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WRC 7 – Test / Review

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Veröffentlicht 25. September 2017 | 17:14 Uhr von Luca

WRC-7-Artwork

WRC 7 ist das offizielle Rennspiel der FIA World Rally Championship und bietet neben den Original-Lizenzen für 55 Teams der Junior WRC, WRC 2 und WRC Rallye-Action auf 52 Strecken in sämtlichen der dreizehn Ländern, in denen 2017 die FIA World Rally Championship stattfindet. Gegenüber dem Vorgänger enthält WRC 7 neu die 2017er WRC-Wagen, die 13 “Epic-Stages” mit bis zu 23 Kilometern Länge und 15 Minuten Fahrzeit, überarbeitete und herausfordernde Streckenführungen sowie eine verbesserte Fahrzeugphysik, und macht damit einen Schritt in Richtung Rallyesimulation.

Zu Beginn des Spiels müssen wir einige Fragen beantworten. Aufgrund unserer Antworten wird der Steuerungsmodus (Fahrstil) bestimmt. Es gibt insgesamt vier Stufen, von Amateur bis Simulation, welche bestimmen, ob Fahrhilfen aktiviert werden und ob manuell geschaltet wird. Sogleich werden wir in einen Wagen gesetzt und sollen unsere erste Wertungsprüfung bestreiten. Es folgt eine weitere WP, in welcher unsere Leistung bewertet wird, um die Schwierigkeit (was diese Schwierigkeit genau beeinflusst, wird nicht erklärt) und gegebenenfalls einen neuen Steuerungsmodus zu ermitteln. Die Einstellungen können jedoch weiterhin individuell angepasst werden.

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Nun werden wir im eigentlichen Spielmenü begrüßt, wo uns im Schnellzugtempo die verschiedenen Spielmodi erklärt werden. Es gibt mehrere Solo- und Mehrspielermodi. Für Letzteres gibt es wöchentliche Wettkämpfe mit Bestenlisten, Splitscreen, Hot Seat (zwei Spieler nacheinander am gleichen Gerät), sowie Online-Multiplayer mit der Möglichkeit eines schnellen Spiels sowie dem Erstellen und Suchen von Lobbys anhand konfigurierbarer Kriterien. Zu Beginn sollten wir uns jedoch ein wenig mit den Solo-Modi befassen. Dort können wir unsere Leistung erneut bewerten lassen oder ein schnelles Spiel starten. Dabei können wir aus sämtlichen Teams der Junior WRC, WRC 2 und WRC den gewünschten Fahrer mit seinem offiziellen Wagen sowie Ort, Strecke und Wetter auswählen. Zudem gibt es die Möglichkeit selbst eine Meisterschaft zu erstellen.

Das Herzstück von WRC 7 ist jedoch der Karrieremodus. Dazu wählen wir Namen und Nationalität unseres Fahrers – mehr gibt es nicht. Sogleich erhalten wir drei Vertragsangebote von Junior WRC-Teams. Diese unterscheiden sich in Erfahrung des Teams (z.B. 3 Jahre) und Vertragsdauer sowie gegebenenfalls den Rallyes, an denen teilgenommen wird. Zudem unterscheidet sich auch die Team-Philosophie. So können wir wählen, ob wir schnell am Ziel sein wollen, koste es, was es wolle, oder ob wir lieber vorsichtig den Wagen in einem Stück ins Ziel fahren wollen (was im Rallyesport oft lohnenswert ist). Halten wir uns dann an die Mentalität, steigt die Team-Moral und das Team arbeitet effizienter, etwa bei der Reparatur unseres Wagens.

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Nun geht es darum Rallyes zu fahren und Ziele zu erreichen, von denen es pro Rallye eines gibt. Die Ziele sind vom Schwierigkeitsgrad abhängig und könnten etwa lauten: “schlage die Gesamtzeit von Robert Duggan” oder “erreiche mind. den 2. Platz in einer Wertungsprüfung”. Motivieren sollen uns dabei auf unsere Performance reagierende News und Zeitungsartikel, welche unter dem Reiter “Medien” auftauchen, was ein nettes, aber schnell repetitives Gimmick ist. Haben wir eine gewisse Anzahl an Zielen erfüllt, erhalten wir am Ende einer Saison bessere Vertragsangebote, die uns, je nach Angebot, in die WRC 2 und später in die WRC bringen, wo wir gegen Sébastien Ogier und Co. antreten. Ein Rallye-Event, welches an einem der dreizehn Orten stattfindet, ist stets auf zwei oder drei Tage verteilt und enthält normale Wertungsprüfungen, Power Stages, Special- und Super-Special-Stages. Pro Land gibt es vier verschiedene Strecken, welche sich aber oft wiederholen, weil sie ineinander verkeilt sind. So hat Schweden eigentlich nur zwei Strecken, da neben der Super-Special-Stage die beiden Strecken “Torsby” und “Vargåsen” zusammen die Strecke “Knon” ergeben. Daher wird innerhalb einer Rallye die gleiche Streckenführung mehrmals wiederholt. Die Straßen sind im Vergleich zum Vorgänger deutlich enger und länger, was ebenso wie die oft wechselnden Untergrundbedingungen nicht nur für Abwechslung, sondern auch für eine Herausforderung sorgt, zumal sich etwa finnischer Schotter von jenem Sardiniens unterscheidet. Die Strecken mit Originalnamen wurden zwar nicht eins zu eins umgesetzt, meist können sie aber die Charakteristika ihrer Real-Life-Pendants einfangen. Am Ende eines Tages haben die Reparaturteams 45 Minuten Zeit den Wagen zu reparieren. Es kann nicht immer alles repariert werden, daher müssen wir Kompromisse eingehen. Wollen wir eine möglichst effiziente Reparatur, können wir diese per Knopfdruck einstellen. Ein willkommenes Feature, denn es dauert eine Weile, bis wir uns im Reparaturmenü zurechtgefunden haben.

