Remember Me - Ausführlicher Test / Review - Testbericht - insidegames
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Remember Me – Ausführlicher Test / Review – Testbericht

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Veröffentlicht 9. Juli 2013 | 14:45 Uhr von Sandra

Remember Me

Die Schere zwischen Arm und Reich, sie klafft, groß, gefräßig, gierig und hinterlässt nichts als Opfer auf der einen Seite und auf der anderen scheinbar zufriedene, sorglose Elite, die sich dank gekaufter >>fremder<< Erinnerungen sicher fühlen darf wie in Abrahams Schoß. Aber Sicherheit ist trügerisch und lässt sich nicht kaufen! Die Gefahr sich in Gedanken zu verlieren und der harten Realität ins Auge zu blicken schwebt einem Damoklesschwert gleich oftmals dort, wo es am wenigsten erwartet wird.

Orwell, Wells und Poe lassen grüßen

Düstere Zukunftsszenarien sind nicht erst seit Filmen wie Total Recall, da Erinnerungen und Existenzen manipuliert werden, ein Thema. Wie wäre es dann noch mit 1984, da selbstständiges Denken verpönt und die total Überwachung als allgemein gültiges Seelenheil praktiziert wird, ganz getreu dem Motto „selber denken ist nicht erwünscht“. Wahrliche Hirngespinste, die schon lange vor dem bewegten Bild in beispielsweise Büchern von Poe, Wells und Orwell thematisiert wurden, und auch für Angst und Schrecken gesorgt haben. Die Zukunft als furchteinflössender, nicht greifbarer Moment, der irgendwann kommt? Und wenn er da ist, was wird das Morgen bringen? Mixt man nun derartige Komponenten, erhält man eine Art Vision, die weit weg zu sein scheint. Wer allerdings die Nachrichten verfolgt und Berichte abseits des Mainstreams zwischen den Zeilen liest, wird in Entwickler Dontnods virtueller Fiktion, getauft auf den Namen Remember Me, weit weniger Zukunft erkennen, als eigentlich vermittelt werden soll. Handel mit Gedanken, Erinnerungen und gekauften Existenzen, dazu die Manipulation des freien Geistes – was ist real und was ist Fiktion?

Hilf mir mich zu erinnern …

Mit diesem Satz wäre einmal grundlegend das Ziel des Spiels Remember Me auf den Punkt gebracht, aber wir lassen uns nicht nehmen und holen einfach einmal ein Stück aus:

Wir reisen ins Jahr 2084 nach Bienvenue, ein Stadtteil eines fiktiven Neo-Paris. Ein Schelm wer Böses denkt, da Bienvenue im französischen für „Willkommen“ steht. Aber oftmals sind es die kleinen Dinge, die mehr Schein als sein vermitteln und es korrupten Staatsbediensteten einfach gemacht wird die treu als auch nicht hinterfragenden Untergebenen zu überwachen. Geheimhaltung? Was ist das bitte? Persönlichkeitsrechte? Privatsphäre? Wie bitte, geht’s noch? Idealer Weise ist der Mensch ein Gewohnheitstier und wenn der Tropfen den Stein lang genug höhlt, lässt sich auch der größte Quatsch als wichtige, fortschrittliche Technologie verkaufen.

Nilin, die „Leid“-Tragende Protagonistin in Remember Me ist eine sogenannte Erinnerungsjägerin im Auftrag von Memorize. Memorize ist ein Konzern, der mit den zur Ware gewordenen Erinnerungen handelt, diese als seltene Schätze verkauft, damit handelt und Tauschgeschäfte tätigt. Nilin besitzt die Gabe sich Zugang zu den Gedanken der Menschen zu verschaffen und deren geistiges Eigentum zu entwenden oder auch – je nach Bedarf – zu manipulieren. „Sensen“ heißt die Technologie, welche die Klingen der Schere zwischen Arm und Reich mächtig zu schleifen versteht. Während die zahlende Kundschaft eine Erinnerung nach der anderen bestellt, leben in den Katakomben unterhalb der Stadt diejenigen, die ihre Gedanken bei einem solchen Übergriff verloren haben und zurückgelassen wurden mit einer schmerzenden Leere im Kopf. Aber auch den Reichen geht es nicht besser: Fremde Erinnerungen wirken wie gefährliche Drogen. Sie zerren am Selbst, zerstören es, lassen die Lebensfreude des Individuums verdorren und erschaffen Süchtige.

