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Total War: Rome 2 – Test / Review

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Veröffentlicht 3. September 2013 | 15:34 Uhr von eJUNKI3

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Noch gigantischer – noch bunter – noch besser! Genau das scheint sich Entwickler Creative Assembly als Leitsatz für Total War: Rome 2 auf die Fahne geschrieben zu haben. Ein guter Vorsatz alleine reicht leider nicht immer aus. Ob es dem Nachfolger eines der beliebtesten Titel der Total War Reihe gelingen wird, ihn würdig zu vertreten? Schauen wir uns das Mal an …

Total War: Rome 2 – Zeitfressendes Strategiemonster

… wenn wir sagen, das Rome 2 ein zeitfressendes Strategiemonster ist, kann man im ersten Augenblick nicht wirklich erahnen, was diese Aussage rechtfertigt. Daher versuchen wir dieser Behauptung, durch das Abstecken von Eckdaten, ein wenig Gewicht zu verleihen.

Wir schreiben das Jahr 272 vor Christi Geburt. Zwischen Rom und den Samniten tobt ein Krieg und wir sind mittendrin. Das Spielfeld der Kampagne erstreckt sich von Britannien im Norden, bis zu den Grenzen Nordafrikas im Süden. Begrenzt wird dieser Abschnitt von der Küste Spaniens im Westen und Teilen Indiens im Osten. Dieser Bereich teilt sich in 183 einzelnen Siedlungen auf. Zwei bis maximal vier Städte bilden eine der neuen Provinzen, von denen es insgesamt 53 Stück gibt. Ziel des Spiels ist es, mit einer der neun Fraktionen diese Ortschaften einzunehmen. Entscheiden kann man sich dabei zwischen Rom, Karthago, Ägypten, Pontos, Parthien, Averner, Icener, Makedonien und Sueben.

Kramen wir ein wenig in der Erfahrungskiste und bedenken, dass eine der beliebten Echtzeitschlachten gerne mal mehr als eine Stunde dauert. Bei mehr als 50 Provinzen vor der Brust, darf man sicherlich mit 50 Spielstunden rechnen – pro Fraktion versteht sich! Doch eins nach dem andern …

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Aller Einstieg ist leicht

Wer die Schulbank nicht nur zum Schlafen benutzt hat, dem wird das historische Setting von Rome 2 gewiss bekannt vorkommen. Bestimmt finden es daher grad europäischen Einsteigern sehr viel leichter, sich auf der nicht ganz fremden Weltkarte zu orientieren.

Bevor wir unsere Sandalenträger in die Schlacht schicken, empfiehlt sich ein Blick in den Prolog von Rome 2. Dieser stellt nichts weiter dar, als ein in drei Kapiteln aufgeteiltes und natürlich spielbares Tutorial. In der Belagerung von Capua, der Verteidigung von Kampanien und der Invasion von Samnium, erlernen wir alle wesentlichen Mechaniken des Spiels. Gleichzeitig bekommen wir eine Einführung in die Story von Rome 2.

Zwischensequenzen in Spielgrafik erzählen uns Geschichte. Sie lehren uns die korrekte Navigation auf dem Schlachtfeld, die unterschiedlichen Bewegungsarten und Formationen unserer Recken. Wann können wir unsere neuen Spezialfähigkeiten einsetzen, welcher Einheitentyp kann effektiv die gegnerische Armee bekämpfen und wie erobere ich eine Provinz? All diese Fragen werden im Prolog geklärt. Der Schwierigkeitsgrad steigt bereits hier gemächlich an, doch da viele wichtige Neuerungen, wie z.B. Provinzstrukturen und Bewegungsarten erläutert werden, ist diese Einführung auch erfahrenen Spielern zu empfehlen.

Alleine dieser Part schlägt mir rund sechs Stunden Spielzeit zu Buche, ist aber äußerst empfehlenswert und macht ein Handbuch nahezu überflüssig.

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The Heavyweight Champion

Nachdem wir uns die rund sechs Stunden Prolog gegeben haben, möchten wir natürlich wissen, was das Game noch so zu bieten hat. Das wären neben den drei Szenarios aus dem Tutorial z.B. viele historische Schlachten. Wer mag, der kann sich im Gefechtsmodus mit Scharmützeln vergnügen. Abgesehen von Mehrspielergefechten, bleibt die Kampagne aber das voluminöse Kernstück von Rome 2.

Kommen wir hier nochmal auf die Ausmaße des Strategiemonsters zu sprechen. Es gibt drei Varianten, um in Rome 2 siegreich vom Schlachtfeld zu gehen. Typischerweise sind Wirtschaft, Kultur und der Militärsieg dafür gegeben. Um z.B. den militärischen Sieg zu erreichen, müssen wir den Großteil der 183 Siedlungen einnehmen. Dafür muss selbstverständlich für das nötige Fachpersonal in Form von Trupps gesorgt werden. Erschwert werden diese Bedingungen durch die unglaubliche Anzahl von 117 (!!) Fraktionen, welche mit uns auf der strategischen Karte umherziehen.

