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Tour de France 2017: Der offizielle Radsport Manager – Test / Review

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Veröffentlicht 3. Juli 2017 | 17:48 Uhr von Thomas Pfnür

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Auch wenn der Radsport Manager 2017 den Zusatz Tour de France trägt, so steckt in der Simulation schon mehr als nur die bekannte Rundfahrt durch Frankreich. Und zwar deutlich mehr. Könnte die Technik auch nur annähernd mit den Inhalten und den passenden Umfang mithalten, Focus Home Interactive wäre ein absolutes Must-Have im Genre Managerspiel gelungen. Wäre, ist aber nicht. 

Tour, Vuelta, Giro… 

Tour de France 2017: Der offizielle Radsport Manager für den PC ist ein wahres Umfangsmonster. Mit knapp 70 Teams könnt ihr in 200 Wettbewerben auf mehr als 500 Etappen um den jeweiligen Sieg fahren. Neben der Tour de France, der Vuelta und der italienischen Rundfahrt stehen euch hierbei auch Klassiker, wie etwa das Eintagesrennen Lüttich-Bastogne-Lüttich, zur Verfügung. Aber nicht nur bei Straßenrennen müsst ihr euer Können beweisen, auch in einem Velodrom auf der Indoor-Bahn könnt ihr in sieben unterschiedlichen Einzelwettbewerben, z. B. Sprint, Keirin oder Ausscheidungsrennen, Bestzeiten aufstellen.

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Als Spielmodi werden euch neben der für eine Managersimulation logischen Karriere noch die obligatorischen Einzelrennen und ein durchaus ansprechender Mehrspielermodus geboten. Letzteres beinhaltet unter anderem das neue Clansystem, welches euch unter anderem die Möglichkeit gibt Clans und Wettbewerbe mit bis zu 16 Spielern zu organisieren. Wie bei anderen Sportspielen auch, gibt es natürlich Ranglisten und komplett frei zu erstellende Turniere.

Ihr habt übrigens bei jeder Spielvariante, bei jedem Wettbewerb und bei jeder Etappe die Möglichkeit selbst aktiv ins Renngeschehen einzugreifen. Über simple Tastaturbefehle könnt ihr hier alle Teammitglieder direkt steuern und selbigen bestimmte Aktionen zuweisen. Ebenso ist es aber auch möglich der ganzen Mannschaft eine Taktik vorzugeben, um so gegebenenfalls auf bestimmte Rennereignisse schnell und klug zu reagieren. Und tatsächlich führt die CPU die eingegebenen Befehle weitestgehend passend aus. Nur sehr selten, leistet sich der Titel hierbei den einen oder anderen Logikfehler, leider dann aber meist mit Rennentscheidender Wirkung.

Karriere als Manager oder Spieler 

Das Hauptaugenmerk von Tour de France 2017: Der offizielle Radsport Manager liegt natürlich auf der Karriere als Teammanager. Ihr erstellt euch ein neues Team oder greift auf einen der vorhandenen, realen Rennställe zu und begebt euch damit ins harte Geschäft Radrennsport. Und hart, vor allem aber extrem umfangreich wird dieses Geschäft in Le Tour de France dann auch wirklich simuliert. Genreneulinge werden aufgrund der Möglichkeiten geradezu erschlagen und selbst Kenner finden sich anfangs kaum in den überladenen Menüs zurecht. Der Simulation fehlt es leider komplett an der leichten Zugänglichkeit und wer auch nur den Hauch einer Chance haben will, die Komplexität des Radsport Managers zu begreifen, der wird nicht umherkommen, sich sehr intensiv mit dem Spiel auseinanderzusetzen.

