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Rugby 18 – Test / Review

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Veröffentlicht 17. Dezember 2017 | 19:30 Uhr von Thomas Pfnür

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Wenn man an Sport und England denkt, denkt man häufig an Cricket und noch häufiger an Rugby. Auf der Insel und vor allem auch in den Ländern, die Großbritannien als frühere Kolonialmacht mal beherrscht hat, ist diese Sportart schon fast Kultur. Aber nicht nur, denn auch die Franzosen und Italiener können mit diesem Urvater von Football & Co. durchaus etwas anfangen. Ganz anders in Deutschland und der Schweiz. Rugby dort als Randsportart zu bezeichnen ist eigentlich schon zu hoch gegriffen. Es findet einfach nicht statt. Kein Wunder also, dass auch eine Spielumsetzung zu dieser Sportart hierzulande kaum Beachtung findet. Big Ben und Eko Software haben sich trotzdem entschlossen, den Titel als deutsche Version in die Verkaufsregale zu stellen. Ob das so eine gute Idee war? 

Von Rugby-Vielfalt und hektischem Gameplay 

Die „All Blacks“ sind selbst Rugby-fremden Sportfans ein Begriff. Bekannt geworden ist die neuseeländische Nationalmannschaft durch den Haka, einem Ritualtanz der Maori, den das Team traditionell vor jedem Spiel aufführt. Ein wirklich beeindruckendes Ereignis, dass man als Sportinteressierter schon einmal gesehen haben sollte. Kompliziert wird es nur, weil man beachten muss, dass diese „All Blacks“ eine Rugby-Union-Mannschaft ist, es aber auch noch Rugby-League-Teams, 7-Rugby, was übrigens seit neuestem olympische Sportart ist, berührungsloses Tag Rugby, etwas abgemildertes Touch Rugby, Oz Rugby und noch vieles mehr gibt. Das macht das Ganze schon etwas unübersichtlich, was vielleicht auch ein Grund sein kann, weshalb sich die Sportart hierzulande nur schwer vermitteln lässt

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Wir beschränken uns jetzt mal auf eines der Hauptunterscheidungsmerkmale der einzelnen Abarten: Der Spieleranzahl. Die beiden wichtigsten Varianten sind hierbei das Dreizehner- (Rugby League) und Fünfzehner-Rugby (Rugby Union). Letzteres diente übrigens als Basis für die aktuelle Umsetzung von Big Ben und Eko Software. D. h. man versucht mit 15 Spielern den eiförmigen Ball in die gegnerische Zone zu tragen, ähnlich dem hierzulande deutlich bekannteren American Football. Und trotzdem unterscheidet sich die Vorgehensweise hierbei ganz entscheidend von selbigen.

Während man das Lederei über das Feld bewegt, sind grundsätzlich nur Pässe nach hinten erlaubt, außer bei einem Kick, dieser darf in Spielrichtung ausgeführt werden. Ziel ist die Endzone, die allerdings beim Rugby Malfeld heißt. Ein sogenannter Versuch, also das Ablegen des Spielballes in diesem Bereich, bringt fünf Punkte. Analog zum Football gibt es aber auch die Möglichkeit mit einem „Tor“ in den Varianten Erhöhung, Strafkick oder Dropkick, Punkte auf das Anzeigefeld zu bringen – je nach Art der Ausführung sind dies dann zwei oder drei. Die Mannschaft selbst besteht aus Stürmern und „Backs“ (Hintermannschaft), wobei sehr genau darauf geachtet wird, dass die jeweils zugewiesenen Aufgaben auch von den entsprechend dafür zuständigen Spielern ausgeführt werden. Und noch eine Besonderheit: Das Gedränge. Hierbei handelt es sich um eine sehr häufig zu sehende Standardsituation, deren genauere Erklärung bezüglich Ausführung und Ziel wir uns aber jetzt doch ersparten wollen.

