Sleeping Dogs - Review / Test - insidegames

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Sleeping Dogs – Review / Test

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Veröffentlicht 1. Oktober 2012 | 9:33 Uhr von Philipp Fanchini

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Mit Sleeping Dogs ist vor kurzem der neueste Ableger in Sachen Open-World-Games erschienen. Ist dieses Genre nicht schon überladen genug? Und was bietet Sleeping Dogs, was man nicht schon kennt? Lohnt sich der Ausflug nach Hong Kong, oder bleibt man besser zu Hause und bestellt sich was beim Chinesen?

sleeping_dogs_screenshots_xbox_16 Es war eine mittlere Revolution, als sich vor Jahren Grand Theft Auto durch die Videogame-Welt pflügte. Spätestens nach GTA III, das nicht mehr im Pixelgewand, sondern in (für damalige Verhältnisse) schönster 3D-Grafik daher kam, war klar: Open World war das Genre des neuen Jahrtausends. Mittlerweile sind etliche Fortsetzungen und Prequels der Kultreihe erschienen und zahlreiche Nachahmer und Trittbrettfahrer haben die Auswahl an Open-World-Titeln erweitert. Die Euphorie hat sich also gelegt – schwierige Voraussetzungen für einen Titel wie Sleeping Dogs, der mit Ernsthaftigkeit und Realismus weit näher ans Original reichen will, als beispielsweise die Saints-Row-Reihe. Zudem gab’s auch von Seiten der Entwickler keine Nachrichten, die auf eine konsistente Arbeit an den schlafenden Hunden hindeuteten: Nachdem man befürchten musste, dass das unter dem Arbeitstitel True Crime 3: Hong Kong geführte Game gar nicht erscheinen würde, hat sich schliesslich aber Square Enix (Just Cause 2) der Sache angenommen.

Nah am grossen Vorbild

sleeping_dogs_screenshots_xbox_17 Open World alleine ist also kein Faszinosum mehr. Die Freiheit, Dinge zu tun, oder eben zu lassen, haut heute keinen mehr vom Hocker. Diese vermeintliche Abgeklärtheit könnte sich allerdings als trügerisch erweisen: Obwohl sich Sleeping Dogs aufgrund von Inszenierung und Setting näher am grossen Vorbild (GTA IV) bewegt als andere Vertreter des Genres, mag der Ausflug in die ehemalige britische Kronkolonie auf seine Weise zu überzeugen – gerade auch GTA-Jünger, die sehnlichst auf Teil fünf warten. Anstatt also mit unserem wohlbekannten Serben Nico Bellic zum tausendsten Mal durch Manhattan zu cruisen, erkunden wir als Wei Shen, seines Zeichens Undercover-Cop, Hong Kong. Wer jetzt glaubt, als Hüter des Gesetzes müsse sich dieser auch an selbiges halten, irrt gewaltig. Oder wie unser „Held“ in einer der Zwischensequenzen selber klarstellt: „You’re a cop – I’m an undercovercop – the rules are different!“

Explizite Gewaltdarstellung

sleeping_dogs_screenshots_xbox_19 Gleich zu Beginn legt Sleeping Dogs richtig deftig los und zeigt, wo in Sachen Gewalt-Inszenierung der Hammer hängt: Nach einem geplatzten Deal am Hafen wird da kurzerhand mit dem Beil auf einen angeblichen Verräter eingehackt (Das Spiel erscheint deshalb zeitlich verzögert und in einer entsprechend zensierten Version in Deutschland). Wir machen uns zusammen mit Wei Shen schleunigst aus dem Staub und werden während dieser Verfolgungsjagd mit den grundlegenden Elementen der Steuerung vertraut gemacht. In lupenreiner Parcours-Manier gleiten wir über Tische, hechten durch Fensterscheiben und weichen gekonnt ahnungslosen Passanten aus. Gefasst werden wir von der Hong-Konger Polizei trotzdem, landen in einem Verhörraum und werden dort mit unserem Auftrag betraut: Die Zerschlagung einer Triaden-Familie. Wenn’s sonst nichts ist…

