insidegames

Sid Meier’s Civilization: Beyond Earth – Flying to the Moon

Direkt zum Fazit springen

Veröffentlicht 2. November 2014 | 16:34 Uhr von eJUNKI3

Sid-Meiers-Civilization-Beyond-Earth

Die Nerd-Kultur hat ihm viel zu verdanken, er wird als Visionär gefeiert, gilt als begnadeter Programmierer und Designer. Die Rede ist von dem aus Kanada stammenden Sid Meier, welcher 1991 den Grundstein für eine der erfolgreichsten und bedeutendsten Spielserien der Videospielgeschichte legte. Schon vor 23 Jahren konnte das Spielprinzip des ersten Civilization (Civ/Civi) die Spieler für Stunden vor den Monitoren fesseln. Der letzte Teil verkaufte sich mehr als fünf Millionen Mal, wobei die durchschnittliche Spielzeit ungefähr 125 Stunden beträgt, was heutzutage ein unschlagbares Preis-/Leistungsverhältnis ist.

Alpha Centauri – No frigging way

Ebenfalls den Federn von Sid Meier entsprungen, ist 1999 das Spiel Alpha Centauri veröffentlicht worden, welches ganz in der Tradition der Civilization-Reihe stand. Kriege, Seuchen und Hungersnöte zwangen die vor der Ausrottung stehende Menschheit dazu, den Blauen Planeten zu verlassen, um mit dem Kolonisierungs-Raumschiff Unity in Systeme vorzudringen, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat.

Ziel war der Planet Chiron im Alpha-Centauri-System, wo die Vertreter der Menschheit imstande sein sollten, eine neue und bessere Zivilisation aufzubauen. Auch in Civilization: Beyond Earth geht es darum, dass die Geschichte der Menschheit, auf einem fremden Planeten, neu geschrieben wird. Klingt von der Story ähnlich, spielt sich aber ganz anders. Es gibt im neuen Civi keinen Baukasten für die Regierungsform oder Einheiten, es gibt kein Terraforming und keinen planetaren Rat als diplomatische Komponente.

sid-meiers-civilization-beyond-earth-screenshot-01

 

Das Rad nicht neu erfunden

In Sid Meier’s Civilization: Beyond Earth wurden viele Bestandteile des Vorgängers übernommen. Warum auch nicht?! Das Rad muss nicht zwangsläufig neu erfunden werden, wenn es zuvor schon rund lief!

Übernommen wurde natürlich das Grafiksystem, welchem die Firaxis LORE Engine zugrunde liegt. Der Raster der Spielwelt besteht aus Hexfeldern, welche Kennern von Globalisierungsstrategie (4x Genre) und diversen Klassikern nicht fremd sein dürften. Auch das 1UpT (One Unit per Tile) Prinzip wurde aus dem Vorgänger übernommen, obgleich dieses unter Fans für viele zwiespältige Diskussionen sorgte. Handelsrouten, Ruinen etc. wurden ebenfalls in die neue Welt katapultiert. Neben den Dingen, die eins zu eins übernommen wurden, hat man dem Kind an anderer Stelle einfach einen neuen Namen gegeben. Das Gold aus Civ5 wird von Energie abgelöst, wohingegen die Zufriedenheit der Bevölkerung jetzt durch Gesundheit dargestellt wird. Siedlungen starten nun als Außenposten, welche sich erst zu einer produktiven Stadt entwickeln müssen. Anstelle der Ideologie tritt nun die Affinität, welche dem Spieler seiner Ausrichtung entsprechende Spezialeinheiten gewährt.

sid-meiers-civilization-beyond-earth-screenshot-02

 

Sponsor für die Weltherrschaft gesucht

Realistisch betrachtet gibt es in Civilization: Beyond Earth keine Fraktionen im eigentlichen Sinne. Zu Beginn eines Spiels klicken wir uns unser Volk aus vier gegebenen Kategorien mit unterschiedlichen Optionen zusammen. Zunächst entscheiden wir uns für einen von insgesamt acht Sponsoren. Jeder Sponsor bietet andere Boni (Kicker), so fördert uns z.B. die Panasien-Kooperative mit +10% Produktion bei Wundern und +25% Tempo der Bautrupps. Entscheidet man sich für ARG als Sponsor, laufen Geheimoperationen 25% schneller ab und erhöhen die Intrige im gleichen Maße.

