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Transference – Test / Review

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Veröffentlicht 9. Oktober 2018 | 18:04 Uhr von Alexander Winkel

transference

Eine virtuelle Wohnung wird zum Schauplatz eines schockierenden Familiendramas. Verstörende Bilder und Schockmomente entführen in ein Psychodrama, welches sich letztendlich aber verliert und viel zu viele Fragen offen lässt. Die Zusammenarbeit zwischen Ubisoft Montreal und der Filmfirma SpectreVision, bekannt durch den Gründer und „Herr der Ringe“-Star Elijah Wood, ist unterhaltend und zum Schluss dann doch enttäuschend zugleich. 

Alles beginnt sehr vielversprechend mit einem gelungenen Mix aus gedrehten Filmszenen und einer surrealen Welt, welche ursprünglich für ein rein virtuelles Erlebnis mit VR-Brille gedacht war, letztendlich aber auch ohne gespielt werden kann. Solltet ihr euch aber gut überlegen, denn ohne VR macht der Titel deutlich weniger her. Die Atmosphäre geht ein wenig verloren und so mancher Schockeffekt verliert seine Wirkung. Alles beginnt mit einem Video. Zu Beginn des Abenteuers erläutert der etwas verrückte Wissenschaftler Raymond Hayes in einer Videonachricht, dass er die Brücke zwischen der Realität und einem rein virtuellen Bewusstsein geschaffen und somit das ewige Leben für sich und seine Familie gefunden hat.

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Die Aussag ist gewagt und nicht grundlos sollten Zweifel aufkommen. Denn der weitere Verlauf zeigt, dass sich riesige Abgründe zwischen dem Familienvater, seiner musikalisch begabten und weltbekannten Frau und dem gemeinsamen Sohn Ben auftun. Versteckt in Schränken findet sich Antidepressiva, Briefe an die Verwandte offenbaren Scheidungsgedanken und die Schreckensschreie des Kleinen sorgen regelrecht für Gänsehaut. Neben einigen Videosequenzen und Sprachsamples muss die Story jedoch in kleinen Stücken zusammengereimt werden, wobei man sich dazu alles möglich genauer anschauen muss. Geht ihr an all den Zeitungen, Briefen und Audio-Samples blind vorbei, geht euch leider auch einiges verloren.

Kurz nach den einleitenden Worten Raymonds taucht ihr selber in die von Hayes geschaffene virtuelle Welt ein, die begrenzt durch Schwärze einen klaren Aufbau zeigt und euch gekonnt und bisweilen recht linear durch das Abenteuer führt. Aus der Egoperspektive begeben wir uns in das Haus und betreten die Wohnung der Familie. Wer Probleme in der VR-Welt hat, kann die Steuerung anpassen und somit die Übelkeit möglichst klein halten oder komplett verhindern. Die Handhabe mit dem Gamepad ist ok, die Interaktion mit den Objekten hätte uns Transference jedoch etwas genauer erklären können. Zu Beginn müsst ihr sämtliche Handgriffe selber herausfinden und gerne übersieht man dabei die Möglichkeit, Objekte genauer unter die Lupe nehmen zu können.

Die virtuelle Spielwiese ist für den Eindringling in die Wohnung der Hayes noch stark begrenzt. Das Programm, bzw. das Bewusstsein der Protagonisten weist einige Datenlücken auf, die sich in Form von geschlossenen Türen oder schwarzen Löchern auftun. Füllt diese Lücken auf, indem kleine Aufgaben gelöst werden. Zum Beispiel mit Magnetbuchstaben ein Passwort zum Kinderzimmer finden oder eine Melodie mittels der Buchstaben an den Briefkästen spielen. Wurden diese teilweise aufgesetzt wirkende Rätsel gelöst, offenbaren sich weitere Räume und Abschnitte im Spiel. Schwer fällt der Denksport selten aus. Des Rätsels Lösung findet sich oft in unmittelbarer Umgebung, jedoch muss man dafür durchaus die Augen und Ohren offen halten. Simples ausprobieren führt jedoch auch gerne zu einem positiven Ergebnis.

