Tomb Raider - Test / Review - insidegames

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Tomb Raider – Test / Review

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Veröffentlicht 7. März 2013 | 10:52 Uhr von Fabrice

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Sie war, ist und wird wohl für eine lange Zeit eine Ikone der Videospiel-Geschichte sein. In einer Zeit vor ganzen Komplettlösungen die man online ansehen konnte, wo viele junge Videospielfans auf dem Pausenhof Gerüchte von einem Cheat hörten welche ihr die Kleider vom Leib reisst, da war sie wohl das Aushängeschild einer ganzen Generation. Auf den Spuren von Indiana Jones, war sie der Traum von etlichen Spielern und Spielerinnen die in ihren Pfaden gewandelt sind.

Natürlich ist die Rede von Lara Croft, welche in den letzten Jahren leider einen eher unglamourösen Abstieg in die Versenkung erleben musste. Grund genug für Publisher Square Enix die Jungs und Mädels von Crystal Dynamics auf eine Mission zu schicken. Eine Mission? Lara Croft eine Frischzellenkur zu verpassen und alles von vorne zu starten. Kann das überhaupt gut gehen? Wir haben uns mit Lara auf der Xbox 360 aufgemacht und Dinge erlebt die niemand erleben sollte.

Das Drachen-Dreieck, ein Ort ohne Chance auf Überleben

Eines gleich vorne weg: wie der Name Tomb Raider es schon leicht andeutet, haben wir es hier mit einem Reboot der Franchise zu tun. Während mit Lara Croft die Hauptfigur noch die selbe ist, gibt es in Sachen Spielablauf eine zünftige Radikalkur. Obwohl die Wurzeln hie und da noch sichtbar sind, wird man wohl masslos enttäuscht sein wenn man hier ein klassisches Tomb Raider erwartet.

Lara Croft ist eine junge Abenteurerin mit noch wenig Praxiserfahrung. Als Teil einer Expedition die das längst vergangene Reich Yamatai erforschen will, macht sie sich an Bord des Schiffs Endurance auf eine Reise ins Unbekannte. Doch noch bevor das Schiff an Land anlegen kann, geht alles schief. Die Endurance gerät in einen tödlichen Sturm und zerschellt an der Küste ihrer Zieldestination. Von ihrer Crew getrennt wird sie an Land gespült und prompt entführt. Das ist jedoch erst, der noch vergleichsweise zahme, Anfang einer Geschichte in welcher es um den puren Überlebenswillen in einer durch und durch feindlichen Umgebung geht.

Während dieser Kampf ums Überleben in den Zwischensequenzen erstklassig dargestellt wird, stellt das Gameplay an sich einen krassen Kontrast dazu dar. Nach dem Lara ihren ersten menschlichen Gegenüber tötet, scheint sie gebrochen zu sein. Sie muss sich fast übergeben und ist entsetzt darüber wie einfach es ist ein Menschenleben zu nehmen. So weit, so gut. Doch keine zwei Minuten später wenn man wieder selbst die Kontrolle übernimmt, zückt man seinen Bogen und erledigt gleich ein gutes Dutzend an Gegnern, spickt sie mit Pfeilen und das ohne mit der Wimper zu zucken. Dieses Muster zieht sich durch das ganze Spiel hindurch bis zum etwa letzten Viertel in der Lara endlich auch als Person zu diesem Mensch wird der Grösser ist als sie selbst. Diese inkonsistenz fällt störend auf. Die Geschichte rund um das Reich Yamatai, die Sonnenkönigin und der Kult der ihr verfallen ist mag zwar nicht oscarverdächtig sein, ist jedoch spannend und vermag einen mehr als ordentlich bei der Stange zu halten. Etwas störend sind ausserdem die Nebenfiguren aus Laras Crew welche die typischen Cliches erfüllen. Wir haben die zickige Afroamerikanerin, den egoistischen Professor der die Lorbeeren für sich will und den ergrauten Mentor zu dem Lara aufschaut.

