Witcher 2: Assassins of Kings - Review - insidegames

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Witcher 2: Assassins of Kings – Review

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Veröffentlicht 27. Mai 2011 | 21:41 Uhr von Keysjore

Letzte Änderung 2. Juli 2012

The Witcher - 03

In „The Witcher 2: Assassins of Kings“ wird ein neues Kapitel über die Geschichte des Hexers Geralt von Riva aufgeschlagen. The Witcher 2 verspricht eine farbintensive brachiale Spielwelt mit einer atmosphärisch dichten Story, die erzählerische Maßstäbe setzen will. Ich habe mich mit dem alten Graukopf Geralt in die mystische Welt von The Witcher 2 gestürzt. Kann der zweite Teil von Entwickler CD Projekt dem großartigen Vorgänger gerecht werden?

The Witcher 2 führt euch auch dieses Mal wieder in eine düstere Fantasy-Welt, in der Raub, Mord, Krieg und Vergewaltigung an der Tagesordnung sind. Die Welt ist zerrissen: Zwerge und Elfen vegetieren als ärmliche Bürger dritter Klasse dahin oder ringen als Guerillakrieger gegen die menschlichen Unterdrücker. Das Abenteuer beginnt mit einem hervorragend inszenierten Prolog. Ähnlich wie in Dragon Age 2 befindet sich unser Held in einer rätselhaften Misere. Der Hexer wird von einem Mann namens Vernon Roche angeklagt und muss sich in Ketten gelegt rechtfertigen, bevor man das Erzählte spielen kann. Im Gegensatz zu den Kollegen von BioWare nutzt CD Projekt RED diesen dramaturgischen Kniff nur für den Prolog, ab dem ersten Akt springt man von der Erzählperspektive in die Gegenwart des Hexers. Nach der Rückblende, in dem Geralt seinen Königskumpel Foltest zu einer hitzigen Belagerungsschlacht begleitet hat, folgt der erste der drei Story-Akte. Im heruntergekommenen Dorf Flotsam beginnt die eigentliche Geschichte: Der grauhaarige Hexer jagt einen Glatzkopf, der Monarchen meuchelt. Das Erzähltempo bleibt konstant hoch, gut geschriebene und vertonte Dialoge sowie filmhafte Zwischensequenzen treiben die wendungsreiche Handlung voran. Trotz der straffen Regie und der dichten Erzählungsart, wird man von der gewaltigen Geschichte des Hexers, aus der Feder von Andrzej Sapkowski, schnell überfordert: Temeria, Kaedwen, Aedirn? Scoia’tael, La Valette, Yrden und Dh’oine? Blaue Scherpen und Anderlinge? Wer kämpft hier eigentlich gegen wen? The Witcher 2 liefert einem das Gut und Böse-Schema nicht einfach auf dem Silberteller. Hier zeigt der Titel sich von einer sehr intensiven Seite wie es für gute Rollenspiele üblich ist. Wer die angenehme rätselhafte Story verstehen will muss in die Welt eintauchen, sollte also alle Texte lesen und vor allem die gezeichneten Rückblicke beachten. Auch wenn am Anfang die machtpolitische Klarheit sehr nebulös erscheinen mag, schafft es der Entwickler durch viele unterschiedliche erzählerische Möglichkeiten dem aufmerksamen Spieler die Geschichte näher zu bringen. Es lohnt sich The Witcher 1 vor dem zweiten Teil zu spielen, nicht nur aufgrund der epischen Geschichte, sondern auf für das Verständnis der Charakterentwicklung und der Bedienbarkeit eurer Fähigkeiten. Der Prolog kann als Tutorial nicht gänzlich überzeugen.

Non-stop Action!

