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WWE 2K18 – Test / Review

Direkt zum Fazit springen

Veröffentlicht 29. November 2017 | 15:16 Uhr von Thomas Pfnür

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Wrestling – was war das immer für ein Spektakel, was waren das für Typen, die selbst Tage nach einer der legendären Shows für Gesprächsstoff sorgten und wie haben wir jedes TV-Event, sei es auch noch so spät bzw. früh im Fernseher gelaufen, gierig verschlungen. Doch irgendwie ist das alles vorbei, der Glanz des Ganzen gehört ebenso der Vergangenheit an, wie unsere Begeisterung daran. Und ähnliches spüren wir auch bei der Videospieladaption. Euphorie? Fehlanzeige. Spaß? Kaum vorhanden. Oder anders: Eigentlich hätten wir auf den neuesten Ableger der Serie getrost verzichten können. Schon traurig. Noch trauriger allerdings, dass uns der Test von WWE 2K18 in dieser negativen Einstellung noch bestärkt. 

Gameplay von Vor-Vor-Vor-Vorgestern

Große Änderungen innerhalb des Gameplays hatten wir sowieso schon nicht erwartet, aber dass sich die Serie so treu bleibt und damit auch der praktisch nicht vorhandenen Weiterentwicklung, überrascht dann doch. Und nervt. Denn wenig Weiterentwicklung heißt dann leider eben auch, dass man als Schreiberling mal wieder auf der ewigen Suche nach den Kleinigkeiten ist, die man versuchen muss besonders hervorzuheben – oder wenn man nichts findet, dann muss man wenigstens neue Sätze aus dem Hut zaubern, um damit eigentlich dasselbe auszusagen, wie schon beim letztjährigen Test. Kurz: Das macht nicht wirklich Spaß.

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Und tatsächlich, bereits nach wenigen Minuten haben wir wieder das Problem. Der aktuelle Ableger der Wrestling-Reihe spielt sich absolut identisch zum Vorgänger. Noch schlimmer, man merkt auch nach längerer Spielzeit nur sehr bedingt, dass man gerade tatsächlich das neue WWE 2K18 im Laufwerk der Xbox One hat. Wirklich tiefgreifende Unterschiede sind einfach nicht vorhanden.

Das Positive daran ist allerdings, dass man damit immer noch eine sehr zugängliche Steuerung geboten bekommt, bei welcher so ziemlich jede Aktion intuitiv und absolut logisch vom Controller geht. Zu keinem Zeitpunkt hat man auch nur das kleinste Probleme damit, Griffe, Schläge oder die diversen Special-Moves sinnvoll einzusetzen. Doch das hatten wir vor einem Jahr beim Vorgänger eben auch nicht.

Ebenfalls ziemlich bekannt kommt einen vor, dass die Physik über weite Strecken sehr gut arbeitet und euch somit ziemlich häufig genau diese Momente geboten werden, die man in einem Showkampf aus dem Wrestling-Universum auch erwartet. Leider gibt es aber auch immer und immer wieder die bekannten Aussetzer der gesamten Mechanik, was nicht nur zu komischen Verrenkungen der Wrestler führt, sondern auch direkten Einfluss auf den Ablauf bzw. den Ausgang der entsprechenden Kampfsituation nimmt. Gerade letzteres ist dann extrem ärgerlich. Ärgerlich ist auch, dass das Kontersystem nach wie vor viel zu wenig Rücksicht auf das eigentliche Geschehen nimmt und der Ablauf immer irgendwie vorgegeben wirkt. Mit der Folge, dass es wie schon vor einem Jahr vollkommen ausreicht sich die Schemata der Buttonaktion einzuprägen, um die nötigen Erfolge mit seinen Kontern einzufahren. Frust ist damit natürlich ausgeschlossen, Forderung und vor allem auch eine gewisse Realitätsnähe aber eben auch.

Trotzdem gibt es auch positive Aspekte, nämlich in den Bereichen wo die Entwickler ein paar kleinere Verbesserungen vorgenommen haben. Etwa beim überarbeiteten und nun „freieren“ Griff-Tragesystem oder beim etwas stärkeren Einfluss der Kämpferfähigkeiten. Aber auch diese marginalen Anpassungen können natürlich bei weitem nicht darüber hinwegtäuschen, dass WWE 2K18 eine spielerische Kopie des Vorjahres ist. Übrigens auch mit dem Ergebnis, dass ihr mal wieder damit leben müsst, dass alles eher an Arcade, denn an eine Simulation der „Sportart“ Wrestling erinnert.

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Und jährlich grüßt…

So wenig, wie man aufgrund unserer bisherigen Meckertirade vermuten könnte, hat sich beim Umfang gar nicht getan. Es gibt nun knapp 200 auswählbare Wrestler, 8-Mann-Kämpfe und einen aufgebohrten Onlinemodus. Trotzdem hält sich der spielerische Mehrwert in Grenzen, denn Vieles, was man so unter den diversen Menüpunkten findet, reißt wohl nur noch die Wenigsten wirklich vom berühmt berüchtigten Hocker. Oder lässt sie, wie es dem Publisher natürlich am liebsten wäre, vor totaler Begeisterung gleich in den nächsten Laden stürmen.