Zudem haben wir, nachdem wir in die WRC 2 eingetreten sind, die Möglichkeit, Federung, Radaufhängung, Getriebeübersetzung, Differenziale und Bremsen zu tunen. Das Zurechtfinden dauert auch hier etwas, zumal die Auswirkungen bestimmter Optionen nur in einem im Schneckentempo von rechts nach links über den Bildschirm kriechenden Text erläutert werden. Die Auswirkungen auf das Handling sind meist spürbar, genauso wie die Wahl der Reifen. Mit weichen Reifen haben wir ein Spürchen mehr Grip, jedoch verschleißen und platzen diese auch schneller.

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In punkto Handling unterscheiden sich die Wagen stark voneinander. So ist es ein erlösendes Gefühl, nach dem Aufstieg in die WRC 2 nicht mehr an den zum Untersteuern verdammten Ford Fiesta R2 mit Frontantrieb gebunden zu sein. Die neuen Wagen der WRC 2017 wurden gut umgesetzt und fühlen sich, je nach Marke, etwas anders an. Allgemein macht WRC 7 mit dem Handling einen großen Schritt in Richtung Simulation. Die Wagen sind nicht einfach zu fahren und fühlen sich vor allem auf Schnee und Schotter sehr gut an. Lediglich auf Asphalt sind sie nur schwer zum Driften zu bringen, was Handbrake-Turns sehr schwierig macht, bis wir dann schließlich den Wagen tunen und die Handbremsstärke erhöhen können. Größter Kritikpunkt beim Handling sind die Kollisionen. Viele Objekte sind unzerstörbar, sodass etwa auf den engen Streckenführungen der ADAC Rallye Deutschland unser Auto durch die Luft gewirbelt wird, weil wir mit dem Heck eine Weinrebe gestreift haben. Gut, dafür dürfen wir gefahrlos durch mannshohe Büsche hindurchfahren. Es sei denn, wir kommen um einige Meter von der Strecke ab und erhalten eine Zeitstrafe.

Die Wagen sind mit sämtlichen Steuerungsarten gut kontrollierbar. Trotzdem erhalten wir nur schwer ein Gefühl für den Wagen, Geschwindigkeit und Gewicht des Wagens sind nicht wirklich spürbar. Zudem scheint es, dass die Lenkeingabe leicht verzögert ist, sodass die Steuerung sich etwas schwammig und unpräzise anfühlt, so auch bei der Dosierung von Gas- und Bremspedal. Aufgrund der vielen Einstellungsmöglichkeiten sollte aber jeder eine für sich passende Steuerung finden. Wer mit Lenkrad fahren will, muss etwas Zeit aufwenden und sich mit Beschleunigungs-, Brems-, sowie Lenkempfindlichkeit auseinandersetzen. Zudem sind die Lenkwinkel nur grob in 43-Grad-Schritten einstellbar, sodass die für heutige Rallyewagen üblichen 540 und 720 Grad nicht eingestellt werden können. Das Force-Feedback ist mittelmäßig.

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Grafisch bewegt sich WRC 7 im Mittelfeld. Die Sonnenstrahlen und Schatten sind wunderschön, die Landschaften sowie Wetter- und Lichteffekte ebenso authentisch wie die Staubeffekte. Die Wagenmodelle wurden sehr schön gestaltet. Sobald wir uns jedoch etwas aus der Nähe anschauen, sieht das Bild ganz anders aus. Besonders das Cockpit ist undetailliert, die Texturen sind grob, pixelig und verwaschen. Der Dreck auf der Windschutzscheibe sieht da schon etwas besser aus, bis dann mal wieder die komischen Sägezahnlinien auf der Scheibe auftauchen. Kaputtes Glas sieht irgendwie anders aus. WRC 7 läuft meist flüssig, jedoch kommt es zwischendurch vor, dass das Spiel für fünf Minuten ruckelt oder kurz einfriert, was frustrierend ist, weil man sich mit Pech nach dem Auftauen im nächsten Straßengraben befindet.

Das Schadensmodell wurde unbefriedigend umgesetzt. Immerhin werden die Zickzacklinien auf der Windschutzscheibe noch von kaputten Scheinwerfern und einem abgefallenen Stoßdämpfer begleitet, nachdem wir beinahe frontal mit 150 Sachen in einen der berüchtigten “Hinkelsteins” gerast sind. Zudem wird das Handling nur bei geplatzten Reifen und schweren Motor- oder Getriebeschäden wirklich beeinflusst.

