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Thief – Test / Review

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Veröffentlicht 16. März 2014 | 16:31 Uhr von Sandra

Thief

Remake oder Reboot, das ist hier die Frage … Soll ein alter Teil einfach nur frisch aufgemöbelt werden oder startet man eine weitestgehend erfolgreiche Reihe neu? Entwickler Square Enix hat sich entschieden Garrett wiederzubeleben und ihm gleichzeitig ein neues Abenteuer auf den diebischen Leib zu schneidern. Ergo hat Square die alten Teile der Reihe, die zugegeben seinerzeit gut waren und spielerisch Spaß gemacht haben, in der Mottenkiste gelassen; Gut so! Unerfahren angesichts eines Reboot, dass Thief final geworden ist, sind die Entwickler auch nicht. Ja und können … können tun sie es, denn das haben sie mit Deus Ex: Human Revolution (2011) als auch Tomb Raider (2013) bewiesen. In wie weit der dritte Anlauf, in diesem Fall mit Meisterdieb Garrett, geglückt ist … schscht … seid leise und kommt mit!

Robin Hood lässt grüßen

Den Einstieg ins Spiel gibt es mit Garrett und an seiner Seite eine, wie sich später ergibt, ehemalige Schülerin des Langfingers. Erin heißt die hitzköpfige junge Frau, die so konträr gegenüber Garrett erscheint, denn sie ist vergleichsweise laut, impulsiv, kaltblütig. Gemeinsam geht es auf Raubzug, der allerdings anders endet als es vorgesehen war. Es gibt einen Zeitsprung und schau-guck, so schnell kann ein Jahr vergehen …

Dem Land geht es schlecht. Die Menschen hungern und darben und für Garrett steht fest: An diesen Umständen muss sich etwas ändern. Ein bisschen wie Robin Hood möchte man meinen, und ja, das ist schon irgendwie zutreffend, denn mit Garrett stellt ihr euch auf die Seite des leidenden Volkes. Und wie es sich gehört, ist natürlich ein Adeliger, Lord Elias Northcrest, verantwortlich für all das Leid, dem es zudem nicht ausmacht für seinen persönlichen Wohlstand über Leichen zu gehen. Wie gut, dass Garrett in diesem Fall nicht allein auf weiter Flur kämpfen muss, sondern mit Orion, auch als die „Stimm des Volkes“ bekannt, einen starken Verbündeten im Kampf gegen den habsüchtigen Lord hat. Nimm den Reichen und gib es den Armen beschreibt, was ihr fortan zu tun habt.

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Das Geld liegt auf der Straße

Im Namen der Gerechtigkeit und im Auftrag von Orion geht es auf Beutezug. Auffällig ist, dass jedwede Form an Kostbarkeiten scheinbar offen auf der Straße herum liegt. An jeder Ecke gibt es Geschmeide in Form von Kerzenleuchtern, Tintenfässern, Schachfiguren, Bilderrahmen und dergleichen mehr, die einfach mittels Knopfdruck nur eingesteckt werden müssen. Das steht, sind wir ehrlich, ein wenig in Widerspruch mit der Geschichte, da die Menschen doch so leiden und bettelarm sind.

Auch die Nebenaufgaben, die ihr von Basso erhaltet, im Übrigen der Typ, der euch mit Orion bekannt macht, unterscheiden sich nicht garvierend. Die meisten laufen nach Schema-F ab. Geht zu einem beliebig markierten Punkt, sackt das Diebesgut ein und bringt es zurück zu Basso. Es fehlt an knackigen Aufgaben und Herausforderungen, denn das Groh der zu stehlenden Dinge können fast schon wie im vorbei gehen eingesackt werden. Immerhin hat es zwischendrin, wenn auch zu wenig, knackigere Aufträge, bei denen man auch etwas gewiefter vorgehen muss.

Square Enix hat jedoch diesem Prinzip „ich klau alles was nicht Niet- und Nagelfest ist“ zumindest dahingehend noch eine Daseinsberechtigung erteilt, da ihr Garrett vor allem in Sachen Ausrüstung sowie Skills verbessern könnt. Ohne Moos nix los, braucht ihr auch ganz viel Klunker- und Glitzerkram, um im Gegenzug Cash einzuheimsen. Mit diesem wiederum könnt ihr euer Inventar aufstocken, beispielsweise um mehr Pfeile mitnehmen zu können, die Lebensanzeige erweitern oder auch zusätzliche Objekte erwerben (Messer, Schraubenzieher), mit denen wiederum gewisse Diebesaktionen leichter von der Hand gehen. Wie gehabt ist der Glockenturm Garretts heimliches Versteck, da ihr euer Diebesgut verwalten oder auch einfach mal zur Ruhe kommen könnt.

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Links, recht oder andersrum? Ach, egal!

