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Total War: Attila – Test / Review

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Veröffentlicht 24. März 2015 | 15:00 Uhr von eJUNKI3

Total-War-Attila-Screen

Eine der größten Schlachten, die regelmäßig auf virtuellen Kriegsschauplätzen ausgetragen wird, ist der Kampf gegen die verpeilte KI manch strategischer Schwergewichte. Auch diverse Ableger der Total War Serie haben in der Vergangenheit mit solchen Gegnern in den eigenen Reihen zu kämpfen. Ob Attila mit dem Vertrag von Margus nicht nur die Hunnen, sondern auch deren KI begünstig? Finden wir es heraus.

Tod, Hunger, Krieg und Pestilenz

Attila wird noch heute als sehr düster beschrieben, einen Ruf, welchen er seinen außerordentlich brutalen Kriegszügen zu verdanken hat. Das nomadische Reitervolk setzte Streitkraft, aus germanischen und iranischen Truppen ein. Angeführt durch Attila und seinem Bruder Belda, verbreiteten die Hunnen um 444 Angst und Schrecken. Mit der Tötung seines Bruders Belda, wurde Attila zum König der Hunnen. Er ließ sich im heutigen Ungarn nieder und hauste dort inmitten des Ost- und Weströmischen Reichs. Er galt sinnbildlich als Damoklesschwert für die westliche Zivilisation. Im neusten Ableger der Total War-Serie widmet sich Entwickler Creative Assembly genau diesem Setting. Im Gegensatz zu Total War Rome 2, ist die Welt von Attila dunkel und düster. Der Soundtrack des Spiels trägt nicht minder dazu bei, eine stimmige Atmosphäre aufzubauen. Attila und seine Mannen werden als apokalyptische Reiter dargestellt, welche verkörpert durch die Hunnen über Westeuropa hereinbrechen. Diese Barbarenhorden haben Tod und Hunger im Gepäck, sie liefern außerdem Krieg samt Pestilenz frei Haus.

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Nichts als verbrannte Erde

Uns stehen insgesamt zehn spielbare Fraktionen zur Verfügung, welche sich grundlegend voneinander unterscheiden und Total War Attila ein enormes Potential inklusive Wiederspielwert bescheren. Wem die Auswahl an Fraktionen zu gering ist, dem sei der erhältliche (kostenpflichtige) DLC ans Herz gelegt. Das Longbeards Culture Pack erweitert die Auswahl um die Langobarden, Burgunder und Alemannen. Das Celts Culture Pack bringt die Pikten, Kaledonier und Ebdani mit sich. Durch das Viking Forefathers Culture Pack gesellen sich die Gauten, Jüten und Dänen mit hinzu. Derzeit 19 Parteien stellen somit eine nicht zu verachtende Kollektion dar. Entscheiden wir uns für eine der beiden Fraktionen des Römischen Reichs, so profitieren wir von gut ausgebauten Provinzen. Auf der anderen Seite müssen wir diese allerdings mangels Manpower kampflos aufgeben. Das Prinzip der verbrannten Erde lässt unser Imperium zwar schrumpfen, versetzt dem Gegner dafür einen kräftigen Schlag in die Magengrube. Seine Armee wird sich aufgrund fehlender Nahrungsmittel von alleine dezimieren und für den Wiederaufbau der Städte, muss er tief in die Kriegskasse greifen. Historisch gesehen vermittelt das Spiel auf diese Art und Weise sehr gut, in welchem Dilemma sich das Römische Reich seinerzeit befunden hat. Die einst vertraglich gesicherte Koexistenz zwischen den Hunnen und dem Imperium ist nicht mehr gegeben. Bei solch miesen Kräfteverhältnissen ist sogar der Kampf gegen gotische Horden ein Ritt auf Messers Schneide. Dennoch macht diese Taktik Sinn. Aus strategischer Sicht ergeben sich sowohl positive als auch negative Aspekte, welche vom Heerführer in Betracht gezogen werden müssen. Wer sich darauf einlässt, die große Kampagne von Total War Attila mit dem Ost- oder Weströmischen Reich in Angriff zu nehmen, sollte frustresistent sein. Gegebenenfalls sollte man sich in diesem Fall, auf eine virtuelle Klatsche einstellen. Von allen Seiten der Front lauern Gefahren, welchen sich die Sandalenträger weitestgehend geschichtlich korrekt entgegenstellen müssen. Besser spät als nie Spielerisch unterscheiden sich die Völker aufgrund ihrer Startbedingungen und Auslegung enorm. Wer mit Attila in die Serie einsteigt, ist daher gut beraten, seine ersten Erfahrungen mit den Sachsen oder Franken zu sammeln. Diese Fraktionen beginnen ihren Feldzug hoch im Norden und befinden sich somit in einer vorerst sicheren Distanz zum Römischen Reich. Die Alanen, Goten und Vandalen, kann man als normalen Schwierigkeitsgrad bezeichnen. Knackig gibt sich, das Ost- und Weströmische Reich. Den Namensgeber des Spiels treffen wir als Hunne erst relativ spät in der Kampagne an. Der Feldzug von Total War Attila startet vor der Geburt des Hunnenkönigs. Es müssen erst einige Runden ins Land ziehen, bis wir diesen als General in unseren Reihen begrüßen dürfen. Dafür spielt sich die Fraktion der Hunnen sehr interessant. Wie aus der Geschichte übermittelt, scheren sich die barbarischen Hunnen einen feuchten Kehricht um Städte und deren Pflege. Sie wollen rauben, modern, plündern und brandschatzen, alles das, was ein Hunne den lieben langen Tag halt so macht.

