Spec Ops: The Line - Test/Review - insidegames

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Spec Ops: The Line – Test/Review

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Veröffentlicht 4. Juli 2012 | 10:27 Uhr von Fabrice

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Eine Sache haben fast alle Shooter, ob sie im 2. Weltkrieg, in einem aktuellen oder in einem futuristischen Setting handeln, gemeinsam: man mäht hunderte wenn nicht sogar tausende gesichtslose Schurken nieder ohne mit der Wimper zu zocken. Man schiesst selbst ohne Reue auf die Lakaien der bösen Partei und was die eigene Spielfigur darstellt, ist auch völlig nebensächlich, schliesslich geht um die Rettung einer Nation, eines Planeten oder einer ganzen Galaxie. Das ist oft auch gar nicht weiter schlimm, denn Realismus sucht man in fast allen Shootern sowieso vergeblich. Ein Grossteil der Spieler will einfach nur Action satt und zahlt dafür auch gut mit ihrem hart verdienten Geld.

Das in Berlin ansässige Entwicklerstudio Yager versucht mir Spec Ops: The Line eine dunklere Geschichte aufzuzeigen, in der nicht ein unbezwingbarer und emotionsloser Supersoldat der Dreh- und Angelpunkt der Story ist. Es spielt in der heutigen Zeit, basiert lose auf dem Buch Herz der Finsternis von Autor Joseph Conrad und tritt damit, zumindest teilweise, in die gigantischen Fussstapfen der filmischen Adaption Apocalypse Now von Francis Ford Coppola. Mit diesen Vorlagen haben sich die deutschen Entwickler an harten Tobak heran gewagt, denn neben den spielerischen und technischen Aspekten, steht auch das Setting, die Charaktere und deren Erlebnisse im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Wir folgten dem Ruf Dubais und erforschten die tiefsten Abgründe von geschundenen Soldatenseelen und sind trotz einiger Probleme durchaus angetan von Spec Ops: The Line.

Dubai – Die Stadt der (Alp-) Träume

ps3_specopsthelineb Dubai, Hauptstadt des gleichnamigen Arabischen Emirats, ist eine glamouröse Stadt, Reiseziel der Schönen und Reichen sowie weltbekannt für ein regelrechtes Meer aus gigantischen Wolkenkratzern. Etwa ein halbes Jahr vor den Ereignissen des Spiels, wird der Wüstenstaat von massiven Sandstürmen getroffen. Während sich die reiche Elite aus dem Staub macht, bleibt die eigentliche Bevölkerung zurück. Der Afghanistan-Veteran Colonel John Conrad und sein 33rd Battalion, genannt The Damned, melden sich freiwillig um den gepeinigten Bewohnern von Dubai zu helfen. Doch die Sandstürme nehmen schnell an Intensität zu und das US-Militär beordert das 33rd zurück. Col. Konrad will die Zivilisten jedoch nicht ihrem Schicksal überlassen, bleibt zurück und wird für seine Befehlsverweigerung als Verräter gebrandmarkt. Bald daraufhin werden die Stürme so stark, das jeglicher Kontakt nach und aus Dubai abbricht. Erst einige Monate später dringt eine einzige, Unheil verkündende Botschaft durch. Aus diesem Grund sendet das Militär im Geheimen eine dreiköpfige Truppe der Top ausgebildeten Delta Force zur Aufklärung nach Dubai. Captain Martin Walker macht sich zusammen mit Aufklärer Adams und seinem Funker Lugo auf in das gepeinigte Dubai um nach Konrad zu suchen. Was sie dort finden, übersteigt jedoch alles was sie sich vorgestellt haben. Tod, die Abgründe der menschlichen Psyche und unvorstellbares Leid pflastern jeden Meter ihres Weges in das Herz von Dubai.