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Was Transference wirklich interessant macht, sind die unterschiedlichen Perspektiven. Von Anfang wandelt ihr per Klick des Lichtschalters zwischen den Realitäten. Dadurch offenbaren sich, wie man auf Dauer feststellt, die verschiedenen Perspektiven von Raymond, seiner Frau und dem Kleinen. Kindliche Zeichnungen an den Wänden offenbaren die Ängste des jüngsten Familienmitglieds, die nicht selten mit dem dunklen Mann verschrecken. Dieser zeigt sich auch gerne immer wieder in der virtuellen Realität und sorgt für den einen oder anderen Jumpscare. Effekte, die letztendlich mit einer VR-Brille am besten rüber kommen. In der Welt des Wissenschaftlers verunzieren physikalischen Gleichungen die Wände und zig elektronische Geräte blockieren zahlreiche Räume.

Die Erkundung der Räume macht durchaus Spaß und Transference versteht es auch immer wieder, verstörend Szenen zu liefern oder mit dem Auftauchen mancher Personen für Gänsehaut zu sorgen. Man möchte mehr erfahren, wissen, was wirklich passiert ist, auch wenn manche Dinge doch lieber im verborgenen bleiben sollten. Dadurch schaut man sich auch alle Hinweise, Zeitungen und ähnliches auch wirklich genauer an und macht sich über die teilweise gewollt bruchhaften Infromationem seine Gedanken. Diverse Sammelobjekte liefern zusätzliche Inhalte, die durchaus interessant sind und einen tieferen Einblick in das Leben der Hayes bieten. Nach 2-3 Stunden endet der Psychotrip jedoch unvermittelt und lässt viel zu viele Fragen offen. Eine Auflösung des Familiendramas bleibt aus, was gepaart mit dem eher seichten spielerischen Anspruch dann doch bitter enttäuschend ist.

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Bild 1 von 10

 

Getestete Version: Playstation 4 / VR

 

Unser Fazit

68 %

Die verstrickte Geschichte um den Wissenschaftler Raymond Hayes wird durchaus gekonnt mit Filmsequenzen und einer virtuellen Welt präsentiert und schlägt damit eine Brücke zwischen Kino und Videospiel. Doch nach 2-3 Stunden, wenn das Ende über den Bildschirm flimmert, bleiben zu viele Fragen offen. Das Drama findet kein würdiges Ende und als Spieler wie auch Zuschauer fühlt man sich doch ein wenig betrogen. Letztendlich muss man Transference als ein Experiment betrachten, bei dem der Spieler in das Geschehen transferiert wird und dadurch recht intensiv das Drama miterlebt. Wer gerne in die virtuelle Welten eines verrückten Genies eintauchen will, sollte dies jedoch mit einer VR-Brille tun. Viele Effekte sind speziell darauf ausgelegt und die Immersion bei der Erkundung der Wohnung ist das, was den Titel letztendlich noch am ehesten spielenswert macht.

Pro

  • + Guter Mix aus Filmsequenzen und Videospiel.
  • + Interessante Hintergrundgeschichte, die sehr speziell präsentiert wird.
  • + Die Immersion ist dank VR gut gegeben und man wird mitten ins Geschehen gebracht.
  • + Gute Optik und Sound runden das Erlebnis ab.

Kontra

  • - Kurze Spielzeit von 2-3 Stunden.
  • - Das Ende ist leider dann doch eher enttäuschend.
  • - Rätsel wirken aufgesetzt und sind sehr einfach zu lösen.
  • - Die Handhabe wird nicht wirklich erläutert und fällt anfangs schwer.
  • - Ohne VR geht einiges an Atmosphäre verloren.

Unsere Bewertung

Grafik
 
75 %
Sound
 
75 %
Steuerung
 
70 %
Gameplay
 
60 %
Multiplayer
 
00 %
Spielspaß
 
65 %

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Aufgewachsen mit der ersten Nintendo-Konsole, fühlt sich Alexander Winkel eigentlich auf allen Plattformen heimisch. Trotz seiner offensichtlichen Hingabe zur Xbox – die vielen Gamerscore Punkte erspielen sich nicht von selbst – lässt er seine Schreibwut an allen Videospielen aus, unabhängig vom System.

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