, sondern vor allem darin, dass die Spieler dieser Vereine besonders detailliert ins Spiel integriert wurden und ihr etwa im originalgetreu nachgebildeten Camp Nou, sowie im Signal Iduna Park Spiele abhalten dürft. Auf einen FC Bayern müsst ihr aber weiterhin verzichten, dafür gibt es mit Schalke 04 und RB Leipzig zwei weitere Vertreter der deutschen Bundesliga. Ob man damit nun zufrieden ist, muss wohl jeder für sich selbst entscheiden. Besonders auf den südamerikanischen Kontinent werden die originalgetreuen argentinischen und brasilianischen Ligen, sowie die dortige Champions League für Begeisterung sorgen – wir Europäer könnten wohl auch ohne leben. Übrigens sind zwar wieder die UEFA CL und auch die Euro League lizenziert, aber eben, nach bekannten Schema, nicht die teilnehmenden Mannschaften. Es bleibt also, wie es war: PES kämpft mit einem extrem löchrigen Rechtepaket und mancher Fan somit auch mit seiner Begeisterung.

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Typische PES-Technik

Einen kleinen Schritt nach vorne gab es bei den Animationen. Wie Dribblings, Sprints, Zweikämpfe und das gesamte Torwartspiel auf den Bildschirm gezeichnet werden, dürfte aktuell wohl das Beste vom Besten innerhalb der Serie sein. Und eine präzisere, vor allem aber realistischere Darstellung der Bewegungen bei Annahme und Abspiel des Balles haben wir sowieso noch bei keiner anderen Fußballumsetzung zu sehen bekommen. Überhaupt merkt man, dass die Entwickler ihre Engine mittlerweile gut in den Griff bekommen haben. Trotzdem gibt es auch mal wieder die eine oder andere ungelenke Bewegung zu sehen – alles allerdings im Rahmen dessen, dass es kaum stören wirkt.

Weit mehr stört da, dass sich die sonstige Präsentation immer noch viel zu blass gibt. Zwar werden abseits des Spielfelds durchaus Details geboten, etwa behandelnde Ärzte, sich aufwärmende Spieler usw., aber irgendwie fehlt es trotzdem weiterhin an diesem Wow-Effekt. Aber wenn es nur dieser Wow-Effekt wäre. Der Rasen sieht viel zu steril und kaum realistisch aus, die Zuschauer wirken extrem langweilig designt, den Licht- bzw. Wettereffekten fehlt komplett der Pep und auch das Stadiondesign kommt in vielen Fällen nicht annähernd an die Konkurrenz heran. Eine richtige Frechheit sind aber die ständigen Ruckler, die jede Kamerafahrt in den Stadien zur reinsten Diashow verkommen lassen. Was eigentlich zur Stimmung beitragen soll, entwickelt sich zum Gegenteil. Da bleibt nur schnelles „Wegdrücken“.

Stimmungskiller sind auch die beiden Kommentatoren. Unverändert glänzen sie mit kaum neuen Sprüchen, wiederholt sich viel zu schnell und können, auch aufgrund der teilweise unpassenden Analysen, nie mitreißen. Alles andere als mitreißend ist auch das, was die Fans so von sich geben. Nur sehr selten sind die Gesänge und Anfeuerungsrufe so passend, dass sie wirklich für die richtige akustische Stimmung im Wohnzimmer sorgen können. Insgesamt wirkt der Sound auch im aktuellen PES 2018 viel zu altbacken – eine Feststellung, die uns praktisch in jedem Pro Evolution Soccer der letzten Jahre begleitet, und wohl auch noch länger begleiten wird.

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Getestete Version: Xbox One

Unser Fazit

81 %

Mit dem zwar umfangreichen, aber eben auch kaum veränderten und gerade im Singleplayer extrem trist präsentierten Umfang lockt man sicher niemanden mehr vor die Konsole. Und auch die Technik von Pro Evolution Soccer 2018 kann und wird keine Preise gewinnen – zu blass ist die Präsentation, zu störend die immer präsenten Ruckler. Wo sind also dann die alles entscheidenden Kaufargumente? Ganz einfach, beim wie gehabt genialen Spielgefühl, der weiterhin realistischen Ballphysik und vor allem den schier unendlichen Taktikmöglichkeiten. Ein Spiel gegeneinander on- oder offline und man vergisst die langweilige Karriere, die matschigen Zuschauer oder den Kommentar zum Weghören. Tore, die sich wie Tore anfühlen, Passpassagen, die präziser kaum sein könnten, und die ständige Möglichkeit auf alle Spielsituation auch mit der entsprechenden Strategie reagieren zu können, machen auch Pro Evolution Soccer 2018 mal wieder zu einem Muss für alle Sport- und Fußballfans. Zumindest dann, wenn man den Vorgänger nicht sein Eigen nennt, denn in diesem Fall muss man schon genauer überlege, ob eine Neuanschaffung wirklich Sinn macht. So groß, wie uns der Publisher gern erzählen würde, sind die Unterschiede dann leider doch nicht ausgefallen.

Pro

  • + realistisches Gameplay
  • + enorme taktische Möglichkeiten
  • + perfekt integrierte Spielkontrolle
  • + neues Dribbling-System
  • + geniale Ballphysik
  • + Neuerungen bei den Standardsituationen
  • + realistische Spielerbewegungen

Kontra

  • - teilweise überforderndes Gameplay
  • - sehr viel aus dem Vorgänger bekannt
  • - weiterhing langweilige Karrieremodi (Be-a-Legend und ML)
  • - mageres Lizenzpaket
  • - ständiges Ruckeln in den Zwischensequenzen
  • - blasse Präsentation
  • - schwacher Sound (Kommentar, Fanakustik usw.)

Unsere Bewertung

Grafik
 
78 %
Sound
 
55 %
Steuerung
 
90 %
Gameplay
 
70 %
Multiplayer
 
86 %
Spielspaß
 
81 %

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Als arbeitender Familienvater hat Thomas natürlich nur wenig Zeit, aber wenn dann halt mal doch, schreibt er mit großer Begeisterung mehr oder weniger Sinnvolles über alles was auch nur annähernd mit Sport zu tun hat.

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