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Star Fox Zero – Test / Review

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Veröffentlicht 25. April 2016 | 16:48 Uhr von Andreas Keser

Star-Fox-Zero-Artwork

Es liegt schon ein paar Jahre zurück, dass Fox McCloud und seine Truppe im Lylat-System unterwegs waren. Während die Helden der Lüfte so manch ungewöhnlichen Ausflug gemacht haben und beispielsweise in Star Fox Adventures auch viel zu Land unterwegs waren, kehrt Star Fox Zero wieder zurück zu den guten alten Zeiten. Damals, auf dem N64, war Lylat Wars ein absoluter Megahit und sowohl bei Fans, als auch Kritikern, extrem beliebt. Darauf will man mit dem neusten Ableger der Videospielserie nun aufbauen, dieses Flair möglichst einfangen und ins Jahr 2016 transportieren. Doch gelingt der schwierige Spagat aus Nostalgie und Moderne?

Déjà-vu?! 

Schon nach den ersten Minuten, in denen man das Spiel startet, kommt pure Nostalgie auf. Man fühlt sich fast zurückversetzt in das Jahr 1997, als Lylat Wars (Star Fox 64) auf dem N64 erschienen ist. Die gleichen Charaktere, die (fast) gleiche Geschichte, der gleiche Grafikstil und auch das Spielgefühl, das damals für so viel Begeisterung gesorgt hat, kommt direkt wieder auf. Für die Atmosphäre ist das also durchaus positiv zu bewerten, aber was die Technik anbelangt… liegen da wirklich fast 20 Jahre dazwischen? Auch das Spielprinzip gleicht sich so sehr der N64-Vorlage, dass man zunächst fast an ein Remake denken möchte, dann aber doch merkt, dass die Missionen nicht identisch sind. Nach wie vor bereist man mit seinem Arwing die verschiedenen Planeten und startet dabei ganz klassisch auf Corneria. Wieder einmal wird das Lylat-System von Krieg und Bedrohung erfüllt. Natürlich kann nur einer hinter all dem stecken: Andross! Und wo der auftaucht, da kann auch die Bande rund um Star Wolf nicht weit sein… In Sachen Geschichte ist daher nicht mit einem kreativen Tsunami zu rechnen, denn man hat hier vielmehr im kleinen Tümpel hinterm Haus gefischt…

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Pech & Schwefel, Bonnie & Clyde, TV-Screen und Gamepad?

Nachdem uns Star Fox Zero zunächst kaum überraschen kann und vieles ein wenig altbacken daherkommt, fällt einem doch sehr bald eine erhebliche Neuerung auf: Die Steuerung! Natürlich wollte man die Möglichkeiten der Wii U voll ausnutzen und wenigsten hier ein bisschen kreativ und frisch sein, also hat man sich etwas ganz besonderes überlegt. Während man auf dem TV-Bildschirm stets den Arwing sehen kann, wird auf dem kleinen Bildschirm des Gamepads die Perspektive aus dem Cockpit angezeigt. Das macht ja durchaus Sinn, doch anstatt das Fadenkreuz nun auf herkömmliche Weise mit dem rechten Stick zu steuern, setzt man voll auf die Bewegungssensoren. Das Flugschiff steuert man zwar nach wie vor über den Stick, aber um das Fadenkreuz zu bewegen, muss man das gesamte Gamepad in die Richtung schwenken, in die man gerne zielen möchte. Per Schultertaste wird dann gefeuert. Die Idee ist ja eigentlich gar nicht schlecht, aber anfangs möchte man Nintendo für diese Entscheidung echt erwürgen. Während Big N das mit der intuitiven Steuerung ja eigentlich ganz gut drauf hat, zeigen sie das bei Star Fox Zero leider nicht so richtig. Es fühlt sich zunächst mühsam an, schwer zu kontrollieren und man hat das Gefühl, dass man damit auf keinen Fall schnell und agil durch die Weiten des Lylat-Systems steuern kann.

Nachdem man sich dann auch tatsächlich ein wenig dumm anstellt, verweist einen das Spiel (nicht gerade zimperlich) auf die Trainingsmissionen, in denen man sich besser mit der Steuerung vertraut machen kann. Und siehe da… Irgendwann wird es wirklich besser und für die eine oder andere Situation hat man sogar den Eindruck, dass die Steuerung wirklich Sinn macht und vielleicht sogar besser funktioniert, als es bei der „herkömmlichen“ der Fall wäre. Dann gibt es aber auch wieder Momente, wo man sich eben diese zurückwünschen würde. Es ist also ein zweischneidiges Schwert. Natürlich wird es Kritiker geben, die gar nie hineinfinden und andere, die Nintendo für diese Innovation lieben werden. Objektiv gesehen muss man sich irgendwo dazwischen positionieren…

Die Möglichkeit, dass man sich die Steuerung mit einem Kumpel teilt, ist allerdings ganz lustig. Einer steuert den Arwing, der andere schnappt sich das Gamepad und ist unabhängig davon für das Zielen verantwortlich. Das ist jedoch nur ein schwacher Trost dafür, dass man sich weder für einen Mehrspieler-, noch Onlinemodus entschieden hat, denn diese wurden knallhart gestrichen.