Klettern, sammeln, schleichen, ballern und wieder von vorne

Hauptsächlich besteht Tomb Raider aus zwei Aspekten: die Bewegung durch die feindliche Umwelt sowie den Kampf gegen die unzähligen Söldern des Kult der Solarii welche sich auf der Insel breit gemacht haben. Und beides funktioniert ausgesprochen gut. Lara bewegt sich flüssig durch die Umwelt, springt von Seilen an Klippen, hangelt sich durch überhängende Steilwände und gleitet Wasserfälle hinunter. Gerade letzteres wird leider etwas überbenutzt. Immer wieder fällt Lara hinunter und man muss als Spieler versuchen die Rutschpassage heil zu überstehen ohne aufgespiesst zu werden. Das sieht zwar richtig cool aus, ist spielerisch aber eher mau. Besonders wenn man die mehr oder weniger gleiche Passage zum dritten Mal wiederholt. Und auch wenn die Parkour-artigen Kletterpassagen wenig anspruchsvoll sind, sieht es spektakulär aus und macht Spass. Es verlangt wenig Talent herumzuspringen, dank der hervorragenden Steuerung und der Möglichkeit im Sprung die Richtung zu wechseln, fühlt es sich toll an sich durch das Gelände zu bewegen. Das man im Sprung in eine andere Richtung wechseln kann macht spielerisch zwar Sinn, sorgt aber ab und zu für merkwürdig aussehende Animationen unserer taffen Protagonistin. Und sollte man doch einmal einen Fehler machen und in den Tod stürzen, hat das seinen Preis. Die Todesszenen von Lara sind brutal, ob man nun von einem Spiess durch die Kehle aufgespiesst wird oder von einem Felsen zerschmettert wird, man kann den Schmerz schon fast spühlen was natürlich auch wieder auf die Unerfahrenheit hinaus spielt welche wir weiter oben schon erwähnt haben.

Der zweite grosse Anteil in Sachen Gameplay ist der Kampf gegen die Söldern welche es auch auf die Insel verschlagen hat. Steht einem anfangs nur ein Bogen zur Verfügung, findet man im Spielverlauf auch noch eine Pistole, ein Maschinengewehr und eine Schrotflinte. Nichts fühlt sich in einem Kampf aber so gut an wie der Bogen. Man spannt die Sehne, nimmt sein Ziel ins Visier und muss schnell genug reagieren um zu schiessen bevor die Sehne überspannt wird. Ein grosses Plus in den Kämpfen ist das Deckungssystem von Tomb Raider. Man muss keine bestimmte Taste drücken damit sich die Überlebenskünstlerin in Deckung begibt, statt dessen geht Lara automatisch in eine geduckte Stellung wenn Gegner in der Nähe sind. Kommt man zu einer Deckungsmöglichkeit, verschwindet Lara dahinter von ganz alleine wodurch sich die Kämpfe, ähnlich wie die Klettereinlagen, organisch und flüssig anfühlen. Leider übernehmen die Kämpfe im späteren Spielverlauf schon fast die Überhand gegenüber den restlichen Elementen. Obwohl sie zwar richtig gut funktionieren und auch Spass machen, fehlt es dann an Abwechslung. Zum Glück motiviert ein rollenspielmässiges Levelsystem für Lara selbst und ihre Waffen für mehr Motivation.

Nicht zu vergessen sind noch die unzähligen Sammelobjekte die man sammeln kann. Relikte, Dokumente und GPS-Sender sind überall in der Spielwelt verteilt. Fast im Minutentakt stolpert man über ein Sammelobjekt welches man zu seiner Sammlung hinzufügt. Auch vorhanden sind mehrere so genannte Gräber. Das sind kleinere Rätselkammern, welche zwar kurz aber unterhaltsam sind. Man muss ein Rätsel lösen, welches in der Regel mit der Spielphysik zu tun hat, um einen Schatz zu erreichen. Die Gräber sind zwar extrem unterhaltsam, leider aber viel zu kurz. Weiss man was zu tun ist, dann schafft man sie in wenigen Minuten. Dank dem so genannten Überlebensinstikt, eine Fähigkeit die man per Tastendruck aktivieren kann, erkennt man schnell was zu tun ist. Kommt man dennoch nicht auf die Lösung, murmelt Lara oft einen Tipp vor sich hin welcher einen auf die richtige Lösung bringen wird. Cool ist das man viele Gebiete erst im späteren Spielverlauf erreichen kann wenn man neues Equipment gefunden hat. Hat man zum Beispiel die Schrotflinte im Besitz, kann man mit dieser vorher unzugängliche Bereiche frei schiessen um dahinter verborgene Objekte zu bergen. Das sorgt für mehr Langzeitmotivation.

