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The Technomancer – Test / Review

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Veröffentlicht 8. August 2016 | 15:22 Uhr von Alexander Winkel

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Nach Mars: War Logs entführt uns Entwickler Spiders erneut in die unendlichen, rostbraunen Weiten des Planeten Mars. The Technomancer stellt ein klassisches Action-RPG, ein wenig im Stile der alten BioWare Titel dar und überzeugt durch einen ordentlichen Spielumfang und zahlreichen spielerische Möglichkeiten. Letztendlich ist der Titel aber weniger elektrisierend, wie vorab erwartet.

Ihr tretet in die Rolle des jungen Technomancer Zacharias und werdet zunächst noch von seinesgleichen begleitet. Die Geschichte, die sich hier über viele Stunden zieht, schlängelt sich aber über viele Hürden und offenbart so manche Wende, wird euch aber auf jeden Fall sehr tief in die Intrigen zahlreicher Interessengruppen treiben und letztendlich auch vor so manche moralische Entscheidung stellen. Bis hier aber auch wirklich etwas Fahrt aufkommt, vergehen so manche Stunden und das ist zunächst auch einer der Hauptmankos am Spiel. Der Einstieg ist zäh, nicht nur aufgrund der eher altbackenen Präsentation der Story und den teils langatmigen, eher mäßig dargestellten Konversationen. Diese sind übrigens komplett mit einer englischen Sprachausgabe vertont. Die deutsche Übersetzung ist ist als Text vorhanden, sofern man sich die Mühe geben möchte, das alles auch wirklich zu lesen.

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Doch nicht nur die Geschichte könnte etwas mehr Feinschliff vertragen, auch spielerisch ist aller Anfang schwer. Zacharias wurde gut ausgebildet und beherrscht den fliegenden Wechsel zwischen drei unterschiedlichen Kampfstilen. Mit kurzem Messer schleicht man sich an seine Widersacher heran und erledigt diese ungesehen von hinten, oder weiß sich im Schlagabtausch mit Schusswaffe zu helfen. Mit einer dicken Keule vermöbelt man auch gerne dickere Brocken und kann zugleich den Schild zur Abwehr hinhalten. Wenn es aber auf Abstand ankommt, sorgt der Stab für die richtigen Kombinationen, um seinen Widersachern rundherum den Arsch zu versohlen. Das besondere an den Technomancern ist aber deren Begabung, aus körpereigener Kraft Elektrizität zu erschaffen. Damit werden nicht nur die Waffen unter Strom gesetzt, es werden auch fiese Elektroschocks und ähnliches verteilt.

All diese Elemente werden über die wenigen Tasten des Gamepads verteilt und man muss sich zunächst erst einmal an die überladene Steuerung gewöhnen. Nicht selten verwechselt man eine Taste und nimmt ein Heilmittel oder zaubert eine elektrische Spielerei zu Tage, anstatt nur die Waffe und damit den Kampfstil zu wechseln. Ein weiterer Faktor ist anfänglich auch der Schwierigkeitsgrad, welcher vor allem mit der steilen Lernkurve der Handhabung im Konflikt steht. Wer The Technomancer nicht gerade auf leichten Füßen absolvieren möchte, sondern die Herausforderung sucht, wird zumindest am Anfang sehr, sehr häufig ins Gras beißen. Beständiges, manuelles speichern des Spielstandes ist dringend nötig, um den Frust möglichst gering zu halten. Vor allem Feinde mit Schusswaffen können den Ausflug in die weitläufige Marslandschaft doch ganz schön mies machen. Zum Glück kann man bis zu zwei Partner im Team dabei haben, welche autonom in den Kampf treten und Zacharias unterstützen. Spätestens ab dem zweiten Kapitel mäßigt sich der Schwierigkeitsgrad dann zum Glück ein wenig, auch dank der neuen Partner, die sich dem wackeren Haudegen anschließen werden. Stehen deren zusätzlichen Argumente mal nicht zur Verfügung, kann es allein dann doch durchaus happig werden.