Soweit die Realität bzw. Theorie. Und tatsächlich, Rugby 18 bildet diese Realität grundsätzlich nicht mal so schlecht ab – wenn man die Spiele simulieren, also die CPU sämtliche Arbeiten erledigen lässt. Da sieht man viel von dem, was man vielleicht auch am heimischen Bildschirm bei einer Rugby-Übertragung sehen würde. Ganz anders ist es allerdings, wenn man selbst ins Geschehen eingreift bzw. eingreifen will, denn dann wird es schnell kompliziert und vor allem frustrierend. Eines der Hauptprobleme ist hierbei, dass wir Spieler einfach mit dem Geschehen allein gelassen werden. Eine richtige Einführung in die Grundlagen bzw. die Regeln gibt es nicht. Gerade Nichtkenner der Sportart kommen da schnell an ihre Grenzen.

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Aber nicht nur diese, denn selbst wenn man sich mit der Materie auskennt oder sich vorab schlau gemacht hat, bringt einen das beim eigentlichen Spiel nur sehr wenig. Sicher, man hat dann tiefere Einblicke in die Taktikmöglichkeiten, man kann besser einschätzen, was man wann spielen lässt und man wird Spieler bewusster einsetzen, um auf gewisse Situationen besser zu reagieren. Dies ändert aber leider auch nichts daran, dass man sich beim eigentlich Spielablauf viel zu schnell im unkoordinierten „Button-Mashing“ verliert. Tatsächlich ist hektisches Agieren, meist nur Reagieren, sogar eines der Hauptbestandteile von Rugby 18. Ein richtig kontrollierter Spielaufbau ist eigentlich zu keinem Zeitpunkt wirklich möglich und vieles scheint nur vom Glück abhängig zu sein – oder anders: Wirkliches Können wird kaum verlangt.

Kaum Einfacher macht die Situation, dass man Unterstützung von der KI ebenfalls nicht zu erwarten braucht. Viel zu häufig zeigen die CPU-gesteuerten Protagonisten, interessanterweise meist sogar nur in die in den eigenen Reihen, also die Mitspieler, extrem nervige Totalaussetzer. Logisch, dass der Spielspaß da auf der Strecke bleibt. Auch weil die Ballphysik sonderbar integriert wurde und kaum mit der Realität mithalten kann. Ein besonders problematischer Umstand, weil man somit zu keinem Zeitpunkt wirklich korrekt einschätzen kann, wie stark man nun das Lederei werfen bzw. kicken muss, um die entsprechende Aktion erfolgreich abzuschließen.

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Viele Teams und schwache Technik

Zumindest was das Lizenzpaket angeht, kann man Rugby 18 nur wenig vorwerfen. Vier komplette Ligen samt allen Teams und Spieler sind in den Titel integriert worden. Frankreich ist hierbei mit den beiden obersten Spielserien Top 14, sowie Pro D2 und England mit der Aviva Premiership vertreten. Abgerundet wird das Ganze durch die internationale Pro 14 (auch Celtic League genannt), welche ein Zusammenschluss verschiedener Rugby-Franchisen aus Irland, Wales, Schottland, Italien und sogar Südafrika darstellt. Neben den 65 Teams dieser Ligen sind ganz nebenbei noch die neun besten Nationalmannschaften, natürlich auch die eingangs bereits erwähnten neuseeländischen „All Blacks“, auswählbar. Mit diesen Teams könnt ihr euch dann in ein schnelles Match – off-, wie online –, in eine vorgegebene bzw. selbst erstellte Liga oder in die sehr oberflächliche Karriere wagen. Letzteres ist zwar das Herzstück der Rugby-Umsetzung, ist aber trotzdem nach einem recht simplen Prinzip aufgebaut. Tatsächlich beschränkt sich das Ganze auf das triste Absolvieren der vorgegebenen Matches und einen sehr einfach gehaltenen Spielerhandel. Mitreißend ist das nicht und im Vergleich zu ähnlichen Spielvarianten anderer Genrevertretern geht Rugby 18 damit auch gnadenlos unter. Ein ähnlich trauriges Bild beim Onlinemodus. Dieser ist zwar zumindest vorhanden, bietet aber kaum Besonderheiten und ist nur auf Standardkost im Stile von „wöchentliche Herausforderung“ beschränkt. Da sucht man, wie eigentlich im gesamten Titel, den so wichtigen Spielspaß vergebens.

