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Rush – Blu-ray Test / Review

Veröffentlicht 20. Januar 2015 | 12:58 Uhr von Monja




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Niki Lauda, eine Rennfahrerlegende. Fast jeder kennt ihn, kennt sein vernarbtes Gesicht. Doch wer kennt die Lebensgeschichte, welche sich unter dem tief ins Gesicht gezogenen roten Cap verbirgt? Genau darum geht es in dem Film “Rush” von Ron Howard (Dickste Freunde). Lest in unserem Review, was der Film für Rennsportfreunde bereithält, wie realistisch er ist und was Niki Lauda selbst dazu sagt.

Der Film beginnt mit einem ersten Aufeinandertreffen der Rennfahrer James Hunt und Niki Lauda. Sie begegneten einander das erste Mal im Jahre 1970 bei einem Formel 3 Rennen. Von Anfang an verband die beiden eine Rivalität, die die Siege, die Rennställe, die Motoren und sogar die Frauen mit einschloss. Bereits in der Formel 3 kämpften beide mit harten Bandagen, was sich im späteren Verlauf der Geschichte dramatisch verstärkt. Nachdem sich der Brite Hunt (gespielt von Chris Hemsworth) und der Österreicher Lauda (Daniel Brühl) einige Jahre aus den Augen verloren, begegnen sie sich 1976 in der höchsten Rennklasse, der Formel 1, wieder.

Niki Lauda, der sich 1971 mit seinem eigenen Geld bei Ford einkaufte und dort mit viel technischem Verstand und Disziplin ein eher zurückhaltendes und ehrgeiziges Rennfahrerleben führt, steht ab 1976 einem Hunt gegenüber, der als Playboy und Lebemann im Rampenlicht steht und dem der Rummel um seine Person alles andere als unangenehm ist. Lauda fährt zu diesem Zeitpunkt für Ferrari. Es kommt nun zu zahlreichen kleinen Reibereien und Sticheleien, bis die Geschichte auf ihren Höhepunkt am 1. August 1976 zusteuert, dem Großen Preis von Deutschland auf dem Nürburgring. Auch bei besten Wetterverhältnissen ist der Nürburgring eine bis heute von den Fahrern gefürchtete Stecke. Nicht zuletzt wegen der Streckenführung durch Waldabschnitte und dem Höhenunterschied von fast 300 Metern im Gesamtverlauf der Strecke wurde und wird dieser Parcours auch als “grüne Hölle” bezeichnet und gilt als eine der schwierigsten Rennstecken der Welt.

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Am Tage des Großen Preises herrschten hier schlechte Rennbedingungen, da es stark regnete und zu der Schwierigkeit der Strecke nun auch noch Sichtbehinderungen kamen. In einer vor dem Rennen stattfindenden Fahrerbesprechung sprach sich Niki Lauda ausdrücklich für eine Absage des Rennens aus, was von Hunt als Feigheit oder gar Kalkül abgetan wurde, da Lauda bereits einen bequemen Punktevorsprung auf den WM-Titel hatte. Was folgt, ist hinlänglich bekannt. Das Rennen fand statt und Niki Lauda erleidete seinen schweren Unfall, bei dem Teile seines Gesichtes verbrannten. Was vielen vermutlich unbekannt ist, dass er nur an den folgenden beiden Rennen nicht teilnahm und bereits zum Großen Preis von Italien, am 12. September 1976 wieder im Cockpit saß.

Trotz dieser starken biografischen Bindung sehen wir keine trockene Dokumentation. Es ist und bleibt ein Spielfilm, der über die gesamte Länge zu unterhalten weiß. Gedreht wurde in Deutschland und Großbritannien, die Szenen am Nürburgring sogar am Originalschauplatz. Bild und vor allem Ton sind erstklassig. Beim Röhren der Motoren mag man schon fast einen leichten Benzingeruch in den eigenen vier Wänden bemerken, so authentisch ist der Film. Daniel Brühl überrascht zum einen mit frappierender Ähnlichkeit zum jungen Lauda, zum anderen mit hervorragendem österreichischem Dialekt, welchen er sich bei der Dialekttrainerin Susi Stach aneignete. Die zweite Hauptrolle, bekleidet von Chris Hemsworth, ist zu jeder Zeit glaubwürdig und trägt niemals zu dick auf. Andere Darsteller bleiben jedoch im Schatten dieser beiden Charaktere zurück, was aber zu keiner Zeit negativ auffällt, da sich der Zuschauer ohnehin ausschließlich auf Lauda und Hunt und deren Rivalität konzentriert.

Für Rennsportliebhaber bleibt zu erwähnen, dass sowohl bei den in den jeweiligen Rennen teilnehmenden Fahrern nicht immer alles chronologisch richtig ist, sowie auch die gefahrenen Rennwagen nicht in jedem Fall der zeitgeschichtlichen Korrektheit entsprechen. Das betrifft sowohl den Typ des Wagens, als auch die Sponsorenaufkleber, was stark mit der Finanzierung des Filmes zusammenhängt, wie man dem Abspann entnehmen kann. Das jedoch ist zu vernachlässigen, wobei der interessierte Zuschauer durchaus erfahren sollte, dass das dargestellte angespannte Verhältnis nicht den Tatsachen entsprach, denn beide Rennfahrer waren eng miteinander befreundet.

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Hintergrundinfo

Vorab legte der Drehbuchautor Peter Morgan Niki Lauda sein Werk vor. Lauda, der bisher sämtliche Verfilmungen ablehnte, stimmte zu und stand im Laufe der Dreharbeiten mit Rat und Tat zur Seite, als beispielsweise in der Urfassung die Rennwagen noch per Schlüssel angelassen wurden und Lauda solche kleinen Fehler ausmerzte. Er selbst war sogar zwei- dreimal am Filmset und besprach mit Brühl persönlich einige Details. Als Lauda den Film schließlich sah, war sein Gedanke “das bin ja wirklich ich!”, was sehr für den Realismus steht. Weitere interessante Informationen und Interviews findet man im über zweistündigen Bonusmaterial auf der Disk.

Zitat Lauda:
“Beim ersten Mal sehen habe ich lange darüber nachgedacht. Bei der zweiten Vorführung am Nürburgring habe ich ihn objektiver gesehen, auch mehr auf die Reaktionen der anderen Leute geachtet. …. Das sind zwei wahnsinnige Rennfahrer, der totale Gegensatz. Der eine Teil der Zuschauer soll sich mit dem Hunt, die anderen mit dem Lauda identifizieren. Das war das Ziel. Ich glaube, das wurde geschafft.” (Quelle: Interview auf der BluRay enthalten)

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Fazit

Es gibt zwar keine Oscar-Nominierung für den Film, jedoch die Nominierungen bei den Golden Globe Awards 2014 in den Kategorien Bester Film (Drama) und bester Nebendarsteller (Daniel Brühl), sowie diverse Nominierungen der British Academy Film Awards sind durchaus berechtigt. Wer mehr über Niki Lauda erfahren will, kommt voll auf seine Kosten. Auch Actionfreunde sind hier gut bedient. Lediglich die Zuschauer, die dem Rennsport gegenüber völlig abgeneigt sind, können von diesem Film absehen, allen anderen wird er wärmstens an die Benzinpumpe das Herz gelegt.


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Kategorien: Filme Movie News Test
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