Nun müssen wir festlegen, welche Gruppe von Kolonisten wir in den Himmel schießen wollen. Zur Auswahl stehen Wissenschaftler, Flüchtlinge, Aristokraten, Ingenieure und Künstler. Jeder Gruppe spendiert einen zusätzlichen Kicker, so fördern z.B. Aristokraten jede Stadt mit +3 Energie und +1 Gesundheit. Mit der Auswahl des Raumschiffs können wir uns für einen von fünf Boni entscheiden, welcher hauptsächlich in der Startphase des Spiels zu tragen kommt. So deckt z.B. der Kontinentalgeometer die Küsten der Karte auf und der Fusionsreaktor beglückt uns zum Start mit 100 zusätzlicher Energie. Zu guter Letzt nehmen wir noch eine Fracht mit an Bord. Auch hier haben wir wieder die Auswahl aus fünf Optionen. Das Waffenarsenal schenkt uns zu Spielbeginn eine Soldateneinheit, wohingegen uns Maschinen mit einem Bautrupp beglücken.

Aus diesen vier Grundeigenschaften klicken wir uns unser Volk im Eigenbau zusammen. Es sei jedoch angemerkt, das egal welchen Sponsor man wählt und egal welche Optionen man sich sonst zu Eigen macht, sich die Werte nicht unfair auf den Spielverlauf auswirken. Die Kicker sind im weiteren Verlauf des Spiels derart marginal, dass diese nicht schwer in Gewicht fallen.

sid-meiers-civilization-beyond-earth-screenshot-03

 

Die neue Welt

Wie schon in den Vorgängern von Civilization: Beyond Earth, kann man sich seine Spielwelt in einem erweiterten Setup selbst gestalten, oder eine von drei zufällig generierten Welten besiedeln, welche eine erdähnliche, vielgestaltige oder atlantische Planetenoberfläche bieten. Im erweiterten Setup kann man sich entscheiden, ob wir eher eine üppige, fugale oder wüstenähnliche Spielwelt bevorzugen.

Im Vorgänger wurden wir von Barbaren bedrängt, welche keine reguläre Zivilisation darstellten. Sie besitzen keine Städte, betreiben keine Diplomatie und können das Spiel nicht gewinnen. In Beyond Earth rücken uns keine Barbaren, sondern Aliens auf die Pelle, welche durchaus an das Viehzeugs aus Starship Troopers erinnert. Doch die fremdartigen Lebewesen sind nicht grundlegend gewaltbereit. Geht man den Aliens aus dem Weg, hat man nichts zu befürchten. Bedrängt man diese Lebensform, kommt ihren Nestern zu nahe oder greift sie direkt an, können sie aber auch ganz andere Saiten aufziehen.

Besonders in der Startphase des Spiels können Aliens ein fieses Problem darstellen. Jede Einheit ist teuer und über viele Runden erarbeitet, da tut z.B. der Verlust eines Bautrupps schon recht weh. Später spielen die Aliens nur noch eine Nebenrolle. Mit modernen Waffen ist es einem einzelnen Trupp ausgebildeter Ranger möglich, ganze Kolonien in Schach zu halten oder auszumerzen.