Habt ihr euch dazu aber entschlossen, wollt also tiefer in die Materie Radrennen einsteigen, dann steht euch tatsächlich ein enormes Arbeitspensum bevor. Ihr müsst euch um die Sponsorensuche genauso kümmern, wie mit neuen Fahrern verhandeln, Trainingspläne ausarbeiten oder einen sinnvollen Rennkalender gestalten. Doch bei Le Tour de France 2017 hören eure Aufgaben mit diesen „normalen“ Tätigkeiten noch lange nicht auf, der offizielle Radsport Manager erwartet von euch mehr. So werden Ziele der Geldgeber vorgegeben und müssen auch aufs Genaueste eingehalten werden. Das integrierte Finanzsystem baut auf ein von euch genau kalkuliertes Teambudget auf, das Fehler nicht verzeiht und Ungenauigkeiten schnell mit finanziellem Kollaps des Teams bestraft. Mit den diversen Zulieferern muss vor, während und nach der Saison in Forschungs- und Entwicklungsprogrammen zusammengearbeitet werden – mit dem Ziel, möglichst schnell bessere Komponente einsetzen zu können. Und nicht zuletzt müssen Verletzungen der Fahrer nur durch einen geschickten Wechsel der Renn- und Regenerationsphasen vermieden werden, d. h. ein kluges Abwägen von was, wo und wer ist absolut entscheidend.

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Apropos Fahrer. Natürlich muss man sein Team ständig beobachten und auf jede Schwäche sofort reagieren, schließlich will man sich durch sämtliche Renndivisionen bis zur höchsten World-Tour-Serie hocharbeiten. Neue Fahrer müssen verpflichtet, schwächelnde abgegeben und vor allem Talente gesichert werden. Dreh- und Angelpunkt dafür ist der sehr dynamisch integrierte Transfermarkt. Übrigens ein Highlight der Managersimulation. Wer denkt, es ist ein Leichtes Fahrer hin- und herzuschieben, wird schnell eines Besseren belehrt. Verhandlungsgeschickt und auch das Quäntchen Glück sind die Voraussetzungen – dann klappt es auch mit dem Wunschfahrer.

Hört sich doch alles sehr gut an, oder? Stimmt, leider ändert das aber nichts am Hauptproblem des Karrieremodus, nämlich dem extrem schweren Einstieg. Praktisch mit dem ersten Mausklick, bietet euch der Titel unzählige Möglichkeiten / unzähligen Aufgaben, vergisst dabei aber leider komplett, euch das Ganze auch in einer sinnvollen, stimmigen und logischen Art zu präsentieren. Stattdessen findet ihr euch in einer verschachtelten Struktur wieder, die einem viel Zeit, aber auf Dauer vor allem auch viele Nerven kostet. Nicht falsch verstehen, es ist sehr löblich, dass die Entwickler versuchen, praktisch jeden Bereich des Radrennsportes abzudecken, einzig an der passenden Umsetzung hakt es mehr als ein Mal. Man mag es kaum glauben, aber der große Umfang schmälert den Spielspaß – ein normalerweise eher unbekanntes Problem.

Wer diesem Problem aber komplett aus dem Weg gehen will, kann dies mit dem Profi-Modus tun. Hier dreht sich dann alles um die Karriere als Fahrer. Mit dem selbsterstellten Alter-Ego heuert ihr bei einem Team an, bekommt entsprechende Taktikanweisungen und könnt durch erfolgreiches „Radln“ eure Fähigkeiten stetig verbessern. Ziel ist es zum Kapitän eines der Top-Teams aufzusteigen und letztendlich Siege bei den bekannten Rundfahrten einzufahren. Richtig, alles ist deutlich zugänglicher, aber weil es an vielen Optionen und Möglichkeiten fehlt, fehlt es eben auch am nötigen Tiefgang. Oder anders: Was im Managermodus zu viel ist, ist in der Profivariante zu wenig vorhanden.

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Technischer Kettenriss 

Eine Managersimulation sollte heutzutage natürlich auch eine gewisse Präsentation bieten. Vorbei die Zeiten, wo es genügt, irgendwelche Texte, Listen und Tabellen darzustellen, um den Genre-Fan glücklich zu machen. Heute erwarten wir mehr. Heute erwarten wir eine schöne Optik, untermalt am besten mit vielen Bildern oder Videos und praktisch nach jeder Aktion eine auflockernde Zwischensequenz – natürlich das Ganze auch im eher trockenen Managerteil einer solchen Simulation.

Tour de France 2017: Der offizielle Radsport Manager kann dies leider aber nur sehr bedingt auch wirklich bieten. Gerade die grundsätzliche Menüstruktur, ob das jetzt die normale Modus-Auswahl oder aber der Verwaltungsteil beim Teammanagement betrifft, ist extrem langweilig und trist gestaltet. Von mitreißenden Pep keine Spur, alles versprüht den trögen Charme eines auf bunt getrimmten Excel Sheets.

