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Risen 3: Titan Lords – Wie ein gutes RPG sein sollte!

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Veröffentlicht 13. Oktober 2014 | 15:37 Uhr von Sandra

Risen-3-Titan-Lords

Piranha Bytes haben irgendwie schon ein dickes Paket zu tragen. Auf der einen Seite stehen sie für die fantastische Rollenspielserie Gothic, die sie dann aber nicht zuletzt wegen massiger technischer Fehler im dritten Teil eingestellt haben. Na ja, das Verlieren der Lizenz an JoWood infolge eines wohl nicht unerheblichen Streits seit der Vollständigkeit halber auch erwähnt. Und auf der anderen Seite für die – sozusagen als Nachfolger konzipierte – neue RPG-Reihe Risen, die gerne eigenständig sein möchte, trotz aller Bemühungen aber nicht aus dem Schatten seines Vorläufers treten kann. Auch wenn Teil 1 brillierte, wir sagen einmal, auf seine Weise und den Nerv der darbenden Fans recht punktgenau getroffen hat, war Teil 2 dann wieder für viele Risen-Spieler ein Schlag ins Gesicht. Es war kein Risen, wie sich die Fans es gewünscht hatten oder wie sonst erklärt man den Schritt von Open-World auf Schlauchlevel-Design – um nur ein Beispiel zu nennen. Ergo waren und sind die Erwartungen an Risen 3: Titan Lords hoch. Ob die Essener es wohl geschafft haben diese zu erfüllen und, mehr noch, für Wiedergutmachung zu sorgen?

Willkommene Vertrautheit

Zu versuchen die Risen-Serie als eigenständig wahr zu nehmen würde ein Stück weit bedeuten die Gothic-Wurzeln zu verleugnen. Ohne Gothic kein Risen, denn verbandelt sind die beiden Reihen schon irgendwie, zumindest im Kern, was die Weltenerkundungen angeht. Wohl am Ende ein triftiger Grund, warum sich Risen 3: Titan Lords sehr vertraut anfühlt – und das von der ersten Spielminute an. Es ist vergleichbar, auf eine gewisse Art, mit einem nach der Renovierung wieder nach Hause zu kommen. Vor allem die recht große und umfangreiche offene Spielwelt – hurra, da ist sie wieder – trägt viel dazu bei, sich genauso zu fühlen. Auch die Tatsache, dass – dem Serienfan wird es sofort auffallen – Risen 3, wenn man so will, das Beste aus Teil eins und zwei zu verbinden versucht, darf positiv gewertet werden. Über das Piratensetting lässt sich weiterhin vortrefflich streiten, im Falle von Risen 3 allerdings passt es wunderbar.

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Er ist tot, Jim!

Auweia, das habt ihr euch sicher anders vorgestellt, oder?! Spiel beginnen und gleich tot? Keine Sorge, das ist so gewollt. Auch den feurigen Dämonenkerl seht ihr nicht zum letzten Mal – merkt euch sein Gesicht gut. Damit leben tot zu sein, kann unter Umständen ganz nützlich sein. Die Kameraden halten kurz inne, verscharren eure sterblichen Überreste – wie idyllisch – am Strand und schon seid ihr Geschichte. Bis … ja bis dieser skurrile Typ Bones auftaucht, der euch nicht nur wieder aus dem sandigen Grab entlässt, sondern fortan an eurer Seite kämpft und helfen wird, dass ihr eure Seele wieder bekommt. Denn wenn das nicht passiert, dann beißt ihr tatsächlich auf immer ins Gras.

Ja, Gefährten sind wichtig und in verschiedenen Situationen ein nicht zu verachtender Beistand. Im Verlauf der Geschichte als auch während dem Bereisen der Inseln werden sich weitere Freunde finden lassen. Trefft sie einfach so, weil das Spiel es vorsieht, oder erweist euch als nonchalanter Helfershelfer. Neun großzügig gestaltete Gebiete gibt es zu entdecken und jeder dieser Orte präsentiert sich unterschiedlich. Dabei reicht die Palette von äußert düster bis hin zu Viva Pinata Karibik-Strand-Party. Detailliert und vor allem stimmig, atmosphärisch geht es zu, so dass die Lust die Eilande auch bis in den letzten Winkel zu erkunden, definitiv gegeben ist. Doch Vorsicht, denn gleichwohl ihr zu Beginn schon einige Küsten ansteuern könnt, nicht jede Region ist schon für euch gemacht. In manchen Arealen tummeln sich Gegner, denen ihr in diesem Stadium sicher noch nicht gewachsen seid. Lieber erst einmal klein anfangen und eure Figur auf Vordermann bringen, bevor ich mit den starken Kalibern in den Palmengarten geht.

