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Project CARS 2 – Test / Review

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Veröffentlicht 27. September 2017 | 16:41 Uhr von Thomas Pfnür

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Es ist jetzt schon ein paar Jahre her, da gründeten die Slightly Mad Studios ein Crowdfunding-Portal um nach zwei Need for Speed Titeln, typische EA Auftragsarbeiten, endlich eine komplexe Rennsimulation ganz nach den eigenen Wünschen und der mitfinanzierenden Community zu schaffen. Es entstand Project Cars. 2015 stand der Titel dann nach längerer Entwicklung in den Läden und die Verkaufszahlen waren gut. So gut, dass es nicht lange dauern sollte, um genau zu sein, ganze zwei Jahre, bis uns nun ein Nachfolger präsentiert wird. Der wenig überraschende Name Project Cars 2. Noch mehr Spielspaß, noch mehr Inhalt und noch mehr Optik soll er bieten. Wie immer große Ziele – doch ob die auch wirklich erfüllt werden?

Realistischer Fahrspaß – schwieriger Zugang 

Project Cars 2 ist eine realistische Rennsimulation und das zeigt uns der Titel praktisch von den ersten Metern auf einer der diversen Strecken auch sehr deutlich. Einen leichten Zugang oder gar Züge eines Arcade-Racers braucht man nicht erwarten und gerade Neulinge und Einsteiger ins Renngenre werden das auch sofort zu spüren bekommen. Manch einer wird aufgrund der extrem anspruchsvollen Fahrphysik wohl auch überfordert das Handtuch werfen, wer es allerdings über die ersten Frustmomente geschafft hat, dem können wir ein Fahrgefühl versprechen, das zu einem der besten gehört, was uns aktuell auf der Xbox One geboten wird. Trotz dieser spielerischen Hürde, Project Cars 2 gibt euch auch zahlreiche Hilfen zur Hand, um die Rennen je nach den eigenen Bedürfnissen etwas stressfreier zu gestalten. So findet ihr die Option für die optische Ideallinie genauso, wie ein automatisches Getriebe oder ABS – also genau den mittlerweile üblichen Rennspielstandard. Eins gibt es allerdings nicht, und das könnte auch für manch leisen Fluch Richtung Entwickler sorgen: Die Rückspulfunktion. Fahrfehler bleiben Fahrfehler und können nicht mehr rückgängig gemacht werden. Ein Umstand der schnell zum großen Ärgernis werden kann – bei unserer Testsession war das zumindest so.

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Dafür wird aber der spielerische Rest nahezu perfekt umgesetzt und bietet nur wenig Anlass zur Kritik. Die Reifenabnutzung spielt für das Handling der Fahrzeuge ebenso eine entscheidende Rolle, wie die Temperatur der Pneus oder das Fahrzeuggewicht durch etwa einen sich leerenden Tank. Überhaupt fährt sich jedes Auto komplett anders und man wird eigentlich mit jedem Boliden immer wieder aufs Neue gefordert und vor neuen Herausforderungen gestellt. Ein Straßenflitzer fühlt sich anders als ein Oldtimer, ein Supersportler anders als ein F1-Wagen und Karts sind sowieso wieder komplett anders. Langeweile kommt hier somit nie auf.

Übrigens wer mit dem Verhalten seines fahrbaren Untersatzes nicht zufrieden ist, der kann dies relativ simpel ändern. Einfach seine Wünsche, wie etwa besser Traktion, höhere Endgeschwindigkeit oder passendere Bremsbalance, äußern und ein virtueller Renningenieur führt die entsprechend nötigen Anpassungen am Setting aus. Besser geht es kaum – noch besser allerdings, dass man die Änderungen auch wirklich sofort auf der Rennstrecke spürt und sich die Fahrzeuge tatsächlich anders verhalten. Kurz: Genau so muss das in einer Rennsimulation umgesetzt werden – großes Lob an die Entwickler.

Ähnliche Begeisterung löst das grandiose Wettersystem aus, welches nicht nur komplett dynamisch gestaltet wurde, sondern eben auch die entsprechenden Auswirkungen auf das Handling der Fahrzeuge hat. Es ist nun mal ein Unterschied, ob wir bei Sonnenschein auf einer trockenen, bei Regen auf einer nassen oder gar bei Schnee auf einer vereisten Piste unterwegs sind und das lässt uns Project Cars 2 auch perfekt spüren. Wem das aber immer noch nicht genügt, der sollte sich in die Nachtfahrten wagen und auf das Erlebnis freuen, bei 200 km/h nicht mehr als einen schmalen Lichtkegel zur Orientierung zur Verfügung zu haben. Da steigt der Blutdruck in gesundheitsgefährdende Höhen, das versprechen wir.