Nach dem actiongeladen Prolog, samt Belagerung und Drachenangriff, beginnt auch der zweite Akt vor einer famosen Schlachtenkulisse: Gemeinsam mit einigen Recken durchquert unser Hexer ein Schlachtfeld, auf dem sich zwei Geisterheere bekriegen. Im zweiten Akt lässt das Erzähltempo etwas nach um der Geschichte und den Nebenaufgaben mehr Freiraum zu ermöglichen. So schlüpft ihr zwischendurch in andere Personen, z.B. in das Gedächtnis eines getöteten Attentäters, um deren Erinnerungen zu durchleben. Diese Rollenwechsel sind nicht nur ein cleverer Erzählkniff, sondern lockern auch die Geschichte abwechslungsreich auf. Die lebendigen Haupt- und Nebenfiguren zählen zu den interessantesten Elementen des Spiels. Geralt trifft durchweg auf markante Charaktere, die alle ihre eigene Geschichte und Sorgen haben. Schade, dass The Witcher 2 es hier nicht schafft mehr auf die Hintergründe und Motive der Personen einzugehen. Bestenfalls erfährt man etwas zwischen den Zeilen oder in Tagebuch-Einträgen. Wer ein besseres Bild zu den zahlreichen Anspielungen haben will, sollte den Vorgänger gespielt haben. Die wichtigen Charaktere und ihre Motivation lernen aber auch Geralt-Neulinge rasch kennen. Aber nicht nur die Hauptgeschichte bietet euch verschiedene Lösungswege und Gabelungen, sondern auch die meisten Nebenquests. In Vergen etwa, wird Geralt zum Privatdetektiv und untersucht eine Mordserie an Männern. Die Spur führt dabei auf einen Sukkubus. Die dämonische Schönheit behauptet, die Opfer zwar verführt, aber nicht getötet zu haben. Niedermetzeln oder nach weiteren Beweisen suchen? Auch hier bleibt dem Spieler die komplette Entscheidungsfreiheit. Allerdings wirken sich die meisten Handlungen der Nebenaufträge nicht auf die Story aus, bieten aber dennoch allerhand interessante Geschichten, die dank der Gabelungen, auch an großem Umfang gewinnen können. Aber auch einige Hauptmissionen bringen Abwechslung in den Hexer-Alltag. Neben etwas weniger originellen Schleicheinlagen, bei denen ihr Fackeln löschen und unbedarfte Wachen eliminieren müsst, bieten einige Abschnitte Kreativität und Humor. Wie z.B. im zweiten Akt, wo König Henselt ein Schutzsymbol auf den Boden zeichnen muss. Da jedoch nur unser Hexer Geralt das richtige Muster kennt, müssen wir zum Lehrmeister werden und dem Herrscher erklären wie er die Linien ziehen soll. Dennoch kommen pompöse Bosskämpfe auch in The Witcher 2 nicht zu kurz. Nach jedem Kapitel wartet ein schön inszenierter Bosskampf auf euch. Hier ist nicht nur eine gute Reaktionsfähigkeit gefragt, sondern auch Geduld: Z.B. das Gefecht gegen die riesige Tentakelkreatur Kayran ist im ersten Anlauf fast nicht zu gewinnen. Hier baut The Witcher 2 zu sehr auf Try and Die. Taktische Kämpfe werden so oft zu reinem Auswendiglernen oder Glücksspiel.

Das war’s schon?

