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Watch Dogs 2 – Test / Review

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Veröffentlicht 2. Dezember 2016 | 18:27 Uhr von Ricky

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Was macht ein Entwickler, wenn der erste Teil einer Serie den Spielern zu ernst und zu düster ist? Richtig, sie verkehren den Nachfolger so gut wie ins Gegenteil. Ergo flog das Düster raus, das Ernste hat auch die Biege gemacht, sodass Ubisoft damit die größten Kritikpunkte des ersten Teils ausgemerzt hat. Folglich wandelt Watch Dogs 2 auf ganz anderen Pfaden und ja, es ist bunt, es ist hell, es ist Flower-Power-San-Francisco-Zeit… jedenfalls fast.

Während ihr mit Aiden Pearce im ersten Watch Dogs noch seinen persönlichen Rachefeldzug durchlebt habt, schlägt Marcus Holloway, hauptberuflicher Held in Watch Dogs 2, etwas andere Wege ein. Und, es fand nicht nur der Protagonistenwechsel statt, auch die Örtlichkeit, in der ihr euch austoben könnt, springt, wenn man so will, von der US-Amerikanischen Ost- an die Westküste oder anders: Chicago ist Geschichte, es lebe San Francisco.

Marcus Holloway  ist Mitglied der Hackertruppe DedSec und es gilt Blume und damit das Überwachungssystem CtOS zu Fall zu bringen. CtOS wird von der Firma Blume als der Heilbringer schlechthin beworben, doch Blume möchte damit nicht das Leben an sich einfacher gestalten, sondern komplette Kontrolle und vor allem so viele Daten wie möglich von der Bevölkerung zusammensammeln. Was sich wie eine düster gestaltete Zukunft a la George Orwell und Konsorten anhört, ist, gemessen diverser aktueller Geschehnisse, leider und in der Tat nicht allzu weit hergeholt. Aber Ubisoft reagiert in Watch Dogs 2 mit, zugegeben, sehr viel Augenzwinkern auf derartige Ereignisse und verpackt selbige mit einer durchaus gelungenen Humor-Schleife. Von Google über Tesla bis hin zu Scientology tauchen die verschiedensten Unternehmen mit abgeänderten Namen im Spiel auf. Sogar Ubisoft hat sich nicht ausgenommen und nimmt sich selbst auch etwas auf die Schippe. Und selbst TV-Serien wie das gute alte Knight Rider kommen in Watch Dogs 2 nicht ungeschoren davon.

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Neben Humor ist auch die Kreativität und die, sagen wir, künstlerische Freiheit, bei Ubisoft nicht zu kurz gekommen. Die Gestaltung von San Francisco orientiert sich zwar an der real existierenden und am Pazifik gelegenen US-Amerikanischen Westküstenstadt, allerdings folgt die geographische Ausrichtung einer Art freien Interpretation. Verschiedene Stadtteile und Sehenswürdigkeiten befinden sich nicht an den Orten, wo man diese real vorfindet. Beispielsweise wurde die berühmte „Lombard Street“ mit ihrem super kurvigen Abschnitt viel zu weit im Süden der Spielwelt platziert, sodass diese im Spiel eben nicht in den Telegraph Hill Blvd übergeht, welcher wiederum zum Coit Tower führt. Auch Japantown weicht deutlich von seiner tatsächlichen Position ab und die Umgebung des wohl berühmtesten Postkartenmotivs der Welt, die Painted Ladies, hat nur wenig mit dem realen Vorbild gemein. Derlei Abweichungen gibt es noch so einige mehr in Watch Dogs 2, sodass zwar ein durchaus gelungenes San Francisco erwartet werden darf, aber eben kein effektiv realitätsnahes.

Trotz dieser kleinen, wenn man will, Unzulänglichkeiten gibt es in der Open-World von Watch Dogs 2 nichts desto weniger einiges zu entdecken. Gut gefällt uns, dass Ubisoft von seinen bisherigen Routen abgewichen ist und die Spielwelt nicht mehr erst nach und nach aufgedeckt werden muss. Die „Straßen von San Francisco“ stehen von Anfang an komplett zur Erkundung bereit ebenso wie ein Schnellreisesystem, und auch das ist definitiv eine gute Sache.