Wie die kleine Pistole zur mächtigen Magnum wurde…

Egal was man macht, ob man in der Story voran kommt, Gegner erledigt oder Sammelobjekte einsammelt, man erhält dafür Erfahrungspunkte. Eigentlich jede Aktion die man im Spiel macht, belohnt einen mit Punkten wodurch man Lara aufleveln kann. Hat man genug gesammelt, steigt man im Level auf und kann eine neue Fähigkeit freischalten. Die Fähigkeiten sind in drei Kategorien eingeteilt und geben einem beispielsweise neue Angriffe für Kämpfe, verbessert den Überlebensinstinkt um einfacher Sammelobjekte zu finden oder noch mehr Erfahrungspunkte durch Kopfschüsse bei Gegnern zu erhalten. Doch nicht nur Lara selbst wird besser im Spielverlauf, sondern auch ihre Waffen. Durchsucht man erledigt Gegner, macht Jagd auf Tiere oder erledigt bestimmte Aufgaben, erhält man dafür Teile mit welchen man seine Waffen aufpimpen kann. Man fügt einer Pistole einen Schalldämpfer hinzu, erhöht den Schaden des Sturmgewehrs oder verkürzt die Zeit die man braucht um den Bogen zu spannen. Diese beiden rollenspielartigen Elemente versprühen ein gewisses Suchtpotential und erhöhen die Motivation Dinge zu sammeln oder Gegner auf bestimmte Arten zu erledigen. Es führt aber auch zu unsinnigen Situationen wie die Jagd auf Ratten oder Möwen mit einer Schrotflinte mit Brandmunition. Dennoch macht es viel mehr Sinn knapp 200 Objekte zu sammeln wenn man dafür eine richtige Belohnung erhält.

Mehrspielermodus – muss das denn sein?

Im Vorfeld wurde heftig darüber diskutiert, doch es ist eine Tatsache: neben dem Einzelspielermodus gibt es auch einen Onlinemodus. Bis zu acht Spieler können sich gegenseitig auf die Rübe geben, sich mit Bögen jagen oder gleich Knarren sprechen lassen. In vier Spielmodi, Deathmatch- und zielbasierte Modi, kämpft man ums Überleben. Der Mehrspielermodus ist zwar unterhaltsam, gleichzeitig aber auch sehr unbalanciert und bietet alles in allem zu wenig Umfang. Man kann seine Spielfigur aufleveln um damit neue Waffen und Fähigkeiten freischalten. Trotzdem schwindet bei vielen Spielern und Spielerinnen wohl sehr schnell die Motivation weiter zu spielen, da einfach zu wenig Inhalt verfügbar ist. Vier Spielmodi und die magere Kartenauswahl ist einfach zu wenig. Dennoch ist schon weiterer Downloadinhalt für den Mehrspielermodus angekündigt, welcher dem Basisspiel jedoch mehr als gut getan hätte. Statt dessen wird schon in wenigen Wochen die Spielerschaft in Leute aufgeteilt die den DLC besitzen und solche die ihn nicht besitzen, was unsinnig ist bei einer nicht allzu grossen Basis an Leuten. Das ist schade.

