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This War of Mine: The Little Ones – Test / Review

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Veröffentlicht 24. April 2016 | 14:52 Uhr von Alexander Winkel

This-War-of-Mine-The-Little-Ones-Artwork

Bereits vor einiger Zeit entführte der polnische Entwickler 11bit Studios die PC Spieler in den bitteren, von Krieg und Angst geschürten Alltag von Zivilisten, die sich mit Mühe und Not  durch die harte Zeit schlagen und einfach nur versuchen den Albtraum zu überleben. Das thematisch äußerst brisante wie auch stets aktuelle Spiel fand Anfang des Jahres seinen Weg auf die Konsolen und erweitert den Schrecken des Krieges mit unschuldige Kinder, deren Weltbild gänzlich zunichte gemacht ist.

This War of Mine: The Little Ones  ist in aller erster Linie sicherlich ein wenig Gesellschaftskritik und führt kompromisslos vor Augen, wie es Zivilisten in den gnadenlosen Bürgerkriegen ergeht. Welche Ängste sie erleiden. Welche Gefahren sie in Kauf nehmen. Aber auch welche moralisch verwerflichen Entscheidungen sie gegebenenfalls treffen, um sich oder die Geliebten nur irgendwie durch die Schreckenszeit zu bringen. Wenn der Hunger die Gemüter bricht, wenn Krankheiten Freunde und Bekannte in die Knie zwingt, kann man sich da selber in Zaum halten und noch menschlich vor allem mit Fremden umgehen, oder vergreift man sich, wohl wissend wie falsch es sein mag, an den Vorräten anderer Überlebender? Auch ich stand vor der bitteren Aufgabe, meine Kleine im Versteck zu schützen, sie zu ernähren und musste doch einem älteren Ehepaar ein paar Konserven stibitzen, damit uns der Hunger nicht dahin raffte. Wofür das alles? Denn in der nächsten Nacht wurden all die Mühen zunichte gemacht, als unsere bescheidene Behausung angegriffen wurde.

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Alltägliches, was sich in This War of Mine tatsächlich abspielen wird. Leicht ist der Titel keineswegs, einerseits aufgrund der Thematik und damit verbundenen Konfliktpunkten, andererseits, da die per Zufall generierte Welt extrem unwirtlich ist und der Krieg somit seinen düstersten Schatten über die Gruppe Überlebender ausbreitet. Eine Gruppe lebend in einer bescheidenen Baracke. Meist ein heruntergekommenes Haus. Löcher in den Decken aufgrund des Bombardements und eingefallenen Wänden. Dennoch soll diese Bleibe für die Truppe das Zuhause werden, bis der Schrecken des Krieges nach einigen Wochen hoffentlich vorbei ist. Diese bescheidene Bleibe wird eingerichtet, repariert und für den Winter fest gemacht. Nach dem erstmaligen Spielen, kann man jederzeit im Hauptmenü ein neues Szenario anlegen. Wie viele Tage soll gespielt werden? Kommt der Winter und wenn ja, wie heftig fällt dieser aus? Wie aggressiv zeigen sich die anderen Überlebende? Welche Gebiete sollen gespielt werden? Der Spieler kann sich das ganz individuell zusammenbauen.

Der Ablauf bleibt aber dem Zufall überlassen, ob und wann Gefahr droht und was man in den einzelnen Gebieten tatsächlich vorfindet. Tagsüber kümmert man sich um die Mitbewohner, redet beruhigend auf diese ein, verarztet die Wunden oder baut sich simple Liegen und Stühle aus Trümmern und Ressourcen, die man zunächst in seinen eigenen vier Wänden findet, alsbald aber nur noch über Plünderungen in der Nacht und durch den Tausch mit anderen Überlebenden ergattern kann. Einer der wichtigsten Ressourcen ist Nahrung und Wasser, als auch Dinge, welche die Moral der Überlebenden steigern können. Denn nicht nur auf unser Gemüt haben die Ereignisse Einfluss, auch die Mitbewohner werden in Schock starre verfallen, demoralisiert und verlieren gar den Glauben am Leben, wenn Freunde und Bekannte verletzt werden, diese gar nur noch Tod aufgefunden werden können, oder aber sich für unmoralisches Vorgehen entschieden haben. Es ist stets ein abwägen, ob schlechtes einem gutes tut oder den Charakter verdirbt.

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Ganz besonders betroffen dabei sind die Kinder, welche eine Erweiterung des Spielerlebnisses für die Konsolen darstellen. Diese bedürfen besonderer Aufmerksamkeit. Sie wollen spielen, beteiligen sich aber durchaus auch an den Arbeiten. Man kann versuchen, diese von den Ereignissen des Krieges weitestgehend fern zu halten und damit den Schrecken dessen abzuwenden, oder macht sie stark für das, was in den kommenden Tagen und Wochen auf sie zu kommen wird. Sie sind lernfähig und können unter Umständen auch arbeiten abnehmen. Nichts desto weniger ist es herzzerreißend, wenn die Kleinen heulend in der Ecke sitzen, in die Schule wollen und die Geschehnisse einfach nicht verstehen. Noch schlimmer, wenn diese gar ihre Eltern verlieren und apathisch die Räume abklappern.