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Mobile Infrastruktur oder Agenda vierhundert

Zur Zeit der Völkerwanderung gab es viele umherziehende Nomaden, auf der Suche nach einem schönen Fleckchen Land und angemessener Kriegsbeute. Ausgenommen die Fraktionen des römischen Imperiums, können alle barbarischen Gruppierungen ihre Siedlungen jederzeit aufgeben. In diesem Fall wechselt der Spieler in den Horde-Modus und zieht fortan mobil durch die Lande. Eine Infrastruktur, wie in Städten ist dennoch vorhanden. Diese kann teilweise nur dann voll ausgereizt werden, wenn wir unsere Mannen ein Lager aufschlagen lassen. Mitreisende Handwerker und Hirten, kurbeln die Wirtschaft an, spülen Geld in die Kasse und versorgen uns mit Nahrung. Doch das allein macht die Nomaden nicht glücklich. Um die Krieger der Horde bezahlen zu können, muss unweigerlich brandschatzend durch fremde Ländereien gezogen werden. Spätestens dann, wenn der Winter einbricht, sollte der kluge Anführer gut vorgesorgt haben. Ohne Geld in der Tasche, schwach vor Hunger und bibbernd vor Kälte, zieht niemand gerne in den Krieg.

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Ritter ohne Fehl und Tadel?

Creative Assembly ist bemüht, mit jedem neuen Ableger der Serie die KI zu verbessern. Zumindest wird dies versprochen, doch auch in Total War Attila ist nicht sonderlich viel davon zu spüren. Im offenen Feld verhält sich unser Heer noch relativ gut, doch wehe, wir möchten eine Stadt übernehmen. Der Befehl ist einfach. Geht in die Stadt, tötet den Feind und holt Euch, was ihr braucht. Die KI gesteuerten Mitstreiter laufen dann schön in Reih und Glied los. Wenn die Lücke auch noch so klein ist, das gesamte Heer passt schon irgendwie durch. Wie die Lämmer zur Schlachtbank, so marschieren unsere Fraktionen munter in den Freitod, wenn wir deren Bewegungen nicht koordinieren. Dies ist auf Dauer ermüdet und Verluste aufgrund mangelnder Intelligenz der Mitstreiter, schmerzen gleich doppelt. Um das Jahr 400 rum, hätte der regelmäßige Besuch des örtlichen Fitnessstudios unseren Truppen bestimmt nicht geschadet. Wie in Rome 2 werden unsere Mannen müde und ihre Ausdauer lässt im Sprint und Kampf deutlich nach. Doch in Total War Attila scheint dies wesentlich schneller der Fall zu sein. Immer wieder müssen wir ein Päuschen einlegen, um unsere Kampfkraft zu erhalten. Nicht nur, dass die Option für einen geordneten Rückzug für solch einen Fall gänzlich fehlt. Auch die KI sorgt dafür, dass manch eine Brotzeit aus taktischen Gründen besser ausgelassen wird. Grundsätzlich gibt es Verbesserungen an »Total War Attila«, welche das Spiel durchaus bereichern. Auf der anderen Seite gibt es allerdings Dinge, die selbst einem Veteranen der Serie nicht direkt ersichtlich sind. So wurde Beispielausweise das Politiksystem aufpoliert, was durchaus gut ausgearbeitet wurde. Dennoch erschließt sich dem Spieler nicht direkt, wofür z.B. die Werte Herrschaft, Kontrolle und Macht der einzelnen Fraktionen stehen. Wer herrscht, kontrolliert und hat Macht, oder wie, oder nicht?! Dann gibt es wiederum unscheinbare Kleinigkeiten, welche es wirklich in sich haben. Setzen wird z.B. Landtruppen auf ein Transportboot, so können diese bei der Überfahrt seekrank werden. Echte Seeleute hingegen kümmert dies nicht und sind den Landratten somit im Kampf überlegen. Das Tutorial ist im Grunde ganz gut, um die groben Mechaniken des Spiels kennenzulernen. Der Prolog ist eine Minikampagne und erklärt in Der Schlacht um Olbia und Die Invasion der Hunnen, wie Total War Attila grundlegend zu handeln ist. Ausführlich wird aber leider kein Thema behandelt. Auch das integrierte Onlinelexikon in Form der Total War Enzyklopädie ist diesbezüglich keine große Hilfe.