ps3_specopsthelined Im Gegensatz zur heutzutage gewöhnlichen Shooterkost, geht Spec Ops: The Line einen erfrischend anderen Weg und kann, verdienterweise, als Anti-Kriegsspiel bezeichnet werden. Es ist eine Charakterstudie von Soldaten die durch eine reale und eine emotionale Hölle gehen. Zu Beginn des Spiel macht das Squad noch Witze über einen sonnigen Urlaub in Dubai, doch die Einstellung der taffen Krieger wird sehr schnell, sehr viel düsterer. Die drei Hauptfiguren scheinen auf dem Papier, klassischen, militärischen Stereotypen zu entsprechen. Sie verfügen jedoch über einen ausgeprägten Charakter und haben ihre eigenen Wege um mit den schrecklichen Ereignissen mit denen sie konfrontiert werden umzugehen. Grauenhafte Morde an Zivilisten, Exekutionskommando und Zerstörung wohin man sieht, gehen auch an einem sonst stahlharten Delta Operator nicht spurlos vorbei. Je weiter man sich in Dubai hinein kämpft, desto tiefer in die Dunkelheit steigen auch Walker, Adams und Lugo hinab. Die Männer wandeln je länger, je mehr auf einer schmalen Linie zwischen Gut und Böse, wodurch sie immer tiefer und tiefer in eine Spirale der Gewalt hinabgezogen werden. Gewalt gehört in Spec Ops auch zum normalen Alltag, sowohl im bildlichen als auch im metaphorischen Sinne. Blut, zerfetzte Körper und zur Unkenntlichkeit verbrannte Leichen sind noch die nicht ganz so üblen Dinge die man zu sehen bekommt im Spielverlauf. Es ist eine Geschichte von einem Mann der nach Heldentum strebt, an einem Ort an dem es keinen Helden geben kann. Im Spiel muss man ausserdem einige Entscheidungen treffen, welche zwar keine Auswirkungen auf die Hauptgeschichte haben, aber tieferen Einblick in die Psyche der Figuren gibt. Die Geschichte bietet unerwartete Wendungen und lässt sich oft schwer einschätzen, was einen grossen Anteil des Reizes davon ausmacht. Ausserdem gibt es zwei unterschiedliche Enden (insgesamt gibt es sogar 4 verschiedene Endsequenzen innerhalb der Enden). Diese werden jedoch erst in den letzten Minuten des Spiels ausgelöst, weshalb man während des Spielverlaufs keine Angst haben muss sich ein Ende zu versauen. Gepaart mit dem frischen, unverbrauchten Setting von Dubai als virtueller Kriegsschauplatz ergibt sich ein atmosphärischer, spannender und intensiver Shooter was die Story angeht. Die Spielzeit ist mit zwischen 4 und 6 Stunden ziemlich kurz. Das ist was das Verhältnis von Preis und Leistung angeht, eher wenig. Doch was die Story angeht, ist der Zeitraum perfekt denn die Story wirkt nicht in die Länge gezogen und kann von Anfang bis Schluss fesseln und überzeugen.