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Fliegen, fahren, walken, gleiten – die neuen Vehikel

Während man die meiste Zeit mit seinem Arwing unterwegs ist, wird für so manche Mission aber auch wieder der Landmaster genutzt. Das ist nicht neu, aber immerhin haben die beiden ein paar zusätzliche Funktionen spendiert bekommen. Während sich der Landmaster in ein kleines Flugzeug verwandeln lässt, das kurzzeitig auch fliegen kann, ist die Verwandlung des Arwings in den sogenannten Walker deutlich spektakulärer. Die Flügel fungieren nun als Beine und man kann im Inneren eines großen Schlachtschiffes frei umherlaufen und den Innenraum erkunden. Der Walker kann aber nicht nur laufen, sondern auch schweben und schiessen. Das bringt ein bisschen frischen Wind ins Spielprinzip und lockert den altbekannten Trott auf. Allerdings kommt der Walker eher selten zum Einsatz.

Ebenso verhält es sich mit dem neuen Gyrokopter. Dieser erinnert an eine Drohne und lässt sich mit den Sticks auf und ab bewegen. Per A-Taste wird ein kleiner Roboter an einem Seil abgeworfen, der auf den Namen direct-i hört. Er ist dazu da, um in enge Schächte zu gelangen, Computer zu haken und feindliche Terminals lahmzulegen. Hier ergänzen sich TV und Gamepad auf sinnvolle Weise, denn auf dem kleinen Bildschirm sieht man alles aus der Perspektive des Roboters, während man auf dem TV den Gesamtüberblick behält. Das funktioniert ganz gut und sorgt für Abwechslung. Alles in allem sind die neuen Vehikel eine Bereicherung. Es ist ganz unterhaltsam, mit dem Gyrokopter durch die Lüfte zu gleiten und die feindliche Basis zu haken, mit dem Walker ins Innere der feindlichen Flotten einzudringen oder den Landmaster auch mal durch die Wolken zu jagen.

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Ich hab’ dich im Visier!

Eine weitere Neuerung ist die Verfolgerperspektive, die man immer dann nutzen kann, wenn man beispielsweise einen speziellen Feind im Auge behalten will. Taucht etwa Star Wolf auf, so lässt sich dieser per Tastendruck stets auf dem TV-Bildschirm fixieren und quasi verfolgen. Man sieht dann immer genau wo er ist und ob man sich nun gerade neben oder vor ihm befindet und kann seine eigene Lage korrigieren, um ihm dann durch das Fadenkreuz auf dem Gamepad-Screen so richtig eins auszuwischen. Das ist überaus praktisch und funktioniert super. Auch bei Bossfights kommt einem dieser Mix aus TV-Screen und Gamepad sehr gelegen. Wenn man beispielsweise gegen Gigarilla (einen riesigen Blech-Gorilla) kämpft, kann man seinen Raketen und Schüssen viel besser ausweichen, sobald man die Verfolgerperspektive einschaltet und so direkt sieht, was dieser gerade treibt.

Die Schlachten mit Endgegnern sind generell wieder einmal toll inszeniert und verlangen nach einer bestimmten Strategie, die man sich durch das Analysieren der einzelnen Angriffe herausarbeiten muss. Hier und da kann das einiges von euch abverlangen, aber das Spiel ist trotzdem stets fair. Im Gegensatz dazu sind es die Checkpoints aber häufig nicht. Hat man keine Leben mehr, so muss man manchmal von sehr weit vorne beginnen und verliert viel Zeit.