Wie im Kino

Wenn man den Einzelspielermodus mit einem Wort beschreiben sollte, dann wäre das wohl mit: cineastisch. Die ganze Insel von Yamatai ist zum grössten Teil eine Augenweide. Ob man in den verschneiten Bergen unterwegs ist, sich durch den dichten Dschungel stampft oder durch eine Barackensiedlung kämpft, die Umgebung ist atmosphärisch gestaltet. Ein wenig mehr Abwechslung in der Spielwelt hätte Tomb Raider jedoch gut getan. Auch die Modelle der Hauptfiguren sehen toll aus. Das gilt jedoch nicht für die generischen Gegner, welche wie vom Fliessband aussehen. Die deutsche Sprachausgabe kann sich hören lassen, was auch für den Soundtrack gilt der das cineastische Feeling deutlich verstärkt. Zwei störende Dinge sind uns aber dennoch noch aufgefallen. Einerseits sehen die Untertitel richtig schrecklich aus. Schwarze Balken in denen farbiger Text steht ist einfach nicht zeitgemäss. Ebenfalls störend ist das die Bildrate des Spiels enorm einbricht wenn man einen Erfolg freischaltet. Flüchtet man dabei gerade aus einem zusammenstürzenden Gebäude oder kämpft gegen ein halbes Dutzend Gegner, kann das sehr schnell zum virtuellen Ableben führen was einfach nur nervt.

Unser Fazit

83 %

Wer von Tomb Raider keinen klassischen Serienableger erwartet, sondern mit offenem Geist an die Sache heran geht, kann viel Spielspass finden. Die Story ist unterhaltsam, die Kämpfe packend und das Erkunden der Insel gut gemacht. Negativpunkte wie die markanten Unterschiede zwischen Cutscene und Gameplay was die Charakterentwicklung angeht, die generischen Gegner oder der eher lahme Mehrspielermodus tun der Qualität des eigentlichen Spiels kaum einen Abbruch. Tomb Raider ist ein gelungenes Abenteuer und ein sehr guter (Neu-)Start für Lara Croft.

Pro

  • Spassiger Gameplaymix
  • Motivierendes Rollenspielsystem
  • Tolle Zwischensequenzen
  • Sehr gelungene cineastische Präsentation
  • Sammelobjekte die einen effektiven Nutzen haben
  • Hübsche Grafik in einer lebendigen Spielwelt
  • Gute, deutsche Sprachausgabe
  • Eine verwundbare, eher unerfahrene Protagonistin

Kontra

  • Diskrepanzen in der Charakterentwicklung
  • Unnötiger Mehrspielermodus mit zu wenig Umfang
  • Eher generische Gegner
  • Zu starker Fokus auf Kämpfe im letzten Drittel
  • Zu wenige und zu kurze Gräber

Unsere Bewertung

Grafik
 
89 %
Sound
 
86 %
Steuerung
 
92 %
Gameplay
 
85 %
Multiplayer
 
68 %
Spielspaß
 
83 %

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Kommentare

  • Kuerbis sagt:

    Also an der deutschen Sprachausgabe habe ich mich ja sehr stark aufgerieben. Die Stimme von Nora Tschirner passt einfach nicht und ich war auch nicht so überzeugt von deren Betonung und Emotion, die bei so viel Schmerz zu erwarten wäre.

  • Fabrice sagt:

    Ob Nora Tschirner oder Hella von Sinnen, mir ist egal wer das Gesicht hinter der Stimme ist.

    Ich finde die Sprachausgabe ordentlich und kann sich hören lassen. Natürlich im Verhältnis zum sonstigen Niveau aus dem gleichen Sprachraum. Logischerweise erreicht kaum ein Spiel die Qualität des O-Tons, dennoch finde ich das bei TR gute Arbeit erbracht wurde. Sei dies nun bei Lara, Roth oder den Söldnern welche überraschen unterschiedliche Stimmen haben

  • Kuerbis sagt:

    Die männlichen Stimmen sind absolut in Ordnung, aber das ganze emotionale Gebrabbel von LC kam ganz komisch rüber und die ewigen “Ich kann das schaffen” mögen ja realistisch sein, wurden aber von NT nicht gut umgesetzt.
    Man mag zwar sagen, dass das Erbsenzählen ist, aber wenn ich das alle 3 Sekunden höre gehts mir schon ziemlich auf den Eierbeutel

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