Wie im realen Leben sind es nicht die heimischen Lebensformen, welche die wahre Bedrohung sind. Vielmehr ist es die eigene Rasse, welche nach und nach in der neuen Welt eintrudelt und sich parallel zu uns entwickelt. Spielt man gegen die KI, starten diese in den Grundeinstellungen um einige Runden zeitversetzt, erhalten für den verspäteten Start aber auch einige Boni. Dies kann im erweiterten Setup zur Spielwelt deaktiviert werden, wenn man einen Start wie in Civilization 5 bevorzugt.

sid-meiers-civilization-beyond-earth-screenshot-06

 

Technologienetz und Werte

In Civilization: Beyond Earth steht uns ein Technologienetz zur Verfügung, welches aus Fäden und Knoten besteht. Fäden stehen für ein breites Verständnis technologischer Ideen. Diese kosten weniger Forschung und sind somit schneller erforscht. Knoten hingegen sind entsprechend der Fäden spezifischer und daher auch teurer. Hier ein Beispiel. Mit der Erforschung der Ökologie erhalten wir den Maismischer Repulsator, das Vivarium und den Ultraschallzaun. Die Ökologie ist einer der besagten Fäden, welcher uns die weitere Forschung in Richtung Terraforming oder Alien-Wissenschaften erlaubt. Die Knoten, welche an dem Faden Ökologie anknüpfen, sind Geophysik und Alien-Biologie. Dies sind spezifischere Forschungen in Richtung Ökologie.

Über das Technologienetz können insgesamt 60 Gebäude erforscht werden. Jedes der Gebäude bietet selbstredend diverse Boni, Möglichkeiten um Einheiten zu erschaffen oder diese weiterzuentwickeln. Zudem kann für jedes Gebäude eine Spezialfähigkeit ausgewählt werden. Unser Ultraschallzaun kann dazu genutzt werden, um Aliens von unseren Städten fernzuhalten, oder durch Umpolung unsere Handelskonvois vor Aliens schützen.

Es sind die Werte, welche eine Zivilisation prägen und ausmachen. So stehen uns auch in Beyond Earth vier Werte zur Verfügung, mit denen wir uns durch den Einsatz von Kultur definieren können. Die Werte Macht, Wohlstand, Wissen und Industrie bestimmen, welche Richtung wir einschlagen. Jeder dieser Werte schaltet weitere Kicker, aufgeteilt in drei Stufen frei. Durch geschicktes Kombinieren können Synergien geschaffen werden, welche zusätzliche Boni liefern.

sid-meiers-civilization-beyond-earth-screenshot-08

 

Spionieren, handeln und das dritte Auge

Ein komplett neues Feature in Beyond Earth sind Satelliten, welche wir in den Orbit der neuen Welt aufsteigen lassen können. Diese erhöhen unseren Ertrag an Energie, verstärken unsere Truppen, oder helfen bei der Verteidigung. Besonders Solarkollektoren rechnen sich, da diese die Ausbeute an Energie deutlich erhöhen und geschickt positioniert einen beachtlichen Bonus versprechen. Egal welcher Satellit es ist, irgendwann siegt jedoch die Schwerkraft und die Teile fallen vom Himmel – sie sind also nur für eine gewisse Zeit verfügbar und müssen dann erneut gebaut und gestartet werden.

Das Handelssystem wurde aus Civ5 übernommen. Es ist uns möglich, Handelskonvois oder -schiffe damit zu beauftragen, KI gesteuerte Mitspieler und Stationen anzufahren, um so in den Genuss unterschiedlichster Güter zu kommen. Alle 10 Runden muss die Handelsroute neu definiert werden, was grad bei vielen der fliegenden Händler recht nervig werden kann. Bis zu vier Routen kann eine Stadt betrieben, was je nach Startbedingungen und Umfeld für reges Treiben auf der Karte sorgt.

Das neue Spionagesystem ist ein nettes Gimmick, doch stellt es leider keinen wesentlichen Bestandteil des Spiels dar. Wir können unsere Agenten in fremde Städte aussenden, um  dort unterschiedliche Geheimoperationen durchzuführen. Durch erfolgreichen Abschluss von Operationen, steigen unsere Agenten dann im Level auf, wodurch fiesere Intrigen ermöglicht werden. Manch ein Anschlag kann sich über dutzende Runden ziehen. Wird ein Agent dabei entdeckt, darf man von vorne beginnen. Leider ist dies eine ziemlich zähe Angelegenheit, doch wenn eine größere Operation gelingt, kann uns der Erfolg sogar mit neuen Technologien beglücken.

sid-meiers-civilization-beyond-earth-screenshot-09

 

Sieg in fünf Sätzen

Es gibt insgesamt fünf Siegbedingungen, wovon zwei aus den Vorgängern bekannt sind. Es gibt selbstverständlich den militärischen Sieg, was bedeutet, dass wir den Gegner durch Eroberung aller Hauptstädte vom Planeten rotzen. Wer eher friedlich ist, bevorzugt vielleicht den Sieg durch Kontaktaufnahme mit einer außerirdischen Intelligenz.