Wie kommt es zu derart vielen Fraktionen? Ganz einfach … man integriert jeden noch so kleinen Stamm als eigenständige Fraktion in das Spiel! Was in Spielen wie 4X-Veteran Civilization als Barbaren in einer Kategorie zusammengefasst wurde, ist in Rome 2 eine vollkommen autark agierende Fraktion. Selbst wenn 20 in Lumpen gekleidete Bauern sich gemütlich in ihrem Kaff die Zeit vertreiben, gelten diese als eigene Fraktion. Augenscheinlich eine tolle Sache, doch im weiteren Verlauf des Spiels trifft man selbstredend auf immer mehr dieser Fraktionen. Wie es bei einem rundenbasierten Spiel so ist, wollen diese Fraktionen dann nach Beendigung des eigenen Zuges walten und schalten. Bewegt man sich also mit 50+ KI gesteuerten Mitspielern auf einer Karte, können von Runde zur Runde gut mal 2-3 Minuten ins Land ziehen. Genug Zeit für eine Kaffeepause, Mittagessen, Gassi gehen, einschlafen oder mit Kopf dem auf Tastatur fallen.

Wargame – Kriegsspiele

Nach den unfreiwillig eingelegten Päuschen zwischen den Zügen ist eine Echtzeitschlacht schon recht erfrischend. Wahlweise können wir diese Schlachten von der KI simulieren lassen, wie Computer NORAD im Film Wargame. Hierzu geben wir den groben Kurs vor, ob die KI eher aggressiv, ausgewogen oder doch lieber sicher vorgehen soll.

Generell schade an den automatisch berechneten Kämpfen ist die Tatsache, dass wir die Einschätzung unserer Siegeschancen erst dann sehen, wenn wir unserem Gegner dicht auf die Pelle rücken. Selbst erfahrenen Spielern fällt es schwer aufgrund der vielen Faktoren, die über Sieg und Niederlage bestimmen, die Situation stets gut einzuschätzen. Doch selbstbewusste Sandalenträger legen einfach selbst Hand an und ziehen direkt in die Schlacht.

Hier soll sich nun die Spreu vom Weizen trennen. Eine schlecht ausgestattete Armee kann dennoch den Sieg nach Hause bringen, wenn die Person die am Rechner sitzt, taktisch klug agiert. Eines der größten Mankos der Rome 2 Vorgänger war die oftmals bemängelte KI. „Strunzdumm“ sind diese stellenweise über die virtuellen Schlachtfelder gewandert. Warum soll man das ändern, wenn sich die Serie doch verkauft wie geschnitten Brot?

Während unseres Tests zu diesem Review erlebten wir hier und da ein Déjà-vu. Wir nutzen die Gegebenheiten der Umgebung aus und positionieren unsere Bogenschützen auf einer Anhöhe. Geschützt von Wäldern harren wir aus und erwarten bereits unsere Widersacher. Als wir unseren Beschuss starten, rennt der erste gegnerische Trupp zielstrebig auf uns zu. Bedeutet … schön langsam den Berg hoch, ohne Deckung, ohne Gegenwehr, wie die Lämmer zur Schlachtbank. Soweit so gut, wenn die KI aufgrund künstlicher Frustration nicht direkt den nächsten Trupp in den sicheren Tod schicken würde. Wie die Lemminge kommen uns weitere Truppen entgegen und sind somit zeitnah Gast auf ihrer eigenen Beerdigung.

Im offenen Feld handelt die KI noch recht gut und nachvollziehbar. Doch dies ändert sich schlagartig, wenn z.B. Kartenbedingte Verengungen, wie z.B. durch Brücken, den Fluss der gegnerischen Massen dämpfen. Auch Engpässe in besiedelten Gebieten werden so schnell zu einem tödlichen Nadelöhr.

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Was geht in Rome?

Nichtsdestotrotz bietet uns der neue Spross der Serie einige Neuerungen, welche interessante Aspekte mit in das Spielgeschehen einbringen.

Neben den bereits erwähnten Provinzen gibt es weitere Neuerungen im Spiel. So bekommen unsere Armeen und Flotten nun ein Gesicht und werden geführt von einem General beziehungsweise einem Admiral. Diese können gelevelt werden und bieten unserer Armee bzw. einem Trupp fortan weitere Boni. So können wir z.B. die Reichweite von Fernkämpfern oder den Bewegungsradius auf der strategischen Karte erhöhen.

Eine weitere und erstmals in der Serie eingeführte Neuerung ist die zeitgleiche Steuerung von Land- und Seeschlacht bzw. Angriffen von der Wasserseite. So können wir unser Fußvolk vom Meer aus unterstützen, wenn sich zufällig eine Flotte im entsprechenden Einzugsbereich befindet. Ein sehr interessanter Aspekt, welcher auch die taktischen Möglichkeiten in einem Mehrspieler-Match durchaus spannend gestalten könnte.