Ein kurzer Paukenschlag. Ausgerechnet das große Finale schwächelt in The Witcher 2. Während die ersten beiden Akte je über zehn Stunden dauern, ist der dritte schon nach ca. drei Stunden vorbei. Es gibt kaum noch anspruchsvolle Haupt- und Nebenaufträge. Die kleine Ruinenstadt, in der Akt drei spielt, steckt voller Türen, die sich nicht öffnen lassen. Obwohl die Handlung interessant bleibt, merkt man deutlich, dass die Entwickler keine Zeit mehr hatten um das Areal komplett auszufüllen. Es stellt sich die Frage, ob dies ein bewusstes zügiges Abbrechen der Handlung ist für eventuelle, kommende Add-Ons. Denn auch das Ende lässt viele Fragen offen und hinterlässt ein ungesättigtes Gefühl. Keine Rückblenden, keine Rollenwechsel, keine Zwischensequenzen, nur ein langes, statisches Gespräch. Da hätte die starke Geschichte von The Witcher 2 deutlich mehr Potenzial zugelassen. Wichtige Charaktere tauchen entweder gar nicht mehr auf oder werden lieblos abserviert. Viele Handlungsstränge bleiben unvollendet zurück. Allerdings sollte man bei The Witcher 2 nicht vom »Ende« sprechen, sondern von »den Enden«. Je nachdem wie ihr im Spielverlauf von The Witcher 2 vorgeht, verläuft das Ende ein wenig anders. Leider ändern die unterschiedlichen Enden nichts an der lieblosen Inszenierung, auch die unterschiedlichen Storyzweige schließen immer offen ab. Dennoch reizen die unterschiedlichen Storyverläufe zum mehrmaligen Durchspielen, denn viele Handlungen haben gravierende Einflüsse auf die Entwicklung der Geschichte von Geralt. So habt ihr zum Beispiel im ersten Akt die Wahl zwischen zwei Fraktionen, die ausschlaggebend sind für das Startgebiet des zweiten Akts. Ins Heereslager des Königs Henselt oder in die Zwergenstadt Vergen, die der Monarch belagert? Je nachdem wie ihr euch entscheidet, bleibt ein Gebiet für euch gesperrt mit samt allen Aufträgen. Genau solche spürbaren Entscheidungen prägen die Witcher-Faszination und den Wiederspielwert.

Ein Mann, ein Charakter

Anders wie in dem großen Genrevertreter Oblivion, spielt man in The Witcher einen festangelegten Charakter der vorgefertigte Stärken und Schwächen hat. Rollenspieler müssen mit einigen Abstrichen rechnen, was die freie Entwicklung des Helden betrifft. Auch wenn man keinen Spielstand von The Witcher 1 in den zweiten Teil überträgt ist Geralt ein mächtiger Kriegermagier, der Schwert und Hexerei beherrscht. Die Option eine Klasse wählen oder komplett spezialisiert zu spielen bleibt daher gänzlich aus. Hier macht sich der starke Adventure-Teil in The Witcher 2 deutlich: Die Charakterentwicklung bleibt eindimensional und das Leveldesgin gibt meistens den Spielstil vor. Nur ganz selten kann man bestimmen, wie man vorgeht. Schade, denn genau hier hätte man sehr gut eine Entwicklung der Persönlichkeit von Geralt einbinden können. Geralt kann von Beginn an ohne Probleme jeden Gesprächspartner einschüchtern und überzeugen – man muss weder Charisma noch Rhetorik oder arkane Beeinflussungen verbessern, um in Dialogen diese Möglichkeiten auszunutzen; es geht sofort.

Schön, schöner, The Witcher 2

Grafisch merkt man die gigantische Entwicklung von The Witcher zu The Witcher 2. Anders wie in dem grauen, leicht vernebeltem Vorgänger, sticht The Witcher 2 mit satten Farben hervor. Detaillierte ästhetische Charaktere, atemberaubende Landschaften, flüssige Animationen und brachiale Effekte heben Geralts zweites Abenteuer aus der Konkurrenzmasse heraus. Noch nie habe ich mich in einer Spielwelt so heimisch gefühlt. Auch wenn The Witcher 2 ein raues Spiel ist, verliert es jedoch nie seine Lebendigkeit. Auf den Straßen der Städte lungern jede Menge Zierbürger herum, die ihren alltäglichen Geschehen nachgehen. Dass darunter sich auch wieder einige Klone finden, erkennt man erst beim zweiten Hinsehen. CD Projekt beweist besonders ein Händchen für die Lichtstimmung und Farbgebung; traumhafte Panoramen sind schlichtweg atemberaubend. Kritik bleibt auf hohem Niveau, lediglich die Gesichtsanimationen in den Dialogen passen nicht immer zu den Emotionen und wirken etwas steif. Selten sind einige leichte Grafikbugs in der Spielwelt von The Witcher 2 zu finden. Der Soundtrack ist gelungen und schließt atmosphärisch an den ersten Teil mit seinen unverkennlichen Stücken an. Die deutschen Sprecher schaffen es dem grandiosen Original die Stirn zu bieten. Lediglich Geralt kommt betont knurrig rüber – im Vergleich klingt die englische Fassung da doch etwas authentischer. Wer unter Entscheidungsschwierigkeiten leidet, hat die Option jeder Zeit zwischen deutscher und englischer Sprachausgabe zu wechseln. Trotz dieser Funktion lassen sich wunderlicherweise keine Untertitel ausblenden, weder in Spieldialogen noch während den Cutscenes. Die Soundeffekte sind zweifelsohne erhaben, sowohl auf dem Schlachtfeld als auch in der Spielumgebung.

