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Xenoblade Chronicles 2 – Test / Review

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Veröffentlicht 23. Dezember 2017 | 17:54 Uhr von Alexander Winkel

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Ein gutes Jahr für Nintendo und eine großartiges für die Switch, die mit dem neuen The Legend of Zelda, dem Überflieger Super Mario Odyssey und einigen weiteren Titeln absolut ihre Daseinsberechtigung untermauert. Mit einem Paukenschlag beendet Big N zusammen mit Monolith Soft das Jahr 2017 dank des First-Party JRPG-Wunders Xenoblade Chronicles 2. Der umwerfende Titel liefert Spielspaß im dreistelligen Stundenbereich und sorgt mit einer epischen Geschichte sowie ungewöhnlichen Spielwelt für atemberaubende Momente. Wir haben uns etliche Wochen in der Welt von Alrest verloren und sind begeistert – auch wenn es durchaus einiges zu bemängeln gibt. 

Die epische, wenn auch für japanische Rollenspiele doch recht typisch und teils kitschig präsentierte Geschichte folgt völlig eigenständigen Pfaden und ist keineswegs mit den jeweiligen Vorgängern auf den Nintendo-Konsolen verknüpft. Alte Hasen werden sich dennoch sofort pudelwohl fühlen und Neueinsteiger sind herzlichst eingeladen, zusammen mit dem jungen und freundlichen Bergungstaucher Rex die unglaublich vielfältige Welt von Alrest zu entdecken. Wie bereits in den früheren Werken lädt auch Xenoblade Chronicles 2 den Spieler in eine gar fremdartige und geradezu atemberaubende Welt ein, die Ihresgleichen suchen wird. Die zahlreichen Bewohner und Tiere leben auf den Rücken gigantischer Titanen, die teilweise die Ausmaße ganzer Kontinente annehmen und quer durch das ausufernde Wolkenmeer stapfen, schwimmen oder gar auch noch fliegen.

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So leben vor allem die Menschen in Eintracht mit den gigantischen Wesen und rüsten diese auch gerne mal zu Kriegsschiffen und Transportern auf, die quer durch die ganze Welt segeln und so jeden größeren Titanen erreichen können. Es ist erstaunlich, was auf dem Rücken eines solchen Wesens über die Jahrhunderte entstanden ist. Zahlreiche Zivilisationen ließen riesige Städte, aber auch kleinere und heimeligere Dörfer wie auch riesige Tempelbauten oder Fabrikanlagen entstehen. Eins ums andere Mal tapsen Rex und seine Freunde mit großen, staunenden Augen durch die aufwendig gestaltete, geradezu lebendig wirkende Welt. Dank verschiedener Witterungsbedingungen und dem herrlichen Wechsel von Tag und Nach mit verträumten Farbspielen in der Natur bekommen wir eine Welt zusehen, die außergewöhnlicher und dennoch wundervoller nicht hätte sein können. Untermauert wird das Spektakel mit einem epischen, eingängigen und orchestralen Soundtrack, der unter die Haut geht. Monolith Soft setzt quasi da an, wo sie mit Xenoblade Chronicles X auf der Wii vor wenigen Jahren aufgehört haben und liefern ein optisch wie auch akustisch grandioses Meisterwerk nun auch auf der Nintendo Switch ab.

In Sachen Technik zieht der Titel sämtliche Register. Die zahlreichen Tiere und Lebewesen, welche ihrem Alltag nachgehen sowie die Bewohner, die gerne mal Klatsch und Tratsch erzählen, hauchen dem Werk Leben ein. Doch wollen wir mal einen Schritt zurück und zu Rex, dem Protagonisten von Xenoblade Chronicles 2 zurückkehren. Seines Zeichens ist er Bergungstaucher und verdient sich seinen Lebensunterhalt, indem er im endlosen Wolkenmeer nach vergessenen Schätzen und Materialien taucht. Als er nach dem Verkauf seiner Ware sich kurzzeitig einer Söldnertruppe anschließt, um zusätzliches Geld zu verdienen, sollte sich sein beschauliches und gemütliches Leben auf dem Rücken eines kleineren Titanen ein für alle mal wandeln. Er trifft auf zahlreiche zwielichtige Gestalten und kämpft ums Überleben, nur um am Schluss eine unzertrennliche Verbindung mit Pyra einzugehen, einer geheimnisvollen Dame und womöglich die legendäre Aegis aus den Legenden und Geschichten.