Stellt sich die Frage, was passiert, wenn Memorize seine beste Mitarbeiterin abschießt, da man sich auf einmal bewusst wird, welche Macht diese Frau besitzt? Genau, sie wird Opfer dessen was sie tut und verliert sich auf ganzer Linie selbst! Sie weiß nicht einmal mehr wie sie heißt … da scheint das Feststellen, dass sie im Gefängnis gelandet fast schon trivial.

Remember Me - TGS 2012-04

 

Was wäre das Leben ohne Freunde?

Nilin kann sich glücklich schätzen, auch wenn sie keinen wirklichen Plan mehr hat. Ihre vorhandenen Freunde dafür umso mehr. Selbige stehen euch ab sofort regelmäßig zur Seite und helfen, wo es nötig ist. Auf diese Weise bekommt ihr Tipps in Sachen Steuerung, wie ihr euch eure Kampffähigkeiten aneignet, erfahrt Missionsziele, usw. Auch werden die Stimmen aus dem Off dann erklärend einschreiten, wenn es daran geht die besonderen Fähigkeiten, die ihr mit Nilin nutzen könnt, zu erlernen. Somit seid ihr bestens grundausgestattet und könnt euch den Gefahren stellen und zurückholen, was euch gehört: Eure Gedanken. Dass ihr dabei noch das eine oder andere erfahrt, sozusagen mehr als euch lieb ist, gehört mit dazu ist ein bisschen das Salz in der sonst eher fade abgeschmeckten Suppe. Denn so spannend sich der Anfang gestaltet, vor allem was das Story-Telling sowie das Thema an sich anlassen, so wenig bleibt am Ende davon übrig. Überschattet werden die grundlegend durchaus innovativen Ideen mit banalem Gekloppe, dass sich vorhersehbar gibt und Spannung im Keim erstickt. Getreu dem Motto „drei, zwei, eins – Gegner von links“, etc. oder aufs Spiel bezogen „oh, eine Tür – was dahinter wohl kommen wird?“.

Willkommen im Kampflabor!

Nilin besitzt einige anpassbare Kampfkombinationen, da bis zu acht Bewegungen aneinandergereiht werden können. Im Verlauf des Geschehens werden aus einfachen Aktionen fast so etwas wie Jackie Chan-reife Choreographien. Diese sind nicht nur generell nett anzusehen, sondern machen auch Spaß erlernt zu werden. Gepaart mit unterschiedlichen Effekten, den sogenannten „Pressens“ werden Angriffe zudem noch verstärkt. Generell könnt ihr euch mit Tritten, Schlägen, Kopfnüssen sowie Salti zur Wehr setzen und natürlich stehen auch Ausweichoptionen zur Verfügung. Idealerweise checkt ihr euch immer wieder selbst gegen und nutz den, wenn man so will, vorhandenen Kombo-Baukasten. Dieser erlaubt euch Angriffe nach Belieben zu kombinieren – im Spiel „Impressons“ genannt. Wollt ihr mehr Schaden erreichen oder Nilins Selbstheilungskräfte unterstützen oder steht euch der Sinn eher nach dem Einsatz von Spezialfähigkeiten? Das Besondere ist, dass dieses Angriff-Baukasten-System nicht nur einen optischen Aspekt aufweist, sondern tatsächlich ein hilfreicher Begleiter durch das Spiel ist. Vorzugsweise solltet ihr Abläufe nach den anzutreffenden Gegnern ausrichten, denn die durchaus zahlreich vorhandenen Widersacher sind recht unterschiedlich dahingehend wie sie besiegt werden wollen.