Der Einstieg in Watch Dogs 2 ist gegenüber dem ersten Teil deutlich einfacher. Dafür sorgt auch die überarbeitete und vereinfachte Steuerung, die dem Spiel zweifelsfrei zugutekommt. Alle Funktionen und Möglichkeiten werden ausführlich erklärt und sämtliche Tutorials können auch nachträglich über das Smartphone im Spiel aufgerufen werden. Dabei zeigt sich auch, dass das Smartphone von Marcus Holloway das wichtigste Werkzeug im Spiel ist. Ihr findet darin nicht nur die Karte der Spielwelt in Form der Nudle Maps-App, sondern steuert auch sämtliche Hacking-Aktivitäten darüber. Zusätzliche Funktionen lassen sich über den enthaltenen App-Laden ergänzen. So könnt ihr nicht nur fahrbare Untersätze, welche ihr gekauft habt, jederzeit anfordern, sondern auch wieder die aus dem Vorgänger bekannte SongSneak-App nutzen. Der Ubisoft-Club hat seine eigenen Apps im Spiel erhalten. Ihr könnt darüber nicht nur die Belohnungen des Clubs anschauen, sondern auch ergänzende Herausforderungen aktivieren, um zusätzliche Follower zu gewinnen.

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Und schon sind wir beim Hauptthema von Watch Dogs 2, den Followern, angekommen. Durch das Erledigen der zahlreichen Haupt- und Nebenaufgaben werden Follower gewonnen, welche nicht nur das Weiterkommen im Spiel sichern, sondern sie dienen auch dazu Forschungspunkte zu erhalten. Diese Forschungspunkte wiederum werden zum Freischalten zahlreicher neuer Fähigkeiten benötigt. Nebentätigkeiten, wie das gefürchtete Trinkspiel aus dem Vorgänger, sind Gott sei Dank nicht mehr enthalten. Stattdessen gilt dieses Mal Informanten zu finden, um neue Nebenaufgaben freizuschalten. Außerdem müsst ihr Fotos von Sehenswürdigkeiten knipsen oder hin und wieder ordentlich Gas geben beim Absolvieren von verschiedensten Rennen. Im Angebot sind unter anderem eKart-Races oder auch Motocross-Rennen. Aber nicht nur in den Rennen stehen verschiedene Fahrzeuge zur Verfügung, auch in der offenen Spielwelt kann alles gestohlen oder manipuliert werden, was fahren kann. Hierbei wurde ebenfalls die Fahrzeugsteuerung überarbeitet und wirkt jetzt um einiges Arcade-lastiger und damit auch griffiger und besser als noch im ersten Teil.

Wer in die geheimsten Winkel der Spielwelt vordringen möchte, sollte immer mal wieder Gebrauch von der neu ins Spiel integrierten Drohne oder auch dem ferngesteuerten Fahrzeug (Jumper) machen. Auf diese Weise könnt ihr Stellen im Spiel erreichen, welche für euren Spielcharakter selbst tabu sind. Und auch zum Hacken werdet ihr beide Gerätschaften mehr als nur einmal während des Spielverlaufs benötigen.

Generell gilt in Watch Dogs 2 auch, dass ihr keinen Gegner wirklich töten müsst, um effektiv voran zu kommen. Viel wichtiger ist stattdessen sich richtig umzuschauen und mehr oder weniger offensichtliche alternative Wege zu suchen. Nutzt dafür die NetHack-Funktion, um die Umgebung zu scannen. Eine Art Infrarotsicht zeigt alle wichtigen Punkte in eurer Umgebung an, sodass sich immer wieder neue bzw. andere Wege auftun. Richtet ihr euren Blick häufiger nach oben, dann könnt ihr nicht selten einen der vielen Kräne im Spiel für eure Zwecke nutzen, um beispielsweise völlig unentdeckt auf die oberste Etage eines Gebäudes zu gelangen. Solltet ihr dennoch mit Gegnern konfrontiert werden, hängen deren KI-Aktivitäten sehr stark vom eingestellten Schwierigkeitsgrad ab. Spielt ihr auf der leichtesten Stufe, werden die Widersacher erst sehr viel später auf euch aufmerksam. Spiel ihr auf höherem Schwierigkeitsgrad, werdet ihr auch wesentlich leichter entdeckt, selbst wenn ihr noch so vorsichtig unterwegs seid. Müsst oder wollt ihr Gegner ausschalten, könnt ihr das im direkten Nahkampf erledigen oder auf eine der verfügbaren Waffen, unter anderen eurer Elektroschockwaffe, zurückgreifen. Weiterhin könnt ihr andere Schießeisen entweder im DedSec-Hauptquartier am 3D-Drucker herstellen oder von erledigten Feinden aufnehmen.

