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Valiant Hearts: The Great War – Test / Review

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Veröffentlicht 24. Juni 2014 | 18:01 Uhr von Sandra

Valiant-Hearts-The-Great-War

Den ersten Weltkrieg, 1914 – 1918, in einem Videospiel zu thematisieren ist verhältnismäßig neu. Dabei einen filigranen Grenzgang zu vollführen, da man tatsächliche Ereignisse mit fiktiven Geschichten kreuzt und ergänzend noch jede Menge Wissen zu dieser Zeit vermittelt, dieser – man kann schon fast sagen – Geniestreich ist Ubisoft Montpellier geglückt. Das Besondere: Obwohl es sich um ein (Anti)Kriegsspiel handelt, wird während des ganzen Spiels nicht ein einziger Schuss abgegeben. Es geht am Ende auch nicht ums Töten, wohl aber ums getötet werden.  Und es geht noch mehr darum, ein liebendes Paar wieder zu vereinen.

Echte Geschichte mit erdachten Figuren

Der Erste Weltkrieg begann am 28. Juni 1914 mit dem Attentat auf den österreichischen Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand in Sarajewo. Wurde der darauf folgende Konflikt zunächst als Lokalkrieg eingestuft, eskalierte schon bald die Lage, da sich Russland, Deutschland und Frankreich beteiligten, jeweils in Folge deutscher Kriegserklärungen. Weitere Nationen folgten und der Krieg weitete sich flächendeckend aus. Für Valiant Hearts: The Great War ist vor allem der Übergriff Deutschlands auf Frankreich relevant. Die Schlacht an der Marne spielt dabei ebenso eine Rolle wie der erste Gasangriff auf die belgische Stadt Ypres oder der Bombenhagel auf Reims sowie die Schlacht von Verdun.

Erweist sich die Grundlage des Spiels als dokumentierte Geschichte, sind die vier Menschen nebst Hund frei erfunden. Neben den Aufgaben, die auf diese vier Menschen und ihren treuen Begleiter warten, steht als zentrales Element auch die Zusammenführung des französischen Mädchens Marie und ihrem deutschen Freund Karl. Zu Beginn des Spiels werden die Ereignisse des Ersten Weltkriegs aufgeführt, gefolgt von der Generalmobilmachung in Frankreich, die nicht zuletzt zur Folge hatte, dass Karl, als Deutscher, ausgewiesen wurde und Marie allein bei ihrem Vater, Emile, zurück blieb. Emile und Karl verpflichten sich zum Militärdienst, Emile für Frankreich, Karl für Deutschland, und die Vorsehung will es, dass sich die beiden nicht nur auf dem Schlachtfeld wiedersehen.

Im weiteren Verlauf der Geschichte werden sich die Wege der Protagonisten mal mehr, mal weniger kreuzen und es kommen neue Gefährten hinzu. Dazu gehört auch Freddie, der Amerikaner, welcher der Fremdenlegion der französischen Armee beigetreten war. Später bereichert Anna, eine Sanitäterin, den Trupp. Sie ist auf der Suche nach ihrem Vater, der von Baron von Dorf entführt wurde, und eine wesentliche Rolle spielt sehr oft der – in diesem Fall – namenlose Hund.

valiant-hearts-the-great-war-screenshot-01

 

Kein Schuss fällt …

… jedenfalls fast nicht. Valiant Hearts kommt auf weiten Strecken ohne den Einsatz von Waffen aus. Einzige Ausnahme sind ein paar wenige Panzer- bzw. Kanonenkugeln, die es abzufeuern gilt. Umso mehr wird auf den Spieler geschossen. Es gilt trickreich vorzugehen, die Umgebungen und die gebotenen Möglichkeiten zu nutzen. Valiant Hearts: The Great War ist ein Puzzlespiel, in dem Kombinationsgabe und um die Ecke denken gefragt sind. Lösungen für ein Problem liegen oftmals offensichtlich und doch versteckt vor einem. Hinzu kommen eine gute Portion Geduld und Timing, damit Rätsel gelöst, Klippen überwunden, Hebel wieder gangbar gemacht, Tresore geknackt oder Maschinen wieder funktionstüchtig werden. Mit oder ohne Hund, der öfters für diverse Aufgaben befehltigt werden kann (einfache Kommandostruktur), müssen auch immer wieder Menschen, Soldaten wie Zivilisten gleichermaßen, gerettet werden. Auf den Schlachtfeldern selbst bleibt nur am Leben, wer es schafft Pausen zwischen den Salven gekonnt zu nutzen. Hin und wieder Zielwerfen mit Granaten oder auch anderen Geschossen hilft ebenfalls seinen Weg fortzusetzen oder Zwischen- sowie Endbosse ausschalten zu können. Wer sich wiederum Licht und Schatten zu guten Freund macht, wird es auf der einen oder anderen Fluchtpassage ebenfalls leicht haben.