Die augenscheinliche Option mit Garrett Entscheidungen treffen zu können, erweist sich gesamt als recht oberflächlich. Es ist sogar ein Stück weit mehr „Schein als sein“. Thief offeriert auf den ersten Blick diverse Möglichkeiten, aber diese beschränken sich auf banale Dinge wie die Frage ob man durch die Tür ins Haus geht oder doch diebisch durchs Fenster einsteigt. Am Verlauf wird dies nichts ändern. Das gilt auch für das allgemeine Vorgehen mit Garrett, da ihr, wie inzwischen für diverse Spiele üblich, Gegenstände, Items und Co. in Schränken, Schubladen, etc. verteilt finden könnt. Hingehen, aufmachen, nachsehen und ggf. mitnehmen. Wie erfrischend wirken dann doch die Momente, in denen ihr eine kniffelige Rätselaufgabe lösen oder Safe-Kombinationen erknobeln müsst.

Hinzu kommt, dass fast jeder Weg irgendwie zum Erfolg führt. Es obliegt mehr eurem Naturell, wie ihr vorgehen wollt. Steht euch der Sinn nach schleichender Fortbewegung? Seid ihr ehrgeizig genug nicht entdeckt zu werden und wollt Widersacher dezent aus dem Weg räumen? Fühlt euch frei. Wobei das gleich auch dann gilt, wenn ihr auf Schattenspielchen keine Lust habt und die direkte Konfrontation sucht. Getreu dem Sprichwort „alle Wege führen nach Rom“ werdet ihr auch in Thief mit Garrett garantiert früher oder später unabhängig eurer angewandten Spieltechnik zum Ziel kommen.

Schade ist auch, dass Kletter- und Seilpfeil-Passagen zwar generell vorkommen, aber erstens viel zu wenig und zweitens leider auch nur an vorgegebenen Stellen. Just for Fun oder gezielt eingesetztes über die Dächer klettern oder ähnliches ist nicht möglich. So schrumpft am Ende das eigentlich groß geratene Areal der Stadt auf einen überschaubaren Aktionsradius zusammen. Eigeninitiative oder andere Routen versuchen? Fehlanzeige.

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Nichts desto weniger bleibt unterm Strich so etwas wie Spielspaß übrig und es liegt ein Stück weit an euch, ob und wie ihr diesen wahrnehmt. Es ist durchaus mit Square Enix‘ Tomb Raider Reboot (2013) vergleichbar. Lara ist nicht mehr Lara, die durch Höhlen wuselt und irgendwelchen Geheimnissen auf der Spur ist. Sie ist zur toughen Kämpferin mutiert und ihre Aufgaben beschränken sich nicht mehr nur aufs Sammeln und Archivieren. So verhält es sich auch mit Garrett, mit dem ihr durchaus in bester Stealth-Manier durch die Areale streifen könnt. Gut geeignet für die Fans der Serie. Spielt ihr jedoch das erste Mal mit Garrett, findet für euch den Weg, der euch Spaß macht.

Wer dem Ganzen etwas mehr Würze und Anspruch verpassen möchte, kann dies mithilfe der Einstellungen tun. Vor allem Garrett-Spieler der ersten Stunde sind damit durchaus gut bedient. Zwar hebelt ihr damit das lineare Vorgehen nicht aus, aber es wird ein Stück weit fordernder. Kombiniert den höchsten Schwierigkeitsgrad mit verschiedenen Einstellungen, wie beispielsweise dem Deaktivieren der Interface-Elemente und dem Fokussystem (Beutestücke werden auf der Karte markiert). Auch könnt ihr festlegen, wie und unter welchen Umständen ihr entdeckt werden könnt – oder auch nicht. Vor diesem Hintergrund mutiert Thief durchaus zu dem Stealth-Spiel, das vor allem Fans erwartet haben. Es ist aber auch in jedem Fall verständlich, dass Square versucht hat Garrett auch Einsteigern und Neulingen schmackhaft zu machen. Das in einem solchen Fall Kompromisse eingegangen werden, liegt in der Natur der Sache.

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Hübsche KI

Ebenfalls eine Gratwanderung war, dessen sind wir uns sicher, die optische Gestaltung. Auf der einen Seite die „flächendeckende Basis“ bedienen, sprich Playstation 3 und Xbox 360-Spieler zufriedenstellen und auf der anderen Seite natürlich die noch in den Babyschuhen steckende Next-Gen-Klientel mitnehmen. Visuell leiden muss keine der beiden Fraktionen. Durchaus gelungen darf sich das grafische Thief-Gerüst auf die Fahnen schreiben. Gut gefallen uns die Steampunk-Elemente, nicht zu viel, nicht zu wenig – einfach gut dosiert. Ein richtiger Knaller, das müssen wir so sagen, sind Garrets Hände. Müsst ihr nach einem Schalter greifen oder ein Schloss knacken, die menschlichen Greifwerkzeuge wirken sehr plastisch. Ergänzt wird der optische Eindruck an dieser Stelle durch die Vibration des Controllers. In sich eine stimmige Einheit, die überzeugt.