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Alternative Routen

So fliegt man also von einem Planeten zum anderen und entdeckt hier und da auch mal alternative Wege, die man beispielsweise durch das Betätigen von Schaltern freilegt oder indem man bis zu einer gewissen Zeit eine Horde von Gegnern erledigt. Je nachdem werden verschiedene Trigger ausgelöst, die einen dann in neue Abschnitte führen und einem teilweise sogar neue Endgegner bescheren. Es gibt also nicht nur die eine Route, die am Ende zu Andross führt, sondern eine Vielzahl an Alternativen, die das Spielgeschehen um einiges umfangreicher machen. Sucht man sich nämlich stets den schnellsten Weg, dann braucht man nicht einmal fünf Stunden, bis man den finalen Kampf bestreiten darf. Doch das kennen Fans der Serie ja bereits. Man kann ein Level immer und immer wieder spielen und trotzdem noch neue Seiten entdecken. Ob das nun ein feindlicher Großangriff ist, den es zuvor an dieser Stelle nicht gegeben hat oder ob man auch den letzten Gegner noch erwischen oder den letzten goldenen Ring noch schnappen will – der eigene Ehrgeiz sorgt für eine ausgedehnte Spieldauer. Wer auf Medaillenjagd geht, wird massig Zeit investieren müssen, denn so ohne weiteres sind die kostbaren Schätze leider nicht zu ergattern. Hier hat man also abermals auf alte Traditionen gesetzt und viele Geheimnisse und Boni in das Spiel gepackt.

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Lylat Wars in HD?

Kritiker werden zu allererst natürlich die äußerst durchschnittliche Grafik anprangern und sich darin suhlen. Zu bemängeln, dass in fast 20 Jahren nicht mehr passiert ist, fällt nicht schwer, denn die kargen Landschaften und die miesen Texturen laden einen ja geradewegs dazu ein. Andererseits hat das schon fast wieder Retro-Charme und wird durch die Stimmung, die auf jedem einzelnen Planeten erzeugt wird, ein wenig wettgemacht. Trotzdem muss man nicht wirklich verstehen, warum Nintendo das Kantenflimmern oder die schlechte Texturqualität nicht einfach aus der Welt geschaffen hat und hier nicht ein wenig mehr Zeit und Mühe investieren wollte. Auch in Sachen Sound hat man sich wohl kaum einen Oscar verdient. Schade, dass die Phantasiesprache „Lylat“ nicht mehr verfügbar ist. Die deutsche Sprachausgabe, die per Funk nur durch den Lautsprecher des Controllers ertönt, ist ok. Die bekannten Soundeffekte wecken Erinnerungen, aber die musikalische Untermalung ist eher durchschnittlich. Auf den Spielspaß wirkt sich das jedoch nicht erheblich aus, denn dieser ist auch mit mittelprächtiger Optik und ohne Blockbuster-Sound immer noch gegeben. Man wird in den Bann des Lylat-Universums gezogen und nicht mehr so schnell losgelassen, egal wie mies es optisch auch daherkommen mag. Grafik war schließlich noch nie ein Garant für Spielspaß und das beweist dieser Titel umso besser.

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Star Fox Guard

Neben dem eigentlichen Spiel, gibt es noch so etwas wie ein ausgedehntes Minigame, das sich Star Fox Guard nennt. Es bietet ein klassisches Tower-Defense-Gameplay und inhaltlich dreht sich alles um Grippy Toad (der Onkel von Slippy), der mit dem Omni-Blick-System (Kameras mit Verteidigungsfunktion) einen Turm vor Feinden schützen will. Insgesamt gibt es 12 Kameras, die auf dem TV-Bildschirm wie ein Rahmen aus 12 Feldern angeordnet sind. So hat man stets 12 verschiedene Perspektiven im Blick. Auf dem Touchscreen des Gamepads wird die Anlage von oben dargestellt und man sieht zudem, wo sich welche Kamera befindet und in welche Richtung sie zeigt. Das lässt sich aber nach eigenen Vorstellungen anpassen. Tippt man nun mit dem Finger auf Kamera 4, so wird deren Perspektive auf dem TV-Screen in der Mitte dargestellt und man sieht deutlich mehr, als auf den kleinen Ausschnitten am Rand.

Nun startet der Angriff feindlicher Roboter, die es auf den Turm abgesehen haben. Nach und nach rücken diese wellenartig vor und machen euch das Leben schwer. Während der Robotertypus „Angreifer“ einfach nur Richtung Turm rast und diesen zu Schutt und Asche verarbeiten will, gibt es aber auch noch die sogenannten „Störer“. Diese schaden dem Turm zwar nicht, sorgen aber dafür, dass die eine oder andere Kamera plötzlich offline geht, nur noch ein Störsignal sendet oder dass eure Sicht total vernebelt wird. Mit jedem erfolgreich vereitelten Angriff, sammelt man Erfahrungspunkte und steigt im Rang. Dadurch werden verbesserte Kameras freigeschaltet, mit denen man beispielsweise auf mehrere Feinde gleichzeitig ballern kann oder die euch wertvolle Sekunden schenken, indem sie die Zeit ein wenig verlangsamen. In hektischen Momenten ist das Gold wert.