Ergänzt wird das fortwährend Puzzle- und Geschicklichkeitstreiben durch verschiedene Sammelgegenstände, die überall, meisten an eher ungewöhnlichen Orten, gefunden werden können. Dazu gehören Tagebücher, verschiedene Objekte wie beispielsweise Knöpfe einer Uniform, Orden und Abzeichen oder auch eine Brille und dergleichen mehr, zu denen es dann gleichfalls Geschichtliches in Erfahrung zu bringen gibt. Generell wird der Verlauf von Emile, Freddie, Anna, Karl und Hund viel mit historischem Material untermauert. Aufgeteilt auf vier Kapitel wird die Geschichte mal aus dem Blickwinkel Freddies erzählt, um im nächsten Moment zu Anna zu wechseln oder auch Karl bzw. Emil. An manchen Stelle treffen die vier inklusive Hund aufeinander und bestreiten kleinere Abschnitte in zumeist Zweier- aber auch mal Dreiergruppen gemeinsan. Ein Sprecher aus dem Off unterrichtet über den allgemeinen Verlauf des Krieges, der zudem chronologisch (1914 – 1918) wiedergegeben wird, und erzählt darüber hinaus die erdachte Geschichte der Protagonisten. Dazu gibt es jede Menge Dokumente (Menüpunkt Historische Fakten) zum Nachlesen der tatsächlichen Ereignisse. Im Spielverlauf selbst gibt es auch immer wieder neue Tagebucheinträge, in Abhängigkeit des Spielfortschritts, die mit relevanten Fakten aufwarten.

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Weniger ist mehr

Valiant Hearts: The Great War bietet verschiedene Stilmittel, die gekonnt, ja sogar meisterlich miteinander vereint wurden. Handgezeichnete Figuren geben sich mit Paralax-Scrolling, 2D-Optik und Comic-Style die Klinke in die Hand. Gleichwohl die Optik auf das Nötigste reduziert erscheint, zumindest einmal auf den ersten Blick, ergibt sich bei genauerer Betrachtung eine wahre Detailfülle, welche sich  in vielen kleinen Gesten, Ausdrücken und Momenten manifestiert. Valiant Hearts tritt einen sehr schönen Beweis an, denn es braucht nicht immer porentiefe Gesichtsmimik, um eine Emotion, ein Ereignis oder eine Situation wirken zu lassen. Eine Körperhaltung, eine Geste und dazu die passende Vertonung und schon ist ein Gänsehaut- bzw. Kloß im Hals-Moment entstanden.

Die Akustik spielt ohnehin eine zentrale Rolle in Valiant Hearts. Nicht nur das wunderschöne Klavierstück „Fly“, auch die zahlreich vorhandenen FX-Sounds, Sprachsamples sowie weiteren Hintergrundmusiken sorgen für ein stimmiges Gesamtbild. Die Sprache selbst folgt zudem ein Stück weit eigenen Regeln. Partiell sind die Aussagen verständlich und werden in französischer und deutscher Sprache wiedergegeben. Und an anderer Stelle wirkt das gesprochene Wort wie eine reine Fantasiesprache, ohne dabei das Geschehene, den Hintergrund lächerlich wirken zu lassen.

Unser Fazit

90 %

Mit Valiant Hearts: The Great War ist Ubisoft Montpellier ein Glanzstück gelungen, ein kleines Meisterwerk, dass ohne Zweifel seines Gleichen sucht. Die Geschichte der fünf Protagonisten (vier Menschen, ein Hund) ist stimmig erzählt und hat alles, was es braucht, um sich „voll abholen zu lassen“. Geboten wird eine Achterbahnfahrt an Gefühlen, die von den handgezeichneten Figuren glaubhaft als auch überzeugend transportiert werden. Valiant Hearts ist eine ästhetische als auch historisch fundierte, spielbare Comic-Reise in eine Zeit voller Schrecken, Tod und Leid, an deren Ende jedoch stets die Hoffnung steht, dass die Liebe immer die stärkere Macht sein wird.

Pro

  • + stimmige Optik
  • + gute Steuerung
  • + Sammelobjekte mit vielen Infos
  • + zahlreiche Hintergrundinformationen zum 1. Weltkrieg
  • + sympathische Figuren, mit denen man mitfühlt
  • + stilvolle Begleitmusik
  • + trickreiche, stets faire Rätsel
  • + faires Checkpoint-System
  • + gelungene deutsche Sprachausgabe

Kontra

  • - nichts!

Unsere Bewertung

Grafik
 
90 %
Sound
 
95 %
Steuerung
 
90 %
Gameplay
 
95 %
Multiplayer
 
00 %
Spielspaß
 
90 %

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Leben, lieben, lachen – spielen! Die Pixel und ich sind seit Anfang der 80er Jahre beste Freunde. Mit einem Schneider CPC fing alles an – der Rest ist Geschichte ^-^ Ich mag sie - fast - alle: J-RPGs, Shooter, Action, Adventure, Puzzle… Bei der Achievement/Trophy-Jagd helfe ich euch gerne, selbst sind sie mir nicht so wichtig ;-) Außerdem liebe ich Katzen, mag Action- & Horror-Filme, bin ein Netflix- /US-Serien-Addict und Musik (Metal, 80er, Dance, Oldies, etc.) ist das Nonplusultra (für mich ;-))!

Kommentare

  • Porky sagt:

    Würde das ja gerne zocken, war auch für die PS3/PS4 angekündigt doch weder im PSN-Store, auf Uplay, Amazon oder sonstwo ist es für diese Plattformen gelistet…

  • R00ney1988 sagt:

    Porky, auf der offiziellen Valiant Hearts Webseite wird es gelistet:

    http://valianthearts.ubi.com/game/en-GB/home/

    Und wenn es dich beruhigt, im Moment ist es auch auf dem Xbox Marktplatz noch nicht zum Download freigegeben. Das taucht heute sicher noch im Store auf :)

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