Unser Fazit

93 %

Endlich! Endlich mal wieder ein Spiel das ein richtiges Highlight darstellt! The Witcher 2 greift die Schwächen des ersten Teils auf, und setzt sie Sinnvoll um. Besonders künstlerisch und dramaturgisch hat The Witcher 2 einen Quantensprung in seiner Entwicklung gemacht. Das Spiel erreicht stellenweise ein filmisches Niveau und schlägt in der Inszenierung alles, was es in den letzten Jahren an Rollenspielen gab. Auch wenn The Witcher 2 einige Abstriche im RPG-Genre macht durch die Gebundenheit an Geralts Heldenepos, bringt es viele positive Charakter-Features mit sich: Drei Spezialisierungspfade und Mutagene als Talent-Upgrades ermöglichen Experimenten, wenn auch nur im kleinen Rahmen. Grafisch muss man wohl nicht mehr viele Worte verlieren, einfach traumhaft! Hier steckt Leben in der Spielwelt! Selten habe ich mich in RPG so wohl gefühlt wie in The Witcher 2, mit seiner düster und ernsteren Welt verbunden mit dem satten, farbvollen Effekten. The Witcher 2 schafft es sich in vielerlei Hinsicht aus der Konkurrenzmasse zu erheben. Schade nur, dass am Ende dem Epos die Puste ausgeht, bleibt nur zu hoffen das wir in naher Zukunft mit einem umfangreichen Add-On rechnen dürfen. The Witcher 2 gehört jedoch zu den besten Titel 2011 und hat das Potenzial zum Klassiker.

Pro

  • traumhafte Umgebungen
  • erstklassige Animationen
  • beeindruckende Lichteffekte
  • detaillierte Charaktere
  • grandioses Monsterdesign
  • ästhetisch Spielfiguren
  • dynamischer stimmungsvoller Soundtrack
  • wuchtige Surround-Kampfkulisse
  • hervorragende Sprecher
  • lebedinge Spielwelt
  • authentischer Hauptcharakter
  • stilvoll integrierte Sexszenen
  • erstklassig inszeniert Schlachten
  • cineastische Spielmomente
  • motivierende Geschichte
  • bombastische Endgegner
  • rund 30h Hauptstory
  • unterschiedliche Spielwege
  • sinnvolle Entscheidungsmöglichkeiten
  • hohe Wiederspielwert
  • zahlreiche Nebenquests
  • mehrere Enden
  • alle Fähigkeiten sinnvoll
  • drei Spezialisierungspfade
  • flotte Steuerung
  • taktische Möglichkeiten
  • mehr Item-Vielfalt als im Vorgänger
  • Alchemie
  • Upgrades für Ausrüstungsgegenstände
  • Crafting
  • vier Schwierigkeitsgrade
  • sehr übersichtliches Menü
  • gute Quest-Führung
  • Spielstände aus The Witcher übertragbar
  • nach Online-Aktivierung immer offline spielbar

Kontra

  • Überzeugungen im Dialog zu simpel
  • Balanceschwächen bei Zaubern
  • teils ungenau Maussteuerung
  • leichte KI-Aussetzer
  • viele unnütze Beutestücke
  • kein ordentlicher Fernkampf
  • schwacher dritter Akt
  • wenig Quests im dritten Akt
  • Diebstahl ohne Konsequenzen
  • schwache Stealth- Abschnitte

Unsere Bewertung

Grafik
 
100 %
Sound
 
100 %
Steuerung
 
85 %
Gameplay
 
95 %
Multiplayer
 
0 %
Spielspaß
 
88 %

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