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Der Schlagabtausch ist sehr dynamisch und das Kampfsystem ordentlich komplex gehalten, so dass man auch nach langer Spielzeit immer wieder neuen Elemente und Möglichkeiten entdeckt. Unter anderem liegt dies auch an den zahlreichen Ausbildungsmöglichkeiten von Zacharias. Die Talentbäume offenbaren neue Kampfmuster, aber auch abseits der brutalen Auseinandersetzungen werden mühsam erarbeitete Erfahrungspunkte investiert. Zum Beispiel übt sich der Recke in der Diebeskunst oder der Konversation. Letzteres kann die eine oder andere schlagfertige Auseinandersetzung bereits beenden, noch bevor die Waffen gezückt wurden und so manche Weiche im Spiel stellen. Es gibt zahlreiche Entscheidungen, die man treffen kann und viele haben bisweilen auch ein wenig Einfluss auf den Verlauf der Geschichte. Auch kann der Technomancer eine Beziehung eingehen, in der das Wort sicherlich mehr Gewicht hat, als jeder erlegte Feind.

Die zahlreichen Städte und Ansiedlungen, wo die meisten Konversationen abgehalten werden, aber vor allem die weitläufigen Ebenen des trockenen, staubigen Planeten sorgen durchaus für einige epische Momente. Riesige Bauten, von Menschenhand erschaffene mechanische Monster und dazu der immerfort währenden Rost- und Rottöne des Planeten sorgen für ein melancholisches, aber zum Teil auch extrem düsteres Szenario. Manch Sonnenuntergang oder Blick über die Prärie lässt uns durchaus Staunen und zeigt The Technomancer von der schönsten Seite. Oft trüben aber das altbackene Leveldesign und mangelnde Details den Eindruck. Das Spiel ist mit Sicherheit keine Schönheit, in sich aber stimmig umgesetzt. Einzig allein die Soundkulisse fällt übermäßig aus dem Rahmen. Es gibt Bereiche, in denen man beständig nur wenigen Akkorden und Beats lauscht, die sich nach wenigen Sekunden bereits wiederholen. Das kann ganz schön nervig werden. In anderen Bereichen wiederum ist alles sehr atmosphärisch gehalten, was aber eine Seltenheit darstellt.

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Imposant wird The Technomancer immer dann, wenn sich ein epischer Kampf gegen einen mächtigen Boss anbahnt. Bereits vorab lässt der Titel erahnen, dass etwas großes auf uns zukommt und bietet optisch wie auch spielerisch etwas mehr Abwechslung. Pompöse Auseinandersetzungen wie die oftmals in Bildern zitierte Szenen gegen eine riesige Spinne stellen wahrlich Höhepunkte im Abenteuer dar. Diese sind aber leider sehr selten. Meist begegnet man nur einfaches Fußvolk und kleinere Tiere. Außerdem wird die meiste Zeit in den jeweiligen Dörfern und Städten für die vielen Weg zwischen Auftraggeber und Ziel verschwendet. Die Areale sind teils riesig und man läuft sich durchaus die Füße wund. Das ist auf Dauer etwas zermürbend, da weniger abwechslungsreich, ähnlich der meisten zusätzlichen Quests, die es abseits der Haupthandlung noch gibt. Simple Botengänge und oder Vernichtungsmissionen gehören auch in diesem Spiel zum guten Ton. Als Lohn winken neben Erfahrung zahlreiche Materialen, die man wiederum an Werkbänken verarbeiten kann. Leider ist das Loot-System zwar mächtig in seinen Möglichkeiten, die Effektivität verbesserter Rüstungen, Waffen und anderer Dinge lässt letztendlich aber ein wenig zu wünschen übrig.