Selbiger wird sich auch kaum senken, wenn man sich über die Macken der KI mal wieder richtig ärgern muss. Gibt es überhaupt ein Rennspiel bei welchem die CPU fehlerlos agiert? Kleben auf der Ideallinie und sinnlose Auffahrunfälle mit dem natürlich meist schlechteren Ende für uns, nerven nicht nur, sie wirken sich auch durchaus störend auf das Spielgefühl aus. Und trotzdem, kann die KI andererseits auch begeistern. Etwa wenn die CPU-gesteuerten Fahrer auf knifflige Rennsituationen realistisch, teilweise sogar richtig klug reagieren oder uns durch ihre Angriffslust immer wieder an die fahrerischen Grenzen bringen. Übrigens, wem das Können oder die Aggressivität der KI zu hoch oder auch zu niedrig ist, kann dies stufenlos selbst regeln – mit, und genau das ist ja eigentlich immer das wichtigste, den spürbaren Auswirkungen auf der Rennstrecke.

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Viele Strecken – schwache Karriere

Ein wahres Umfangsmonster ist Project Cars 2 im Bereich Strecken. Ganze 60 Pisten, darunter die üblichen Realnachbildungen, wie etwa Hockenheim und Silverstone, diverse Nascar-Rundstrecken, einige Rallyepisten und fiktive Stadtkurse, sind auf die BluRay gepresst worden. Insgesamt gibt es von diesen Strecken 130 Varianten – wer also alles einmal gesehen haben will, der sollte viel Zeit mitbringen.

Weit weniger Begeisterung wird die Anzahl der Fahrzeuge auslösen, denn gerade 180 Wagen haben es ins finale Spiel geschafft, eine große Anzahl davon sogar nur in einem erfundenen Design. Das hört sich gegen die Zahlen der Konkurrenz, wo ja von bis zu 700 Boliden die Rede ist, natürlich schon ein wenig mickrig an. Aber, und das ist ein großes Aber, trotzdem bringt Project Cars 2 mit seinen integrierten Racern enorm viel Abwechslung ins Spiel. Wie? Durch die unterschiedlichsten Rennserien, den somit unterschiedlichsten Fahrzeugen und den schlussendlich unterschiedlichsten Fahrerlebnissen. Ganze neun Motorsport-Disziplinen, mit den entsprechenden fahrbaren Untersätzen, werden euch geboten. Ihr findet Kart-Racing ebenso, wie eben auch Straßenrennen, Rallyecross, Formel 1 oder Indie-Car. Ach ja, und auch die bekannten 24 Stunden Rennen, samt den passenden Fahrzeugen, sind mit an Bord – übrigens eins der absoluten Highlights innerhalb der Rennsimulation.

Wer es nicht so lange auf der Piste aushält, der hat auch die Möglichkeit sich in schnellen Rennen auszutoben – übrigens off-, wie online. Dazu gibt euch der Titel eine Menge an Optionen und Einstellmöglichkeiten an die Hand. Ihr wollt nur den kurzen Spaß über 2 oder 3 Runden? Kein Problem. Oder doch lieber ein Rennen über die volle Distanz oder gar 24 Stunden? Kein Problem. Mit vielleicht vorangestellten Training und Qualifying? Ebenfalls, kein Problem. Schade nur, dass man Offline nur als Einzelkämpfer gegen die CPU unterwegs sein darf, es also keinen Split-Screen-Modus gibt. Wer gegen seine Freunde fahren will, muss dies über Xbox Live tun. Übrigens, auch Rennen gegen die Uhr, Zeitrennen, sind nur online möglich, warum auch immer. Oder wissen die Entwickler etwas, was uns entgangen ist?

Selbige würden wir auch gerne fragen, weshalb der Karrieremodus so langweilig gestaltet wurde. Es ist zwar schön, dass wir selbst bestimmen können, wo wir beginnen, also ob wir lieber ganz unten beim Nachwuchs oder doch schon in einer der wichtigen Rennserien starten, den viel zu tristen Aufbau der Spielvariante um ein Rennfahrerleben ändert dies aber auch nicht. Alles beschränkt sich auf das Abarbeiten von Herausforderungen und das Erledigen der einzelnen Rennevents. Aufgabenbereiche neben der Strecke gibt es nicht. Kein Team-Management, kein Sponsoring, keine großen Vertragsverhandlungen oder sonstige Tätigkeiten, alles beschränkt sich auf das Rennautofahren. Wie öde. Und weil auch die Präsentation nichts Besonderes bietet, Zwischensequenzen praktisch nicht vorhanden sind und es nicht mal eine Siegerehrung, die sich auch so nennen darf, ins Spiel geschafft hat, passiert mit der Karriere genau das, was nicht passieren darf: Bereits nach wenigen Rennen verliert der Modus komplett seinen Reiz und wir unsere Motivation doch noch weiterzuspielen.