Lichter der Grossstadt

sleeping_dogs_screenshots_xbox_21 Sleeping Dogs führt den Spieler mit den ersten Missionen ins Spiel ein und ist in dieser frühen Phase linear gehalten. Open World wird’s also erst etwas später, dafür dann richtig: Direkt nach den einführenden Missionen ist das ganze Stadtgebiet zugänglich. Dabei hat man es natürlich nicht mit der Original-Version von Hong Kong zu tun, sondern mit einer kompakten Variante der Stadt, versehen mit vielen Sehenswürdigkeiten und Elementen, die für Hong Kong typisch sind. Die vier Stadtteile unterscheiden sich deutlich und bieten vom Flohmarkt, in welchem man gefälschte, dafür günstige Klamotten kaufen kann, über eine Tempelanlage bis zum von Wolkenkratzern dominierten Finanzdistrikt alles, was man sich so wünscht und mit Hong Kong assoziiert. Grafisch ist das Ganze zwar hübsch, aber nicht überwältigend inszeniert. Die visuelle Umsetzung ist solide, die urbane Umgebung überzeugt mit einigen Details wie den von Neon-Reklamen erleuchteten Seitenstrassen und Gässchen. An die grafische Umsetzung eines Red Dead Redemption reicht das digitale Hong Kong allerdings nicht. Am schönsten wirkt die Stadt bei Nacht und wenn es regnet. Auf den schwarzen Strassen spiegeln sich die Lichter der Grossstadt und auf Wei Shen’s Stirn perlen die Regentropfen. Auch die Nahkämpfe sind bei Regenwetter toll anzusehen. Ach ja, der Nahkampf…

Nahkampf statt Schusswaffen

sleeping_dogs_screenshots_xbox_25 Wie man bereits gemerkt haben dürfte, ist die Spielmechanik im Grossen und Ganzen wie bei GTA gehalten. Man tingelt frei durch die Stadt und macht sich, falls gewünscht, zum nächsten Symbol für eine der 30 Hauptmissionen auf. Parallel dazu ermittelt man in insgesamt vier ausgiebigen Fällen für die Polizei, oder löst eine der vielen, aber eher kurzen Nebenaufgaben (Schutzgeld erpressen, Verfolgungsjagden, Schiessereien, Prügeleien, Autos und Geldtransporter klauen, etc.). Diese Tätigkeiten machen auch insofern Sinn, da ein Hauch von Rollenspiel durch Hong Kong weht: In drei Kategorien kann Wei Shen Level um Level aufsteigen und sich so neue Fähigkeiten aneignen, oder bestimmte Attribute erhöhen. Dies sorgt vor allem auch nach Vollendung der Hauptstory für Motivation. Der in Sachen Spielmechanik wesentlichste Unterschied zu GTA liegt darin, wie man seine Kontrahenten aus dem Weg räumt – nämlich mit Fäusten und Füssen. Geschossen wird zwar auch, das hält sich aber in Grenzen und aufgelesene Waffen behält man auch nicht auf die Dauer. Die auf dem Duck-and-Cover-Prinzip basierenden Scharmützel erinnern an die Mechanik von Gears of War – ohne allerdings dessen Qualität zu erreichen.

Die Schlägereien allerdings sind eine der wenigen wirklichen Neuerungen im Spiel (zumindest für einen Open-World-Titel) und lassen die Prügeleien der GTA-Reihe geradezu antiquiert wirken. Ganz neu ist das Kampfsystem allerdings nicht: Man hat sich vor allem bei Batman – Arkham City bedient. Die Kämpfe lehnen sich an die bereits zum Kult gewordenen Free-Flow-Fights des dunklen Ritters an. Da Wei Shen allerdings nicht im Stande ist, ohne Anlauf zu holen mal eben fünf Meter weit vom einen zum anderen Gegner zu springen, gestalten sich die Kämpfe doch ein wenig anders: Beinahe unendliche Kombos wie beim Fledermausmann sind nicht zu realisieren. Ausserdem wartet Wei Shen nicht mit irgendwelchen Überschlägen oder unrealistischen Schwebe-Moves à la Matrix auf. Da macht sich das Mitwirken von Georges St. Pierre, seines Zeichens MMA-Fighter, bemerkbar: Die Bewegungsabläufe sind realistisch und die Griffe, Schläge und Tritte sind meist simpel, dafür umso effektiver. Als besonderes „Schmankerl“ kann man während der Fights die Umgebung nutzen, um seine Gegner möglichst spektakulär auszuschalten: Kopf in den Ventilator drücken, einen Motorblock herunterfallen lassen, oder mit dem Hörer einer Telefonzelle draufhauen. Sleeping Dogs ist nichts für zartbesaitete Naturen und die Altersbeschränkung ist nicht umsonst auf der Packung.