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Wer auf den Konsolen ein grafisches Meisterwerk erwartet, der muss leider enttäuscht werden. Die Watch Dogs 2-Optik wirkt zwar gesamt besehen sehr sauber, ansprechend und vor allem überaus detailreich – dafür definitiv ein „Daumen hoch“, aber hin und wieder zeigen sich dann eben doch unschöne Pop-Ups oder auch Texturschwächen. Ein leichtes Kantenflimmern ist ebenfalls mancherorts zu entdecken und je nach Umgebung fällt es mal mehr, mal weniger auf. Gesamt besehen haben wir es jedoch während unseres San Francisco-Trips als nicht wirklich störend empfunden. Begeistert sind wir zweifelsfrei von der Weitsicht im Spiel, die zu genießen sich lohnt, vor allem wenn man auf dem höchsten Punkt der Golden Gate Bridge steht oder vom Coit Tower aus in die Bay blickt. Ruckeln oder gar drastische Framerate-Einbrüche konnten wir nicht feststellen – gut so!

Ein Lob verdient auch die Vertonung des Spiels, welche entweder komplett in deutscher Sprache bereit steht oder alternativ in Englisch genossen werden kann. Ihr könnt die Sprachausgabe und die Anzeigentexte auch in unterschiedlichen Sprachen einstellen. So lässt sich die aus unserer Sicht bessere englische Sprachausgabe simpel mit deutschen Texten und Untertiteln verbinden. Wer auf Musik steht, bekommt nicht nur die eigens für Watch Dogs 2 erstellten Musiken zu hören, sondern kann auch seine eigene Trackliste mit bekannten Künstlern aus dem Autoradio oder über das Smartphone aktivieren.

Der aus dem Vorgänger bekannte Mehrspieler ist in Watch Dogs 2 ebenfalls wieder mit von der Partie. Erledigt DedSec-Events, macht den Kopfgeldjäger-Modus unsicher oder versucht euch in Online-Koop-Operationen.

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Unser Fazit

83 %

„If you’re going to San Francisco … be sure to wear some Flowers in your hear“… ok, ok, wir wollen es mal nicht übertreiben, aber, die Reise ins virtuelle, fast richtige San Francisco lohnt sich auf jeden Fall. Oder anders ausgedrückt: Watch Dogs 2 ist gut – Punkt! Ein weiteres Plus: Ihr müsst den ersten Teil nicht gespielt haben, um klar zu kommen. Veteranen als auch im Besonderen Neulinge werden sich sehr schnell zurechtfinden, da Watch Dogs 2 sehr Einsteiger-freundlich gestaltet wurde und sich im Ganzen als sehr zugänglich erweist. Hinsichtlich des Spielumfangs gibt es nichts zu meckern, ist dieser doch als angenehm groß zu beschreiben, zumal es immer wieder etwas zum Entdecken als auch zum Erledigen gibt. Die generell eher kleineren optischen Mankos lassen sich mehr als nur verschmerzen und fallen unterm Strich kaum ins Gewicht. Einzig der zumeist sehr platte Humor des Spiels sowie die häufig oft das gleiche plappernden Kollegen oder Passanten, können dem einen oder anderen mit der Zeit vielleicht etwas viel werden. Am Ende liefert Ubisoft nichts desto weniger ein Spiel ab, das sich nicht allzu ernst nimmt, in dem es viel zu erledigen gibt und bei dem Spaß, trotz partieller Flachwitze, nicht zu kurz kommt. Wer damit etwas anfangen kann, ist mit Watch Dogs 2 ganz sicher bestens bedient.

Pro

  • + großer Spielumfang
  • + stabile Framerate
  • + verbesserte (Fahrzeug-)Steuerung
  • + viel Humor (wenn auch manchmal recht platt)
  • + optisch ansprechend
  • + kurze Ladezeiten
  • + San Francisco wiedererkennungswert vorhanden

Kontra

  • - banale Story
  • - kleinere Texturschwächen und Pop-Ups
  • - Mehrspieler mit Verbindungsproblemen
  • - schwache deutsche Synchronisation

Unsere Bewertung

Grafik
 
87 %
Sound
 
83 %
Steuerung
 
82 %
Gameplay
 
82 %
Multiplayer
 
75 %
Spielspaß
 
85 %

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