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Schöne Autos – triste Pisten

Project Cars 2 ist kein hässliches Spiel, ein optisches Highlight ist es aber auch nicht. Gerade was Abseits der Strecken geboten wird, kann weder begeistern, noch würden wir es als besonders zeitgemäß bezeichnen. Matschige Texturen, ständig aufpoppende Objekte und auch der ein oder andere Clippingfehler fallen einem nicht nur unangenehm ins Auge, nein sie sind für ein Spiel der aktuellen Generation eigentlich auch nicht mehr hinnehmbar. Verschwiegen soll hierbei aber nicht sein, dass der Titel auch Xbox One X unterstützt und somit ggf. auf dieser Hardware bessere Hintergründe zu sehen sind – von uns kann das allerdings weder bestätigt, noch dementiert werden.

Was wir allerdings durchaus bestätigen können, ist, dass das Fahrzeugdesign sehr gut gelungen ist und man den Eindruck hat, als wären hier selbst die kleinsten Details berücksichtigt worden. Gerade Rennen aus der Cockpit- bzw. Helm-Sicht sind richtige Erlebnisse. Ebenfalls sehr gut gelungen sind die Wetter- und Lichteffekte. Und zwar so gut, dass man sich manchmal richtig in den Rennboliden versetzt fühlt. Wenn einem die untergehende Sonne blendet, man in der Gischt eines voranfahrenden Autos praktisch nichts mehr sieht oder die Scheibenwischer kaum mehr der Schneeflocken her werden, dann fehlt nicht mehr viel zur Realität. Diese Realität hat dann leider auch ihren Preis, weshalb wir uns über lange, teilweise zu lange Ladezeiten ärgern dürfen.

Keine Kritik hingegen beim Motorensound, der schon ziemlich echt klingt. Jedes Fahrzeug hört sich so an, wie es, zumindest unserer Meinung nach, auch soll. Ein Kart schnurrt, ein Oldtimer brummt und ein F1-Flitzer dröhnt aus den Boxen – inklusive der obligatorischen Fehlzündungen. Genau so wollen wir das hören.

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Getestete Version: Xbox One

Unser Fazit

83 %

Project Cars 2 lebt allein von seiner Spielbarkeit. Dieses geniale Spielgefühl, welches vermittelt wird, wenn man mit den unterschiedlichsten Fahrzeugen auf den unterschiedlichsten Strecken unterwegs ist, macht nicht nur Spaß, nein es begeistert richtig. Gerade wenn man sich gegen andere misst, sich online in diversen Rennen austobt und sich Stunde um Stunde in den diversen Langzeitrennen verliert, dann weiß man sofort wieder, weshalb man sich eigentlich für Project Cars 2 entschieden hat. Und wenn man dann noch die Motivation aufgrund der enormen Anzahl an Rennstrecken merkt, dann könnte man schnell vergessen, dass der Titel auch seine durchaus störenden Schwachstellen hat. Etwa beim nicht vorhandenen Zugang, der extrem schwach umgesetzten Karriere oder der kaum mehr zeitgemäßen Technik. Insgesamt ist Project Cars 2 somit sicher nicht der erhoffte Überflieger. Aber es ist zumindest ein sehr gutes Rennspiel, dessen Hauptaugenmerk auf das gerichtet ist, was für eine Rennsimulation wohl am wichtigsten: Dem Fahrgefühl. Und genau hier zeigt Project Cars 2 dann auch, dass es ein wahrer Könner seines Faches ist.

Pro

  • + realistisches Fahrgefühl
  • + Einfluss von Fahrzeuggewicht, Reifentemperatur usw.
  • + jedes Fahrzeug fährt sich anders
  • + zuschaltbare Hilfen, wie Ideallinie, ABS usw.
  • + dynamisches Wettersystem
  • + 60 Strecken in 130 Varianten
  • + 180 Fahrzeuge aus 9 Bereichen (von Karts bis Formel 1)
  • + enorme Möglichkeiten bei der Renneinstellung
  • + „echte“ Langzeitrennen (24 Stunden!)
  • + guter Online-/Multiplayer-Modus
  • + schönes Fahrzeugdesign
  • + passende Wetter-/Lichteffekte

Kontra

  • - schwerer Zugang
  • - keine Rückspulfunktion
  • - KI mit Bugs
  • - Fahrzeuganzahl deutlich hinter der Konkurrenz
  • - extrem schwacher Karrieremodus
  • - kein Splitscreenmodus
  • - Multiplayer und Zeitfahren nur online möglich
  • - Präsentation nicht mehr zeitgemäß
  • - schwaches Strecken-/Hintergrunddesign
  • - ständiges Aufpoppen von Objekten
  • - Clippingfehler

Unsere Bewertung

Grafik
 
75 %
Sound
 
85 %
Steuerung
 
85 %
Gameplay
 
75 %
Multiplayer
 
80 %
Spielspaß
 
83 %

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Als arbeitender Familienvater hat Thomas natürlich nur wenig Zeit, aber wenn dann halt mal doch, schreibt er mit großer Begeisterung mehr oder weniger Sinnvolles über alles was auch nur annähernd mit Sport zu tun hat.

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