Wissen ist Macht und Geld regiert die Welt! Nicht immer ist die direkte Konfrontation des Rätsels Lösung. Konzentrieren wir uns zu sehr auf den Ausbau unserer Streitmacht, dürfen wir unsere Provinzen bzw. Städte nicht aus den Augen lassen. Krieg dämpft die Stimmung, lässt Bürger auswandern und mindert Steuereinnahmen. Augenscheinlich funktioniert das Wirtschaftssystem in Rome 2 wunderbar.

Neben der taktischen Übersicht in den Echtzeitschlachten, können wir nun mitten ins Geschehen springen. Dazu steht uns die RTS-Kamera zur Verfügung, welche uns die Schlacht wie in einem Kinofilm präsentiert. Je nach Zoom-Stufe kommt es hier zu bösen Clipping-Fehler, doch hat man sein Maß gefunden, ist diese Ansicht durchaus interessant. Es macht Spaß sich den Angriff der Kavallerie aus diesem Blickwinkel anzusehen.

Wooot! Mehr Power?

Getestet wurde das Spiel auf einem i7-3770K mit 4x 3.5GHz mit einem aktuellen Windows 7 Professional 64-bit. Unterstützt von einer GeForce GTX 680 mit 4GB RAM und 16GB Arbeitsspeicher. Getestet wurden die grafischen Qualitätsstufen niedrig, mittel, hoch, sehr hoch, ultra und extrem bei einer Auflösung von 1920×1080 Pixel. Folgendes ist beim internen Benchmark des Review-Exemplars v1.0.0 Build 6781.452975 rumgekommen:

  • 1920×1080 niedrig, durchschnittlich 53,8 fps
  • 1920×1080 mittel, durchschnittlich 54,9 fps
  • 1920×1080 hoch, durchschnittlich 52,7 fps
  • 1920×1080 sehr hoch, durchschnittlich 51,1 fps
  • 1920×1080 ultra, durchschnittlich 46,6 fps
  • 1920×1080 extrem, durchschnittlich 40,9 fps

Die Grafikeinstellungen wurden unverändert von den Vorgaben übernommen. Man bedenke, dass dieser Benchmark selbst eine GTX Titan zum Schwitzen bringt, er kann also nur als Richtwert dienen. Selbst mit den 40,9 fps auf extrem, ist Total War: Rome 2 gut spielbar.

Unser Fazit

89 %

Total War: Rome 2 ist ein solides Strategiespiel. Es erreicht bei Weitem nicht die Komplexität von Civilization - doch da der Fokus der Total War-Serie auf Eroberung, Krieg und Echtzeitkämpfen liegt, ist dies absolut kein Beinbruch und Maß aller Dinge. Die Systemanforderungen sind nicht von schlechten Eltern und hätten garantiert Rechner freundlicher ausfallen können, wenn man die berechenbaren Aktionen der KI gesteuerten Fraktionen reduziert hätte. Wozu braucht jedes Kaff eine eigene Fraktion? Der Sound ist gut und holt die Schlachten nach Hause in das Zockerzimmer. Es gibt viel Sprachausgabe in dem Spiel, welche allerdings stellenweise "aufgesetzt" wirkt. Situationsabhängige Musik untermalt das Spiel perfekt. Auch optisch präsentiert es sich in gewohnt guter Qualität. Die Schlachtfelder sind schön gestaltet, die Kampagnenkarte strotzt vor Details und dezent plazierte Effekte sind nett anzusehen. Das Zusammenspiel von Sound und Grafik sorgt für eine bombastische Atmosphäre. Keine Frage, die KI könnte ein klein wenig aufpoliert werden - doch sie ist nicht unterirdisch schlecht und sollte für Fans der Serie kein ausschlaggebender Grund dafür sein, die Serie jetzt zu beenden. Alleine der enorme Umfang des Spiels, welcher in Testspielen zu diesem Review nicht ansatzweise eingefangen werden konnte, ist sein Geld wert. Die umfangreiche Kampagne, der Mehrspielermodus, die historischen Karten, das sehr gute und einsteigerfreundliche Tutorial, sind unumstößliche Pluspunkte. Größter Kritikpunkt bleibt, neben der KI, die langsame Zugberechnung. Diese könnte ebenfalls durch die Reduzierung der 117 Fraktionen auf ein überschaubares Maß optimiert werden. Doch genau wie die KI ist dies ein Punkt, welcher durchaus durch einen Patch eine Verbesserung erfahren könnte.

Pro

  • + sehr detaillierte Spielwelt
  • + schöne Schlachtfelder
  • + gutes Tutorial als Prolog verpackt
  • + Stimmiger Sound, passende Musik
  • + enormer Umfang
  • + hoher Wiederspielwert

Kontra

  • - KI handelt unverständlich und dumm
  • - Zugberechnung dauert enorm lange
  • - enormer Leistungshunger
  • - schnödes Interface
  • - lange Ladezeiten

Unsere Bewertung

Grafik
 
91 %
Sound
 
90 %
Steuerung
 
86 %
Gameplay
 
84 %
Multiplayer
 
00 %
Spielspaß
 
93 %

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