Altbekanntes in altmodischem Gewand

ps3_specopsthelinef So frisch Setting und Story sind, so alt und abgenutzt erscheinen die Gameplay-Mechaniken. Man steuert Captain Walker aus der 3rd-Person Ansicht. Wie schon in etlichen anderen Shootern zuvor, liegt der Erfolg in der Nutzung der vorhandenen Deckung. Mit einem Tastendruck schmiegt sich die Spielfigur an die nächste Deckung um dann von dort den Gegner unter Beschuss nehmen zu können. Wobei „sollte“ die Spielfigur in Deckung gehen, eher zutreffend ist. Meistens funktioniert es problemlos auf eine Deckung zuzulaufen und dahinter in Deckung zu gehen, doch besonders in hektischen Situationen in denen man von allen Seiten attackiert wird, kann schnell Frust aufkommen. Das liegt unter anderem auch daran, das nicht jede Deckung auch wirklich eine Deckung darstellt, man also sich dahinter positionieren kann. Ausserdem sollte mit einem weiteren Tastendruck die Möglichkeit bestehen, über die Deckung zu springen. Diese Taste wird aber ebenfalls genutzt um Nahkampfangriffe auszuführen, wodurch man schnell einmal mit seiner Waffe einfach auf einen Stein einprügelt wodurch die Gegner freie Bahn haben einen zu töten. Deutlich überzeugender sind jedoch die Waffen und die Schiessereien. Das Waffenarsenal ist umfangreich, abwechslungsreich und jede Waffe kann ihrem Zweck entsprechend genutzt werden. Verschiedene Sturmgewehre sind perfekte Allzweckwaffen, ps3_specopsthelinee Maschinenpistolen sind nur auf kurze Distanzen effektiv und Maschinengewehre sind ideal um weitere Bereiche mit Kugeln einzudecken. Die Waffen fühlen sich gut an und es macht Spass die verschiedenen Modelle auszuprobieren. Zu den spannenden Gefechten trägt auch die flotte KI der Gegner bei, welche sich den verschiedenen Situationen gut anpassen kann, das eigene Team schnell flankiert, mit Schrotflinten frontal attackiert oder mit Granaten aus der Deckung treibt. Dadurch kann man (zumindest ab dem normalen Schwierigkeitsgrad) nicht einfach nur immer hinter der selben Deckung hocken um Gegner um Gegner wegzupusten. Statt dessen muss man beweglich bleiben, die Umgebung und alle Möglichkeiten ausnutzen. Manchmal setzt die KI jedoch komplett aus und einzelne Gegner stehen regungslos innerhalb eines brachialen Feuergefechts. Zudem wird das Spielgeschehen immer wieder durch Passagen aufgelockert an denen man sich hinter ein mächtiges Geschütz schwingt, um ankommende Gegnerwellen auszuschalten oder seinen Kameraden Deckung zu geben. Seinen beiden Squadkollegen kann man ausser einem grundlegenden Angriffsbefehl, keinerlei Taktiken vorgeben. Und selbst der Angriffsbefehl ist nicht wirklich gut umgesetzt, da die Kumpanen dem Gegner offen ins Messer laufen nur um ihr Ziel zu erwischen, wozu sie aber immer sehr lange brauchen. Ihre Effektivität im Kampf ist weitaus geringer als die der Gegner, weshalb man die Arbeit eigentlich immer selbst übernehmen muss.

ps3_specopsthelineh Auch der allgegenwärtige Sand und die immer wieder auftretenden Sandstürme. Beispielsweise besteht die Möglichkeit Scheiben zu zerstören hinter denen sich der Sand nur so auftürmt. Einige platzierte Schüsse bringen das Glas zum bersten und davor lungernde Schurken werden vom Sand verschüttet. Was sich als spannende Idee anhört, entpuppt sich als seichtes Konzept. Nur selten kann man solche Aktionen im normalen Spielverlauf effektiv anwenden, viel mehr werden sie in gewissen Sequenzen zwangsweise von der Story verlangt. Interessanter sind da Sandstürme, welche einem (und natürlich den Gegnern) fast komplett die Sicht rauben können. Das macht die Kämpfe spannend und noch abwechslungsreicher. Doch trotz Sandstürmen und anderen gescrippteten Events, ist und bleibt das Gameplay von Spec Ops standardmässig und bietet keinerlei Innovationen. Es ist solide und macht Spass, auch wenn besonders der höchste Schwierigkeitsgrad unglaublich frustrierend schwer werden kann.

Standardkost im Mehrspielermodus

Anfangs muss gesagt werden, das man die Geschichte des Spiels nicht im kooperativen Modus spielen kann. Das mag zwar anfangs dämlich klingen, macht aber Sinn. Der Fokus liegt auf der Story und zusammen mit anderen Spielern würde die Geschichte überhaupt nicht funktionieren und das ganze Konzept des Spiels würde im Sand verlaufen.

Statt dessen wird ein gewöhnlicher, kompetitiver Mehrspielermodus geboten. Bis zu acht Spieler können in unterschiedlichen Spielmodi, von Deathmatch bis zu zielorientierten Varianten, gegen- und miteinander kämpfen. Dabei kommt das eher durchschnittliche Gameplay des Spiels besonders zur Geltung, da keine interessante Narration darum aufgebaut wird. Auch die Sandstürme und -fallen haben ihren Weg in den Mehrspielermodus gefunden, wirken aber auch hier ps3_specopsthelinei eher aufgesetzt als Teil des Spiels. Wie von einem Shooter gewohnt, erhält man für seine Aktionen Erfahrungspunkte, durch welche man im Verlauf der Zeit neue Waffen, Ausrüstungsgegenstände und Fähigkeiten freischalten kann, mit welchen man seine Figuren ausrüsten kann.