Nein, das wird wohl kaum geschehen, denn viel zu schwach geben sich die meisten Inhalte. Etwa der neue Modus Road to Glory, der zwar enorm viele freischaltbare Objekte, aber im Gegenzug bei den Onlinematches eine viel zu schwankende Lag-Qualität bietet. Oder der Karrieremodus, der zwar vom Publisher als runderneuert dargestellt wird, weiterhin aber mit enorm vielen Unzulänglichkeiten zu kämpfen hat. Oder die verschiedenen Editoren, die immer noch sehr umfangreich aufgebaut, aber eben auch nicht wirklich intuitiv zu bedienen sind.

Und diese Schwankungen begeistern nicht, nein, sie sind ab einem gewissen Zeitpunkt sogar richtig nervig. So nervt beispielsweise, dass das Herzstück Karriere vor allem wegen der dümmlichen Story, der schwachen Inszenierung und der fehlenden Sprachausgabe im Gedächtnis bleibt, weniger aber wegen dem sehr gut umgesetzten Entscheidungssystem, bei welchem die Auswirkungen eures Handelns durchaus spürbar sind. Es nervt, dass man Online kaum mehr unterwegs sein will, weil man sich mehr mit dem Begriff Verbindungsabbruch beschäftigen muss, als mit welcher Taktik man nun seinen Gegner auf die Matte schickt. Und es nervt, dass man viel zu wenig Neues entdecken kann und man relativ schnell mit der Langeweile des Bekannten zu kämpfen hat.

Ein ähnliches Bild bei der Technik. Da begeistern authentische Einmärsche, eine über weite Strecken fernsehreife Präsentation und meist passende Animationen – im Gegenzug gibt es immer und überall Clipping-Fehler, heftige Framerate-Einbrüche und gerade im Hintergrund extrem schwache Texturen. Überhaupt, gerade die Zuschauerkulisse der aktuellen Wrestling-Umsetzung sind in Zeiten eines NBA 2K der reinste Witz. Und weil das nicht genügt, darf man sich auch noch mit ewigen Ladezeiten auseinandersetzen, die einem in manchen Situationen die Zornesröte ins Gesicht treiben. 20 Sekunden Wartezeit für eine simple Zwischensequenz sind einfach nicht mehr lustig. Und schon gar nicht zeitgemäß.

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Getestete Version: Xbox One

 

Unser Fazit

55 %

Wir wollen jetzt nicht behaupten, dass das Spielen von WWE 2K18 eine Qual wäre, so schlecht ist der Titel nun auch wieder nicht. Aber was ganz sicher mittlerweile eine Qual ist, ist das Erstellen des Tests zum jeweils neuesten Ableger der Wrestling-Serie. Diese ständige Suche nach neuen Floskeln und Sätzen, um eigentlich Jahr für Jahr immer wieder dieselben Sachverhalte zu beschreiben ist extrem anstrengen und enorm ermüdend. Es macht einfach keinen Spaß mehr, ständig darauf verweisen zu müssen, dass der Titel technisch total veraltete ist und spielerisch einfach keine Weiterentwicklung bietet. Ebenso nervt es, dass wir mit unserem jährlichen Appell, einfach mal eine Veröffentlichungspause einzulegen, immer und immer wieder ins Leere laufen. Aber wir geben nicht auf. Publisher und Entwickler werden nicht umherkommen, der Serie eine längere Auszeit zu gönnen. Wahrscheinlich wäre sogar ein genereller Neustart die beste Lösung. Auf jeden Fall wird irgendwann auch der letzte Fan genug von diesen aufgewärmten Fortsetzungen haben, mit dem traurigen Ergebnis, dass wohl dann die gesamte Wrestling-Umsetzung in der Versenkung verschwinden könnte. Ein Umstand, den zumindest wir doch auch irgendwie bedauern würden.

Pro

  • + intuitive Steuerung
  • + kleinere Gameplayerweiterungen (u. a. Griff-Tragesystem)
  • + fordernder Karrieremodus mit gutem Entscheidungssystem
  • + umfangreiche Editoren
  • + um die 200 Wrestling-Stars
  • + neuer Modus Road to Glory
  • + gutes Kämpferdesign mit passenden Animationen
  • + realistische Präsentation

Kontra

  • - Gameplay aus dem Vorjahr
  • - viel Bekanntes auch beim Umfang
  • - schwach inszenierter Karrieremodus
  • - Online-Matches mit schwacher Lag-Qualität
  • - viele Clipping-Fehler und Ruckler
  • - Ladezeiten sind eine Frechheit
  • - schwache Hintergründe, samt altbackenes Zuschauerdesign

Unsere Bewertung

Grafik
 
58 %
Sound
 
55 %
Steuerung
 
75 %
Gameplay
 
60 %
Multiplayer
 
60 %
Spielspaß
 
55 %

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Als arbeitender Familienvater hat Thomas natürlich nur wenig Zeit, aber wenn dann halt mal doch, schreibt er mit großer Begeisterung mehr oder weniger Sinnvolles über alles was auch nur annähernd mit Sport zu tun hat.

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