Die Opponenten-Palette reicht von den Leapers, die Bewohner der Katakomben und nicht mehr ganz klar in der Birne („Die Fliegen hassen mich“) über bis zu zwei Meter hohe Monster sowie die unsichtbaren Wiedergänger, die man nur mit Licht erledigen kann bis hin zu den wenig zimperlichen S.A.B.R.E.-Truppen. Auch Drohnen gesellen sich dazu als auch eine gute Handvoll Boss-Kämpfe, da ihr z.B. Johnny Greenteth oder auch Kind X-Mas zeigen müsst, wo der Frosch die Locken hat.

Generell könnten die Kämpfe sehr erfrischend, ja geradezu erbauend sein, Spaß machen, Helfen tagsüber erlebten Frust virtuell ganz schmerzfrei auszuleben. Aber genau das ist nicht der Fall – oder nicht so hundertprozentig. Remember Me lebt u.a. aufgrund des vielfältigen Kämpfens, seiner Zusammenstellungen und daraus resultierend aus seinen Möglichkeiten. Dass allerdings noch so jeder Popel-Gegner einen eingeleiteten Ablauf wie nichts unterbrechen kann, nervt auf die Dauer. Nicht missverstehen, wir wollen nicht, dass die Widersacher Nummern ziehen und wir sie der Reihe nach schlicht verprügeln. Aber wenn man es geschafft hat mit Nilin auf einem gewissen Level zu agieren und dann Gegner kommen, die am Ende nicht mehr machen als würden sie eine Pusteblumen pusten und uns damit aus dem Konzept bringen, auf das eigentlich gesetzt wird, dann stimmt das Balancing nicht. Immerhin gibt es Momente, da wir genüsslich, wenn auch gern mal aus dem letzten Loch pfeifend, zum Finishing-Move ansetzen und vorzugsweise Boss-Gegner in die ewige Verdammnis befördern. Gott, das kann sich so gut anfühlen!

Remember Me -01

 

Geistige Sprungkraft

Wenn ihr mal nicht kämpfend unterwegs seid, dürft ihr euch als eine Art Freerunner der Umgebung bemächtigen. Klettert über die Solarzellen bedeckten Dächer der Stadt, sucht euren Weg in die Slums (Katakomben), stattet dem wenig einladenden Fischmarkt einen Besuch ab oder nutzt Stahlanlagen zu eurem Vorteil fürs weitere Vorankommen. Über die Abwechslung wollen wir sicher nicht klagen, die geht zweifelsfrei in Ordnung, gleichwohl das Stadtbild an sich etwas statisch ist, denn es fehlt Bewegung. Dampf, der in den Nachthimmel aufsteigt, ist in der heutigen Zeit einfach zu wenig. Auch hätte es gesamt gerne etwas flüssiger, dynamischer zugehen dürfen. Euer Weg, so interessant, herausfordernd er auch aussehen mag, wird klar definiert und wie an einem unsichtbaren Seil werdet ihr zum Ziel geführt. Gelbe Symbol-Einblendungen markieren die Kanten, die für euch greifbar sind. Aber es gibt auch die optischen lichten Momente, wenn Notre Dam oder der Arc de Triomphe ins Bild kommen, umgeben von viel Glas und Neon.

Wünschenswert wäre auch gewesen, dass Dontnod aus der Option zu entdecken, mit den Gedanken wirklich zu spielen, das Thema in sich greifbarer zu machen, mehr heraus geholt hätte. Die Räume der Erinnerung erweisen sich daher als kostbares Kleinod, als spirituelles i-Tüpfelchen und laden definitiv zum Verweilen ein. Es ist ein Spiel, wenn man so will, mit den gestohlenen Gedanken. Diese können und müssen manches Mal auch verfolgt werden, damit ihr im Spielverlauf selbst beispielsweise eine verschlossene Tür öffnen könnt, damit ihr weiter voran kommt. Weitaus mehr Spaß bereiten jedoch die Erinnerungs-Remixe. Wer hier eventuell Parallelen zum Film Inception vermutet, liegt gar nicht einmal so daneben … Wollt ihr einen Herrn davon überzeugen, dass er seine Frau um die Ecke gebracht hat? Nun, fühlt euch frei dies zu tun. Dazu müsst ihr lediglich die Szene finden, die den Ausschlag für ein Geschehen gibt. Schade ist nur, dass  vor allem diese Remixe viel, viel zu selten vorkommen.