Auch wenn die Mehrheit des spielerischen Treibens so etwas wie ewige Düsternis zu verbreiten scheint, die Innen- und Außenareale erweisen sich als ordentlich abwechslungsreich. Hinzu kommen viele Details, die mitnichten immer nur der Dekoration dienen, sondern auch dann und wann einen Nutzen haben. Bis auf wenige Ausnahmen glänzt das Spiele-Areal mit so weit starken Texturen. Ebenfalls gefallen die ausreichend vorhandenen Zwischensequenzen. Dass die Story im Ganzen nicht einwandfrei schlüssig erzählt ist und hier und da Lücken nicht gefüllt und Fragen offen bleiben, ist zu verschmerzen.

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Garretts Widersacher werden euch gerne einmal fordern, zumindest dann, wenn sie im Verbund auftreten. Sind Wachen oder andere Weg versperrende Zeitgenossen allein unterwegs, ist es ein Leichtes sie zu beseitigen. Anders dagegen wenn ihr sie aufgescheucht habt. Die Gesellen suchen sehr lang nach euch und brauchen eine gute Weile, bis sie sich wieder beruhigt haben. Sollten sie euch zudem erwischen, brauchen die Gegner nur wenige Schläge, um euch in den Tiefschlaf zu schicken.

Meckern müssen wir jedoch über die Sound- und FX-Kulisse. Zwar ist die deutsche Synchronisation in Ordnung, aber im direkten Vergleich mit der englischen Tonspur fällt gern einmal auf, dass die Übersetzung etwas – sagen wir – unglücklich geraten. Gleiches gilt auch für die Umgebungsgeräusche, die irgendwie enttäuschen! Es ist, da stimmt ihr uns sicherlich zu, fast schon sträflich (zumindest für ein Spiel, das sich Stealth auf die Brust schreibt), dass es keinen Unterschied macht, ob man auf Teppich oder Stein läuft. Selbst wenn ihr aus größerer Höhe direkt hinter einer Wache herunter springt und landet, es hat keinen leider keinen Einfluss.

Unser Fazit

78 %

Ach Gott Garrett, was ist aus dir geworden? Nun, das was du immer schon gewesen bist: Ein Dieb. Leider haben deine Schöpfer arg viele Kompromisse geschlossen und dir dein Refugium verändert. Denn Einsteiger sollst du ansprechen und auch den Fan. Für den bist du aber nicht mehr Stealth-typisch genug, wie es vor allem deine vorigen Abenteuer waren. Und für Einsteiger könnte vielleicht etwas der Pep fehlen. Deine Optik stimmt so weit, und das obwohl du zwei Generationen unter einem Banner vereinen musst. Was dir fehlt ist ein Stück weit das Verbissene, die Herausforderung, die du früher an uns gestellt hast. Auch wenn man es schafft auszublenden, dich einfach nimmt wie du jetzt bist, der Wermutstropfen bleibt, dass du eher ein Haudegen geworden bist, dem die Raffinesse ausgegangen ist. So bleibt unterm Strich ein Spiel, dass von allem ein Bisschen hat, generell einmal solide geraten ist, leider aber viele gute Ansätze zeigt, die nicht konsequent zu Ende geführt worden sind. Dem Fan wird es vermutlich nicht reichen und ob Neulinge Bock auf Diebestouren haben, die irgendwie nicht Fisch noch Fleisch sind, muss leider bezweifelt werden. Nichts desto weniger bleibt Thief immerhin noch ein gutes Stück Software für Erfolge- und Trophäenjäger.

Pro

  • + schöne Umgebungen
  • + stimmiges Licht/Schattenspiel
  • + gute Steuerung
  • + viele Einstellmöglichkeiten, um mehr Herausforderung zu erleben
  • + Synchronisation geht in Ordnung
  • + KI im Verbund recht intelligent
  • + reines Singleplayer-Abenteuer

Kontra

  • - Gegner allein sind Witzfiguren
  • - Stealth-Elemente kommen zu kurz
  • - sehr linear und wenig Freiheit sich zu bewegen
  • - Story etwas verdreht
  • - FX-Sound für Stealth-Spiel zu einheitlich

Unsere Bewertung

Grafik
 
80 %
Sound
 
78 %
Steuerung
 
80 %
Gameplay
 
78 %
Multiplayer
 
00 %
Spielspaß
 
78 %

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Leben, lieben, lachen – spielen! Die Pixel und ich sind seit Anfang der 80er Jahre beste Freunde. Mit einem Schneider CPC fing alles an – der Rest ist Geschichte ^-^ Ich mag sie - fast - alle: J-RPGs, Shooter, Action, Adventure, Puzzle… Bei der Achievement/Trophy-Jagd helfe ich euch gerne, selbst sind sie mir nicht so wichtig ;-) Außerdem liebe ich Katzen, mag Action- & Horror-Filme, bin ein Netflix- /US-Serien-Addict und Musik (Metal, 80er, Dance, Oldies, etc.) ist das Nonplusultra (für mich ;-))!

Kommentare

  • Mediennerd sagt:

    Ich finde Thief also heute wesentlich besser als das alte Thief: The Dark Project. Insgesamt bin ich wie gesagt positiv von dem Titel überrascht.

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