Leider ist das Spiel nicht wirklich ausbalanciert und Spieler mit einem höheren Level, können Neueinsteiger vernichtend besiegen. Die Spielmodi sind, wie so vieles im Spiel, nichts weiter als gewohnter Genrestandard und die verschiedenen Karten fühlen sich alle extrem ähnlich an. Ausserdem ist die Auswahl der Levels nicht gerade gross ausgefallen. Der Mehrspielermodus mag vielleicht für ein oder zwei Stunden interessant sein, doch dann wendet man sich lieber einem besser ausgearbeiteten Mehrspieler-Game zu das in diesem Bereich einfach mehr bieten kann.

Von Langeweile bis zu Brillanz

Besonders bestechend sind die abwechslungsreichen Areale des Spiels. Die Aussenareale sind weitläufig und bieten geniale Aussichten auf das verwüstete Dubai. Genauso gibt es interessante Innenareale, wie der verlassene Untergrund der Stadt oder ein halb verwüstetes Luxushotel das als Kampfschauplatz dient. Sandstürme sehen gut aus, fühlen sich intensiv an und geben einem das Gefühl mitten drin zu sein. So spannend die Optik ausfällt, die grafische Leistung an sich ist nicht ganz so gut. Teilweise holprige Animationen, lange Texturladezeiten und nicht lippensynchrone Dialoge reissen einen manchmal aus dem Spielfluss heraus. Ein besonderes Lob verdient der Soundtrack. In Dubai gibt es einen DJ der über Funk seine Kommentare über die aktuellen Ereignisse abgibt, oft aber auch einfach Musik laufen lässt. Sich zu Deep Purples Hush brutale Gefechte im verwüsteten Dubai zu liefern, ist absolut spektakulär und auch der restliche Soundtrack mit Stücken von Bands wie Alice in Chains oder Nine Inch Nails muss sich nicht verstecken, sondern passt zum Ambiente des Spiels. Die deutsche Sprachausgabe ist gelungen und wirkt nicht aufgesetzt.

Unser Fazit

79 %

Yager hat mit Spec Ops: The Line einen mutigen Versuch gewagt und hat dabei eine überraschend gute Arbeit geleistet. Die Spielzeit mag nicht wahnsinnig lang sein, das Deckungssystem nicht perfekt funktionieren und der Mehrspielermodus nicht bahnbrechend sein, doch das ist schlussendlich gar nicht so wichtig. Im Fokus steht die Geschichte und die Symbolik eben dieser. Wer seit längerer Zeit schon Shooter gespielt hat, wird nach dem Ende von Spec Ops vielleicht darüber nachdenken was er virtuell schon erlebt und über den Haufen geschossen hat und wird sich vielleicht, aber auch nur vielleicht, ein wenig unwohl dabei fühlen. Ich persönlich fühlte mich im Verlauf der Geschichte immer wie unwohler in meiner eigenen Haut, durch die Erlebnisse von Walker, Adams und Lugo und das ist doch schon einmal etwas. Das Spiel verweist im Ladebildschirm selbst auf diesen Umstand, denn dort steht in etwa das folgende: Das US-Militär verurteilt jede Gewalt an Zivilisten. Doch das hier ist nur ein Spiel, wieso sollte es DICH also kümmern?

Pro

  • Spannende Geschichte
  • Untypische Figuren
  • Emotional, brutal und kann einen zum nachdenken bringen
  • Gute Waffenauswahl mit unterschiedlichen Vor- und Nachteilen
  • Unverbrauchtes Setting
  • Tolles Leveldesign
  • Famoser Einsatz von einem genialen Soundtrack
  • Effektive Gegner-KI

Kontra

  • Relativ kurze Spielzeit
  • Nicht immer perfekt funktionierendes Deckungssystem
  • Zu lasche Squad-KI
  • Einsatz von Sand zu oft nur zwingend im Spielverlauf vorgesehen
  • Unbalancierter, schwacher Mehrspielermodus mit wenig Modi und Karten Auswahl

Unsere Bewertung

Grafik
 
79 %
Sound
 
88 %
Steuerung
 
74 %
Gameplay
 
76 %
Multiplayer
 
65 %
Spielspaß
 
86 %

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