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Fortan steht Rex im Konflikt zwischen mehreren Mächten, dem Kaiserreich und zahlreichen weiteren Söldnern, welche sich den Kräften der Aegis bemächtigen wollen, um in den allermeisten Fällen sicherlich keine guten Taten zu vollbringen. Ein weiterer und geradezu bedrückender Hintergrund ist das Sterben der großen Titanen. Umso mehr dieser grandiosen und gutmütigen Lebewesen den Weg ins Nirwana antreten, umso geringer wird der Lebensraum für die Bewohner von Alrest. Konflikte sind mehr als vorprogrammiert und Rex als auch Pyra stehen inmitten all dieser Probleme. Bereits in der Vergangenheit sorgten die Titel von Monoloith Soft für monomentale und tiefgründige Abenteuer, jedoch sorgt der nun recht junge Protagonist und zahlreiche seiner Freunde auch durchaus für viel Spaß und Freude. Immer wieder wird die epische Geschichte gespickt mit humorvollen Szenen und Unterhaltungen, so dass abseits der ernsten Angelegenheit auch ab und an Platz für Heiterkeit herrscht.

Die englischen Synchronsprecher erledigen ihre Arbeit dabei recht gut. Teils leichte und manchmal sogar hartnäckige Dialekte lockern das Gehörte auf und hauchen den verschiedenen Lebewesen entsprechend Leben ein. Die knuddeligen, knuffigen und kugelrunden Napon zum Beispiel verdrehen die Grammatik, was sich auch in einer äußerst gelungenen deutschen Übersetzung der Bildschirmtexte widerspiegelt, welche übrigens auch ausreichend groß für kleinere TV-Geräte ausfällt, damit man diese auch im Tablet-Modus noch bestens lesen kann. Nintendo zeigte sich einmal mehr verantwortlich für die Lokalisierung hat bei Xenolade Chonicles 2 wieder hervorragende Arbeit geleistet. Einziger Wermutstropfen ist leider die fehlende Lippensynronität. Oftmals passt das Gesprochene nicht auf das, was uns auf dem Bildschirm präsentiert wird und sorgt so für einen gewissen Bruch in er ansonsten gelungenen Atmosphäre.

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Vorangetrieben wird die Story mitunter durch monomentale Sequenzen und Szenen, die mitunter tief unter die Haut gehen und die eine oder andere feuchte Träne ins Auge springen lässt. Story-Schreiber Tetsuya Takahashi und sein Team hat hervorragende Arbeit geleistet, um das epische Abenteuer von mehr als hundert Spielstunden zu begleiten. Ähnlich gelungen sind jedoch auch die zahlreichen Nebenaufgaben, die weit über die übliche hole mir dies und erschlage jenen hinausgehen und durchaus nette kleine Geschichten erzählen. Da wird gerne mal eine Bande an Kleinkriminellen gejagt oder ihr versucht euch als Sherlock Holmes in einem Mordfall. Nicht immer können solche Aufgaben direkt erledigt werden, so dass mit einem wachsamen Auge die Welt zu erkunden ist. Im späteren Verlauf übernimmt Rex eine eigene Truppe Söldner und kann fortan zahlreiche zusätzliche Quests parallel durch seine Mitstreiter erledigen lassen. Es wird schlicht eine schlagkräftige Truppe zusammengestellt und auf Reisen geschickt, während Rex und seine Freunde weiter an der Geschichte arbeiten.