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Unterm Strich

Trotz der kleinen Makel und erneut dummer KI, ist Total War Attila unterm Strich ein großartiges Spiel. Strategen und Taktiker sollten sich dieses unbedingt zu Gemüte führen, denn in diesem Genre ist eine ebenbürtige Konkurrenz nur schwer zu finden. Mit diesem Teil werden ein paar Neuerungen in die Serie eingeführt, welche nicht unbedingt offensichtlich sind. Neben gegnerischen Soldaten sind beispielsweise Seuchen und Krankheiten einer der übelsten Feinde. Sind die sanitären Anlagen einer Stadt nur unzureichend ausgebaut, breiten diese sich rasant aus. Gepaart mit zufälligen Witterungsverhältnissen und der kalten Jahreszeit, können solche Umstände ein großes Heer rasch dezimieren. Die Vorherrschaft der eigenen Familie ist natürlich ein Muss. In Total War Attila sollte nicht nur darauf geachtet werden, dass die eigene Familie das Reich würdig vertritt, sondern auch, wer die Nachfolge antreten könnte. Wer wie Emmerich, der Bruder des Frankenkönigs in wilder Ehe lebt und einen Bastard zeugt, verpasst nicht nur der Familienehre einen Knacks. Die Möglichkeit Städte zu verlassen um als Nomade umher zu ziehen, oder andere Städte bis auf die Grundmauern niederzubrennen, ist ebenfalls eine interessante Neuerung. Bekommt der Gegner die Stadt oder nicht? Überlassen wir dem Feind somit Nahrung, oder hinterlassen wir nichts als verbrannte Erde? Um die Bedenkzeit für solch wichtige Entscheidungen künstlich zu verlängern, können während einer Belagerungsschlacht Barrikaden errichtet werden. Diese geben einen Bonus auf unsere Abwehr und helfen dabei, ganze Vierte besser unter Kontrolle zu halten.

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Unser Fazit

87 %

Auch Total War Attila ist kein perfektes Spiel, aber welches Spiel ist das schon? Der Umfang ist gigantisch und die bombastischen Gefechte können auch in diesem Teil wieder für Begeisterung sorgen. Wermutstropfen ist die Tatsache, dass manche der neuen Features nicht wirklich zum Tragen kommen. Auch die Anforderungen an die Hardware sind wie schon in den Vorgängern, wieder jenseits von Gut und Böse. Dennoch überwiegen die positiven Aspekte. Das Spielprinzip von Total War Attila birgt nach wie vor Suchtpotential in sich. Die Neuerungen sind insgesamt sehr interessant. Umfang und Unterschiede in den Fraktionen, fördern den Wiederspielwert enorm. Wer dennoch gelangweilt ist, findet sicherlich in den derzeit neun via DLC verfügbaren Fraktionen etwas Abwechslung. Wir sprechen Strategen und Fans der Serie daher eine klare Kaufempfehlung aus.

Pro

  • + Enormer Umfang
  • + Toll inszenierte Gefechte
  • + Interessante Neuerungen
  • + Hoher Wiederspielwert
  • + Detailliertes Schlachtfeld
  • + Atmosphärischer Soundtrack
  • + Interessanter Horden-Modus

Kontra

  • - Wartezeit zwischen den Runden
  • - Tutorial (Prolog) erklärt nur dürftig
  • - Einige Infos nicht offensichtlich
  • - Schwache KI bei Belagerungen

Unsere Bewertung

Grafik
 
90 %
Sound
 
91 %
Steuerung
 
85 %
Gameplay
 
85 %
Multiplayer
 
86 %
Spielspaß
 
86 %

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