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Unser Fazit

67 %

Persönlich habe ich von The Technomancer wesentlich mehr erwartet. Die Szenen vorab, vor allem der Kampf gegen die Spinne, lies ein wirklich interessantes Action-Rollenspiel erahnen. Meines Erachtens hat Spiders aber einiges an Potenzial liegen gelassen, was vor allem an der eher schleppenden Präsentation und dem langatmigen Spielverlauf liegt. Es dauert einfach zu lange, bis man man etwas Neues erlebt oder wieder einem mächtigen Boss gegenüber steht. Bemüht wurden alle Konversationen sogar mit Sprachausgabe untermauert, doch bereits nach wenigen Stunden habe ich diese teilweise aufgrund Desinteresse nur noch abgebrochen. Hauptsache die neue Aufgabe steht im Auftragsbuch und ich kann weiterziehen. Anfänglich hat mich persönlich auch der Schwierigkeitsgrad abgeschreckt. Das Spiel wirkt unfair, bis man einigermaßen die komplexen Abläufe des Kampfsystems durchschaut und die passenden Partner an seiner Seite gefunden hat. The Technomancer ist mit Sicherheit kein schlechtes Spiel und bietet extrem viele Entfaltungsmöglichkeiten. Auch gibt es wirklich genug zu tun, um seine Zeit in der trostlosen Marswelt zu verbringen. Doch zuletzt musste ich mich doch eher dazu zwingen, wieder mit Zacharias los zu ziehen und weiter zu machen. Ein untrügliches Zeichen, dass in diesem Fall der Titel mich leider nicht wirklich abholen konnte. Fans klassischer Action-RPGs, die auf pompöse Präsentationen und filmreife Inszenierung der Geschichte verzichten können, mögen aber durchaus ihre wahre Freude mit dem Spiel haben.

Pro

  • + Umfangreiches Action-Rollenspiel mit vielen Stunden Spielspaß
  • + Moralische Entscheidungen und Möglichkeiten, die Geschichte zumindest leicht zu beeinflussen
  • + Unterschiedliche Kampfstile, die man fließend im Schlagabtausch einsetzen kann
  • + Interessante Technomancer-Fähigkeiten (Elektrizität)
  • + Interessantes Setting auf dem Mars mit manch epischer Szene

Kontra

  • - Ziemlich zäher und schleppender Einstieg
  • - Vor allem zu Beginn brutal hoher Schwierigkeitsgrad
  • - Mäßige Präsentation in Storytelling und Optik
  • - Altbackenes Leveldesign mit kaum Erkundungsanreizen
  • - Es mangelt an Abwechslung im Spieldesign, wie auch den Arealen
  • - Extrem monotone Musikuntermalung
  • - Dialoge teils oberflächlich und daher bisweilen völlig uninteressant
  • - Teils extrem lange Laufwege zwischen Auftraggeber und Ziel

Unsere Bewertung

Grafik
 
65 %
Sound
 
45 %
Steuerung
 
70 %
Gameplay
 
75 %
Multiplayer
 
00 %
Spielspaß
 
65 %

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Aufgewachsen mit der ersten Nintendo-Konsole, fühlt sich Alexander Winkel eigentlich auf allen Plattformen heimisch. Trotz seiner offensichtlichen Hingabe zur Xbox – die vielen Gamerscore Punkte erspielen sich nicht von selbst – lässt er seine Schreibwut an allen Videospielen aus, unabhängig vom System.

Kommentare

  • Thadeus sagt:

    Interessant, ich vermute einfach mal, dass du Bound by Flame nicht gespielt hast? Das ist auch von Spiders entwickelt worden und kam vor gut 2 Jahren raus. Technomancer ist genau wie Bound by Flame, es hat die gleiche Technik, die gleiche Mechanik, teilweise sogar die gleichen Abfolgen wie Bound by Flames auch. Sogar einige Gebiete sehen aus wie direkt aus Bound by Flame raus genommen und nur etwas farblich verändert. Man kann auch sagen: Wer Bound by Flame nicht mochte, wird auch Technomancer nicht mögen bzw. wer Bound by Flame gerne gespielt hat, könnte auch mit Technomancer Spaß haben.

  • Perfect007 sagt:

    Sehr guter Hinweis. Es ist richtig. Ich habe Bound By Flame nur innerhalb einer Entwicklerpräsentation mal gesehen, aber selber hinterher nicht gespielt. Daher kann ich im Test auch keinen Bezug nehmen. Aber der Hinweis ist gut für die Leser, dass Freunde von Bound By Flame damit The Technomancer interessant finden könnten.

  • Suedwanderer sagt:

    Dann sollte ich mir mal möglichst bald Bound by Flame besorgen… :-)
    Ich hatte viel Spaß mit Technomancer – allerdings erst jenseits der ersten 10 – 15 Stunden.

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