Ansonsten packt er selber an und durchstreift die zahlreichen Welten auf eigene Faust, um zahlreichen Gegner das Handwerk zu legen und einigen Biestern an die Gurgel zu gehen. Wie bereits im Vorgänger bevölkern Tiere und andere Kreaturen die Welt und je nachdem wie stark und aggressiv sie sich verhalten, greifen sie die Heldentruppe auch gerne mal direkt an. Es entsteht ein zunächst automatisch ablaufender Schlagabtausch, sofern ihr Rex nicht weiter manövriert. Spezialangriffe werden durch Treffer aufgeladen und können zusätzlich ausgelöst werden. Passendes Timing sorgt für weitaus mehr Schaden, wie auch der „Klingen“-Angriff mit den Partnern. Die Wesen oder Charaktere binden sich mit Meistern, unterstützen diese mit ihren Elementarzaubern und sorgen für gemeinsame Aktionen. So auch Pyra, die sich Rex angeschlossen hat. Später könnt ihr gar die Feinde umwerfen oder mittels mächtiger Angriffsketten aller Freunde richtig viel Schaden anrichten. Nach und nach erweitert sich das Kampfsystem und wird vom anfänglich belanglosen Schlagabtausch zu einem grandiosen, regelrecht strategischen Gefecht gegen wirklich mächtige Gegner. Je nach Position des Angriffs könnt ihr zum Beispiel mehr Schaden anrichten. Auch die Elemente spielen eine tragende Rolle. Es ist immer klug, eine Klinge an der Seite zu wissen, welche im gegensätzlichen Element zum Feind argumentiert und damit unglaublichen Schaden verursachen kann.

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Nichts desto trotz sorgt allein die Erfahrung der Helden bereits für den nötigen Respekt gegenüber den Kreaturen und den Bösewichtern. Trotzdem kommt es gerne mal vor, dass ein Kampf sich ewig in die Länge zieht, obwohl die Feinde eigentlich völlig unterlegen sein sollten. Dies kann zäh werden und sorgt für reichlich Stunden, die innerhalb der Gefechte verbracht werden. Etwas mehr Feingefühl bzw. der letzte Feinschliff scheint hier zu fehlen. Jedoch ist der Charakteraufbau mächtig und sorgt für reichliche Möglichkeiten. Ihr könnt euch mit verschiedenen „Klingen“ verbinden und so jedem Held eine kleine Truppe weiterer Partner zu Seite stellen. Hier gilt es sorgsam zu wählen, denn Heiler sollten sich eher im Hintergrund wähnen, während offensiv eingestellte „Klingen“ offensichtlich für den Nahkampf ausgelegt sind. Zudem können nicht nur die Helden verschiedene Dinge erlernen, auch die „Klingen“ werden verbessert. Einerseits mit entsprechenden Rüstungsgegenständen, andererseits müsst ihr lediglich kleinere Aufgaben jeweils meistern, um die nächsten Stufen zu erlernen. Geschickt gemacht, um den Spielspaß gewaltig in die Höhe zu treiben.

Nötige Waren wiederum werden an Sammelpunkten ausgebuddelt oder können auch in den zahlreichen Dörfern und Städten erworben werden. Die Anzahl Händler und Shops wirkt jedoch völlig erschlagend, wie auch die geringe Verbesserungen, die sich durch die Rüstungen, magischen Steine und der Möglichkeit, bestimmte Objekte und Nahrungsmittel in den Rucksack zu legen und so Statuseffekte aufzugreifen. Auch nach etlichen Spielstunden ist das System völlig überfordernd. Nicht selten ließen wir die Marktschreier links liegen und feilschten weniger mit den Händlern, da es einfach zu viel des Guten ist und selten nur ein wirklich spürbarer Effekt dabei heraus kommt. Wenig wäre manchmal mehr, was übrigens auch auf die häufigen Sprüche der Helden und Gegner zutrifft. Diese wiederholen sich bereits nach wenigen Spielminuten. Ein weiterer Wermutstropfen ist die Karte, die nur selten wirklich hilfreich ist. Der Kompass weißt zwar die Richtung, jedoch mangelt es nicht selten an Orientierung. Deutlich besser fällt die wesentlich kleinere Karte der Schnellreise aus, um erkennen zu können, wo die Quests und Aufgaben zu erledigen sind. Eine Lösung kann dies jedoch nicht sein.