Bleibt noch die Darstellung der Rennen selbst. Aber auch hier bekleckert sich Focus Home Interactive kaum mit Ruhm. Analog zu den Konsolen-Versionen gibt es auch auf dem PC nur wenig mehr als matschige Texturen, kaum vorhandene Details abseits des Kopfsteinpflasters bzw. Asphalts, ständiges Objektaufpoppen, einen immer präsenten Nebel, hässliche „Zuschaueraufsteller““ und eine Rennpräsentation aus der Steinzeit zu sehen. Zumindest sind die Radfahrer einigermaßen passend designt und auch die Animationen werden mit wenigen hölzernen Ausnahmen meist flüssig, vor allem aber realistisch auf den heimischen Monitor gezeichnet. Auch wurde daran gedacht, immer mal wieder Wahrzeichen, wie etwa den Eiffelturm, einzubauen, um eine gewisse Realität zu vermitteln. Ob die Strecken selbst jetzt wirklich Originalgetreu auf den Datenträger gepresst wurden, können wir nicht beurteilen, manche Abschnitte scheinen sich aber irgendwie zu wiederholen, zumindest unserer Meinung nach. Vielleicht liegt dieser Eindruck aber auch nur am grundsätzlich tristen Design.

Interessant, trotz dieser faden Grafik, die meist auch noch ohne große optische Details auskommt, hatten wir auf unseren Windows 10-Testrechner mit langen Ladezeiten und wenn auch wenigen, trotzdem immer mal wieder auftretenden, nervigen Abstürzen zu kämpfen.

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Unser Fazit

73 %

Um es kurz zu machen: Tour de France 2017: Der offizielle Radsport Manager ist eine solide Managersimulation. Der größte Pluspunkt ist der enorme Umfang, welcher u. a. mit knapp 70 Rennteams und insgesamt 200 Wettbewerben, darunter mehr als 100 bekannte Klassiker, glänzen kann. Große Kritik muss sich der Titel aber aufgrund der kaum mehr zeitgemäßen Grafik und den vielen Technikmacken gefallen lassen. Dafür bietet Le Tour de France 2017 spielerisch über weite Strecken genau das was von einem Managerspiel erwartet wird. Nur manchmal fühlt man sich als Spieler von den Möglichkeiten und den aufgezwungenen Tätigkeiten überfordert. Etwas weniger, wäre hier eindeutig mehr gewesen und hätte dem Spielspaß sicher nicht geschadet. Weniger wird euch dann in der persönlichen Rennfahrerkarriere geboten, allerdings stört hier die Oberflächlichkeit. Trotzdem, wer bereit ist die eine oder andere Macke bezüglich des Gameplays zu übersehen und vor allem in punkto Optik praktisch nichts erwartet, der sollte sich Tour de France 2017: Der offizielle Radsport Manager näher ansehen – enttäuscht wird er dann sicher nicht werden.

Pro

  • + komplexe Umsetzung der Thematik Radrennsport
  • + enormer Umfang (u. a. knapp 70 Teams, 200 Rennen)
  • + Teammanager-Modus mit Tiefgang…
  • + Profi-Modus mit leichtem Zugang…
  • + Multiplayer, u. a. mit Clansystem
  • + passende Animationen

Kontra

  • - Gameplay bietet kaum Zugang
  • - …Teammanager-Modus aber auch total überladen
  • - …Profi-Modus aber auch mit enormer Oberflächlichkeit
  • - langweilige und triste Präsentation
  • - technisch schwache Umsetzung (u. a. lange Ladezeiten)
  • - veraltete Optik (viel Texturmatsch und kaum Details)

Unsere Bewertung

Grafik
 
59 %
Sound
 
70 %
Steuerung
 
70 %
Gameplay
 
75 %
Multiplayer
 
65 %
Spielspaß
 
73 %

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Als arbeitender Familienvater hat Thomas natürlich nur wenig Zeit, aber wenn dann halt mal doch, schreibt er mit großer Begeisterung mehr oder weniger Sinnvolles über alles was auch nur annähernd mit Sport zu tun hat.

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