Und auch die Technik von Big Bens „Meisterwerk“ kann nicht für die große Überraschung sorgen. Obwohl es laut den Entwicklern Jahre gedauert hat, die Spieler so zu digitalisieren – in neudeutsch heißt das auch Motion Capturing –, dass ein möglichst realistisches Rugby-Erlebnis auf den heimischen Bildschirm gezeichnet wird, merkt man diesen Aufwand der Optik zu keinem Zeitpunkt wirklich an. Viel mehr ist man enttäuscht von der praktisch nicht vorhandenen Präsentation, der fehlenden Wettereffekte, dem tristen Stadiondesign und den viel zu häufig auftretenden hölzernen Animationen. Ok, die Spieler sind schön gezeichnet, häufig bewegen sie sich auch recht gut, aber insgesamt überwiegt der Ärger über Clippingfehler, einer sonderbaren Kollisionsabfrage und unzähliger anderer Grafikmacken, die wir hier jetzt gar nicht mehr erwähnen wollen. Interessant ist allerdings, dass trotz dieser niedrigen Qualität lange Ladezeiten, vor allem aber ständiges Ruckeln an den Nerven zerren. Nein, das hätte man besser lösen können und müssen.

Ein wenig entschädigt zumindest das integrierte Reporterduo Nick Mullins und Ben Kay. Beide plaudern im besten Englisch, vor allem aber recht unterhaltsam während der Spiele. Das ist nicht nur sehr informativ, es passt auch. Schade nur, dass die Fanunterstützung hier wieder mal nicht mithalten kann. Jubel-/Anfeuerungsschleifen in ständiger Wiederholung sind kaum mehr zeitgemäß und eigentlich nur zu ertragen, wenn man sie abstellt.

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Getestete Version: Xbox One

Unser Fazit

39 %

Besonders hohe Erwartungen hatte wir an Rugby 18 sowieso schon nicht, aber dass selbst diese nicht annähernd erfüllt werden, enttäuscht dann doch ziemlich. In Zeiten eines Madden NFL, PES & Co. ist das neueste Werk von Eko Software schon eine rechte Enttäuschung. Das hektische Spielgefühl, die langweilig integrierten Modi und die schwache Technik sind nicht mehr zeitgemäß und werden selbst Fans der Sportart kaum begeistern können. Neulinge sind mit dem Titel sowieso total überfordert, denn so etwas wie Zugang zur Sportart oder zum Spiel selbst gibt es nicht. Wäre jetzt nicht das durchaus passende Lizenzpaket, welches immerhin vier Ligen mit 65 Teams und die besten Nationalmannschaften des Erdballs beinhaltet, der Titel würde in der absoluten Bedeutungslosigkeit verschwinden. Aber selbst damit fällt es schwer, sich intensiver mit Rugby 18 zu beschäftigen. Für uns steht zumindest fest: Wir werden es nach diesem Test nicht mehr tun.

Pro

  • + vier Ligen mit 65 Teams
  • + neun Nationalmannschaften
  • + schönes Spielerdesign
  • + teilweise passende Animationen
  • + gutes Reporterteam

Kontra

  • - extrem hektisches Spielgefühl
  • - Gameplay ohne Tiefe und Motivation
  • - Zugang zu Rugby fehlt komplett
  • - praktisch keine Hilfen
  • - langweilige Karriere
  • - trister Onlinemodus mit Standardinhalten
  • - veraltete Technik…
  • - …mit schwachen Stadiondesign,…
  • - …keinen Wetteffekten und…
  • - …diversen Grafikfehlern (Clippingfehler usw.)
  • - lange Ladezeiten
  • - schwacher Sound (Fanunterstützung)

Unsere Bewertung

Grafik
 
50 %
Sound
 
50 %
Steuerung
 
30 %
Gameplay
 
50 %
Multiplayer
 
50 %
Spielspaß
 
39 %

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Als arbeitender Familienvater hat Thomas natürlich nur wenig Zeit, aber wenn dann halt mal doch, schreibt er mit großer Begeisterung mehr oder weniger Sinnvolles über alles was auch nur annähernd mit Sport zu tun hat.

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