Verkehrsmittel

sleeping_dogs_screenshots_xbox_12 In Sachen Mobilität hat man in Hong Kong eher beschränkte Möglichkeiten (ausser das wird durch entsprechende DLC’s geändert): Die Automobile reichen vom Smart-Klon bis zum Lamborghini-Pendant – offiziell lizenzierte Fahrzeuge gibt es im Spiel natürlich nicht. (Welcher Autohersteller möchte schon sehen, wie ihr mit seinem neuesten Modell in eine Gruppe Triaden reindonnert?) Bei den zweirädrigen Gefährten hat man die Wahl zwischen Motorrollern, Choppern und Rennmaschinen. Boote gibt’s zwar auch, Helikopter oder gar Flugzeuge fehlen aber ganz, womit auch der allseits beliebte Fallschirm entfällt – Basejumpen ist nicht. Das grösste Manko in Sachen fahrbarer Untersatz ist – wenn wir schon in Hong Kong sind – das Fehlen von Fahrrädern. Sicher kein sehr spektakuläres Fortbewegungsmittel, aber für die Atmosphäre der Stadt wären diese sicherlich sehr förderlich gewesen. Das Fahrverhalten ist im Arcade-Stil gehalten, was einen schnellen Einstieg erlaubt und auch für Anfänger toll ist.  Hat man zuvor allerdings gerade eine Session mit Forza 4 hinter sich gebracht, wirken die physikalischen Gesetzmässigkeiten nicht immer nachvollziehbar. Hier darf man aber auch keinen Vergleich anstellen. Dennoch erlebt man das grösste Manko des Spiels beim Fahren: Legt man nämlich den Rückwärtsgang ein, ist die Kamera komplett überfordert und als Spieler verliert man wegen der nervös-hektischen Perspektivenwechsel leicht die Orientierung. Die zahlreichen Rennen sind deutlich zu einfach gehalten und es ist ein Leichtes, diese zu gewinnen – vorausgesetzt man achtet auf den Gegenverkehr, denn in Hong Kong wird auf der linken Strassenseite gefahren. Bei den (leider) wenigen Verfolgungsjagden kommt es auch zum Schusswaffeneinsatz, was eine äusserst spassige Sache ist: Während sich Wei Shen aus dem Fenster lehnt, schaltet sich ein Zeitlupenmodus ein und man schiesst in schönster Max-Payne-Manier auf die Reifen des feindlichen Fahrzeugs, welches sich dann mit einem Überschlag verabschiedet.

Sitzt man im Gefährt seiner Wahl (ob redlich erworben oder dreist geklaut), kann man aber auch einfach durch die Strassen cruisen und sich einen der vielen Radiosender zu Gemühte führen: Von Electro über Hip-Hop und Klassik bis zum derbsten Metal gibt’s da für jeden Geschmack etwas. Hier ist alles Original: Künstler und Song werden in einem Infofenster angezeigt. Radio-Werbung mit lakonischem Humor, wie man sie in GTA IV findet, kommt eher selten vor (wir erinnern uns an die „Pisswasser“-Bier-Werbung oder an „Childrenovernight.com“). Witzig: Über den Äther wird eine Insel als Traumdestination für alle Erholungssuchenden angepriesen. Ihr Name: Panau (wir erinnern uns an Just Cause 2). Da könnte man eigentlich auch wieder einmal hin – zumindest bis GTA V draussen ist…

Unser Fazit

84 %

Sleeping Dogs macht vieles richtig und bietet solide Open-World-Kost in einem neuen Setting. Innovative Ideen sucht man bei diesem Titel allerdings vergeblich. Auch das sehr gelungene Kampfsystem und die Zeitlupensequenzen kennt man von anderen Titeln. Es handelt sich um ein Sammelsurium von bekannten Spielelementen, die auf kluge Art miteinander kombiniert wurden. Und auch in Sachen Freiheit bietet Sleeping Dogs nichts Bahnbrechendes. Sind alle Objekte gefunden und alle Missionen bewältigt, gäbe es eigentlich keinen Grund mehr, nach Hong Kong zurückzukehren, wenn da eines nicht wäre: Das Ganze macht einen Heiden-Spass! Ob das nun daran liegt, dass man sehnlichst dem neuesten GTA-Ableger entgegen schielt, sei dahingestellt. Trotz dem Mangel an neuen Ideen kann man Sleeping Dogs all denjenigen empfehlen, die nicht unbedingt etwas Neues möchten und sich am bewährten Open-World-Konzept noch nicht satt gespielt haben. Wer die Wartezeit auf GTA V überbücken möchte, kommt an den Schlafenden Hunden nicht vorbei und erlebt einen spannenden und brutalen Crime-Thriller.

Pro

  • + Verkürzte Wartezeit auf GTA IV
  • + Hong Kong
  • + Endlich Linksverkehr im Videospiel
  • + Nahmkampf-Action
  • + Brutalität
  • + Coole Story
  • + Einfache Gamerscore Punkte / Trophäen

Kontra

  • - Nichts (aber auch gar nichts) Neues
  • - Zu wenige Ermittlungsfälle (vier)
  • - Keine Flugzeuge und Helikopter
  • - Kamera beim Rückwärtsfahren
  • - Brutalität

Unsere Bewertung

Grafik
 
80 %
Sound
 
83 %
Steuerung
 
82 %
Gameplay
 
80 %
Multiplayer
 
00 %
Spielspaß
 
88 %

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