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Robot & Frank: Zwei diebische Komplizen – Blu-ray Test / Review

Veröffentlicht 12. Mai 2013 | 18:29 Uhr von Sandra




Robot-Frank

Was passiert, wenn ich einmal alt bin? Komme ich klar, werden mich meine Kinder unterstützen oder brauche ich am Ende eine Pflegehilfe? Und wie wird das aussehen, vor allem wenn Maschinen als Helfershelfer eingesetzt werden. Maschinen, die grundlegend erdacht wurden uns zu dienen, die aber jederzeit die Oberhand gewinnen könnten. Technischer Fortschritt mit Perspektive oder düstere Zukunftsvision, welche die Hoffnung auf ein würdevolles Altern nicht einmal mehr im Ansatz zulässt?

In einer nicht weit entfernten Zukunft …

…bekommt der langsam aber sicher senil werdende Ex-Gauner Frank (Frank Langella) einen Roboter vor die Nase gesetzt. Nicht irgendeinen Roboter und auch ganz sicher keine Haushaltshilfe, oh nein – eine Pflegehilfe, wie der kleine Kerl selbst auch immer wieder betont! Er ist zum Putzen, Kochen und aufräumen da, aber vor allem auch als Ernährungsberater und Reha-Experte. Fortan bestimmt die Maschine den Lebensrhythmus von Frank, der zum Frühstück Müsli bekommt oder regelmäßig seinen Spaziergang zu machen hat. Es dauert jedoch nicht lange bis Frank erkennt, dass der Roboter zu weit mehr im Stande ist als auf die Dinge, die ihm via Programm initiiert wurden. Frank wacht aus seiner Lethargie auf und lehrt die drollige Maschine mit Persönlichkeit, wie man beispielsweise Schlösser knackt, Safes mit Zahlenkombinationen aushebelt, usw. – ein leichtes Spiel für ein elektronisches Gehirn.

Während Frank und sein kleiner mechanischer Freund immer wieder auf Beutezug gehen und dabei unweigerlich die Polizei langsam aber sicher den beiden auf die Schliche kommt, mogelt sich gefühlvoll, langsam aber stetig die eigentliche Botschaft des Films in den Vordergrund: Franks Familie ist zwar irgendwie da, aber sie bilden schon lange keine Einheit mehr. Seine Tochter, gespielt von Liv Tyler, hat sich der Esoterik verschrieben und ihren Vater auf eine gewisse Weise schon lange aus den Augen verloren. Franks Sohn, gespielt von James Marsden, der es gewohnt ist zu delegieren, vermittelt das Gefühl er habe es mit einem Untergebenen zu tun und nicht mit seinem Vater. Und in alle diesem Gleichmut, da Franks Familie mehr auf sich bedacht als auf andere, surrt und brummt der kleine weiße Roboter mit dem schwarzen Spiegel artigen Gesicht, mit dem Gemüt eines Kindes.

 

Wenn das Vergessen real und greifbar wird

Es ist aber nicht nur die Familie, die keine mehr ist, die schwer über den ganzen Ereignissen liegt und aufzeigt, wie einsam man im Alter werden kann. Es ist auch ein Appell an das Vergessen, denn bei all den äußerlichen Erscheinungen und Aktivitäten ist es Frank und seine beginnende Demenzerkrankung, die wie Damoklesschwert über allem schwebt. Mit der Zeit erhebt sich, wenn man so will, die Debatte über Erinnerung, zum regelrechten Alleinstellungsmerkmal des Films. Frank erinnert sich an früher, an seine diebischen Abenteuer, kann aber im nächsten Moment die Leiterin der Bibliothek, gespielt von Susan Sarandon, nicht erkennen, geschweige denn das er eine Erklärung dafür hat, woher er sie kennt (es wird aufgelöst werden – die Pointe wird an der Stelle jedoch nicht verraten).

Die Bibliothek – Sinnbild des gebündelten Wissens gegen das Vergessen

Die Stadtbibliothek, welche des Öfteren im Zentrum des Geschehens steht, erfüllt, auf das große Ganze bezogen, einen weiteren wichtigen Aspekt: Büchereien stehen für Wissen, für das Bewahren von Ereignissen, sind Ort der Fantasie, die Welten freier Gedanken. Und das diese in Gefahr sind, wird nicht nur anhand des Vorhabens eines Internet-Riesen deutlich, der sich auf die Fahnen geschrieben hat alle Bücher der Welt einscannen zu lassen, um hernach alle Bücher zu vernichten. Buchdruck-Erfinder Gutenberg würde sich angesichts dessen garantiert im Grabe umdrehen …

Aber es ist nicht nur die Tatsache, dass man greifbar geschaffenes Wissen in Einsen und Nullen bündeln, und die ursprünglichen Datenträger = Bücher zu Altpapier machen will, es ist am Ende dieser eine nicht menschliche Charakter, Roboter, der deutlich macht, wie verletzlich als auch vergänglich Wissen sowie Erinnerungen im elektronischen Zeitalter sind. Offensichtlich, dass Frank und Robot irgendwann gefasst werden müssen und Roboter sich einem Festplattendurchsuchungsbefehl gegenüber sieht, gegen den weder Frank noch Roboter etwas ausrichten können. „Lösche meine Erinnerung“ sagt Roboter und ein unendlich traurig dreinblickender Frank schaut in den schwarzen Spiegel, welcher das Gesicht des Roboters darstellt und es wird deutlich, dass es am Ende keine Rolle spielt, ob es menschliches oder digitales Bewusstsein ist. Einzig das zählt ist, dass man ein Gegenüber hat, mit dem man Erinnerungen teilen kann, denn nur so können Gedanken fliegen lernen, weiter erzählt und für die Nachwelt festgehalten werden.

 

Fazit:

Absolut sehenswert! Der Film Robot & Frank: Zwei diebische Komplizen ist eine wundervoll fröhliche als auch melancholische Geschichte mit viel Tiefgang und Wahrheiten, aber auch mit süffisantem Humor sowie kleineren als auch größeren Seitenhieben auf alltägliche Dinge. Der Film zeigt in wunderschönen, oft auch traurigen Einstellung, wie vergänglich Leben und Gedanken sind ohne dabei zu sehr ins Kitschige oder gar extreme Klischeeschubladen abzudriften. Gleichzeitig erinnert der Film aber auch daran, wie einfach es sein kann, wenn man ein Gegenüber an der Seite hat, dass bereit ist sich auch einmal selbst hinten anzustellen und für den anderen da zu sein – oder noch besser: Einfach ein Stück Weg mit diesem jemand zu gehen. Robot & Frank: Zwei diebische Komplizen ist eine Hommage an die Menschlichkeit und ein Appell an uns alle, dass wir nicht nur „unsere Alten“ wieder mit etwas mehr Respekt behandeln und ins Leben zurück holen sollten!


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