Der Sieg durch Emanzipation verlangt von uns den Bau eines Warptores. Durch dieses Tor müssen militärische Einheiten geschickt werden, um die Rückeroberung der Erde einzuleiten. Wir können die Menschheit jedoch auch durch Umsiedlung in das Gelobte Land führen. Durch den Bau einer Biokommunikationseinrichtung entwickeln wir ein Bewusstsein für den neuen Planeten und gewinnen das Spiel durch Transzendenz.

Unser Fazit

82 %

Sowohl Quereinsteiger als auch Kenner der Serie dürften mit Sid Meier’s Civilization: Beyond Earth ihren Spaß haben. Es handelt sich hier ganz sicher nicht um ein Alpha Centauri 2.0 - dazu fehlen einfach zu viele Dinge, welche schon 1999 im Spiel vorhanden waren. Es ist aber definitiv ein gutes Civilization, sofern man Beyond Earth nicht in direkten Vergleich zu Civilization 5 inc. Brave New World und Gods and Kings stellt. Fairerweise muss man zurückblickend eingestehen, dass sich auch der Vorgänger erst durch Updates und DLCs zu dem entwickelt hat, was es heute ist - das beste Strategiespiel dieses Genres. Sid Meier’s Civilization: Beyond Earth hat sicherlich das Potential, in genau diese Fußstapfen zu treten. Es wird vielleicht nicht besser, aber auf eine andere Art und Weise gut sein. Wer sich unsicher ist, ob Beyond Earth für ihn das richtige Spiel ist, aber unbedingt einen Blick in dieses Genre werfen möchte, der sollte sich die Sid Meier’s Civilization V: Complete Edition zulegen, welche für runde 30 Euronen einen unglaublichen Umfang und viele Stunden Spielspaß garantiert. Wer offen ist für Neues und darauf vertraut, dass sich auch dieser Teil der Serie entwickelt, der darf und sollte zu Sid Meier’s Civilization: Beyond Earthgreifen. In den 23 Jahren Geschichte, die hinter dieser Serie stecken, hat sich bisher jeder Teil der Serie zu einem grandiosen Spielerlebnis entfaltet.

Pro

  • + schöne Animationen
  • + stimmiger Soundtrack
  • + elegantes Interface
  • + hoher Wiederspielwert
  • + Möglichkeit zur Individualisierung
  • + Planung dank Technologienetz
  • + Gute und sinnvolle Tooltips
  • + Super Kartengenerator

Kontra

  • - Verteilung der Aliens oft unfair
  • - diplomatische Gefallen fast sinnlos
  • - Öde Veteranenbeförderungen
  • - langweilige Weltwunder
  • - keine Cinematics als Lohn

Unsere Bewertung

Grafik
 
85 %
Sound
 
80 %
Steuerung
 
80 %
Gameplay
 
80 %
Multiplayer
 
80 %
Spielspaß
 
85 %

- ANZEIGE -


Tags:

Weitere News und Spiele zum Thema

Gaming, Gadgets, Technolust... GeekLike.de - simply a gamer!

Kommentare

Hinterlasse eine Antwort

Erfolge Trophy Leitfaden Keyword-Wolke:


  • http://www insidegames ch/review/sid-meiers-civilization-beyond-earth-test-review/
  • www insidegames ch
  • civilization beyond earth Spezialeinheiten
  • wie entscheidet die KI ihre Affinität bei civilization beyond earth?
  • <>sid meiers civilization beyond earth erweiterte setups

- ANZEIGE -


*