Es ist unglaublich, wie feinfühlig und emotional der Überlebenskampf herüber kommt. This War of Mine setzt dabei auf eine düstere, schlichte Darstellung, welche an Comics erinnert und dennoch den Schrecken des Krieges gut einfängt. Begibt man sich in den Garten, kann man in der Ferne die Explosionen von Granaten und Bomben sehen. Beständig ist der Lärm von Gewehren zu hören und der Tag scheint so düster wie die Nacht zu sein. Der Stil des Spiels ist wirklich schön umgesetzt und unterstreicht die beklemmende Stimmung.

Die Handhabe auf den Konsolen wiederum ist aber etwas gewöhnungsbedürftig. Viele interaktive Objekte lassen sich oft nur mit Mühe und Not anvisieren und aktivieren, so auch wenn man zum Beispiel Gespräche anfangen möchte, aber die Werkbank oder ähnliches in unmittelbarer Nähe ist. Auch der Weg über Treppen hinweg in die oberen oder unteren Stockwerke ist verzwickt, lauft der Charakter auch gerne mal daran vorbei. Wer zudem einen kleinen Fernseher hat, wird über recht kleine Schriften klagen. Sowohl die emotionalen Ausbrüche der Überlebenden, immer als Sprechblase über den Charakteren dargestellt, als auch diverse Menüs und Auswahlmöglichkeiten sind derart winzig, dass die Augen unglaublich überanstrengt werden. Der Ursprung des Spieles vom PC lässt sich nicht leugnen und spielt man den Titel an einem Monitor, etwas näher davor sitzend, so ist auch alles wunderbar erkennbar.

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Unser Fazit

85 %

This War of Mine hat nichts von seiner Faszination verloren und liefert mit The Little Ones noch bedrückendere Eindrücke des Kriegsalltags, der sich abseits der Battlefields und Call of Dutys in den zerstörten Straßen und Gassen der Städte abspielt. Ein Antikriegsspiel, welches unglaublich gut die Emotionen überliefern kann und den Spieler genauso wie die Charaktere im Spiel bis an die moralischen Grenzen treibt. Wenn Hunger und die Angst um seine Geliebten den Nährborden liefern, vergreift man sich nicht nur im Ton, sondern auch an Ressourcen anderer Leidensgenossen. Ein Konflikt, der ganz alltäglich in der Welt von This War of Mine ist. Spielerisch ist der Titel auch auf den Konsolen auf einem hohen Niveau. Dank der per Zufall generierten Welten verläuft jeder Überlebenskampf auch ein wenig anders und damit bietet der Titel einen sehr hohen Wiederspielwert. This War of Mine: The Little Ones ist auf jeden Fall ein kleiner Geheimtipp und sehr spielenswert!

Pro

  • + Gelungenes Artdesign, welches gekonnt den Schrecken des Krieges einfängt.
  • + Sehr emotionale Darstellung der Charaktere mit all den Facetten, die der Krieg mit sich bringt.
  • + Deutlich ist dieses Erlebnis intensiviert durch die Kinder, die unschuldig den Alltag erleben und so gar nicht verstehen, was nun los ist.
  • + Anspruchsvolles Ressourcen-Spiel, welches zu einem Überlebenskampf wird mit beständiger Angst um seine eigenen Geliebten und Habseligkeiten.
  • + Zufallsgenerator liefert beständig neue Elemente und somit hohen Wiederspielwert.

Kontra

  • - Etwas umständliche Handhabe auf den Konsolen.
  • - Teilweise extrem kleine Schriften, die auf kleinen TV Geräten die Augen überanstrengen.
  • - Keinerlei Sprachausgabe, alles nur über Textboxen und Sprechblasen.
  • - Nicht selten ist das Spiel noch vor Ende des Krieges zu Ende, weil Charaktere sterben und die Moral zusammenbricht.

Unsere Bewertung

Grafik
 
80 %
Sound
 
80 %
Steuerung
 
80 %
Gameplay
 
85 %
Multiplayer
 
00 %
Spielspaß
 
85 %

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Aufgewachsen mit der ersten Nintendo-Konsole, fühlt sich Alexander Winkel eigentlich auf allen Plattformen heimisch. Trotz seiner offensichtlichen Hingabe zur Xbox – die vielen Gamerscore Punkte erspielen sich nicht von selbst – lässt er seine Schreibwut an allen Videospielen aus, unabhängig vom System.

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