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Wuppo – Test / Review

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Veröffentlicht 20. November 2017 | 16:12 Uhr von Alexander Winkel

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Putzig, unscheinbar und wie ein niedliches Kinderspiel kommt der Indie-Titel Wuppo daher und bietet doch auf den zweiten Blick so viel mehr, als nur simple Knuddelkost. Wer sich auf dieses bizarre Abenteuer einlässt, taucht in eine kunterbunte Welt voller skurriler Kreaturen, politischer Diskussionen und so manch Seitenhieb gegen die Gesellschaft ein. Kaum ein anderes Spiel wirkt auf den Bildern völlig anders, als man es am Controller dann tatsächlich erlebt.

Die Welt ist ein riesiger, jedoch unglaublich bizarrer Schauplatz von dunklen Wäldern, unheimlichen Höhlen und riesigen pulsierenden Städten sowie Wohnhäuser, in denen sich so manch skurriler Charakter versteckt hält. Finden wir den alten Kriegsveteranen, können wir seinen großen Heldentaten lauschen. Im Kampf gegen die bösen Fnakkers hat er seinen Teil zu beigetragen. Biester, die eine Plage weit und breit darstellen, wenn man den Mythen und Legenden Glauben schenkt. Manch einer wird diese auf Dauer vielleicht doch mal hinterfragen und in Erfahrung bringen wollen, warum diese Kreaturen so verabscheut werden. Fremdenhass spielt da sicherlich eine Rolle, wie auch das korrupte System. Wenn ein Händler darauf pocht, dass es doch für ihn legal sei, seine Waren im Untergrund anzubieten, nur weil die Steuern der Stadt exorbitant hoch liegen, muss man als ordnungsliebender Wum das System doch mal hinterfragen.

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Dabei kommt Wuppo so völlig anders daher. Schlichte zweidimensionale Zeichnungen in skurriler Farbgebung und Form sowie putzige Kreaturen bzw. Bewohner lassen eher ein niedliches Kinderspiel erahnen. Der kleine Runde Knäul, einer der Gattung Wum und Protagonist der Geschichte, ist ja kaum von seinen wuseligen und quirligen Mitbewohner zu unterscheiden und doch schließt man den aufgeweckten Kerl schnell ins Herz. Dem Eis-Malheur ist geschuldet, dass er seine kleine Bleibe im Mehrfamilienhaus verloren hat und eigentliche bis auf weiteres von der Wohngemeinschaft ausgeschlossen wurde. Verdammte Kleckse am Boden. Warum muss Eis auch immer so schnell zerlaufen und kleckern. Einfach ärgerlich sowas.

Daher zieht der kleine Kerl aus, die weite Welt zu erkunden und trifft dabei nicht nur auf zahlreiche Charaktere, mit denen ihr euch teilweise ausgiebig und kontrovers unterhalten könnt, sondern auch auf die eine oder andere feindliche Kreatur. Kleine Regenwürmer oder Monster stellen da eher weniger ein Problem dar, jedoch stellen sich Bildschirm füllende Wühlmäuse, wild gewordene Tempel-Götzen oder gekochter Teig dem kleinen Wum immer wieder in den Weg und wollen für sein Ableben sorgen. Dank häufiger Speicherpunkte kein Problem, könnt ihr ungeniert die umfangreichen Angriffsmuster der Bosse studieren und selber mit Farbkanonen, Wasserpistolen und weiteren Krimskrams auf diese einwirken. Schnell artet das Abenteuer in ein Action-RPG aus, da ihr selber durch positive Aktionen gegenüber den Mitbewohnern glücklicher und somit widerstandsfähiger werdet, als auch die zahlreichen Waffen bei Händlern und in Trainingsarenen aufbessern könnt. Seid also vorbereitet, denn der nächste Feind lauert meist bereits hinter der nächsten Ecke.

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Wuppo ist in aller erster Linie ein Puzzle-Plattformer, mit zahlreichen Geschicklichkeitstests und Sprungeinlagen, jedoch auch jeder Menge Rätsel. Oftmals ist es hilfreich, den Gesprächen der Bewohner zu lauschen. Was sind ihre Ängste, worüber freuen sie sich und was ist der neueste Tratsch? Zahlreiche Informationen klären über die Lebensweise der unterschiedlichen Völker auf, liefern viel sinnloses Gebrabbel aber noch viel mehr Informationen über geheime Verstecke, wer welche Gegenstände besitzt und wie man vermutlich ein Stück weiter im Abenteuer kommt. Nicht ohne Grund müsst ihr zunächst die Bazooka bekommen, um später einem Künstler zu helfen und in einem Quiz den passenden Hut bekommen, um zum Beispiel das gut geschützte Dach eines riesigen Wohnhauses zu erreichen. Die Aufgaben sind variantenreich, jedoch führt euch Wuppo keineswegs bei der Hand. Ihr müsst selber kreativ werden und auch manch unkonventionelle Methoden mal ausprobieren, um weiter zu kommen.

Der eine Knackpunkt sind jedoch die englischen Texte. Trotz aller politischer Hintergründe und Gesellschaftskritik, die sich zwischen den Zeilen findet und so manchen Spieler zum Denken anregt, richtet sich der Titel auch an ein jüngeres Publikum. Nur sollten die Englischkenntnisse recht gut ausfallen, um den Konversationen auch folgen zu können. Diese sind lebhaft, fast gar emotional, auch wenn die Kreaturen nur unverständliche Laute von sich geben. Es steckt alles im Text und wie die Entwickler diesen in verschiedensten Formen präsentieren. Dies, und die zahlreichen Anekdoten führen dazu, dass man sich in eine lebendige Welt hinein versetzt fühlt – etwas, was kein Video oder Screenshot wirklich gelungen vermitteln könnte, das muss man erleben.