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Der Vorhof zur Hölle ist grün

Entdecker und Erkundungswillige werden viel zu tun haben in Risen 3: Titan Lords. Quasselt mit jedem NPC, erhaltet dadurch auch wichtige Haupt- sowie gefühlt sau viele Nebenquests, findet nützliche, lustige und gewinnbringende oder legendäre Items und stänkert ein wenig herum, wenn euch Höllenhunde, Skelett- und Schattenkrieger oder auch verschiedenes Getier, hin und wieder ein menschlicher Opponent oder auch mal Zwischen- und sicher ein Endboss ans Leder wollen. Anfänglich scheinen die vor allem nicht humanen Widersacher noch das stärkere Kaliber, aber sobald ihr ein Stück weit Charakteraufbau betrieben und erste Attribute fein abgestimmt habt, lässt sich den Feinden leicht zeigen wo der Bartel den Most holt. Das kann dann schon mal, gerade wenn es daran geht irgendwelches Viechzeug kalt zu machen, enervierend sein. Seht es in dem Fall einfach positiv: Ihr macht euch den Weg frei und sichert gleichzeitig weitere Punkte fürs Figuren leveln.

Apropos kämpfen … das geht, bis auf wenige Ausnahmen, äußerst gut, geschmeidig und intuitiv von der Steuerungs-Hand. Die Ausnahme bestätigt jedoch ab und an die Regel, denn wenn die Kamera nicht mitspielt, kann das Monster schnetzeln schnell mal zum ziellosen Blindgefuchtel ausarten. Auch das Anvisieren neigt hin und wieder dazu nicht einwandfrei zu funktionieren. Am einfachsten behelft ihr euch dann durch simplen Platzwechsel mittels Ausweichfunktion. Dass die meisten Gegner vorhersehbar angreifen, werten wir nicht als Nach- sondern als Vorteil, denn damit könnt ihr euch gut auf die Attacken einstellen, passend parieren bzw. kontern und euerseits den Feind ins virtuelle Nirwana schicken. Sollte es euch wider Erwarten einmal zu schwer sein oder ihr das Gefühl haben, dass ihr auf eurem gewählten Schwierigkeitsgrad nicht weiter kommen, kein Problem. Geht einfach ins Menü und ändert auf die nächste, leichtere Stufe. Das hat – gut zu wissen – auch keinen Einfluss auf noch zu holende Erfolge / Trophäen.

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Die Sache mit dem Karma

„Was du aussendest, kehrt zu dir zurück“ besagt ein Sprichwort. Wie wahr, wie wahr konstatieren wir an dieser Stelle. In vielen Dialogen, die mal mehr, mal weniger den Hauptplot voran treiben, könnt und müsst ihr Entscheidungen fällen. Die jeweils getroffene Wahl hat zwar nicht wirklich nachhaltig Einfluss auf die Geschichte im Ganzen, aber immerhin definiert ihr damit euer Karma. Gut oder Böse, das liegt allein bei euch und so mancher NPC reagiert darauf, welchen Pfad ihr eingeschlagen habt.

Ansonsten verdient ihr euch mittels Gegner niederstrecken oder dem Erledigen von Quests Ruhmpunkte, mit denen ihr eure Attribute wie die Werte für Nah- und Fernkampf, List, Magie und dergleichen mehr aufwerten könnt. Dazu gesellen sich Unterstufen, die ihr vorzugsweise mit einem Lehrer aufbauen könnt. Dies setzt voraus, dass ihr eine Hauptkategorie auf ein bestimmtes Level gebracht habt. Verfügt ihr dann noch über die nötigen Goldreserven, steht euch der Weg frei Unterattribute zu verbessern oder Zusatztalente zu erlernen frei.

Gold ist ein gutes Stichwort und kann überdiese in soweit reichlichen Mengen gefunden werden. Gleiches gilt für die enthaltenen Quests, von denen sich um die 500 Stück (geschätzt) auf den verschiedenen Inseln finden lassen. Deren Qualität übersteigt zwar den gängigen Standard nicht, von wg. „hol mir dies“, „erledige so viele Gegner“ oder „bring was weg“, ist aber gesamt vor allem für euch als Spieler gewinnbringend angelegt. Jeder Quest führt euch weiter, füllt dazu euer Goldsäckel und natürlich – für die betreffenden Jäger nicht ganz unerheblich – auch die Erfolgs- bzw. Trophäensammlung. Solltet ihr einmal den Weg verlieren oder nicht wissen wohin es geht, bedient euch der ebenfalls vorhandenen Karte. Speziell beim Erledigen von Quests erweist sich die Option, dass man Zielpunkte für selbige auf der Karte markieren kann, als sehr hilfreich. Funktioniert zwar nicht bei allen Quests, weil gern mal das Ergebnis nicht an einen speziellen Punkt, sondern an ein Gebiet gekoppelt ist.