Später lassen sich auch Online-Matches bestreiten, in denen man versucht den Angriffen der Roboteams zu trotzen, die von menschlichen Spielern aus aller Welt zusammengestellt wurden. Man kann aber auch selbst ein solches Roboterteam an den Start bringen und auf die Zocker dieser Welt loslassen.

Alles in allem ist Star Fox Guard ein kurzweiliges Minispiel, das in diesem Sinne eigentlich nicht direkt mit Star Fox zu tun hat. Es zeigt aber eindrucksvoll, wie kreativ man den Einsatz von TV-Screen und Gamepad nutzen kann und dürfte dem ein oder anderen so manches Stündchen Freude bereiten. Mehr als ein nettes Extra ist es aber nicht.

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Unser Fazit

75 %

Verrückt, dass zwischen Lylat Wars (Star Fox 64) und Star Fox Zero fast 20 Jahre liegen. Gerade in Sachen Grafik ist das nicht wirklich nachvollziehbar, denn diese hätte auch eine Wii U deutlich besser hinbekommen können. Miese Texturen, karge Landschaften und flimmernde Kanten müssen im Jahre 2016 nun wirklich nicht mehr sein. Grafik-Junkies kommen also nicht wirklich auf ihre Kosten. Dafür ist oft mächtig viel los (teils mit leichten Rucklern) und die Atmosphäre, die auf den einzelnen Planeten erzeugt wird, ist gelungen. In Sachen Steuerung gibt es sowohl gute, als auch schlechte Nachrichten. Man zeigt sich kreativ und nutzt TV und Gamepad voll aus, sodass man mittels Gyrosensor zielen muss. Anfangs nervt das jedoch eher und man muss sich wirklich erst reinfuchsen, aber wenn man das mal geschafft hat, dann macht diese Art der Steuerung hier und da durchaus Sinn und funktioniert ganz ordentlich. Es gibt trotz allem noch Momente, wo man sie verfluchen wird, aber diese grundsätzlich als schlecht hinzustellen ist zu simpel gedacht und wenig objektiv. Ein Punkt, den man sich aber definitiv nicht schönreden kann, ist der fehlende Mehrspielermodus. Ein halbgarer Koop-Modus kann zwar spaßig sein, aber ersetzt diesen keineswegs. Dafür hat man im Storymode mehr als genug zu tun. Will man alternative Wege erforschen, Medaillen einheimsen und Rekorde aufstellen, dann hat man für lange Zeit seine Freude. Geht es einem nur ums reine Durchzocken, ist man nach weniger als fünf Stunden schon am Ziel. Auf dem Weg dorthin erlebt man tolle Bossfights, Spaß mit neuen Vehikeln (Walker, Gyrokopter...), spannende Weltraumschlachten und jede Menge nostalgiegeladene Star-Fox-Momente. Wer keinen Megahit erwartet und sich einfach nur auf das typische Star-Fox-Gameplay freut, der wird mit Sicherheit eine ganze Menge Spaß mit dem Titel haben, denn alles in allem ist Star Fox Zero ein gutes Spiel, das aber einige Schwächen hat. Kultstatus wird es daher wohl nie erreichen...

Pro

  • + Nostalgie pur
  • + neue Vehikel (Walker, Gyrokopter) sorgen für Abwechslung
  • + mutige und innovative Steuerung
  • + atmosphärisch top
  • + Gameplay von damals funktioniert auch 2016 noch bestens
  • + toll inszenierte Bossfights
  • + Verfolgerperspektive macht Sinn und ist hilfreich
  • + viele Alternativrouten
  • + jede Menge Anreiz, das Spiel öfters durchzuspielen
  • + einige freischaltbare Goodies
  • + netter „Koop-Mode“
  • + Schwierigkeitsgrad fordernd aber fair
  • + Star Fox Guard kann für ein paar Stündchen begeistern

Kontra

  • - Grafik nicht zeitgemäß
  • - Steuerung ist nicht intuitiv und braucht lange Einarbeitungszeit
  • - musikalische Untermalung wirkt eher belanglos
  • - altbekannte Story ohne neuen Pepp
  • - kein Mehrspieler- oder Onlinemode
  • - teils etwas unfair gesetzte Checkpoints

Unsere Bewertung

Grafik
 
65 %
Sound
 
75 %
Steuerung
 
75 %
Gameplay
 
75 %
Multiplayer
 
00 %
Spielspaß
 
80 %

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Aufgewachsen mit der ersten Nintendo-Konsole, fühlt sich Andreas Keser eigentlich auf allen Plattformen heimisch.

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