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Unser Fazit

87 %

Geradezu ein Wechselbad der Gefühle löst Xenoblade Chronicles 2 bei mir aus. Einerseits liebe ich dieses monumentale Werk aufgrund der außergewöhnlichen Spielwelt, die mit unglaublicher Vielfalt und geradezu epischen Panoramen das Herz aller Abenteuer höher schlagen lässt. Selten verliert man sich so ungeniert in einer virtuellen Welt wie in Alrest. Dazu eine Truppe äußerst sympathischer Helden, die sich auch nicht für die eine oder andere humorvolle Szene zu schade ist - so muss ein gutes JRPG Spiel daher kommen. Jedoch sorgen einige Kleinigkeiten wie das Überladene Händlerverzeichnis und oft recht langatmige Kämpfe für leichtes Zähneknirschen. Manchmal kommt auch das Gefühl auf, dass hier und da der letzte Feinschliff fehlt, ganz so, als ob Xenoblade Chronicles 2 mit Biegen und Brechen für den Abschluss des Jahres zum Weihnachtsgeschäft im Handel stehen musste. Letztendlich überwiegen jedoch die positiven Eindrücke und das herrliche Spielgefühl, inklusive der epischen Geschichte, die, wie auch so manche Kämpfe, unglaublich beeindruckend präsentiert wird. Xenoblade Chronicles 2 ist ein Muss für jeden Switch-Spieler und durchaus Grund genug, sich Nintendos Switch Konsole anzuschaffen.

Pro

  • + Atemberaubende und fantasievolle Spielewelten auf den Rücken von gigantischen Titanen.
  • + Die zudem optisch glanzvoll umgesetzt wurde. Wettereffekte, Tag und Nacht-Wechsel sowie eine äußerst lebendige Spielwelt bringen uns ins Staunen.
  • + Orchestraler, epischer und absolut grandioser Soundtrack beigelegten euch vor allem in den riesigen Außenarealen.
  • + Äußerst sympathische Helden führen gekonnt durch die Geschichte und sorgen mit Schalk und Humor auch für zusätzlichen Spaß.
  • + Gigantischer Spielumfang mit einer Hauptgeschichte, die bereits an die einhundert Spielstunden verschlingen kann, je nachdem wie ausführlich man in das Abenteuer eintaucht.
  • + Anfänglich schmalspuriges Kampfsystem wird auf Dauer recht komplex und bietet unglaublich viel Möglichkeiten, die schwierigen und knifflig zu besiegenden Biester auszuschalten.
  • + Äußerst umfangreiche Charakterentwicklung, die nicht auf ausgetretenen Pfaden wandelt und so manch unkonventionelle Möglichkeit bietet.
  • + Sehr gute englische Synchronsprecher und eine tadellose wie auch äußerst gelungene deutsche Übersetzung der Bildschirmtexte.
  • + Auch die Nebenaufgaben wurden äußerst liebevoll in die Szenerie eingebettet und wirken daher nicht aufgesetzt. So macht es Spaß, abseits der Hauptgeschichte die Welt zu erkunden.

Kontra

  • - Sprüche der Charaktere, aber auch Gegner wiederholen sich bereits nach wenigen Minuten. Weniger oft einblenden, stattdessen abwechslungsreicher wäre angenehm gewesen.
  • - Die Kämpfe wirken zu Beginn arg eingeschränkt. Jedoch entfalten sich diese nach und nach dank neuer Elemente.
  • - Teilweise wirken die Scharmützel viel zu langatmig. Selbst deutlich unterlegene Gegner lassen sich je nach Strategie nur in minutenlangen Kämpfen besiegen.
  • - Die riesige Auswahl an Shops und Händler ist erschlagend und sorgt für Verwirrung. Auch hier gilt mal wieder, dass weniger deutlich mehr gewesen wäre.
  • - Die Minikarte ist nahezu unbrauchbar. Eine richtige Karte mit allen Infos wäre hilfreicher gewesen, vor allem um die Ziele der Aufgaben erkennen zu können.
  • - Die Sprachausgabe passt selten wirklich gut auf die gezeigten Bilder. Fehlende Lippensynchronität nagt an der ansonsten gelungenen Atmosphäre.

Unsere Bewertung

Grafik
 
90 %
Sound
 
95 %
Steuerung
 
85 %
Gameplay
 
88 %
Multiplayer
 
00 %
Spielspaß
 
85 %

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Aufgewachsen mit der ersten Nintendo-Konsole, fühlt sich Alexander Winkel eigentlich auf allen Plattformen heimisch. Trotz seiner offensichtlichen Hingabe zur Xbox – die vielen Gamerscore Punkte erspielen sich nicht von selbst – lässt er seine Schreibwut an allen Videospielen aus, unabhängig vom System.

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