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Geile Katastrophe

Optisch bietet Risen 3: Titan Lords zweifelsfrei zufriedenstellende Kost, wobei es deutliche Unterschiede zwischen den Versionen gibt. Während die PC-Fassung gesamt eine gute Figur abgibt, wirken die PS3- und Xbox 360-Fassung arg kastriert. Das beginnt bei zum Teil arg matschigen und schwammigen Texturen und geht über oftmals heftiges Ruckeln und Tearing bis hin zu Spielabstürzen und daraus resultierend Speicherstandchaos. Zumindest auf Microsofts Konsole kann mit gelegentlichem Cache leeren und dem Experimentieren ob es sich installiert oder doch besser von Disc spielt, gearbeitet werden. Ansonsten heißt es auf den Konsolen „Zähne zusammen beißen und durch“. Aber, und das ist eine gesicherte Tatsache: Spaß macht es trotz allem noch!

Anstandslos präsentiert sich dagegen das Soundgerüst. Für die Sprachausgabe stehen eine Englische sowie eine Deutsche Tonsur zur Verfügung. Es ist immer ein persönliches Empfinden, selbstredend, aber wir haben einmal mehr dem Englischen lieber gelauscht als dem Deutschen. Es hat sich für uns im Vergleich ein gutes Stück weit intensiver, authentischer, piratiger und damit passender angehört. Gleiches gilt auch für die verschiedenen und gut abgestimmten FX-Sounds, die für jede Situation, ergänzend zum gesprochenen Wort, das richtige Geräusch parat hatten. Anders dagegen wieder die Musik, die einfach so belanglos ohne große Höhen und Tiefen dahin plätschert.

Unser Fazit

82 %

Ja, so ist es recht! Risen 3: Titan Lords macht einiges wieder gut, was Risen 2 noch verbaselt hat. Stimmig geht es zu, atmosphärisch, fordernd und spaßig, es gibt viel zu tun, zu entdecken, zu kämpfen und zu erringen. Wenn ein Spiel es schafft, dass man sich immer wieder sagt „noch 5 Minuten, die eine Ecke noch erforschen“, haben die Entwickler ganz sicher was richtig gemacht. Risen 3: Titan Lords bietet – sollen wir sagen endlich oder doch lieber Gott sei Dank – das Rollenspiel, dass wir mit dem letzten Teil vermisst haben. Es ist alles drin, sogar Gothic lässt ein bisschen grüßen, was das Fan- und RPG-Herz zufrieden schlagen lässt. Mit rund 40-45 Spielstunden offeriert Risen 3: Titan Lords zudem einen ordentlichen Umfang. Alles in allem wiegen die positiven, gelungenen Aspekte weit schwerer als die – zumindest in der Konsolenversion vorhandenen – blöden Schwächen wie Ruckeln und matschige Texturen. Fürs nächste Mal wünschen wir uns einfach, dass Piranha Bytes das auch noch in den Griff bekommt und dann wird wirklich alles wieder gut. Bleibt zusammenfassend nur zu sagen: Risen 3: Titan Lords ist Pflichtprogramm für jeden Serien- und RPG-Fan!

Pro

  • + lange Spielzeit, sehr guter Umfang
  • + schöne, abwechslungsreiche Umgebungen
  • + gutes Handling (Controller)
  • + PC-Version unterstützt Controller-Steuerung
  • + sehr atmosphärisch, fordernd und motivierend
  • + kruder Humor und witzige Dialoge

Kontra

  • - partiell unruhige Kamera
  • - anvisieren funktioniert nicht immer
  • - Konsolenversionen mit starken Rucklern und grafisch schwächer als PC-Fassung

Unsere Bewertung

Grafik
 
80 %
Sound
 
78 %
Steuerung
 
85 %
Gameplay
 
85 %
Multiplayer
 
00 %
Spielspaß
 
87 %

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Leben, lieben, lachen – spielen! Die Pixel und ich sind seit Anfang der 80er Jahre beste Freunde. Mit einem Schneider CPC fing alles an – der Rest ist Geschichte ^-^ Ich mag sie - fast - alle: J-RPGs, Shooter, Action, Adventure, Puzzle… Bei der Achievement/Trophy-Jagd helfe ich euch gerne, selbst sind sie mir nicht so wichtig ;-) Außerdem liebe ich Katzen, mag Action- & Horror-Filme, bin ein Netflix- /US-Serien-Addict und Musik (Metal, 80er, Dance, Oldies, etc.) ist das Nonplusultra (für mich ;-))!

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