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Das größere Problem liegt jedoch in der Handhabe des kleinen Wum. Dieser schlitzet gerne mal über den Boden und präzises manövrieren wird nicht selten zur heiklen Angelegenheit. Da soll man nachts schleichend einen Mitbewohner ausrauben? Kein leichtes Unterfangen vor allem für unerfahrene Spieler. Am ungewöhnlichsten ist es jedoch, den Knäul mittels der linken Schultertaste über Abgründe hinweg zu befördern. Vor allem da es sich um analoge Tasten mit ordentlich Hub handelt, ist die Wahl mehr als fragwürdig. Schwierige und teils schwer zu erreichende Interaktionspunkte sorgen hin und wieder für zusätzlichen Ärger. Ebenfalls Probleme bereitet das unglaublich verschachtelte Inventar, welches trotz vorhandener Shortcuts nur unzureichend auf den Controller angepasst wurde. Im Verlaufe des umfangreichen Abenteuers sammeln sich so einiges an Krimskrams an. Färbemittel um dem Wum einen neuen Anstrich zu geben, Waffen und zahlreiche Objekte, die zum Interagieren verwendet werden. Seien es Hüte, um in die Rolle mancher Bewohner zu schlüpfen, seien es Tauschobjekte, um einige der Rätsel zu lösen.

Insgesamt hätten die Entwickler sich mehr Gedanken über die Handhabe machen müssen, denn selbst nach einigen Stunden steht man noch immer auf Kriegsfuß mit der wiederwilligen Eigenart von Wuppo. Weniger ärgerlich und eher als äußerst positiv zu bewerten, wie viel Mühen sich die Entwickler bezüglich der bizarren Welt gegeben haben. Die Optik mag einfach und schlicht sein, sowie einen völlig unkonventionellen Anstrich besitzen, jedoch strotzt das Abenteuer vor kleiner und teils gar witziger Details. Ihr werdet mit einem Tag und Nacht Wechsel ebenso beglückt wie mit unterschiedlichen Witterungsbedingungen. Nicht selten können diese Elemente auch in den täglichen Ablauf eingebaut werden. Der Zug kommt immer zu bestimmten Zeiten, die Bewohner gehen auch mal zu Bett und auch sonst finden sich viele skurrile und doch wundervolle Elemente. Abgerundet wird das Abenteuer durch einen passenden Soundtrack, der sich auch gerne mal der Situation entsprechend anpasst.

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Getestete Version: Xbox One

Unser Fazit

70 %

In einer unglaublich charmanten Art und Weise wird die optisch simpel gehaltene Welt mit skurrilen und witzigen Charakteren zum Leben erweckt. Wuppo ist unscheinbar und wirkt wie ein Kinderspiel, ist dennoch alles anderes als dies. Die Welt ist riesig und gespickt mit vielen Rätseln und intensiven Gesprächen, die nicht nur sinnlosen Smalltalk liefern. Manch einer wird dahinter auch die eine oder andere gesellschaftliche Anspielung entdecken. Spielerisch bietet Wuppo reichlich Kost, von kniffligen Bosskämpfen bis hin zur Denkarbeit steckt der Titel voller kreativer Ideen. Leider hapert es bei der Mechanik. Die Handhabe des kleinen Wum ist gewöhnungsbedürftig, die Interaktionen manchmal knifflig, und auch das Inventar ist eher suboptimal an die Bedürfnisse der Konsolenspieler angepasst. Darüber hinaus benötigt ihr gute Englischkenntnisse, denn in all den herrlichen Konversationen und Auseinandersetzungen mit den Bewohnern dieser bizarren Welt sind reichlich Hinweise versteckt.

Pro

  • + Eine bizarre Welt die zwar simpel, dennoch mit viel Liebe erstellt wurde.
  • + Die zahlreiche Charaktere und die angenehm intelligenten Konversationen hauchen der Welt viel Leben ein.
  • + Reichlich Bosskämpfe, auch wenn diese immer einem gewissen Muster folgen.
  • + Durchdachte Rätsel und Aufgaben wo auch mal die Kreativität des Spielers gefragt ist.
  • + Lädt unglaublich gekonnt zur Erkundung ein.

Kontra

  • - Die Steuerung ist nicht optimal. Sprung auf der Schultertaste schlecht gewählt und auch schlittert der Protagonist gerne herum.
  • - Handhabe des Inventars ist suboptimal gelöst, trotz Shortcuts.
  • - Keine deutsche Übersetzung, so sind die zahlreichen und intensiven Dialoge nur mit guten Englischkenntnissen zu verstehen.
  • - Die Story kommt erst nach einiger Spielzeit in Fahrt, wenn immer mehr Hintergründe bekannt werden.

Unsere Bewertung

Grafik
 
75 %
Sound
 
80 %
Steuerung
 
60 %
Gameplay
 
70 %
Multiplayer
 
00 %
Spielspaß
 
70 %

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Aufgewachsen mit der ersten Nintendo-Konsole, fühlt sich Alexander Winkel eigentlich auf allen Plattformen heimisch. Trotz seiner offensichtlichen Hingabe zur Xbox – die vielen Gamerscore Punkte erspielen sich nicht von selbst – lässt er seine Schreibwut an allen Videospielen aus, unabhängig vom System.

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