Stop-and-Go

Remember Me ist in erster Linie sehr Action geladen und bietet mehr Kampf als alles andere. Hinzu kommen sehr häufige Kamerafahrten, die dem Spielfluss weniger gut zu Gesicht stehen. Gegen Sequenzen ab und an haben wir definitiv nichts, vor allem wenn sie – wie auch in dem Fall – gut gemacht sind. Es sind allerdings zu viele, sie kommen zu oft! Auch die oftmals sehr langen Dialogszenen, die zwar hier und da ein wenig Aufschluss liefern, wirken sich mit der Zeit eher störend denn unterstützend aus. Gleiches gilt auch für die gefühlt unendlich vorhandenen Quick-Time-Events. In sich zusammengenommen erscheint damit Remember Me eher als eine Art virtueller Kinofilm, in dem es gelegentlich darum geht eine Taste zu drücken. Nicht selten wünscht man sich eine Art Trial & Error Spielprinzip, denn selbst das Abstürzen von Dächern und ähnlichem, kann nicht wirklich schiefgehen.

Unser Fazit

71 %

Remember Me hat verdammt viel Potential, spielt allerdings – wenn es hoch kommt – gerade einmal ein Viertel davon aus. Von der anfänglich sehr einnehmenden Story, der Aufmachung, der Einführung bleibt am Ende nicht viel übrig. Nilin kassiert den Spieler, ohne jede Frage, und sie weckt das Bedürfnis herausfinden zu wollen, wer für das Löschen ihres Gedächtnisses verantwortlich war oder welche Ziele ihre Ex-Bosse bei Memorize verfolgen. Das ganze Ambiente zeiht einen an, belegt einen mit einem Bann. Aber wenn es eigentlich richtig los gehen sollte, fängt das Spiel an zu stolpern. Und das liegt nicht an den immer stärker werdenden Gegnern oder dass das Balancing nicht ganz stimmt. Es ist die Gradlinigkeit, die Vorhersehbarkeit, das Abflachen und einfinden auf der eher niederen Ebenen des Kampfes. Schlauchartiges durch die Geschichte ziehen, da Dialoge, Sequenzen, Kamerafahrten und Quick-Times sich die Klinke in die Hand geben, bleibt wenig für den Spieler übrig, dass er eigenständig entdecken kann. So bleibt am Ende ein grandioser Ansatz, eine definitiv visionäre Idee, die allerdings nicht konsequent weitergeführt wurde und die sich unterm Strich ein Stück weit selbst in den Möglichkeiten verloren hat.

Pro

  • + durchaus abwechslungsreiche Umgebungen
  • + Kampflabor mit vielen Optionen und Spielereien
  • + tolle Geschichte … leider nicht konsequent zu Ende geführt
  • + vielfältige Gegner mit verschiedenen Attitüden
  • + gut funktionierende Steuerung
  • + gelungene deutsche Synchronisation
  • + Räume der Erinnerung
  • + reines Offline-Spiel (keine Online-Erfolge/Trophäen)

Kontra

  • - zu viele Quick-Time-Events
  • - verhältnismäßig kurze Spielzeit (ca. 8-10 Stunden)
  • - Story-Telling nicht konsequent zu Ende gebracht
  • - Viel zu wenig Spielraum (Schlauchlevel, zu gradlinig)
  • - Kampf-Balancing nicht ausgewogen
  • - zu viele Kamerafahrten, Sequenzen und Dialoge
  • - gefühlt einer ein Film mit Aktionsaufforderung denn tatsächliches Spiel
  • - kein Freiraum zu Erkunden dank vordefinierter Wege

Unsere Bewertung

Grafik
 
71 %
Sound
 
73 %
Steuerung
 
73 %
Gameplay
 
68 %
Multiplayer
 
00 %
Spielspaß
 
69 %

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