Zuletzt zum Sound: spielen wir in der Außenansicht, hören sich die individuellen Motorgeräusche der Wagen relativ echt an. Es sei denn, die Motordrehzahl fällt unter einen bestimmten Wert, dann werden unsere Ohren von einem Geräusch, welches sich irgendwo zwischen Lichtschwert, Ufo und Kazoo mit Pitch-Shifter bewegt, beschallt. Das allgemeine auditive Feedback von Untergrund, Bremsen, etc. ist knapp befriedigend. Der Co-Driver klingt immer noch wie ein Roboter und nicht wie jemand, der sich in einem fahrenden Auto befindet.

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Getestete Version: PC (Steam)

Unser Fazit

78 %

WRC 7 hat sich gegenüber dem Vorgänger verbessert, einige Aspekte wie Sound oder Schadensmodell sind jedoch nicht zeitgemäß. Einige Schwächen wurden übernommen. Dagegen sind die neuen, engen und bis zu 23 km langen Strecken mit wechselnden Straßenbelägen eine große Herausforderung. Die Lichteffekte sind beeindruckend. WRC 7 ist für die Serie ein Schritt nach vorne, trotzdem gibt es noch eine Menge brachliegendes Potenzial. WRC 7 kann sich nicht ganz gegen die Konkurrenz durchsetzen, wird aber die echten, leidenschaftlichen Rallye-Fans und Verfolger der FIA World Rally Championship, welche über die kleinen Mängel hinwegsehen können, vor allem durch die offiziellen Lizenzen begeistern und ist als Nischenspiel für genau dieses Publikum ein Muss – wo sonst könnten Rallye-Fans gegen ihre Idole antreten?

Pro

  • + Offizielle Lizenzen
  • + Verbesserungen gegenüber dem Vorgänger
  • + Mit sämtlichen Eingabemethoden gut spielbar
  • + Abwechslungsreiche und gut eingefangene Landschaften
  • + Motivierender Karrieremodus
  • + Zahlreiche kleine Gimmicks (News, verunfallte Fahrzeuge am Wegesrand)
  • + Beeindruckende Lichteffekte
  • + Stimmige Nachtrennen
  • + Gute Umsetzung der Wagen
  • + Viele Einstellungsmöglichkeiten
  • + Tuning
  • + Lange und enge Strecken
  • + Mehrmaliger Neustart einer Wertungsprüfung möglich
  • + Wöchentliche Bestenlisten
  • + Hot Seat-Modus

Kontra

  • - Regen beeinflusst Handling überraschenderweise nur schwach
  • - Einige Tuningoptionen wirken sich nur minimal aus
  • - Steuerung etwas schwammig
  • - Tweaking nötig bei Lenkrädern (insb. Bei "Axis Detection")
  • - Lenkwinkel in 43-Grad-Schritten
  • - Force-Feedback mittelmäßig
  • - Im Karrieremodus nur Name und Nationalität des Spielers einstellbar
  • - Einstellungen werden gar nicht oder auf umständliche Art und Weise erklärt
  • - Einige wenige Fehler bei den Pacenotes
  • - Innerhalb einer Rallye mehrmals dieselbe Streckenführung
  • - Mängel bei den Geräuschen
  • - Einige Fehler bei der Übersetzung
  • - Schadensmodell
  • - Weinreben und Holzzäune aus Stahl
  • - Verbuggte Replay-Kamera in der TV-Ansicht
  • - Ruckler
  • - Co-Driver! Hört! Sich! Wie! Ein! Roboter! An!

Unsere Bewertung

Grafik
 
77 %
Sound
 
65 %
Steuerung
 
82 %
Gameplay
 
74 %
Multiplayer
 
80 %
Spielspaß
 
88 %

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Kommentare

  • Loeb sagt:

    Klasse Testbericht.
    Bin absolut einer Meinung zu den Stärken (30km Stages) Lichteffekt, den Schwächen: Schwammige Steuerung, Ruckeln (das größte Übel).
    Der Umstieg in WRC2 Autos, wirklich eine Erlösung zu den Untersteuernden Junior Ford.

    Bis jetzt hat mich die 18km lange Etappe in Monte Carlo (WRC2) am meisten Beeindruckt.

    Mit WRC7 startet die Serie hoffentlich in eine noch bessere Richtung. Entwickler bleibt dran.

  • Loeb sagt:

    Nachtrag:
    Ich ertappe nur immer wieder dabei während einer Rally den Schwierigkeitsgrad zu ändern.
    Leicht: 20-60sek Vorsprung
    Mittel: 20-60sek Hinterher (je nach Länge der Strecke)
    Warum ist kein Stufenloses einstellen des Schwierigkeitgrades (wie bei F1 2017) möglich. Macht doch keinen Spass ständig 1ter zu sein oder im hinter Feld rumzugurken.

    Mexico 18km Stage: Boah, an den Schluchten entlang zu Brettern ist echt heftig.

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